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Literaturempfehlungen von Prof. Dr. Gaube zu seiner Veranstaltung "Einführung in die Irankunde".


Einführende Literatur für das Fach Irankunde

  1. Allgemeine Einführung
  2. Geographie
  3. Bevölkerung und Sprache
  4. Städte
  5. Alte Geographen und Reisende bis zum Anfang des 20. Jh.
  6. Vorgeschichtliche Archäologie
  7. Geschichtliche Archäologie/ Kunstgeschichte
  8. Geschichte: Elam, Achämeniden, Seleukiden, Parther, Sasaniden, Islamische Geschichte
  9. Vorislamische Religionen
  10. Geschriebene Sprachen bis zum Neupersischen/ Literatur

1. Allgemeine Einführung:

Hier einige Gedanken und bibliographische Informationen zu meiner Veranstaltung. Bitte betrachten Sie diesen Versuch als Grobfassung, die auf Anregung einiger Studenten entstanden ist, und die ich in Zukunft ausbauen und verändern werde. Ungewollt sind die bibliographischen Hinweise doch mehr geworden als ich mir das vorgestellt hatte. Sie nähern sich der Zahl dreihundert. Da fast alle von ihnen kommentiert sind, haben Sie es aber leicht, Ihre Interessengebiete zu finden.

Irankunde: im Gegensatz zur traditionellen Iranistik, die stark sprachwissenschaftlich ausgerichtet ist, widmet sich dieses nur in Tübingen vertretene Fach Iran in seiner gesamten historischen und kulturellen Breite von der vorhistorischen Zeit bis in die Moderne. Eine interdisziplinäre Betrachtungs- und Arbeitsweise ist daher Grundvoraussetzung. Neben Sprachen (und hier nicht nur iranischen Sprachen, Arabisch und andere semitische Sprachen sowie die "klassischen" Sprachen müssen für die Forschung als Werkzeuge verfügbar sein) ist deshalb auch eine methodische und sachliche Beschäftigung mit sozialwissenschaftlichen Fragestellungen, Geographie, Archäologie und Kunstgeschichte unerläßlich. Anders ausgedrückt: während die Islamkunde die Sprachen und Kulturen der islamischen Länder in islamischer Zeit zum Gegenstand hat, damit räumlich äußerst breit, historisch aber klar auf die islamische Zeit gerichtet ist, beschäftigt sich die Irankunde mit dem iranischen Kulturkreis (der über die Grenzen des gegenwärtigen Staates Iran weit hinaus reicht) -- und das in Tübingen vornehmlich unter Berücksichtigung der vorislamischen Zeit. Damit ergibt sich, wie durch das Fach Sprachen und Kulturen des Christlichen Orients, eine Erweiterung des Lehrangebots des Orientalischen Seminars in die orientalische Spätantike, die sich über die Jahre auch als karrierefördernd für manche unserer Exstudenten erwiesen hat. Deshalb wird auch hier nach einer Einführung in Land und Leute die vorislamische Zeit in den Vordergrund gestellt.

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2. Geographie

Karte IranWas ist Iran? Der Begriff Iran,Grenzen, Landschaften, Gebirge, Meere, Wüsten, Flußsysteme. Eine unübertroffene Darstellung: Ehlers, E.: Iran, Grundzüge einer geographischen Landeskunde, Darmstadt 1980. Diese Arbeit ist aus "einem Guß", kommt aus einem sehr klugen Kopf und basiert auf langjähriger Forschung in Iran.

Die reichhaltige Bibliographie am Ende des Buchs führt -- nicht nur -- in die geographische Literatur zu Iran ein. Erweitert wurde diese Übersicht durch denselben Autor: Ehlers, E.: Iran, Ein bibliographischer Forschungsbericht, München - New York 1980. Gegen diese Arbeiten fallen: Fisher, W.B. (Hrsg.): The Land of Iran, Cambridge 1968, und Gehrke, U. und H. Mehner (Hrsg.): Iran, Tübingen/Basel 1975, -- obgleich ihnen andere Konzepte zugrunde liegen -- klar ab. Letztgenanntes Werk greift aber weiter auf "Natur-Bevölkerung-Geschichte-Kultur-Staat-Wirtschaft" (so der Untertitel) aus und kann als eine nützliche Ersteinführung zu Iran allgemein empfohlen werden.


Die karthographische Darstellung von Iran:

Wie entstehen Karten? Antike Karten, mittelalterliche islamische Karten, dazu Miller, C. (Hrsg. H. Gaube): Mappae Arabicae, Wiesbaden 1986, frühe westliche Karten, z.B.: Johann Baptist Homann: Imperii Persici, Nürnberg vor 1710, moderne Karten: IWK (Internationale Weltkarte, London) 1:1000.000, Aviation Map 1:1000.000 (St. Louis, Missouri), IWK 1:500.000 (London), neue iranische Karte 1:250.000 aus den 60/70er Jahren, sehr genau aber kaum zugänglich, daneben thematische Karten z.B. bei Ehlers, E. op.cit. Weiter muß der Tübinger Atlas des Vorderen Orients (TAVO) erwähnt werden. In diesem umfangreichen Kartenwerk sind viele historische und thematische Karten zu Iran publiziert worden.

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3. Bevölkerung und Sprachen

Nomade - PhotoGesamtbevölkerung heute ca. 60.000.000, grundlegend hierzu: Ehlers, E. op.cit., S. 195-207. Ländliche, seßhafte Bevölkerung 1956 ca. 70% der Gesamtbevölkerung in ca. 45.000 Dörfern (damals dagegen 186 Städte mit mehr als 5.000 Einwohnern), 1976 ca. 53%.

Dorf: verschiedene, "organische" Formen, Forschungsstand noch weit von der Systematisierbarkeit entfernt, Besonderheit: das "Qal'eh"-Dorf, eine von einer hohen Mauer, festungsartig umgebene ländliche Siedlung zum Schutz gegen Nomaden Überfälle. Solche Dörfer finden sich auch in Zentralasien (dort wohl schon seit dem 2. Jhrt. v.u.Z. belegt) und Afghanistan.

Ländliche Häuser: vielfältige Formen, charakteristisch: a) die Häuser des regenreichen Kaspitieflandes, b) flach durch Holz-Lehmdächer gedeckte, oft an Hänge gebaute Häuser in den Gebirgsregionen, c) in den Trockengebieten mit Tonnengewölben oder Klostergewölben überdachte Häuser. Einfache, "gewachsene" Grundrisse, Einzelerschließung der Räume, in den Bergen gelegentlich über ein Tarma, in den Trockengebieten über einen Iwan (beides an drei Seiten ummauerte und an einer Seite offene Hallen; Beispiele bei: Ehlers, E. op.cit., S. 211 ).

Traditionelle soziale und ökonomische Organisation des ländlichen Raums: in der Regel in der Stadt lebender Großgrundbesitzer > Dorfvorsteher > Pächter > abhängiger Anteilsbauer > landlose Dorfbewohner als Arbeiter. Dazu Lambton, A. K. S.: Landlord and Peasant in Persia, Oxford 1953. Zur Beziehung Stadt -- Land und damit verbundenen Gedanken zum "Rentenkapitalismus" Bobek, H.: Die Hauptstufen der Gesellschafts- und Wirtschaftsgestaltung in geographischer Sicht, in: Die Erde 90 (1959) S.259-298. Eine gute Fallstudie zu diesem Thema Momeni, M.: Malayer und sein Umland, Marburg 1976.

Halb- oder nichtseßhafte ländliche Bevölkerung: 1974 ca. 10% der Gesamtbevölkerung, damit wohl heute noch ca. 10% der ländlichen Bevölkerung. Horizontal- Vertikalnomadismus, Bedeutung der Nomaden für die Wirtschaft: Fleisch-, Haar-, Fell-, Hautproduktion. Gute Fallstudien: Ehmann, D.: Bakhtiyaren -- Persische Bergnomaden im Wandel der Zeit, Wiesbaden 1975, und: Stäber, G.: Die Afshar, Nomadismus im Raum Kerman (Zentraliran), Marburg 1978.

Die Ethnien: Seit dem 2. Jhrt. v.u.Z. wanderten Iraner, wohl von NO, nach Iran ein. Die Urbevölkerung ist nicht zu erfassen; wir kennen einige Namen, können auch davon ausgehen, daß die "Lurestanbronzen" von einer Urbevölkerungsgruppe stammen, dazu Calmeyer, P.: Datierbare Bronzen aus Luristan und Kirmanshah, Berlin 1969. Den Iranern folgten Turkstämme; und beide "Völker" bilden die heutige Bevölkerung Irans. 2/3 der Bevölkerung Irans sind "Farsi"-(Persisch)-Sprecher. Sie sind meist seßhaft und vorwiegend Stadtbewohner. Neben ihnen gibt es iranische Sprachen sprechende Nomaden / Seßhafte, also Gruppen, die sich als solche verstehen und benennen und fast ausschließlich nomadischen Ursprungs sind und auch heute zum Teil nomadisieren. Zu den gegenwärtigen iranischen Sprachen Schmitt, R. (Hrsg.): Compendium Lingarum Iranicarum, Wiesbaden 1989.

  • Kurden, ca. 4 Mill. im Nordzagros, aber auch in Chorasan, Fars und Kirman.

  • Luren und Bachtiyaren, ca. 2,5 Mill. Sie leben südlich der Kurden.

  • Belutschen, ca. 1,5 Mill. Sie leben vorwiegend in den Grenzgebieten zu Afghanistan und Pakistan in SO-Iran.

