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Vielleicht interessiert Sie auch die Leseliste
für das Fach Islamkunde?
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Literaturempfehlungen
von Prof. Dr. Gaube zu seiner Veranstaltung "Einführung
in die Irankunde".
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Einführende Literatur für das Fach Irankunde
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- Allgemeine Einführung
- Geographie
- Bevölkerung und Sprache
- Städte
- Alte Geographen und Reisende
bis zum Anfang des 20. Jh.
- Vorgeschichtliche Archäologie
- Geschichtliche Archäologie/
Kunstgeschichte
- Geschichte: Elam, Achämeniden,
Seleukiden, Parther, Sasaniden, Islamische Geschichte
- Vorislamische Religionen
- Geschriebene Sprachen bis
zum Neupersischen/ Literatur
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1. Allgemeine Einführung:
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Hier einige Gedanken und bibliographische
Informationen zu meiner Veranstaltung. Bitte betrachten Sie diesen
Versuch als Grobfassung, die auf Anregung einiger Studenten entstanden
ist, und die ich in Zukunft ausbauen und verändern werde. Ungewollt
sind die bibliographischen Hinweise doch mehr geworden als ich mir
das vorgestellt hatte. Sie nähern sich der Zahl dreihundert.
Da fast alle von ihnen kommentiert sind, haben Sie es aber leicht,
Ihre Interessengebiete zu finden.
Irankunde: im Gegensatz zur traditionellen Iranistik, die
stark sprachwissenschaftlich ausgerichtet ist, widmet sich dieses
nur in Tübingen vertretene Fach Iran in seiner gesamten historischen
und kulturellen Breite von der vorhistorischen Zeit bis in die Moderne.
Eine interdisziplinäre Betrachtungs- und Arbeitsweise ist daher
Grundvoraussetzung. Neben Sprachen (und hier nicht nur iranischen
Sprachen, Arabisch und andere semitische Sprachen sowie die "klassischen"
Sprachen müssen für die Forschung als Werkzeuge verfügbar
sein) ist deshalb auch eine methodische und sachliche Beschäftigung
mit sozialwissenschaftlichen Fragestellungen, Geographie, Archäologie
und Kunstgeschichte unerläßlich. Anders ausgedrückt:
während die Islamkunde die Sprachen und Kulturen der islamischen
Länder in islamischer Zeit zum Gegenstand hat, damit räumlich
äußerst breit, historisch aber klar auf die islamische
Zeit gerichtet ist, beschäftigt sich die Irankunde mit dem
iranischen Kulturkreis (der über die Grenzen des gegenwärtigen
Staates Iran weit hinaus reicht) -- und das in Tübingen vornehmlich
unter Berücksichtigung der vorislamischen Zeit. Damit ergibt
sich, wie durch das Fach Sprachen und Kulturen des Christlichen
Orients, eine Erweiterung des Lehrangebots des Orientalischen Seminars
in die orientalische Spätantike, die sich über die Jahre
auch als karrierefördernd für manche unserer Exstudenten
erwiesen hat. Deshalb wird auch hier nach einer Einführung
in Land und Leute die vorislamische Zeit in den Vordergrund gestellt.
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Was
ist Iran? Der Begriff Iran,Grenzen, Landschaften, Gebirge, Meere,
Wüsten, Flußsysteme. Eine unübertroffene Darstellung:
Ehlers, E.: Iran, Grundzüge einer geographischen Landeskunde,
Darmstadt 1980. Diese Arbeit ist aus "einem Guß",
kommt aus einem sehr klugen Kopf und basiert auf langjähriger
Forschung in Iran.
Die reichhaltige Bibliographie
am Ende des Buchs führt -- nicht nur -- in die geographische
Literatur zu Iran ein. Erweitert wurde diese Übersicht durch
denselben Autor: Ehlers, E.: Iran, Ein bibliographischer Forschungsbericht,
München - New York 1980. Gegen diese Arbeiten fallen: Fisher,
W.B. (Hrsg.): The Land of Iran, Cambridge 1968, und Gehrke,
U. und H. Mehner (Hrsg.): Iran, Tübingen/Basel 1975,
-- obgleich ihnen andere Konzepte zugrunde liegen -- klar ab.
Letztgenanntes Werk greift aber weiter auf "Natur-Bevölkerung-Geschichte-Kultur-Staat-Wirtschaft"
(so der Untertitel) aus und kann als eine nützliche Ersteinführung
zu Iran allgemein empfohlen werden.
Die karthographische Darstellung von Iran:
Wie entstehen Karten? Antike Karten, mittelalterliche
islamische Karten, dazu Miller, C. (Hrsg. H. Gaube): Mappae
Arabicae, Wiesbaden 1986, frühe westliche Karten, z.B.:
Johann Baptist Homann: Imperii Persici, Nürnberg vor
1710, moderne Karten: IWK (Internationale Weltkarte, London)
1:1000.000, Aviation Map 1:1000.000 (St. Louis, Missouri),
IWK 1:500.000 (London), neue iranische Karte 1:250.000
aus den 60/70er Jahren, sehr genau aber kaum zugänglich,
daneben thematische Karten z.B. bei Ehlers, E. op.cit.
Weiter muß der Tübinger Atlas des Vorderen Orients
(TAVO) erwähnt werden. In diesem umfangreichen Kartenwerk
sind viele historische und thematische Karten zu Iran publiziert
worden.
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3. Bevölkerung und Sprachen
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Gesamtbevölkerung
heute ca. 60.000.000, grundlegend hierzu: Ehlers, E. op.cit.,
S. 195-207. Ländliche, seßhafte Bevölkerung 1956
ca. 70% der Gesamtbevölkerung in ca. 45.000 Dörfern (damals
dagegen 186 Städte mit mehr als 5.000 Einwohnern), 1976 ca.
53%.
Dorf: verschiedene, "organische"
Formen, Forschungsstand noch weit von der Systematisierbarkeit entfernt,
Besonderheit: das "Qal'eh"-Dorf, eine von einer hohen
Mauer, festungsartig umgebene ländliche Siedlung zum Schutz
gegen Nomaden Überfälle. Solche Dörfer finden sich
auch in Zentralasien (dort wohl schon seit dem 2. Jhrt. v.u.Z. belegt)
und Afghanistan.