  • Turksprachige Nomaden / Seßhafte sind:
    1. Asarbeidschaner, ca. 12 Mill. (= 20% der Bevölkerung Irans), seßhaft in NW-Iran.
    2. Turkmenen, ca. 1 Mill. Sie leben in der Turkmenensteppe O des Kaspischen Meers.
    3. Schahsawan, ca. 100.000, im Gebiet von Ardebil.
    4. Afscharen, 350.000, vorwiegend in Kirman und Chuzestan.
    5. Qaschqai, ca. 500.000 in Fars.
    6. Chamse (= die fünf Stämme), gemischtsprachig, ca. 80.000 in Fars.

  • Daneben ca. 1 Mill. Araber in Chuzestan und an der Golfküste -- aber auch in Churasan (alte arabische Dialekte, damit Reste der frühen Eroberungsstämme im Osten).

Der ethnischen Vielfalt steht eine religiöse (Fast-) Uniformität gegenüber:
98% Muslime, davon
90% Schiiten, also 8% Sunniten (Kurden, Turkmenen, Belutschen) und 2% "Andere" =
-- 0.6% Christen, davon Armenier 0.43%, Assyrer 0,08%, Rest:
übrige Christen,
-- 0,24% Juden
-- 0.15% Zoroastrier,
-- der Rest Bahais (nach der Revolution als vom Islam Abtrünnige verfolgt); die Zahlen sind nach Ehlers und Fisher op.cit. hochgerechnet.

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4. Städte

Photo von YazdDorf - Stadt: Zentralörtlichkeit, dazu grundsätzlich Christaller, W.: Die zentralen Orte in Süddeutschland, Jena 1933. Iran betreffend sehr gut dargestellt durch Bonine, M.E.: Yazd and its Hinterland, Marburg 1980.
Ursprung der Stadt: Erste Seßhaftwerdung in Gunsträumen, die nicht zu trocken und nicht zu kalt sind, "Domestizierung" von Pflanzen und Tieren ="Neolithische Revolution", der "Klassiker" dazu Childe, G.: New Light on the Most Ancient East, London 1934. Viel weiter ausholend und "universalgeschichtlich" denkend Wittvogel, K.A.: Oriental Despotism, New Haven/London 1957. Die neue Forschung faßt zusammen und erweitert Nissen, H.J.: Grundzüge einer Geschichte des Vorderen Orients, Darmstadt 1990.

Iranbezogen stellen sich folgende Fragen: Frühe Siedlungen, Susa, Ekbatana, Pasargadae, Persepolis, dann die Städte der Parther und Sasaniden -- und schließlich die islamische Stadt. Bis Persepolis, s.u. 6 und 7 "Archäologie / Kunstgeschichte". Zu Parthern und Sasaniden gibt es wenig; lesenswert, wenn auch eigenartig Pigulevskaja, N.: Les villes de l'état iranien aux époques parthe et sassanide, Paris 1963, provokativ: Altheim, F. und R. Stiehl: Ein asiatischer Staat, Wiesbaden 1964. Allgemein: Ehlers, E. op.cit., weiter: Gaube, H. und E. Wirth: Der Bazar von Isfahan, Wiesbaden 1978, und Gaube, H.: Iranian Cities, New York 1979. Dort wird die Genese iranischer Städte nachgezeichnet, die Kennzeichen der islamischen Stadt: Zitadelle, Mauer, Bazar, Gassensystem dargestellt, auch finden sich in den genannten Werken weitere Literaturhinweise.

Grundsätzlich: Frühe Siedlungen sind in ihrer Struktur nicht faßbar. Pasargade und Persepolis sind Palast-"Städte", also nicht Städte im eigentlichen Sinn. Susa, das eine "richtige" Stadt war, ist in dieser Hinsicht zu wenig erforscht. Dazu Culican, W.: Imperial Cities of Persia, Persepolis, Susa and Pasargadae, London 1970. Dasselbe gilt für die parthischen und sasanidischen Städte. Verschwommene Ideen finden sich in der diesbezüglichen russischen Literatur. Eine geschlossene Idee für das westliche "Parthische" bietet Andrea, W.: Hatra, Leipzig 1908ff., und zusammengefaßt sowie um neue Ergebnisse bereichert Safar, F.: Al-Hadr, Madinat ash-shams, Baghdad 1974.

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5. Alte Geographen und Reisende bis Anfang des 20. Jh.

Zeichnung von E. FlandinSeit der Zeit der Perserkriege (erster Höhepunkt: die Schlacht bei Marathon 490 v.u.Z.) beschäftigten sich die Griechen und später die Römer mit dem "Feind im Osten". Die erste umfangreiche Beschreibung Irans und der Iraner verdanken wir Herodot (ca. 485-430 v.u.Z.) (Historien), hierzu -- wie zu allen folgend genannten Autoren -- die Zusammenfassung: Gabriel, A.: Die Erforschung Persiens, Wien 1952. Neben Herodot sind besonders: Arrian (ca. 96-180 u.Z.), der nach älteren Quellen den Alexanderzug beschrieben hat, Strabo(n) (ca. 64 v.u.Z.-29 u.Z.), der in seinem großen geographischen Werk alle ihm zugänglich gewesenen Informationen zu Iran verarbeitet hat, Ammianus Marcellinus (ca. 330-393 u.Z.), in seinem Geschichtswerk finden sich eine für seine Zeit aktuelle Beschreibung Irans, und dasselbe gilt für den Historiker Prokop (ca. 490-542 u.Z.), der in seiner Geschichte der Perserkriege Justinians wertvolle geographische Informationen vermittelt. Alle diese Werke liegen in zahlreichen Editionen und Übersetzungen vor.

Neben den antiken und spätantiken westlichen Autoren verfügen wir außerhalb des mittelalterlichen islamischen Schrifttums über die armenische Geographie des (Pseudo-) Moses Chorenaci (Marquart, J.: Iranšahr nach der Geographie des Ps. Moses Xorenac'i, Berlin 1901), die nicht vor dem 7. Jh. u.Z. entstanden ist und über eine in der Abbasidenzeit geschriebene anonyme Pehlevi-Geographie (Markwart, J.: A Catalogue of the Provincal Capitals of Iranshahr, Rom 1931).

Reiche Informationen erhalten wir von den mittelalterlichen arabischen und persischen Geographen, namentlich jenen der "Balkhi-Schule": al-Istakhri (schrieb um 951), Ibn Hauqal (schrieb um 977 und bietet eine Bearbeitung al-Istakhri), al-Muqaddasi (schrieb um 985), der eine regelrechte Systematik der Landeskunde erarbeitet hat (dazu Scholten, A.: Länderbeschreibung und Länderkunde im islamischen Kulturraum des 10. Jahrhunderts, Paderborn 1976, weiter: Miller, C., op.cit.). Alle diese Werke sind in der Bibliotheca Geographorum Arabicorum (Leiden ab 1870) von M.J. de Goeje publiziert (Ibn Hauqal liegt in einer Neuausgabe von J.H. Kramer, Leiden 1938-1939, vor, der das Werk auch zusammen mit G. Wiet, Paris 1964, ins Französische übersetzt hat). Unter den arabisch schreibenden Geographen des Mittelalters ist noch Yaqut ar-Rumi zu nennen (schrieb bis 1229, herausgegeben von F. Wüstenfeld, Leipzig 1866-1870) mit seinem umfangreichen geographischen Wörterbuch, das alphabetisch geordnet -- und vokalisiert -- eine Riesenmenge von Informationen enthält. Die Iran betreffenden Teile dieses Werks wurden von Barbier de Meynard, C.A.: Dictionnaire géographique..., Paris 1861, ins Französische übersetzt.

In persischer Sprache stoßen wir auf die anonyme, um 982 entstandene Bearbeitung des Istakhri­ (oder seines Vorgängers Balkhi) Hudud al-'Alam, die wertvolle Hinweise über Zentralasien enthält (Editionen nach einer Handschrift; übersetzt und kommentiert von Minorsky, V., London 1937), den Reisebericht (Safar-Nameh) von Ostiran nach Ägypten und zurück des Naser-e Khosrou (reiste von 1035-1042, mehrere Editionen und Übersetzungen, Kernveröffentlichung von Schefer, C., Paris 1881), schließlich den vorletzten persischen Versuch einer Universalgeographie (um 1340) des Hamdollah Mostoufi (Nuzhat al-Qulub, hrsg. v. G. Le Strange, London/Leiden 1915, englische Übersetzung von G. Le Strange, London/Leiden 1919) und den letzten dieser Art durch Hafez-e Abru (bis 1420). Zu beiden Krawulski, D.: Iran - Das Reich der Illkhane, Wiesbaden 1978, und: Khorasan zur Timuridenzeit nach dem Tarikh-e Hafez-e Abru, Wiesbaden 1984. Ein erwähnenswertes spätes geographisches Werk ist der um 1680 in Indien entstandene Mokhtasar-e Mofid des Mokhammed Mofid Mostoufi, hrsg. von S. Najmabadi, Wiesbaden 1989. Auswertungen der arabischen Quellen zu Teilen Irans liegen bei Schwarz, P.: Iran im Mittelalter nach den arabischen Geographen, Nachdruck Hildesheim/New York 1969f. und zum gesamten Osten (unter Einbeziehung der persischen Quellen bis Hafez-e Abru) Le Strange, G.: The Lands of the Eastern Caliphate, London 1905, vor.