Ländliche Häuser: vielfältige
Formen, charakteristisch: a) die Häuser des regenreichen Kaspitieflandes,
b) flach durch Holz-Lehmdächer gedeckte, oft an Hänge
gebaute Häuser in den Gebirgsregionen, c) in den Trockengebieten
mit Tonnengewölben oder Klostergewölben überdachte
Häuser. Einfache, "gewachsene" Grundrisse, Einzelerschließung
der Räume, in den Bergen gelegentlich über ein Tarma,
in den Trockengebieten über einen Iwan (beides an drei Seiten
ummauerte und an einer Seite offene Hallen; Beispiele bei: Ehlers,
E. op.cit., S. 211 ).
Traditionelle soziale und ökonomische
Organisation des ländlichen Raums: in der Regel in der Stadt
lebender Großgrundbesitzer > Dorfvorsteher > Pächter
> abhängiger Anteilsbauer > landlose Dorfbewohner als
Arbeiter. Dazu Lambton, A. K. S.: Landlord and Peasant in Persia,
Oxford 1953. Zur Beziehung Stadt -- Land und damit verbundenen Gedanken
zum "Rentenkapitalismus" Bobek, H.: Die Hauptstufen
der Gesellschafts- und Wirtschaftsgestaltung in geographischer Sicht,
in: Die Erde 90 (1959) S.259-298. Eine gute Fallstudie zu
diesem Thema Momeni, M.: Malayer und sein Umland, Marburg
1976.
Halb- oder nichtseßhafte ländliche
Bevölkerung: 1974 ca. 10% der Gesamtbevölkerung, damit
wohl heute noch ca. 10% der ländlichen Bevölkerung. Horizontal-
Vertikalnomadismus, Bedeutung der Nomaden für die Wirtschaft:
Fleisch-, Haar-, Fell-, Hautproduktion. Gute Fallstudien: Ehmann,
D.: Bakhtiyaren -- Persische Bergnomaden im Wandel der Zeit,
Wiesbaden 1975, und: Stäber, G.: Die Afshar, Nomadismus
im Raum Kerman (Zentraliran), Marburg 1978.
Die Ethnien: Seit dem 2. Jhrt. v.u.Z. wanderten
Iraner, wohl von NO, nach Iran ein. Die Urbevölkerung ist nicht
zu erfassen; wir kennen einige Namen, können auch davon ausgehen,
daß die "Lurestanbronzen" von einer Urbevölkerungsgruppe
stammen, dazu Calmeyer, P.: Datierbare Bronzen aus Luristan und
Kirmanshah, Berlin 1969. Den Iranern folgten Turkstämme;
und beide "Völker" bilden die heutige Bevölkerung
Irans. 2/3 der Bevölkerung Irans sind "Farsi"-(Persisch)-Sprecher.
Sie sind meist seßhaft und vorwiegend Stadtbewohner. Neben
ihnen gibt es iranische Sprachen sprechende Nomaden / Seßhafte,
also Gruppen, die sich als solche verstehen und benennen und fast
ausschließlich nomadischen Ursprungs sind und auch heute zum
Teil nomadisieren. Zu den gegenwärtigen iranischen Sprachen
Schmitt, R. (Hrsg.): Compendium Lingarum Iranicarum, Wiesbaden
1989.
-
Kurden, ca. 4 Mill. im Nordzagros, aber auch in Chorasan,
Fars und Kirman.
-
Luren und Bachtiyaren, ca. 2,5 Mill. Sie leben südlich
der Kurden.
-
Belutschen, ca. 1,5 Mill. Sie leben vorwiegend in den
Grenzgebieten zu Afghanistan und Pakistan in SO-Iran.
-
Turksprachige Nomaden / Seßhafte sind:
1. Asarbeidschaner, ca. 12 Mill.
(= 20% der Bevölkerung Irans), seßhaft in NW-Iran.
2. Turkmenen, ca. 1 Mill. Sie
leben in der Turkmenensteppe O des Kaspischen Meers.
3. Schahsawan, ca. 100.000, im
Gebiet von Ardebil.
4. Afscharen, 350.000, vorwiegend
in Kirman und Chuzestan.
5. Qaschqai, ca. 500.000 in Fars.
6. Chamse (= die fünf Stämme),
gemischtsprachig, ca. 80.000 in Fars.
-
Daneben ca. 1 Mill. Araber in Chuzestan und an der Golfküste
-- aber auch in Churasan (alte arabische Dialekte, damit Reste
der frühen Eroberungsstämme im Osten).
Der ethnischen Vielfalt steht eine religiöse (Fast-) Uniformität
gegenüber:
98% Muslime, davon
90% Schiiten, also 8% Sunniten (Kurden, Turkmenen, Belutschen)
und 2% "Andere" =
-- 0.6% Christen, davon Armenier 0.43%, Assyrer 0,08%, Rest:
übrige Christen,
-- 0,24% Juden
-- 0.15% Zoroastrier,
-- der Rest Bahais (nach der Revolution als vom Islam Abtrünnige
verfolgt); die Zahlen sind nach Ehlers und Fisher op.cit.
hochgerechnet.
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Dorf
- Stadt: Zentralörtlichkeit, dazu grundsätzlich Christaller,
W.: Die zentralen Orte in Süddeutschland, Jena 1933. Iran
betreffend sehr gut dargestellt durch Bonine, M.E.: Yazd and
its Hinterland, Marburg 1980.
Ursprung der Stadt: Erste Seßhaftwerdung in Gunsträumen,
die nicht zu trocken und nicht zu kalt sind, "Domestizierung"
von Pflanzen und Tieren ="Neolithische Revolution", der
"Klassiker" dazu Childe, G.: New Light on the Most
Ancient East, London 1934. Viel weiter ausholend und "universalgeschichtlich"
denkend Wittvogel, K.A.: Oriental Despotism, New Haven/London
1957. Die neue Forschung faßt zusammen und erweitert Nissen,
H.J.: Grundzüge einer Geschichte des Vorderen Orients,
Darmstadt 1990.
Iranbezogen stellen sich folgende Fragen: Frühe Siedlungen,
Susa, Ekbatana, Pasargadae, Persepolis, dann die Städte der
Parther und Sasaniden -- und schließlich die islamische Stadt.
Bis Persepolis, s.u. 6 und 7 "Archäologie / Kunstgeschichte".