Seit dem 13. Jh. verfügen wir auch über Beschreibungen Irans durch Europäer. Der erste von ihnen war Marco Polo (zahlreiche Ausgaben und Übersetzungen), der 1271-1291 von Venedig nach China über Iran reiste. Seine Route führte über Tebriz, Yazd, Kerman, Hormuz, Kerman, Tabas und Balch nach China. Im folgte auf einer anderen Route Clavijo, R.G. de: Narrative of the Embassy of Roy Gonzalez de Clavijo to the Court of Timour at Samarcand (A.D. 1403-6), London 1873; und um 1474 bereisten die Venezianer Barbarino, J. und A. Contarini Iran zwischen Tebriz und Isfahan (englische Übersetzung, London 1873). Erst seit Shah 'Abbas I. (1587-1629) 1598 seine Hauptstadt von Qazvin nach Isfahan verlegt hatte, setzte aber eine genauere Kenntnis Irans durch Europäer ein, dazu als Einführung Schuster-Walser, S.: Das safawidische Persien im Spiegel europäischer Reiseberichte (1502-1722), Baden-Baden 1970. Er öffnete Iran für Handels- und Kulturbeziehungen mit Europa. Das Land seiner Zeit und dessen Städte beschreiben neben dem mageren Bericht von A. Sherley (Ross, E.D.: Sir Anthony Sherley..., London 1933), Pietro della Valle (Grey, E.: The Travels of Pietro della Valle, London 1932, mehrere Ausgaben in verschiedenen Sprachen, z.B.: Valle, P. della: Eines vornehmen Rämischen Patritii Reis-Beschreibung, Augsburg 1674). Etwa gleichzeitig mit Della Valle hielt sich der Spanier Don Garcia de Silva Figuera (Figuera, G.S.: L'Ambassade..., Paris 1667) in Iran auf. Beide beschrieben nicht nur das Land sondern brachten auch erste Dokumentationen der Altertümer Irans nach Europa, so z.B. erste Umzeichnungen der altpersischen Keilschrift.

Gegen Ende der Regierungszeit von Shah 'Abbas kam T. Herbert (Foster, W.: Thomas Herbert Travels, London 1928) nach Iran. Die erste umfangreiche deutsche Beschreibung Irans stammt von Adam Olearius (Olearius, A.: Vermehrte Newe Beschreibung der Moskcowitischen und Persischen Reyse, Schleswig 1656), der zwischen 1635 und 1639 als Mitglied einer holsteinischen Gesandtschaft Über Rußland nach Iran gereist war. Wichtige Reisebeschreibungen aus dem 17. Jh. sind weiter: Chardin, J.: Voyages du Chevalier Chardin en Perse, Paris 1811. Er hielt sich zwischen 1665 und 1677 dreimal in Iran auf, Tavernier, J.B.: Les six voyages, Paris 1681, wie Chardin bereiste er als Edelsteinhändler mehrmals zwischen 1631 und 1655 Iran, Thévenot, J.: Voyages..., Paris 1689, der Orientalist erkundete Iran auf zwei Reisen 1663 und 1667, Kaempfer, E. (Hrsg. W. Hinz): Am Hof des persischen Großkönigs 1684-1685, Tübingen/Basel 1977, ihm verdanken wir neben Chardin die gründlichste Beschreibung Isfahans, Fryer, J.: A new Account of East India and Persia, London 1909-1915, von Indien kommend durchquerte er Iran 1678. Von Reisenden des 18. und folgender Jahrhunderte seien erwähnt: 1701 gelangte Bruine, C. de: Reizen over Moskovie..., Amsterdam 1711, über Rußland nach Iran und hielt sich allein in Persepolis drei Monate auf gleichfalls wertvolle Kenntnisse von Persepolis vermittelte Niebuhr, C.: Beschreibung von Arabien..., Kopenhagen 1765. Ab ca. 1800 begann die systematische Bereisung Irans mit klaren politischen Zielen. Hier ist vor allem Malcom, J.: Sketches of Persia, London 1815, zu nennen, der mit einem großen Team in Iran gearbeitet hat und auch der Verfasser der ersten modernen Geschichte Irans (The History of Persia, London 1815) ist. Auf seinen Wegen und mit eindeutig politischer Zielsetzung bewegte sich auch Sykes, P.M.: Ten Thousand Miles in Persia, London 1902, dem wir auch eine umfangreiche Geschichte Irans (History of Persia, London 1915) verdanken. Er gründete mehrere britische Konsulate in Iran und hielt sich zwischen 1893 und 1915 mit Unterbrechungen im Lande auf. Von den politischen Offizieren seien noch Lorimer, D.L.R.: Gazetter of the Persian Gulf..., Calcutta 1908-1915, und Wilson, A.T. Sir: The Persian Gulf, London 1928, erwähnt.

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Archäologie der vorgeschichtlichen Zeit

Luristan-Bronze - PhotoWie schon die Beispiele De Bruin und Niebuhr zeigten, sind die Übergänge vom "Reisenden" zum Reisenden mit erklärt archäologischen Interessen fließend, dennoch seien hier einige wichtige archäologische Forschungsreisende des 19. und frühen 20. Jh. aufgeführt. Rein archäologische oder denkmalskundliche Interessen verfolgten zwischen 1840 und 1842 Flandin, E. und P. Coste: Voyage en Perse, Paris 1840ff., welche ihre Ergebnisse in prachtvollen Bildbänden vorlegten. Etwa um dieselbe Zeit begann Rawlingson, H.C.: The Persian Cuneiform Inscriptions at Behistun, in: J.R.A.S. 10 (1847) S.187-349, seine bahnbrechenden Arbeiten an der dreisprachigen (altpersisch, akkadisch, elamitisch) Dareiosinschrift von Bisutun, die zur endgültigen Entzifferung der altpersischen Inschriften führten und damit den Schlüssel zur Entzifferung des Akkadischen und Elamitischen lieferten. Der Entdecker von Ninive Layard, A.H.: Early Adventures, London 1887, bereiste die Bachtiyarenberge, und schließlich sei von den Reisenden mit archäologischen Zielen Stein, A.: Archaelogical Reconnaissances..., London 1937, und Old Routes in Western Iran, London 1940, erwähnt.

Wo Archäologie aufhört und Kunstgeschichte beginnt, ist schwer -- ja wohl überhaupt nicht zu definieren. Man könnte grob sagen, die Archäologen graben, die Kunsthistoriker interpretieren Artefakte unter ästhetischen Gesichtspunkten. Deshalb hier Schlüsselpublikationen zu mir für die Geschichte Irans wichtigen vorgeschichtlichen Grabungen. Gegraben wird im Orient in der Regel an Tells oder Tepes, was arabisch bzw. türkisch "Hügel" heißt. Diese Hügel sind über Jahrtausende aus Siedlungsschutt gewachsen, da bei der im Orient üblichen (wenn auch nicht ausschließlichen) Lehmbauweise zerstörte oder zerfallene Bauten einfach plattgestampft werden, und auf ihnen entstehen dann neue Gebäude. Die Archäologen tragen diese Hügel (in der Regel nur Teile von ihnen, horizontal Schicht für Schicht ab und können damit die Siedlungs- und "Kultur"-Entwicklung nachvollziehen. Hervorragende bibliographische Übersichten verdanken wir Vanden Berghe, L.: L'Archéologie de l'Iran Ancien, Leiden 1959, ders.: Bibliographie analytique de l'archéologie de l'Iran Ancien, Leiden 1979, die zusammen mit E. Haerinck bis 1985 durch Supplément 1, Leiden 1981, und Supplément 2, Löwen 1987, fortgeführt wurde. Dort finden sich weitere bibliographische Angaben zu den im folgenden behandelten Ausgrabungen. Zu fast allen neueren Grabungen, bei denen eine Endpublikation aussteht, finden sich Zwischenberichte in der Zeitschrift Iran, Journal of the British Institute of Persian Studies, London (seit 1963). Weitere speziell der Archäologie und Kunstgeschichte Irans gewidmete Zeitschriften sind Archäologische Mitteilungen aus Iran (AMI), Berlin 1929-1937 und ab 1968 sowie Iranica Antiqua, Gent-Leiden seit 1961.

Die Kerngrabung auf iranischen Gebiet ist fraglos das erstmals 1851-1852 erforschte Susa in Chuzestan, wo sich Siedlungsreste aus der Zeit von ca. 3400 v.u.Z. bis zur Gegenwart finden. Es wird seit 1884 systematisch von französischen Archäologen erforscht: 1884-1886: M. Dieulafoy, 1886-1912: J. de Morgan, 1912-1939: R. de Mecquenem, 1946-1968: R. Ghirshman, ab 1968: J. Perrot. Die Forschungsergebnisse wurden zwischen 1900 und 1970 in den Mémoires de la délégation (bzw. mission archéologique) en Perse vorgelegt, ab 1971 in den Cahiers de la délégation archéologique francaise en Iran. In der Nähe von Susa liegt Tchoga Zanbil mit einem sehr gut erhaltenen Tempelturm (Zigurat, ab Mitte des 13. Jh. v.u.Z.), Publikation in den Mémoires...39-42 zwischen 1966 und 1970 (Ghirshman, R., Steve, M.J. und E. Porada). Ghirshman, R.: Fouilles de Sialk, Paris 1938f. grub auch Sialk in der Nähe von Kaschan aus, wo sich zwei Hauptsiedlungsphasen isolieren ließen: ca. 4000 v.u.Z. - 3000 v.u.Z. und um 1000 v.u.Z. Schmidt, E.: Excavations at Tepe Hissar, Philadelphia 1937, fand auf diesem bei Damghan in NO-Iran gelegenen Hügel Reste aus der Zeit zwischen ca. 3400 v.u.Z. und ca. 2000 v.u.Z., wahrscheinlich reichen die Funde aber weiter in das 2. Jhrt. v.u.Z. Contenau, G. und R. Ghirshman: Fouilles de Tepe Giyan, prés de Nehavend, Paris 1935, konnten nachweisen, daß dieser Tell zwischen dem 4. und dem 1. Jhrt. v.u.Z. besiedelt war.

Das waren, sieht man von Persepolis ab, das ich als Architekturgrabung unten 07. behandle, die wichtigsten archäologischen Aktivitäten vor dem 2. Weltkrieg. Über sie entwickelt z.B. R. Ghirshman erste Gedanken zur Einwanderung der Iraner, und eine erste Keramikchronologie wurde erstellt. Nach dem 2. Weltkrieg zogen archäologische Aktivitäten in Iran erst langsam an. 1950 wurde an zwei Stellen gegraben und ein westliches archäologisches Institut existierte im Land. 1974 hingegen wurde an 43 Stellen gegraben und die Zahl der westlichen archäologischen Institute hatte sich auf vier (Franzosen, Amerikaner, Deutsche, Briten) erhöht. Hatten die Amerikaner schon vor dem 2. Weltkrieg maßgeblich zur Erforschung der Altertümer Irans beigetragen, so sollte nun die "Hasanlu-Schule" Tuen und Denken entscheidend beeinflussen.
R.H. Dyson begann 1956 in Hasanlu, südlich des Urmiasees zu graben und prägte auf dieser Grabung (bis 1974) eine ganze Generation von Archäologen. Eine Endpublikation der Grabung, die besonders Funde aus dem 1. Jhrt. v.u.Z. brachte, ist nicht erschienen, doch wurden durch diese Grabung fast 100 Publikationen, darunter auch Dissertationen, angeregt, und die Frage der iranischen Einwanderung erscheint in neuem Licht (Biblioghraphie in: Levin, L.D. u. Young, C.T. jun.(Hrsg.): Mountains and Lowlands. Malibu 1977). Einer der Mitarbeiter Dysons, Young, C.T. jun.: Excavations at Godin Tepe, Toronto 1969, und (zusammen mit L.D. Levine), Excavations of the Godin Project, Toronto 1974, begann 1965 (bis 1973) Ausgrabungen in Godin bei Kermanshah, die Funde aus der Zeit von ca. 5500-500 v.u.Z. brachten. Von seinen Funden ausgehend ging er (zusammen mit H. Weiss) der Frage des protoelamitischen Handels nach: The merchants of Susa..., in: Iran 13 (1975) S.1-17.

Wichtige Aufschlüsse über die Handelsbeziehungen -- und damit den Kulturaustausch -- im 4./3. Jhrt. v.u.Z. zwischen Mesopotamien und dem Osten scheinen auch zwei weitere Grabungen zu geben. Tepe Yahya in Kirman und Schahr-e Sochte in Sistan. Beide Grabungen sind nicht endgültig publiziert. Die Ausgräber: C.C. Lamberg-Karlovsky (Tepe Yahya) und M. Tosi (Schahr-e Sochte) haben aber einen gemeinsamen Aufsatz zu diesem Thema verfaßt: Shahr-i Sokhta and Tepe Yahya, Tracks on the Earliest History of the Iranian Plateau, in: East and West 23 (1973) S.21-58, weiter Lamberg-Karlovsky, C.C.: Foreign Relations in the Third Millenium at Tepe Yahya, in: Le Plateau Iranien et l'Asie Central, Paris 1977, S. 33-43. Eine sensationelle Entdeckung gelang W. Sumner, der von 1971 bis 1976 in Tell-e Malyan unweit von Persepolis ausgegraben hat. Der Platz erwies sich als der Hauptort von Anschan, den Gebirgsteil des Reiches Elam. Endgültige Publikationen stehen aus. In den Bänden 10 bis 15 der Zeitschrift Iran finden sich Zwischenberichte und thematische Publikationen.

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7. Archäologie der geschichtlichen Zeit/ Kunstgeschichte

Ziegelrelief - PhotoAuf die fragwürdige Trennung von Archäologie und Kunstgeschichte wurde schon oben hingewiesen. Es ließe sich auch denken, daß die Archäologie die vorgeschichtliche (vorschriftliche) Zeit und die Kunstgeschichte die geschichtliche (schriftliche) Zeit abdecken. Somit wäre der Archäologe der Historiker der prähistorischen Zeit, dem Historiker und Kunsthistoriker kämen dann die historische Zeit zu. Versuchen die Archäologen ohne nennbare schriftliche Zeugnisse Fragen wie den frühen Beziehungen zwischen dem Zweistromland und dem iranischen Plateau sowie seinen Nachbargebieten nachzugehen sowie Gedanken Über die Einwanderung der Iraner zu entwickeln, so käme demnach den Kunsthistorikern die Beschäftigung mit der materiellen Kultur Irans seit den Achämeniden, genauer seit Kyros d. Gr. (559-530 v.u.Z.) zu. Diese Definition ist mehr als verwaschen und soll hier nur als schwaches und vorläufiges Ordnungsschema gelten. In der Zukunft wird mir etwas besseres einfallen. Eine bibliographische Übersicht wie die von Vanden Berghe zur Archäologie fehlt für die Kunstgeschichte. Seine Arbeiten decken aber auch die "Kunstgeschichte" der vorislamische Zeit bis zu den Sasaniden ab.

Früheste "historische" Siedlung Irans ist neben Ekbatana (Hamadan), der medischen Hauptstadt, die noch nicht erforscht wurde, Pasargadae, die in der Persis gelegene Residenzstadt des Kyros. Herzfeld, E.: Pasargadae, Untersuchungen zur persischen Archäologie, in: Klio 3 (1908) S.1-68 und: Bericht über die Ausgrabungen von Pasargadae, in: AMI 1 (1929) S.4-16, war der erste Forscher, der diese Stätte zu entschlüsseln versuchte. Britische Ausgrabungen zwischen 1961 und 1963 brachten mehr Aufschlüsse und wurden von Stronach, D.: Pasargadae, Oxford 1978, in Buchform publiziert. Auch die Erforschung von Persepolis wurde durch die Grabungen von E. Herzfeld auf feste Beine gestellt. Ihm war es nicht vergönnt, endgültige Resultate vorzulegen. Kleinere Veröffentlichungen (dazu Vanden Berghe: Bibliographie..., Nr.702-709) legen Zeugnis von seiner Arbeit ab, und seinen beiden zusammenfassenden Werken: Archaeological History of Iran, London 1935, und: Iran in the Ancient East, London 1941, liegt viel der Arbeit in Persepolis zugrunde. Herzfeld kann wohl als der bedeutendste Iranforscher dieses Jahrhunderts angesehen werden. Er war Archäologe, Historiker und Philologe und hat auf allen Feldern die Erforschung der Geschichte und Kultur Irans vorangetrieben. Sein Nachfolger in Persepolis Schmidt, E.: Persepolis I, Persepolis II, Persepolis III, Chicago 1953, 1957 und 1970, legte die Ergebnisse seiner und Herzfelds Grabungen vor und veröffentlichte Flights over Ancient Cities of Iran, Chicago 1940, einen einzigartigen Luftbildatlas zu Iran in den dreißiger Jahren.

Spricht man von der Kunst Irans, so denkt man erst an das monumentale Werk von Pope A.U. (Hrsg.): A Survey of Persian Art from Prehistoric Times to the Present, Oxford 1939-1958, (sechs Riesenbände in der Originalausgabe, zwölf Bände in der Neuausgabe, Tokyo 1964f.). In dem Werk werden alle Aspekte und alle Gattungen der iranischen Kunst und Architektur von den Anfängen bis in das 19. Jh.u.Z. behandelt. Pope vermochte in seiner Zeit die führenden Gelehrten zusammenzuführen und ein Werk zu schaffen, das nicht mehr wiederholbar ist. Noch heute hängen wir von dieser Arbeit ab. Zu den wesentlichen Beiträgen vor dem 2. Weltkrieg gehören auch die von A. Godard begründete Zeitschrift: Athar-e Iran, Haarlem ab 1936, in der fast ausschließlich die islamische Kunst, besonders die Architektur, Irans behandelt wird. In A. Godard: L'Art de l'Iran, Paris 1962, zeigte G. seine Breite. Weiter seien erwähnt: Sarre, F.: Die Kunst des Alten Persien, Berlin 1922, Herzfeld, E.: Am Tor von Asien, Berlin 1920, eine geniale Interpretation des Weges von Baghdad nach Iran und seinen Altertümern, Sarre, F. und E. Herzfeld: Iranische Felsreliefs, Berlin 1910, auch Erdmann, K.: Die Kunst Irans zur Zeit der Sasaniden, Berlin 1947, gehört noch zu den Vor-Weltkrieg 2.-Produkten.

Wie in der Archäologie vervielfältigten und vertieften sich die Forschungen zur Kunst Irans seit dem 2. Weltkrieg. Die einsamen "Götter" wichen Detailarbeitern. Barnett, R.D.: Median Art, in: Iranica Antiqua 2 (1962) S.77-95, mühte sich z.B. Aussagen über die vorachämenidische Kunst zu machen. Nylander, C.: Ionians in Pasargadae, Uppsala 1970, erforschte die Beziehung zwischen der achämenidischen und frühen griechischen Bau- und Dekorationskunst. Walser, G.: Die Völkerschaften auf den Reliefs von Persepolis, Berlin 1966, versucht die verschiedenen Völker auf den Apadanareliefs von Persepolis zu identifizieren und dokumentiert sie auf vielen Fototafeln. Goldschmiedearbeiten der Achämenidenzeit wurden von Dalton, O.M.: The Treasure of the Oxus..., London 1964, untersucht. Monographische Darstellungen der achämenidischen Kleinkunst existieren nicht. Hier sei auf die entsprechenden Beiträge bei Pope, A.U.: A Survey... verwiesen. Populär -- aber von den Illustrationen äußerst informativ -- veröffentlichte Ghirshman, R.: Iran, Protoiranier, Meder, Achämeniden, München 1964, unverzichtbares Anschauungsmaterial mit bedenkenswerten Kommentaren. Als Taschenbuch ist auch erhältlich Huot, J.-L.: Persien I, München 1978, eine Einführung in die Kunst Irans bis zu den Achämeniden.