Zu Parthern und Sasaniden gibt es wenig; lesenswert, wenn auch eigenartig
Pigulevskaja, N.: Les villes de l'état iranien aux époques
parthe et sassanide, Paris 1963, provokativ: Altheim, F.
und R. Stiehl: Ein asiatischer Staat, Wiesbaden 1964. Allgemein:
Ehlers, E. op.cit., weiter: Gaube, H. und E. Wirth: Der
Bazar von Isfahan, Wiesbaden 1978, und Gaube, H.: Iranian
Cities, New York 1979. Dort wird die Genese iranischer Städte
nachgezeichnet, die Kennzeichen der islamischen Stadt: Zitadelle,
Mauer, Bazar, Gassensystem dargestellt, auch finden sich in den
genannten Werken weitere Literaturhinweise.
Grundsätzlich: Frühe Siedlungen sind in ihrer Struktur
nicht faßbar. Pasargade und Persepolis sind Palast-"Städte",
also nicht Städte im eigentlichen Sinn. Susa, das eine "richtige"
Stadt war, ist in dieser Hinsicht zu wenig erforscht. Dazu Culican,
W.: Imperial Cities of Persia, Persepolis, Susa and Pasargadae,
London 1970. Dasselbe gilt für die parthischen und sasanidischen
Städte. Verschwommene Ideen finden sich in der diesbezüglichen
russischen Literatur. Eine geschlossene Idee für das westliche
"Parthische" bietet Andrea, W.: Hatra, Leipzig
1908ff., und zusammengefaßt sowie um neue Ergebnisse bereichert
Safar, F.: Al-Hadr, Madinat ash-shams, Baghdad 1974.
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5. Alte Geographen und Reisende bis Anfang
des 20. Jh.
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Seit
der Zeit der Perserkriege (erster Höhepunkt: die Schlacht bei
Marathon 490 v.u.Z.) beschäftigten sich die Griechen und später
die Römer mit dem "Feind im Osten". Die erste umfangreiche
Beschreibung Irans und der Iraner verdanken wir Herodot (ca.
485-430 v.u.Z.) (Historien), hierzu -- wie zu allen folgend genannten
Autoren -- die Zusammenfassung: Gabriel, A.: Die Erforschung
Persiens, Wien 1952. Neben Herodot sind besonders: Arrian
(ca. 96-180 u.Z.), der nach älteren Quellen den Alexanderzug
beschrieben hat, Strabo(n) (ca. 64 v.u.Z.-29 u.Z.), der in
seinem großen geographischen Werk alle ihm zugänglich
gewesenen Informationen zu Iran verarbeitet hat, Ammianus Marcellinus
(ca. 330-393 u.Z.), in seinem Geschichtswerk finden sich eine für
seine Zeit aktuelle Beschreibung Irans, und dasselbe gilt für
den Historiker Prokop (ca. 490-542 u.Z.), der in seiner Geschichte
der Perserkriege Justinians wertvolle geographische Informationen
vermittelt. Alle diese Werke liegen in zahlreichen Editionen und
Übersetzungen vor.
Neben den antiken und spätantiken westlichen
Autoren verfügen wir außerhalb des mittelalterlichen
islamischen Schrifttums über die armenische Geographie des
(Pseudo-) Moses Chorenaci (Marquart, J.: Iranšahr nach der
Geographie des Ps. Moses Xorenac'i, Berlin 1901), die nicht
vor dem 7. Jh. u.Z. entstanden ist und über eine in der Abbasidenzeit
geschriebene anonyme Pehlevi-Geographie (Markwart, J.: A Catalogue
of the Provincal Capitals of Iranshahr, Rom 1931).
Reiche Informationen erhalten wir von den
mittelalterlichen arabischen und persischen Geographen, namentlich
jenen der "Balkhi-Schule": al-Istakhri (schrieb um 951),
Ibn Hauqal (schrieb um 977 und bietet eine Bearbeitung al-Istakhri),
al-Muqaddasi (schrieb um 985), der eine regelrechte Systematik der
Landeskunde erarbeitet hat (dazu Scholten, A.: Länderbeschreibung
und Länderkunde im islamischen Kulturraum des 10. Jahrhunderts,
Paderborn 1976, weiter: Miller, C., op.cit.). Alle diese
Werke sind in der Bibliotheca Geographorum Arabicorum (Leiden
ab 1870) von M.J. de Goeje publiziert (Ibn Hauqal liegt in
einer Neuausgabe von J.H. Kramer, Leiden 1938-1939, vor,
der das Werk auch zusammen mit G. Wiet, Paris 1964, ins Französische
übersetzt hat). Unter den arabisch schreibenden Geographen
des Mittelalters ist noch Yaqut ar-Rumi zu nennen (schrieb
bis 1229, herausgegeben von F. Wüstenfeld, Leipzig 1866-1870)
mit seinem umfangreichen geographischen Wörterbuch, das alphabetisch
geordnet -- und vokalisiert -- eine Riesenmenge von Informationen
enthält. Die Iran betreffenden Teile dieses Werks wurden von
Barbier de Meynard, C.A.: Dictionnaire géographique...,
Paris 1861, ins Französische übersetzt.
In persischer Sprache stoßen wir auf
die anonyme, um 982 entstandene Bearbeitung des Istakhri (oder
seines Vorgängers Balkhi) Hudud al-'Alam, die wertvolle Hinweise
über Zentralasien enthält (Editionen nach einer Handschrift;
übersetzt und kommentiert von Minorsky, V., London 1937),
den Reisebericht (Safar-Nameh) von Ostiran nach Ägypten
und zurück des Naser-e Khosrou (reiste von 1035-1042,
mehrere Editionen und Übersetzungen, Kernveröffentlichung
von Schefer, C., Paris 1881), schließlich den vorletzten
persischen Versuch einer Universalgeographie (um 1340) des Hamdollah
Mostoufi (Nuzhat al-Qulub, hrsg. v. G. Le Strange, London/Leiden
1915, englische Übersetzung von G. Le Strange, London/Leiden
1919) und den letzten dieser Art durch Hafez-e Abru (bis
1420). Zu beiden Krawulski, D.: Iran - Das Reich der Illkhane,
Wiesbaden 1978, und: Khorasan zur Timuridenzeit nach dem Tarikh-e
Hafez-e Abru, Wiesbaden 1984. Ein erwähnenswertes spätes
geographisches Werk ist der um 1680 in Indien entstandene Mokhtasar-e
Mofid des Mokhammed Mofid Mostoufi, hrsg. von S. Najmabadi,
Wiesbaden 1989. Auswertungen der arabischen Quellen zu Teilen Irans
liegen bei Schwarz, P.: Iran im Mittelalter nach den arabischen
Geographen, Nachdruck Hildesheim/New York 1969f. und zum gesamten
Osten (unter Einbeziehung der persischen Quellen bis Hafez-e Abru)
Le Strange, G.: The Lands of the Eastern Caliphate, London
1905, vor.