Zur seleukidischen und parthischen Kunst allgemein Schlumberger, D.: L'Orient Hellénisé, Paris 1970 und Colledge, M.A.R.: The Parthians, Ancient Peoples and Places, London 1967. Rostovzeff, M.: Dura and the Problem of Parthian Art, New Haven 1935, ist unverzichtbar. Die Arbeiten R's seien jedem ans Herz gelegt. Er ist ein "Klassiker" zwischen klassischer Antike und Orient, der sowohl über Zentralasien wie über Rom gearbeitet hat. Schließlich sei noch Sellwood, D.: An Introduction to the Coinage of Parthia, London 1971, erwähnt.

Übergreifende Arbeiten zur sasanidischen Kunst entstanden seit Erdmann mit Ausnahme von Ghirshman, R.: Iran, Parther und Sasaniden, München 1962, und dem Taschenbuch von Lukonin, W.G.: Persien II, München 1978, nicht. Mit den Feuertempeln der Sasanidenzeit beschäftigte sich: Schippmann, K.: Die iranischen Feuerheiligtümer, Berlin 1971. Darin folgte er Erdmann, K.: Das iranische Feuerheiligtum, Leipzig 1941. Naumann, R. und H. von den Osten: Takht-i Suleiman..., Teheraner Forschungen 1, Berlin 1961, begannen Ausgrabungen dieses wichtigen Feuerheiligtums, die von R. Naumann und D. Huff fortgesetzt wurden (Vanden Berghe Nr. 1978-2020). D. Huff (Vanden Berghe Nr. 923-932) beschäftigte sich auch über Jahre mit den sasanidischen Ruinen von Firuzabad. Erdmann, K.: Wie sind die Kronen der sasanidischen Münzen zu lesen? in: ZDMG (99) 1945-1949, S.206-211, ging nochmals das Problem der Sasanidenkronen an, das dann endgültig durch Göbl, R.: Sasanidische Numismatik, Braunschweig 1968, gelöst wurde. Den Kronenformen kommt eine wichtige Rolle bei der Datierung sasanidischer Felsreliefs, zu denen Vanden Berghe, L.: Reliefs rupestres de l'Iran ancien, Brüssel 1984, eine neue Arbeit vorgelegt hat, und Metallarbeiten, dazu und sonstiger Kleinkunst Harper, P.O.: The Royal Hunter, New York 1978.

Für die islamische Kunst Irans verfügen wir nicht über ein glänzendes Hilfsmittel wie die Bibliographie von Vanden Berghe. Hier können wir nur in Creswell, K.A.: A Bibliographie of the Architecture, Arts and Crafts of Islam, Kairo 1961 (Supplemente 1973 u. 1984) und Pearson, J.D.: Index Islamicus, Cambridge ab 1958, suchen. Eine wichtige Einführung in die islamische Architektur Irans bilden die von Godard, A. herausgegebenen Bände der Athar-e Iran (s.o.) und Pope, A.U.: Persian Architecture, New York 1965, -- wie immer der Survey, in dem auch die vorseldschukischen Bauten ausführlich behandelt werden. Dem "Schlüsselmonument" zur iranischen Moschee sind die Arbeiten von Galdieri, E.: Isfahan. Masdjid-i Djum'a, Rom 1972f. und Grabar, O.: The Great Mosque of Isfahan, New York 1990, gewidmet. Die nachseldschukische Architektur der Mongolenzeit ist monographisch von Wilbert, D.N.: The Architecture of Islamic Iran, The Il Khanid Period, Princeton 1955 bearbeitet worden. Golombek, L. und D.N. Wilbert: The Timurid Architecture of Iran and Turan, Princeton 1988, untersuchten die sich anschließende Periode. Gesamtdarstellungen der safavidischen Architektur fehlen noch. Für das wichtigste Monument aus dieser Zeit, die "neue" Freitagsmoschee von Isfahan, sind wir noch auf Godard, A. in: Athar-e Iran 2 (1937) S.107f. oder die schönen Fotos bei Stierlin, H.: Isfahan, Genf 1976, sowie andere Arbeiten, in denen das Bauwerk kurz behandelt wird, angewiesen. Für den safavidischen Palastbereich von Isfahan liegen Dokumentationen bei Zander, G.: Traveaux de restauration..., Rom 1968, und Beiträge in Holod, R. (Hrsg.): Studies on Isfahan, Iranian Studies 7 (1974), sowie die schöne Monographie von Luschey-Schmeisser, I.: The Pictoral Tile Cycle of Hasht Behesht in Isfahan, Rom 1978, vor. Die Kleinkunst ist am reichsten bei Pope, U.A.: Survey... dokumentiert, Metall neuerdings bei Melikian-Chirvani, A.S.: Islamic Metalwork from the Iranian World, London 1982. Wilkinson, C.K.: Iranian Ceramics, New York 1963, bietet einen schönen Überblick, unverzichtlich aber Lane, A.: Early Islamic Pottery, London 1947, und ders.: Later Islamic Pottery, London 1957. Eine ansehnliche Zahl von Publikationen findet sich zur Miniaturmalerei. Grundlegend Gray, B.: La Peinture Persane, Genf 1977 (es gibt auch eine deutsche Ausgabe), Welch, S.C.: Wonder of the Age. Masterpieces of Early Safavid Painting, 1501-1576, Cambridge, Mass. 1979, weiter seien noch Namen wie Robinson, B.W., der eine Reihe von Katalogen veröffentlicht hat, und Stoukine, I.: Les Peintures des manuscrits timurides, Beirut 1954, und ders.: Les Peintures des manuscripts safavis de 1502 à 1587, Beirut 1959, erwähnt.

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8. Geschichte von Elam bis in die islamische Zeit

Was die Geschichte Irans angeht, so läßt sich leichter ein Überblick verschaffen, da das Material nicht so schnell wächst wie in Archäologie und Kunst. Die beiden grundlegenden Werke Malcom, J.: The History of Persia, London 1815, und Sykes, P.M.: History of Persia, London 1915, wurden schon oben unter 05. erwähnt. Bis zum Erscheinen der Cambridge History of Iran (CHI) (seit 1968) war Sykes Werk das einzige neuzeitlichere Werk, durch das man sich ein geschlossenes Bild der Geschichte Irans machen konnte. Nach einer geographischen Einführung beginnt S. bei Elam und endet nach fast 1200 Seiten in der dritten Auflage von 1951 in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts. Die CHI ist ein sechsbändiges Sammelwerk. Verschiedene Autoren schreiben über die Themen oder Perioden, fr die sie die jeweiligen Herausgeber der einzelnen Bände für kompetent erachteten. Die Bände enthalten:
Band 1 (Hrsg. Fisher, W.B.) The Land of Iran,
Band 2 (Hrsg. Gershevich, I.) The Median and Achaemenian Periods,
Band 3 (Hrsg. Yarshater, E.) The Seleucid, Parthian and Sasanian
Periods
,
Band 4 (Hrsg. Frye, R.N.) From the Arab Invation to the Saljuqs,
Band 5 (Hrsg. Boyle, J.A.) The Saljuq and Mongol Periods,
Band 6 (Hrsg. Jackson, P. und L. Lockhart) The Timurid and Safavid
Periods
.
Band 7 (Hrsg.

In den Literaturangaben zu den einzelnen Kapiteln können Sie sich kundig machen. Die Beiträge haben unterschiedliche Qualität von "sehr gut" bis "mangelhaft", deshalb hier einige Bücher meiner Wahl. Sehr zu empfehlen zur iranischen Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis in die frühislamische Zeit: Frye, R.N.: Persien, München 1962, engl. Originalausgabe: The Heritage of Persia, London 1962. Zu Elam (ca. 2200 - 646 v.u.Z.): Hinz, W.: Das Reich Elam, Stuttgart 1964.