Seit dem 13. Jh. verfügen wir auch über
Beschreibungen Irans durch Europäer. Der erste von ihnen war
Marco Polo (zahlreiche Ausgaben und Übersetzungen),
der 1271-1291 von Venedig nach China über Iran reiste. Seine
Route führte über Tebriz, Yazd, Kerman, Hormuz, Kerman,
Tabas und Balch nach China. Im folgte auf einer anderen Route Clavijo,
R.G. de: Narrative of the Embassy of Roy Gonzalez de Clavijo to
the Court of Timour at Samarcand (A.D. 1403-6), London 1873;
und um 1474 bereisten die Venezianer Barbarino, J. und A. Contarini
Iran zwischen Tebriz und Isfahan (englische Übersetzung, London
1873). Erst seit Shah 'Abbas I. (1587-1629) 1598 seine Hauptstadt
von Qazvin nach Isfahan verlegt hatte, setzte aber eine genauere
Kenntnis Irans durch Europäer ein, dazu als Einführung
Schuster-Walser, S.: Das safawidische Persien im Spiegel europäischer
Reiseberichte (1502-1722), Baden-Baden 1970. Er öffnete
Iran für Handels- und Kulturbeziehungen mit Europa. Das Land
seiner Zeit und dessen Städte beschreiben neben dem mageren
Bericht von A. Sherley (Ross, E.D.: Sir Anthony Sherley...,
London 1933), Pietro della Valle (Grey, E.: The Travels of Pietro
della Valle, London 1932, mehrere Ausgaben in verschiedenen
Sprachen, z.B.: Valle, P. della: Eines vornehmen Rämischen
Patritii Reis-Beschreibung, Augsburg 1674). Etwa gleichzeitig
mit Della Valle hielt sich der Spanier Don Garcia de Silva Figuera
(Figuera, G.S.: L'Ambassade..., Paris 1667) in Iran auf.
Beide beschrieben nicht nur das Land sondern brachten auch erste
Dokumentationen der Altertümer Irans nach Europa, so z.B. erste
Umzeichnungen der altpersischen Keilschrift.
Gegen Ende der Regierungszeit von Shah 'Abbas
kam T. Herbert (Foster, W.: Thomas Herbert Travels, London
1928) nach Iran. Die erste umfangreiche deutsche Beschreibung Irans
stammt von Adam Olearius (Olearius, A.: Vermehrte Newe Beschreibung
der Moskcowitischen und Persischen Reyse, Schleswig 1656), der
zwischen 1635 und 1639 als Mitglied einer holsteinischen Gesandtschaft
Über Rußland nach Iran gereist war. Wichtige Reisebeschreibungen
aus dem 17. Jh. sind weiter: Chardin, J.: Voyages du Chevalier
Chardin en Perse, Paris 1811. Er hielt sich zwischen 1665 und
1677 dreimal in Iran auf, Tavernier, J.B.: Les six voyages,
Paris 1681, wie Chardin bereiste er als Edelsteinhändler mehrmals
zwischen 1631 und 1655 Iran, Thévenot, J.: Voyages...,
Paris 1689, der Orientalist erkundete Iran auf zwei Reisen 1663
und 1667, Kaempfer, E. (Hrsg. W. Hinz): Am Hof des persischen
Großkönigs 1684-1685, Tübingen/Basel 1977, ihm
verdanken wir neben Chardin die gründlichste Beschreibung Isfahans,
Fryer, J.: A new Account of East India and Persia, London
1909-1915, von Indien kommend durchquerte er Iran 1678. Von Reisenden
des 18. und folgender Jahrhunderte seien erwähnt: 1701 gelangte
Bruine, C. de: Reizen over Moskovie..., Amsterdam 1711, über
Rußland nach Iran und hielt sich allein in Persepolis drei
Monate auf gleichfalls wertvolle Kenntnisse von Persepolis vermittelte
Niebuhr, C.: Beschreibung von Arabien..., Kopenhagen 1765.
Ab ca. 1800 begann die systematische Bereisung Irans mit klaren
politischen Zielen. Hier ist vor allem Malcom, J.: Sketches of
Persia, London 1815, zu nennen, der mit einem großen Team
in Iran gearbeitet hat und auch der Verfasser der ersten modernen
Geschichte Irans (The History of Persia, London 1815) ist. Auf seinen
Wegen und mit eindeutig politischer Zielsetzung bewegte sich auch
Sykes, P.M.: Ten Thousand Miles in Persia, London 1902, dem
wir auch eine umfangreiche Geschichte Irans (History of Persia,
London 1915) verdanken. Er gründete mehrere britische Konsulate
in Iran und hielt sich zwischen 1893 und 1915 mit Unterbrechungen
im Lande auf. Von den politischen Offizieren seien noch Lorimer,
D.L.R.: Gazetter of the Persian Gulf..., Calcutta 1908-1915,
und Wilson, A.T. Sir: The Persian Gulf, London 1928, erwähnt.
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Archäologie der vorgeschichtlichen
Zeit
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Wie
schon die Beispiele De Bruin und Niebuhr zeigten, sind die Übergänge
vom "Reisenden" zum Reisenden mit erklärt archäologischen
Interessen fließend, dennoch seien hier einige wichtige archäologische
Forschungsreisende des 19. und frühen 20. Jh. aufgeführt.
Rein archäologische oder denkmalskundliche Interessen verfolgten
zwischen 1840 und 1842 Flandin, E. und P. Coste: Voyage en Perse,
Paris 1840ff., welche ihre Ergebnisse in prachtvollen Bildbänden
vorlegten. Etwa um dieselbe Zeit begann Rawlingson, H.C.: The
Persian Cuneiform Inscriptions at Behistun, in: J.R.A.S.
10 (1847) S.187-349, seine bahnbrechenden Arbeiten an der
dreisprachigen (altpersisch, akkadisch, elamitisch) Dareiosinschrift
von Bisutun, die zur endgültigen Entzifferung der altpersischen
Inschriften führten und damit den Schlüssel zur Entzifferung
des Akkadischen und Elamitischen lieferten. Der Entdecker von Ninive
Layard, A.H.: Early Adventures, London 1887, bereiste die
Bachtiyarenberge, und schließlich sei von den Reisenden mit
archäologischen Zielen Stein, A.: Archaelogical Reconnaissances...,
London 1937, und Old Routes in Western Iran, London 1940,
erwähnt.
Wo Archäologie aufhört und Kunstgeschichte
beginnt, ist schwer -- ja wohl überhaupt nicht zu definieren.
Man könnte grob sagen, die Archäologen graben, die Kunsthistoriker
interpretieren Artefakte unter ästhetischen Gesichtspunkten.
Deshalb hier Schlüsselpublikationen zu mir für die Geschichte
Irans wichtigen vorgeschichtlichen Grabungen. Gegraben wird im Orient
in der Regel an Tells oder Tepes, was arabisch bzw. türkisch
"Hügel" heißt. Diese Hügel sind über
Jahrtausende aus Siedlungsschutt gewachsen, da bei der im Orient
üblichen (wenn auch nicht ausschließlichen) Lehmbauweise
zerstörte oder zerfallene Bauten einfach plattgestampft werden,
und auf ihnen entstehen dann neue Gebäude. Die Archäologen
tragen diese Hügel (in der Regel nur Teile von ihnen, horizontal
Schicht für Schicht ab und können damit die Siedlungs-
und "Kultur"-Entwicklung nachvollziehen. Hervorragende
bibliographische Übersichten verdanken wir Vanden Berghe,
L.: L'Archéologie de l'Iran Ancien, Leiden 1959, ders.:
Bibliographie analytique de l'archéologie de l'Iran Ancien,
Leiden 1979, die zusammen mit E. Haerinck bis 1985 durch Supplément
1, Leiden 1981, und Supplément 2, Löwen 1987,
fortgeführt wurde. Dort finden sich weitere bibliographische
Angaben zu den im folgenden behandelten Ausgrabungen. Zu fast allen
neueren Grabungen, bei denen eine Endpublikation aussteht, finden
sich Zwischenberichte in der Zeitschrift Iran, Journal
of the British Institute of Persian Studies, London (seit 1963).
Weitere speziell der Archäologie und Kunstgeschichte Irans
gewidmete Zeitschriften sind Archäologische Mitteilungen
aus Iran (AMI), Berlin 1929-1937 und ab 1968 sowie Iranica
Antiqua, Gent-Leiden seit 1961.
Die Kerngrabung auf iranischen Gebiet ist
fraglos das erstmals 1851-1852 erforschte Susa in Chuzestan, wo
sich Siedlungsreste aus der Zeit von ca. 3400 v.u.Z. bis zur Gegenwart
finden. Es wird seit 1884 systematisch von französischen Archäologen
erforscht: 1884-1886: M. Dieulafoy, 1886-1912: J. de Morgan, 1912-1939:
R. de Mecquenem, 1946-1968: R. Ghirshman, ab 1968: J. Perrot. Die
Forschungsergebnisse wurden zwischen 1900 und 1970 in den Mémoires
de la délégation (bzw. mission archéologique)
en Perse vorgelegt, ab 1971 in den Cahiers de la délégation
archéologique francaise en Iran. In der Nähe von Susa
liegt Tchoga Zanbil mit einem sehr gut erhaltenen Tempelturm (Zigurat,
ab Mitte des 13. Jh. v.u.Z.), Publikation in den Mémoires...39-42
zwischen 1966 und 1970 (Ghirshman, R., Steve, M.J. und E. Porada).
Ghirshman, R.: Fouilles de Sialk, Paris 1938f. grub auch
Sialk in der Nähe von Kaschan aus, wo sich zwei Hauptsiedlungsphasen
isolieren ließen: ca. 4000 v.u.Z. - 3000 v.u.Z. und um 1000
v.u.Z. Schmidt, E.: Excavations at Tepe Hissar, Philadelphia
1937, fand auf diesem bei Damghan in NO-Iran gelegenen Hügel
Reste aus der Zeit zwischen ca. 3400 v.u.Z. und ca. 2000 v.u.Z.,
wahrscheinlich reichen die Funde aber weiter in das 2. Jhrt. v.u.Z.
Contenau, G. und R. Ghirshman: Fouilles de Tepe Giyan, prés
de Nehavend, Paris 1935, konnten nachweisen, daß dieser
Tell zwischen dem 4. und dem 1. Jhrt. v.u.Z. besiedelt war.
Das waren, sieht man von Persepolis ab, das
ich als Architekturgrabung unten 07. behandle, die wichtigsten archäologischen
Aktivitäten vor dem 2. Weltkrieg. Über sie entwickelt
z.B. R. Ghirshman erste Gedanken zur Einwanderung der Iraner, und
eine erste Keramikchronologie wurde erstellt. Nach dem 2. Weltkrieg
zogen archäologische Aktivitäten in Iran erst langsam
an. 1950 wurde an zwei Stellen gegraben und ein westliches archäologisches
Institut existierte im Land. 1974 hingegen wurde an 43 Stellen gegraben
und die Zahl der westlichen archäologischen Institute hatte
sich auf vier (Franzosen, Amerikaner, Deutsche, Briten) erhöht.
Hatten die Amerikaner schon vor dem 2. Weltkrieg maßgeblich
zur Erforschung der Altertümer Irans beigetragen, so sollte
nun die "Hasanlu-Schule" Tuen und Denken entscheidend
beeinflussen.