Zu den Medern (ca. 675-550 v.u.Z.): Diakonoff, M.: in: CHI 2, S. 36-148. Zu den Achämeniden (559-330 v.u.Z.) Dandamaev, M.A.: Persien unter den ersten Achämeniden, Wiesbaden 1976, ders.: A Political History of the Achaemenid Empire, Leiden 1989. Koch, H.: Verwaltung und Wirtschaft im persischen Kernland zur Zeit der Achämeniden, Wiesbaden 1990, zeigt, welche Probleme das Forschen nach der inneren Struktur dieses Reiches bringt, sieht man auf eine Provinz. Über die tatsächlichen religiösen Verhältnisse unter den Achämeniden unterrichtet dieselbe Autorin uns auch: Die religiösen Verhältnisse der Dareioiszeit, Göttingen 1977. Dandamayev (so!), M.A.: Iranians in Achaemenid Babylonia, Costa Mesa/New York 1992, bietet einen anderen lokalen Aspekt. Dazu aber auf jeden Fall die reich bebilderten, kenntnis- und liebevoll geschriebenen zwei Bände von Hinz, W.: Darius und die Perser, Eine Kulturgeschichte der Achämeniden, Baden-Baden 1976-1979 und neuerdings Koch, H.: Es kündet Dareios der König ... , Mainz 1992. Zu Seleukiden und Parthern (312 v.u.Z.-225 u.Z.): Zu den Seleukiden existiert keine neuere Monographie, was bleibt, ist Bevan, E.R.: The House of Seleucos, London 1902 (veraltet und zu westorientiert), neuer, aber nicht umwerfend: Sherwin-White, S. u. A. Kuhrt: From Samaarkand to Sardis, London 1993, weiter Altheim, F. und J. Rehork (Hrsg.): Der Hellenismus in Mittelasien, Darmstadt 1969, hier besonders die Beiträge von Wolski, J., zu den Parthern ganz neu Wolski, J.: L'Empire des Arsacides, Löwen 1993. W. kann überhaupt als der derzeit beste Kenner dieser dunklen Periode der iranischen Geschichte angesehen werden. Eine Zusammenfassung bietet Schippmann, K.: Grundzüge der Geschichte des Partherreichs, Darmstadt 1985. Zu den Sasaniden (225-652): Daß seit Christensen, A.: L'Iran sous les Sassanides, (Überarbeitete Ausgabe) Kopenhagen 1944, niemand gewagt hat, eine neue Sasanidengeschichte zu schreiben, spricht für die hohe Qualität seiner Arbeit. Er beherrschte die Quellen (die inzwischen kaum mehr geworden sind) und hatte die Phantasie, sie zu interpretieren. Nöldeke, T.: Geschichte der Perser und Araber zur Zeit der Sasaniden, Leiden 1879, übersetzte und erläuterte die wichtigste arabische Quelle zur Geschichte der Sasaniden, at-Tabari. Ergänzend dazu Frye, R.N. in CHI 3 und Schippmann, K.: Grundzüge der Geschichte des sasanidischen Reiches, Darmstadt 1990. Voller provokativer Gedanken Altheim, F. und R. Stiehl: Ein asiatischer Staat, Feudalismus unter den Sasaniden und ihren Nachbarn, Wiesbaden 1954. Als Lektüre und Nachschlagemöglichkeit für das heimische Bücherregal Fischer Weltgeschichte 4: Die Altorientalischen Reiche III, 5: Griechen und Perser, 6: Der Hellenismus und der Aufstieg Roms, 8: Das Römische Reich und seine Nachbarn, da kommt die gerade behandelte Zeit in unserem Raum zwar manchmal etwas kurz weg, es lohnt trotzdem. Aus derselben Reihe weiter: Band 14: Islam I, 15: Islam II, 16: Zentralasien.

Islamische Geschichte: Ergänzend zur CHI einige Grundlagenwerke: Spuler, B.: Iran in früh-islamischer Zeit, Wiesbaden 1952, eine solide Materialzusammenstellung von der islamischen Eroberung bis zur Eroberung Irans durch die Seldschuken mit einer langen, kommentierenden Bibliographie (ideal zum Nachschlagen) und einem fast vierhunderseitigem "kulturgeschichtlichen" Teil, in dem die "Religiösen Verhältnisse", die "Volkstumsverhältnisse", "Das Geistige und kulturelle Leben", "Die Verwaltung Persiens", "Die Rechtsverhältnisse", "Wirtschaftliche Verhältnisse", "Die soziale Schichtung der Bevölkerung", "Grundbesitzverhältnisse", "Steuern", "Die militärischen Verhältnisse" und "Das tägliche Leben" trocken -- aber informationsreich behandelt werden. Spuler lehnt sich hier natürlich an Mez, A.: Die Renaissance des Islams, Heidelberg 1922, ein Lektüre-"Muß". Ähnlich aufgebaut und ergänzend, aber mehr auf (so das für diese Zeit möglich ist) den Westen ausgerichtet Busse, H.: Chalif und Grosskänig, Die Buyiden im Iraq (945-1055), Beirut 1969. Den Osten in der anschließenden Periode behandelt Bosworth, C.E.: The Ghaznavids. Their Empire in Afghanistan and Eastern Iran 994-1040, Edinburg 1963, fortgesetzt ders.: The Later Ghaznavides: Splendour and Decay, The Dynasty in Afghanistan and Northern India, Edinburg 1977. Eine für die Seldschukenzeit Spuler oder Bosworth vergleichbare Darstellung existiert nicht. Die besten Informationen finden sich in der CHI (Autor: Bosworth). Der Mongolenzeit hat Spuler, B.: Die Mongolen in Iran, Politik, Verwaltung und Kultur der Ilchanidenzeit 1220-1350, Berlin 1955, eine weitere Monographie gewidmet. Zur Zeit zwischen Mongolen und Timuriden findet man die kompaktesten Informationen in der CHI. Die Zeit danach behandelt Altmeister Roemer, H.R.: Persien auf dem Weg in die Neuzeit, Iranische Geschichte von 1350-1750, Beirut 1989, neuerdings auch Nagel, T.: Timur, München 1993. Seine Dissertation hat Roemer, H.R.: Der Niedergang Irans nach dem Tode Ismails des Grausamen, Würzburg 1939, auch über die Safavidengeschichte geschrieben, weiter sind für diese Periode wichtig Mazzaoui, M.M.: The Origins of the Safawids, Wiesbaden 1972, Hinz, W.: Irans Aufstieg zum Nationalstaat im 15. Jh., Berlin/Leipzig 1936 und ders.: Schah Esma'il II, Ein Beitrag zur Geschichte der Safaviden, in: MSOS 36 (1933) S.19-100. Freitagsmoschee - IsfahanEine neuere, etwas flache Darstellung der Safavidengeschichte bietet Savory, R.: Iran under the Safavids, Cambridge 1980. Ihm gebührt aber der Verdienst, die Hauptquelle zur früheren Safavidenzeit History of Shah 'Abbas the Great by Eskandar Beg Monshi, Boulder, Colorado 1978, ins Englische übersetzt zu haben. Die nachsafavidische Zeit behandelt Lockhart, L.: The Fall of the Safavi Dynasty and the Afghan Occupation of Iran, Cambridge 1958, und ders.: Nadir Shah, London 1938. Für die Folgezeit finde ich Algar, H.: Religion and State in Iran, 1785-1906, Berkeley 1969, und Abrahammian, E.: Iran Between Two Revolutions, Princeton 1982, informativ. Eine Qadscharengeschichte ist noch nicht geschrieben. Hierzu bietet CHI 7 viel Material. Wie es danach weiterging, zeigt, natürlich der damaligen Zeit entsprechend, etwas gefärbt aber keinesfalls unseriös, ein guter Sammelband Lenczowski, G.: Iran under the Pahlavis, Stanford 1978.

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9. Vorislamische Religionen

Eine sehr gute Übersicht zu den Religionen in Iran und seinen östlichen und westlichen Nachbargebieten (mit Ausnahme des Mazdaismus) findet sich im Handbuch der Orientalistik (HdO), 1. Abteilung, 8. Band, 2. Abschnitt: Religionsgeschichte des Orients in der Zeit der Weltreligionen, Leiden 1961. Dort werden auf 554 Seiten die verschiedenen christlichen Konfessionen (frühchristliche Gemeinden, Nestorianer, Jakobiten, Maroniten, Thomas-Christen in Indien, Armenier, Kopten, die äthiopische Kirche), synkretistische Religionen, die Mandäer, Manichäer, Juden und der Islam behandelt. Hierzu für Iran relevante Werke. Christen: Gero, S.: Barsauma of Nisibis and Persian Christianity in the Fifth Century, Löwen 1981, Hoffmann, G.: Auszüge aus syrischen Akten persischer Märtyrer, Leipzig 1880, Braun, O.: Ausgewählte Akten persischer Märtyrer, Kempten/München 1915, Chabot, J.-B.: Synodicon Orientale..., Paris 1912. Gero zeichnet den Weg der "Nestorianisierung" Irans nach, die Märtyrerakten geben weite Informationen über Glauben und Alltagsleben der Christen, das Synodicon führt uns in dogmatische Fragen und die Kirchenorganisation der Christen in Iran ein.

Zu den Mandäern, einer kleinen Täufersekte im südlichen Iraq und Chuzestan, wer von ihnen in diesem von Kriegen heimgesuchten Gebiet heute noch lebt, weiß niemand: Rudolph, H.K.: Die Mandäer, Göttingen 1959ff. Zu den Manichäern, einer gnostischen Missionsreligion, die sich von Nordafrika, Südeuropa bis China ausgebreitet hatte, liegt ein weites und widersprüchliches Schrifttum vor. Das ist verständlich, da die M. als Missionsreligion sich den jeweiligen religiösen Systemen, Gedanken und Sprachen anpaßten. Ein griechischer manichäischer Text unterscheidet sich kraß von einem iranischen. Mani wurde um 215 in eine iranischen Familie in Südbabylonien geboren. 242 gelang es ihm, den Sasanidenkänig Schahpur I. (239-272) seiner Lehre, die letztlich im iranischen Gewand nur eine Spiritualisierung alter iranischer Religionsvorstellungen: Dualismus, Getrenntheit, Vermischung, Entmischung, frei Wahl des Einzelnen zwischen Gut und Böse darstellt, gewogen zu stimmen. Unter Schahpurs Nachfolgern wurde er jedoch, wohl auf das Betreiben Kartirs (s.u.) und seiner Anhänger und Verbündeten 273 hingerichtet. Die umsichtigste Darstellung der Lehre Manis ist Widengren, G.: Mani und der Manichäismus, Stuttgart 1961. Ders. gab auch einen Sammelband Der Manichäismus, Darmstadt 1977, heraus, in dem alle namhaften Manichäismus-Forscher mit Beiträgen vertreten sind und die Forschungsgeschichte aufgearbeitet wird -- soweit das möglich ist. Übersetzungen der relevanten manichäischen Texte und von Gegentexten (griechisch, koptisch, mittelpersisch, parthisch, sogdisch, uigurisch, lateinisch, syrisch, arabisch) finden sich bei Böhlig, A.: Die Gnosis, Dritter Band, Der Manichäismus, Zürich/München 1980. Auf einer ähnlichen Grundlage, aber weniger befriedigend arbeiteten: Woschitz, K.M., Hutter, M. u. K. Prenner: Das manichäische Urdrama des Lichtes, Wien 1989.