R.H. Dyson begann 1956 in Hasanlu, südlich des Urmiasees zu
graben und prägte auf dieser Grabung (bis 1974) eine ganze
Generation von Archäologen. Eine Endpublikation der Grabung,
die besonders Funde aus dem 1. Jhrt. v.u.Z. brachte, ist nicht erschienen,
doch wurden durch diese Grabung fast 100 Publikationen, darunter
auch Dissertationen, angeregt, und die Frage der iranischen Einwanderung
erscheint in neuem Licht (Biblioghraphie in: Levin, L.D. u. Young,
C.T. jun.(Hrsg.): Mountains and Lowlands. Malibu 1977). Einer
der Mitarbeiter Dysons, Young, C.T. jun.: Excavations at Godin
Tepe, Toronto 1969, und (zusammen mit L.D. Levine), Excavations
of the Godin Project, Toronto 1974, begann 1965 (bis 1973) Ausgrabungen
in Godin bei Kermanshah, die Funde aus der Zeit von ca. 5500-500
v.u.Z. brachten. Von seinen Funden ausgehend ging er (zusammen mit
H. Weiss) der Frage des protoelamitischen Handels nach: The merchants
of Susa..., in: Iran 13 (1975) S.1-17.
Wichtige Aufschlüsse über die Handelsbeziehungen
-- und damit den Kulturaustausch -- im 4./3. Jhrt. v.u.Z. zwischen
Mesopotamien und dem Osten scheinen auch zwei weitere Grabungen
zu geben. Tepe Yahya in Kirman und Schahr-e Sochte in Sistan. Beide
Grabungen sind nicht endgültig publiziert. Die Ausgräber:
C.C. Lamberg-Karlovsky (Tepe Yahya) und M. Tosi (Schahr-e Sochte)
haben aber einen gemeinsamen Aufsatz zu diesem Thema verfaßt:
Shahr-i Sokhta and Tepe Yahya, Tracks on the Earliest History
of the Iranian Plateau, in: East and West 23 (1973) S.21-58,
weiter Lamberg-Karlovsky, C.C.: Foreign Relations in the Third
Millenium at Tepe Yahya, in: Le Plateau Iranien et l'Asie
Central, Paris 1977, S. 33-43. Eine sensationelle Entdeckung
gelang W. Sumner, der von 1971 bis 1976 in Tell-e Malyan unweit
von Persepolis ausgegraben hat. Der Platz erwies sich als der Hauptort
von Anschan, den Gebirgsteil des Reiches Elam. Endgültige Publikationen
stehen aus. In den Bänden 10 bis 15 der Zeitschrift Iran finden
sich Zwischenberichte und thematische Publikationen.
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7. Archäologie der geschichtlichen
Zeit/ Kunstgeschichte
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Auf
die fragwürdige Trennung von Archäologie und Kunstgeschichte
wurde schon oben hingewiesen. Es ließe sich auch denken, daß
die Archäologie die vorgeschichtliche (vorschriftliche) Zeit
und die Kunstgeschichte die geschichtliche (schriftliche) Zeit abdecken.
Somit wäre der Archäologe der Historiker der prähistorischen
Zeit, dem Historiker und Kunsthistoriker kämen dann die historische
Zeit zu. Versuchen die Archäologen ohne nennbare schriftliche
Zeugnisse Fragen wie den frühen Beziehungen zwischen dem Zweistromland
und dem iranischen Plateau sowie seinen Nachbargebieten nachzugehen
sowie Gedanken Über die Einwanderung der Iraner zu entwickeln,
so käme demnach den Kunsthistorikern die Beschäftigung
mit der materiellen Kultur Irans seit den Achämeniden, genauer
seit Kyros d. Gr. (559-530 v.u.Z.) zu. Diese Definition ist mehr
als verwaschen und soll hier nur als schwaches und vorläufiges
Ordnungsschema gelten. In der Zukunft wird mir etwas besseres einfallen.
Eine bibliographische Übersicht wie die von Vanden Berghe zur
Archäologie fehlt für die Kunstgeschichte. Seine Arbeiten
decken aber auch die "Kunstgeschichte" der vorislamische
Zeit bis zu den Sasaniden ab.
Früheste "historische" Siedlung
Irans ist neben Ekbatana (Hamadan), der medischen Hauptstadt, die
noch nicht erforscht wurde, Pasargadae, die in der Persis gelegene
Residenzstadt des Kyros. Herzfeld, E.: Pasargadae, Untersuchungen
zur persischen Archäologie, in: Klio 3 (1908) S.1-68
und: Bericht über die Ausgrabungen von Pasargadae, in:
AMI 1 (1929) S.4-16, war der erste Forscher, der diese Stätte
zu entschlüsseln versuchte. Britische Ausgrabungen zwischen
1961 und 1963 brachten mehr Aufschlüsse und wurden von Stronach,
D.: Pasargadae, Oxford 1978, in Buchform publiziert. Auch die
Erforschung von Persepolis wurde durch die Grabungen von E. Herzfeld
auf feste Beine gestellt. Ihm war es nicht vergönnt, endgültige
Resultate vorzulegen. Kleinere Veröffentlichungen (dazu Vanden
Berghe: Bibliographie..., Nr.702-709) legen Zeugnis von seiner Arbeit
ab, und seinen beiden zusammenfassenden Werken: Archaeological
History of Iran, London 1935, und: Iran in the Ancient East,
London 1941, liegt viel der Arbeit in Persepolis zugrunde. Herzfeld
kann wohl als der bedeutendste Iranforscher dieses Jahrhunderts
angesehen werden. Er war Archäologe, Historiker und Philologe
und hat auf allen Feldern die Erforschung der Geschichte und Kultur
Irans vorangetrieben. Sein Nachfolger in Persepolis Schmidt,
E.: Persepolis I, Persepolis II, Persepolis III, Chicago 1953,
1957 und 1970, legte die Ergebnisse seiner und Herzfelds Grabungen
vor und veröffentlichte Flights over Ancient Cities of Iran,
Chicago 1940, einen einzigartigen Luftbildatlas zu Iran in den dreißiger
Jahren.
Spricht man von der Kunst Irans, so denkt
man erst an das monumentale Werk von Pope A.U. (Hrsg.): A Survey
of Persian Art from Prehistoric Times to the Present, Oxford
1939-1958, (sechs Riesenbände in der Originalausgabe, zwölf
Bände in der Neuausgabe, Tokyo 1964f.). In dem Werk werden
alle Aspekte und alle Gattungen der iranischen Kunst und Architektur
von den Anfängen bis in das 19. Jh.u.Z. behandelt. Pope vermochte
in seiner Zeit die führenden Gelehrten zusammenzuführen
und ein Werk zu schaffen, das nicht mehr wiederholbar ist. Noch
heute hängen wir von dieser Arbeit ab. Zu den wesentlichen
Beiträgen vor dem 2. Weltkrieg gehören auch die von A.
Godard begründete Zeitschrift: Athar-e Iran, Haarlem
ab 1936, in der fast ausschließlich die islamische Kunst,
besonders die Architektur, Irans behandelt wird. In A. Godard:
L'Art de l'Iran, Paris 1962, zeigte G. seine Breite. Weiter
seien erwähnt: Sarre, F.: Die Kunst des Alten Persien,
Berlin 1922, Herzfeld, E.: Am Tor von Asien, Berlin 1920,
eine geniale Interpretation des Weges von Baghdad nach Iran und
seinen Altertümern, Sarre, F. und E. Herzfeld: Iranische
Felsreliefs, Berlin 1910, auch Erdmann, K.: Die Kunst Irans
zur Zeit der Sasaniden, Berlin 1947, gehört noch zu den
Vor-Weltkrieg 2.-Produkten.
Wie in der Archäologie vervielfältigten
und vertieften sich die Forschungen zur Kunst Irans seit dem 2.
Weltkrieg. Die einsamen "Götter" wichen Detailarbeitern.
Barnett, R.D.: Median Art, in: Iranica Antiqua 2 (1962)
S.77-95, mühte sich z.B. Aussagen über die vorachämenidische
Kunst zu machen. Nylander, C.: Ionians in Pasargadae, Uppsala
1970, erforschte die Beziehung zwischen der achämenidischen
und frühen griechischen Bau- und Dekorationskunst. Walser,
G.: Die Völkerschaften auf den Reliefs von Persepolis,
Berlin 1966, versucht die verschiedenen Völker auf den Apadanareliefs
von Persepolis zu identifizieren und dokumentiert sie auf vielen
Fototafeln. Goldschmiedearbeiten der Achämenidenzeit wurden
von Dalton, O.M.: The Treasure of the Oxus..., London 1964,
untersucht. Monographische Darstellungen der achämenidischen
Kleinkunst existieren nicht. Hier sei auf die entsprechenden Beiträge
bei Pope, A.U.: A Survey... verwiesen. Populär -- aber von
den Illustrationen äußerst informativ -- veröffentlichte
Ghirshman, R.: Iran, Protoiranier, Meder, Achämeniden,
München 1964, unverzichtbares Anschauungsmaterial mit bedenkenswerten
Kommentaren. Als Taschenbuch ist auch erhältlich Huot, J.-L.:
Persien I, München 1978, eine Einführung in die Kunst
Irans bis zu den Achämeniden.
Zur seleukidischen und parthischen Kunst
allgemein Schlumberger, D.: L'Orient Hellénisé,
Paris 1970 und Colledge, M.A.R.: The Parthians, Ancient Peoples
and Places, London 1967. Rostovzeff, M.: Dura and the Problem
of Parthian Art, New Haven 1935, ist unverzichtbar. Die Arbeiten
R's seien jedem ans Herz gelegt. Er ist ein "Klassiker"
zwischen klassischer Antike und Orient, der sowohl über Zentralasien
wie über Rom gearbeitet hat. Schließlich sei noch Sellwood,
D.: An Introduction to the Coinage of Parthia, London 1971,
erwähnt.
Übergreifende Arbeiten zur sasanidischen
Kunst entstanden seit Erdmann mit Ausnahme von Ghirshman, R.:
Iran, Parther und Sasaniden, München 1962, und dem Taschenbuch
von Lukonin, W.G.: Persien II, München 1978, nicht.
Mit den Feuertempeln der Sasanidenzeit beschäftigte sich: Schippmann,
K.: Die iranischen Feuerheiligtümer, Berlin 1971. Darin
folgte er Erdmann, K.: Das iranische Feuerheiligtum, Leipzig
1941. Naumann, R. und H. von den Osten: Takht-i Suleiman...,
Teheraner Forschungen 1, Berlin 1961, begannen Ausgrabungen
dieses wichtigen Feuerheiligtums, die von R. Naumann und D. Huff
fortgesetzt wurden (Vanden Berghe Nr. 1978-2020). D. Huff (Vanden
Berghe Nr. 923-932) beschäftigte sich auch über Jahre
mit den sasanidischen Ruinen von Firuzabad. Erdmann, K.: Wie
sind die Kronen der sasanidischen Münzen zu lesen? in:
ZDMG (99) 1945-1949, S.206-211, ging nochmals das Problem
der Sasanidenkronen an, das dann endgültig durch Göbl,
R.: Sasanidische Numismatik, Braunschweig 1968, gelöst
wurde. Den Kronenformen kommt eine wichtige Rolle bei der Datierung
sasanidischer Felsreliefs, zu denen Vanden Berghe, L.: Reliefs
rupestres de l'Iran ancien, Brüssel 1984, eine neue Arbeit
vorgelegt hat, und Metallarbeiten, dazu und sonstiger Kleinkunst
Harper, P.O.: The Royal Hunter, New York 1978.
Für die islamische Kunst Irans verfügen wir nicht über
ein glänzendes Hilfsmittel wie die Bibliographie von Vanden
Berghe. Hier können wir nur in Creswell, K.A.: A Bibliographie
of the Architecture, Arts and Crafts of Islam, Kairo 1961 (Supplemente
1973 u. 1984) und Pearson, J.D.: Index Islamicus, Cambridge
ab 1958, suchen. Eine wichtige Einführung in die islamische
Architektur Irans bilden die von Godard, A. herausgegebenen
Bände der Athar-e Iran (s.o.) und Pope, A.U.: Persian
Architecture, New York 1965, -- wie immer der Survey, in dem
auch die vorseldschukischen Bauten ausführlich behandelt werden.
Dem "Schlüsselmonument" zur iranischen Moschee sind
die Arbeiten von Galdieri, E.: Isfahan. Masdjid-i Djum'a,
Rom 1972f. und Grabar, O.: The Great Mosque of Isfahan, New
York 1990, gewidmet. Die nachseldschukische Architektur der Mongolenzeit
ist monographisch von Wilbert, D.N.: The Architecture of Islamic
Iran, The Il Khanid Period, Princeton 1955 bearbeitet worden.