Juden: Seit dem ersten Exil 722 v.u.Z. lebten Juden im Zweistromland, manche von ihnen dürften schon früh von dort auf das iranische Plateau gekommen sein. Seit der Zeit von Kyros d. Gr. (558-530 v.u.Z.), der ihnen auch erlaubte, in ihre Heimat Palästina zurückzukehren und den Wiederaufbau des Tempels (mit)finanzierte, bestanden meist gute Beziehungen zwischen Juden und Iranern. Sie wurden nur in der frühen Sasanidenzeit durch Kartirs Aktivitäten etwas getrübt. Kartirs Verfolgungen richtete sich aber mehr gegen Manichäer und Christen. Geschichte und Leben der Juden unter iranischer Herrschaft ist hervorragend von Neuser, J.: A History of the Jews in Babylonia, (5 Bnd.) Leiden 1960-1970, erforscht. Dort alle weiteren Literaturhinweise.

Zum Mazdaismus oder Zoroastrismus liegen viele Arbeiten vor. Sie gründen auf den Gathas, "Predigten" / "Versgesängen" des Zarathustra, die den ältesten Teil des Awesta, der heiligen Schrift der Zoroastrier, bilden und späterem zoroastrischem Schrifttum. Die Gathas sind der älteste Teil des Awesta, der heiligen Schrift der Zoroastrier, neben Lommels Übersetzung (s.u.) sei noch auf die von Bartholomae, C.: Die Gatha's des Awesta, Straßburg 1905, die von Humbach, H.: Die Gathas des Zarathustra, Heidelberg 1959 sowie auf die im Buch von Hinz, W.: Zarathustra, Stuttgart 1961, sich stark einer christlichen Sprache bedienende hingewiesen. Das Awesta selbst (mit Ausnahme der Gathas) liegt in einer Übersetzung von Wolff, F.: Avesta - Die heiligen Bücher der Parsen, Berlin/Leipzig 1924, vor. Eine Übersicht zum Stand der Zarathustra-Forschung bietet der Sammelband Schlerath, B.: Zarathustra, Darmstadt 1970. Die hier veröffentlichte Vorlesung von Henning, W.B.: Zoroaster (Zoroaster, Politician or Witch-Doctor?) umreißen das Problem, vor dem wir stehen. War Zarathustra ein Politiker, der im Hintergrund des entstehenden achämenidischen Staates wirkte -- oder war er ein Schamane in den Steppen Zentralasiens? Herzfeld, E.: Zoroaster and his World, Princeton 1947, vertritt (von Henning überspitzt dargestellt) die erste Richtung, Nyberg, H.S.: Die Religionen des alten Iran, Leipzig 1938, die andere. Gaube, H.: Zoroastrismus, in: Brunner-Traut, E. (Hrsg.): Die großen Religionen des Alten Orients und der Antike, Stuttgart 1992, S.95-121, hat das Unstrittige über die mögliche Kenntnis der Lehre Zarathustras zusammengefaßt. Solide Grundlage waren hier besonders die Arbeiten von Lommel, H.: Die Religion Zarathustras, Tübingen 1930, und ders.: Die Gathas des Zarathustra, Basel/Stuttgart 1971. Zweifelsfrei scheint zu sein, daß Zarathustra wirklich gelebt hat. Wo und wann, bleibt umstritten. Sein Wirkungsgebiet, das nicht notwendig seine ursprüngliche Heimat gewesen sein muß, war wohl der Nordwesten Irans, und die Zeit seines Wirken wohl um 1000 v.u.Z. Bei allen kontroversen Ansichten scheinen einige Elemente seiner "Lehre", wie sie uns in seinen Gathas erhalten sind, deutlich: Der eine Gott und die "herrlichen" Unsterblichen, der Kampf zwischen Gut und Böse und klare Vorstellungen von Zeit, dem Jenseits und dem Ende. Kompromißlos lehnt Zarathustra die alten Götter der Iraner ab und dämonisiert sie. Die Vertreter der skandinavischen Schule, Nyberg und besonders sein Schüler Widengren, T.: Die Religionen Irans, Stuttgart 1965, scheinen mir zu schematisch, auf eine m.E. fixe Idee von Dumézil, G.: Les Dieux des Indo-Européens, Paris 1952, der seit 1924 seine Gedanken propagiert hat, zurückzugehen. Duchesne-Guillemin, J.: Zoroastre, Paris 1948, ist auch von dieser Denkensart beeinflußt. Bescheidener, wenn auch nicht voll überzeugend, aber überzeugend wird auf diesem Feld wohl letztlich niemand sein können, ist da in ihrer neusten Arbeit Boyce, M.: Zoroastrianism, Costa Mesa/New York 1992. Dieses Buch kann als Summe ihres jahrzehntelangen Bemühens um die mazdaistische Religion gewertet werden, dessen Frucht ihre dreibändige History of Zoroastriansm (HdO), Leiden 1975-1991, ist, in der sie umsichtig mit den Quellen verfährt, nicht frühe mit späten Quellen willkürlich vermischt und so einzelne historische Schichten dieser Religion herausarbeitet. Ihre Arbeiten hören zeitlich nicht irgendwann in der Antike oder im Mittelalter auf. Sie beschäftigt sich auch mit den Zoroastriern, in Indien Parsen, der Gegenwart, so z.B. im Schlußkapitel ihres Buches und in A Persian Stronghold of Zoroastrianism, Oxford 1977. Nicht unerwähnt sollen drei weitere Arbeiten bleiben Baily, H.W.: Zorostrian Problems in the Ninth-Century Books, Oxford 1943, Zaehner, R.C.: The Dawn and Twilight of Zoroastrianism, London 1961, (interessant -- aber auch problematisch) und ders.: Zurvan, A Zoroastrian Dilemma, Oxford 1955, dort wird der "Zurvanismus" behandelt, auf den hier nicht eingegangen werden konnte.

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10. Geschriebene Sprachen bis zum Neupersischen, Schrift, Literatur

Buchrücken - PhotoGrundlage jeder Beschäftigung mit den iranischen Sprachen und Literaturen ist noch Geiger, W. und E. Kuhn (Hrsg.): Grundriß der iranischen Philologie, Straßburg 1896-1904. Es versteht sich von selbst, daß manche der Beiträge veraltet sind. Aber das Werk ist nur teilweise durch Schmitt, R. (Hrsg.): Compendium Linguarum Iranicarum, Wiesbaden 1989, ersetzt. Weitere Grundlagenwerke sind HdO, 1. Abteilung, 4. Band, 1. Abschnitt: Iranistik, Linguistik, Leiden 1958, und HdO, 1. Abteilung, 4. Band, 2. Abschnitt: Iranistik, Literatur, Leiden 1968.

Die iranischen Sprachen werden zeitlich in drei Gruppen eingeteilt: das Altiranische, das Mitteliranische und das Neuiranische.

Das Altiranische ist schriftlich durch das Altpersische und das Awestische gut belegt. Das Altpersische begegnet uns in Inschriften auf Stein und Metall. Es wird in einer Buchstaben-Keilschrift mit 36 Buchstaben, 8 Ideogrammen und 2 Worttrennern geschrieben, mit deren Entzifferung G.F. Grotefend 1802 nach Umzeichnungen von Reisenden begann und die Rawlingson, H.C.: The Persian Cuneiform Inscriptions at Behistun, in: JRAS 10 (1847 )S.187-349, abschloß. Seine bahnbrechenden Arbeiten an der dreisprachigen (altpersisch, akkadisch, elamitisch) Dareiosinschrift von Bisutun, die nicht nur zur endgültigen Entzifferung der altpersischen Inschriften führten, sondern auch den Schlüssel zur Entzifferung des Akkadischen und Elamitischen lieferten, können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Inschrift von Bisutun ist die längste altpersische Inschrift. In ihr stellt sich Dareios (537-486 v.u.Z.) vor, zählt die Länder auf, die er beherrscht und gibt Rechenschaft über die Kämpfe, die ihn an die Macht brachten. Das gesamte Material wurde durch Kent, R.G.: Old Persian, Grammar, Texts, Lexicon, New Haven 1953, vorgelegt. Hinz, W.: Altpersischer Wortschatz, Leipzig 1942, erschloß den Wortschatz mit Formanalysen, weiter Brandenstein, W. und M. Mayrhofer: Handbuch des Altpersischen, Wiesbaden 1964. Das Awestische ist die Sprache des Awesta und zerfällt in das Altawestische (Gathas und einiges wenige mehr) und das Jungawestische (der Rest des Awesta). Das Awesta wurde wahrscheinlich bis in die späte Sasanidenzeit mündlich tradiert und erst dann in einer aus der Pehlevischrift entwickelten Schrift niedergeschrieben. Die frühesten erhaltenen Handschriften stammen aus dem 14. Jh., das heißt: der älteste geschriebene Text ist über 2000 Jahre jünger als Zarathustra! Welche Probleme das für die Übersetzung und Interpretation der Texte mit sich bringt, ist leicht vorstellbar. Grundlagen der Beschäftigung mit
dem Awestischen sind Bartholomae, C.: Altiranisches Wörterbuch, Straßburg 1904, und Reichelt, H.: Awestisches Elementarbuch, Heidelberg 1909. Zu Übersetzungen aus dem Awestischen s.o. 09.

Das Mitteliranische ist in mehreren Sprachen belegt. Von Interesse sind für uns dasParthische, das Pehlevi, das Sogdische, weniger das Sakische. Das Parthische ist aus der Partherzeit nur schwach überliefert. In Nisa bei Aschchabad in Turkmenestan wurden Aufschriften auf Gefäßfragmenten gefunden, die sich größtenteils auf Weinlieferungen beziehen und aus der Zeit zwischen 100 und 29 v.u.Z. stammen. Sie wurden im Rahmen des Corpus Inscriptionum Iranicarum (CII) von MacKenzie, D.N.: Parthian Economic Documents from Nisa, London 1976f., veröffentlicht. Ein weiteres Dokument, die Besitzurkunde eines Weinbergs, wurde in Iranischkurdestan entdeckt. Das sog. Awroman-Dokument, dazu Herzfeld, E.: Paikuli I, Berlin 1924, S.83, weiter Henning, E. in HdO (Linguistik, s.o.), S.28ff. entstand 53 u.Z. Weitere partherzeitliche geschriebene parthische Sprachreste finden sich als Inschriften, meist inhaltlicher Belanglosigkeit, in Iran und bis nach Dura-Europos im heutigen Syrien am Euphrat, dazu im Rahmen des CII die Publikation von Frye, R.N.: The Parthian and Middle Persian Inscriptions of Dura-Europos, London 1968. Das wohl bedeutendste parthische Sprachzeugnis (neben den parthischen manichäischen Texten, dazu Boyce, M.: A Reader in Manichaen Middle Persian and Parthian, Leiden 1975, A Word-List of Manichaen Middle Persian and Parthian, Leiden 1977, und The Manichaean Hymn-Cycles in Parthian, London 1954) stammt aber aus nachparthischer Zeit. Es ist die parthische Fassung der dreisprachigen (neben Parthisch, Pehlevi und Griechisch) Inschrift des Schahpur I. (239-272) an der "Kaaba des Zarathustra" am Naqsch-e Rostam nahe Persepolis, dazu Back, M.: Die Sassanidischen Staatsinschriften, Leiden 1978.

Die reichen Schriftzeugnisse des Pehlevi (Mittelpersischen) sind für uns die wichtigsten. Eine Einführung in die Sprache bietet Nyberg, S.M.: A Manual of Pahlavi, Wiesbaden 1964 (Texts) und 1974 (Glossary). Hier findet sich auch im Textband auf S. 129 eine gute Schrifttabelle, welche die Ableitung der parthischen Schrift und der Pehlevischrift von der aramäischen Schrift aufzeigt sowie die Abhängigkeit der Awestaschrift von der Pehlevischrift. In dieser Tabelle fehlt nur die manichäische Schrift. Mani hatte eine von der Vieldeutigkeit der Pehlevischrift freie Schrift aus dem östlichen Syrischen (Estrangelo) entwickelt, dazu Jensen, H.: Die Schrift, Glückstadt/Hamburg 1936, in der sowohl die parthischen wie die mittelpersischen manichäischen Texte geschrieben sind. Die Hilfsmittel für das Mittelperische sind mehr als begrenzt. Lexica existieren auf dem Niveau von Schulwörterbüchern für die gymnasiale Unterstufe, keiner der Philologen hat sich bisher an ein mittelpersisches Wärterbuch gewagt, das über Abremjan, R.: Pechlevijsko - Persidsko - Armjano - Russko - Anglijskij Slovar, Erevan 1965, MacKenzie, D.N.: A Concise Pahlavi Dictionary, London 1971, und Nyberg, Glossary (s.o.) hinausreicht -- ich als Kulturwissenschaftler mache mir da meine Gedanken über den Sinn der "reinen" Philologie, die weder inhaltlich noch sprachlich den vieltausendseitigen, reichen Schatz der mittelpersischen Literatur anzugehen wagt. Zu dieser Literatur bieten Tavadia, J.C.: Die mittelpersische Sprache und Literatur der Zarathustrier, Leipzig 1956, Boyce, M.: HdO (s.o.) eine gute Übersicht. Das Sogdische, in einer sehr an das Aramäische angelehnten Schrift geschrieben, ist für unsere Belange nur in den von A. Stein in einem Turm der chinesischen Mauer entdeckten Briefen von Interesse, die Reichelt, H.: Die soghdischen Handschriftenreste des Britischen Museums II, Heidelberg 1931, publiziert und übersetzt hat. Sie geben uns Einblick in eine Gesellschaft von Fernhandelskaufleuten, die eine wichtige Mittlerfunktion zwischen dem Vorderen Orient und China im 4. Jh. u.Z. hatten. Sonstige sogdische Texte sind buddhistischen, manichäischen und christlichen Inhalts. Alle von ihnen wurden im Tarimbecken gefunden und haben für uns marginale Bedeutung. Dasselbe gilt für das in von indischen Schriften abgeleitete, geschriebene Sakisch (oder Chotansakisch, weil die meisten Texte in Chotan im Tarimbecken gefunden wurden), das auf Sprachwissenschaftler Bailey, H.W. im HdO "Linguistik" (s.o.) Faszination ausüben mag, inhaltlich aber für unsere Belange, da es nur um Übersetzungen buddhistischer Texte geht, uninteressant ist.

Das Neuiranische als geschriebene Sprache sei hier nur im Neupersischen (s.o. 03.) behandelt.Miniatur -Photo Wörterbücher und Grammatiken spare ich mir aufzuführen. Nach der islamischen Eroberung gab es eine Spaltung innerhalb der iranischen Intelligenz. Die Mehrzahl bediente sich des Arabischen als sprachliches Medium und wurde schnell in der neuen internationalen geistigen Welt des Islam dominant. Andere zogen sich auf die eigene Tradition zurück und faßten ihr Wissen um die Vergangenheit im mittelpersischen Schrifttum der frühen islamischen Zeit zusammen (dazu Tavadia, s.o.). Alle von ihnen sprachen aber Persisch. Während anderswo Sprachen wie das Koptische in Ägypten verloren gingen, und eine eigene kulturelle Identität verschwand, hielten sich in Iran die alten Traditionen und Vorstellungen, die seit dem 9. Jh. aufbrachen und in den 10. und 11. Jhdn. im Nordosten Irans in literarischer Form nachweisbar sind. Das geschah unter der iranischen Lokaldynastie der Samaniden, die von ihrer Hauptstadt Buchara aus eine kulturelle Renaissance der persischen Sprache förderte. Einer der Wezire der Samaniden, Bal'ami, 938 in Ungnade gefallen, schuf das erst umfangreiche Prosawerk in neupersischer Sprache, den Tarikh-e Bal'ami, eine freie und umgeordnete Übersetzung des Geschichtswerks des arabisch schreibenden Iraners Tabari­ (s.o. 08). Bal'ami war auch der Förderer des ersten neupersisch schreibenden Poeten Rudagi­ (gest. um 940). Aber erst mit Ferdousi (934-1020?) beginnt eigentlich die neupersische Literatur. In seinem Shahnameh, dem "Königsbuch" schuf er nicht nur eine von Arabismen freie neupersische Sprache, er war auch damit der Vorkämpfer (bewußt oder unbewußt) einer eigenen Kultur Irans im Islam. Fraglos war er ein überzeugter Moslem, sein Werk hat aber nur die vorislamischen Könige Irans, mythisch oder historisch, zum Gegenstand. Dazu noch immer der erste Professor für Irankunde in Tübingen Mohl, J.: Le Livre des Rois, Paris 1887. Ferdousi steht an der Schwelle einer islamisch faßbaren Kunde von Iran. Wenig nach ihm entstand die seldschukische Moschee von Isfahan (s.o. 07.). Iran war hinfort sich selbst im Islam. Neben den oben (08.) angegebenen Werken zur Geschichte, die grundlegenden Arbeiten zur Literatur Irans in islamischer Zeit. Unwiederholbar ist Browne, E.G.: A Literal History of Persia, London 1902-1924. In diesem Werk vereinigt ein Persisch- und Persien-Kenner alles, was zur neupersischen Literatur seinerzeit sagbar war. Sein: A Year Amongst the Persian, Cambridge 1927, zeigt das auf einer anderen Ebene deutlich. In deutscher Sprache existiert ein Abklatsch von Browne's großer, Literatur und Geschichte zusammenführenden Darstellung in der unter kommunistischem Muß hergestellten -- aber durchaus benutzenswerten Arbeit -- Rypka, J.: Iranische Literaturgeschichte, Leipzig 1959. Abschließend sei noch zum neupersischen Schrifttum, das nicht im Zentrum dieser Veranstaltung stand, auf den Versuch Storey, C.A.: Persian Literature, A Bio-Bibliographical Survey, London ab 1927, (russische <und damit erschwingliche> Bearbeitung von Bregel, Y.E., Moskau 1972) hingewiesen, das einzige Hilfsmittel, auch ungedruckte persische Quellen zu finden, fraglos weit unter dem Niveau von GAL und GAS -- aber das ist das Schicksal der Iranwissenschaft: die Spanne von dem Vorgeschichtlichen bis in die Gegenwart ist zu weit.

W. Hinz schrieb mir aber vor einigen Jahren "machen Sie es so", daran halte ich mich.

©Prof. Dr. Heinz Gaube

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