Golombek, L. und D.N. Wilbert: The Timurid Architecture of Iran
and Turan, Princeton 1988, untersuchten die sich anschließende
Periode. Gesamtdarstellungen der safavidischen Architektur fehlen
noch. Für das wichtigste Monument aus dieser Zeit, die "neue"
Freitagsmoschee von Isfahan, sind wir noch auf Godard, A.
in: Athar-e Iran 2 (1937) S.107f. oder die schönen Fotos
bei Stierlin, H.: Isfahan, Genf 1976, sowie andere Arbeiten,
in denen das Bauwerk kurz behandelt wird, angewiesen. Für den
safavidischen Palastbereich von Isfahan liegen Dokumentationen bei
Zander, G.: Traveaux de restauration..., Rom 1968, und Beiträge
in Holod, R. (Hrsg.): Studies on Isfahan, Iranian Studies
7 (1974), sowie die schöne Monographie von Luschey-Schmeisser,
I.: The Pictoral Tile Cycle of Hasht Behesht in Isfahan, Rom
1978, vor. Die Kleinkunst ist am reichsten bei Pope, U.A.: Survey...
dokumentiert, Metall neuerdings bei Melikian-Chirvani, A.S.:
Islamic Metalwork from the Iranian World, London 1982. Wilkinson,
C.K.: Iranian Ceramics, New York 1963, bietet einen schönen
Überblick, unverzichtlich aber Lane, A.: Early Islamic Pottery,
London 1947, und ders.: Later Islamic Pottery, London 1957.
Eine ansehnliche Zahl von Publikationen findet sich zur Miniaturmalerei.
Grundlegend Gray, B.: La Peinture Persane, Genf 1977 (es
gibt auch eine deutsche Ausgabe), Welch, S.C.: Wonder of the
Age. Masterpieces of Early Safavid Painting, 1501-1576, Cambridge,
Mass. 1979, weiter seien noch Namen wie Robinson, B.W., der
eine Reihe von Katalogen veröffentlicht hat, und Stoukine,
I.: Les Peintures des manuscrits timurides, Beirut 1954, und
ders.: Les Peintures des manuscripts safavis de 1502 à
1587, Beirut 1959, erwähnt.
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8. Geschichte von Elam bis in die islamische
Zeit
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Was die Geschichte Irans angeht,
so läßt sich leichter ein Überblick verschaffen,
da das Material nicht so schnell wächst wie in Archäologie
und Kunst. Die beiden grundlegenden Werke Malcom, J.: The History
of Persia, London 1815, und Sykes, P.M.: History of Persia,
London 1915, wurden schon oben unter 05. erwähnt. Bis
zum Erscheinen der Cambridge History of Iran (CHI) (seit
1968) war Sykes Werk das einzige neuzeitlichere Werk, durch das
man sich ein geschlossenes Bild der Geschichte Irans machen konnte.
Nach einer geographischen Einführung beginnt S. bei Elam und
endet nach fast 1200 Seiten in der dritten Auflage von 1951 in den
dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts. Die CHI ist ein sechsbändiges
Sammelwerk. Verschiedene Autoren schreiben über die Themen
oder Perioden, fr die sie die jeweiligen Herausgeber der einzelnen
Bände für kompetent erachteten. Die Bände enthalten:
Band 1 (Hrsg. Fisher, W.B.) The Land of Iran,
Band 2 (Hrsg. Gershevich, I.) The Median and Achaemenian
Periods,
Band 3 (Hrsg. Yarshater, E.) The Seleucid, Parthian and
Sasanian
Periods,
Band 4 (Hrsg. Frye, R.N.) From the Arab Invation to the
Saljuqs,
Band 5 (Hrsg. Boyle, J.A.) The Saljuq and Mongol Periods,
Band 6 (Hrsg. Jackson, P. und L. Lockhart) The Timurid
and Safavid
Periods.
Band 7 (Hrsg.
In den Literaturangaben zu den einzelnen
Kapiteln können Sie sich kundig machen. Die Beiträge haben
unterschiedliche Qualität von "sehr gut" bis "mangelhaft",
deshalb hier einige Bücher meiner Wahl. Sehr zu empfehlen zur
iranischen Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis in die
frühislamische Zeit: Frye, R.N.: Persien, München
1962, engl. Originalausgabe: The Heritage of Persia, London
1962. Zu Elam (ca. 2200 - 646 v.u.Z.): Hinz, W.: Das Reich Elam,
Stuttgart 1964.
Zu den Medern (ca. 675-550 v.u.Z.):
Diakonoff, M.: in: CHI 2, S. 36-148. Zu den Achämeniden
(559-330 v.u.Z.) Dandamaev, M.A.: Persien unter den ersten Achämeniden,
Wiesbaden 1976, ders.: A Political History of the Achaemenid
Empire, Leiden 1989. Koch, H.: Verwaltung und Wirtschaft
im persischen Kernland zur Zeit der Achämeniden, Wiesbaden
1990, zeigt, welche Probleme das Forschen nach der inneren Struktur
dieses Reiches bringt, sieht man auf eine Provinz. Über die
tatsächlichen religiösen Verhältnisse unter den Achämeniden
unterrichtet dieselbe Autorin uns auch: Die religiösen Verhältnisse
der Dareioiszeit, Göttingen 1977. Dandamayev (so!),
M.A.: Iranians in Achaemenid Babylonia, Costa Mesa/New York
1992, bietet einen anderen lokalen Aspekt. Dazu aber auf jeden Fall
die reich bebilderten, kenntnis- und liebevoll geschriebenen zwei
Bände von Hinz, W.: Darius und die Perser, Eine Kulturgeschichte
der Achämeniden, Baden-Baden 1976-1979 und neuerdings Koch,
H.: Es kündet Dareios der König ... , Mainz 1992.
Zu Seleukiden und Parthern (312 v.u.Z.-225 u.Z.): Zu den
Seleukiden existiert keine neuere Monographie, was bleibt,
ist Bevan, E.R.: The House of Seleucos, London 1902 (veraltet
und zu westorientiert), neuer, aber nicht umwerfend: Sherwin-White,
S. u. A. Kuhrt: From Samaarkand to Sardis, London 1993, weiter
Altheim, F. und J. Rehork (Hrsg.): Der Hellenismus in Mittelasien,
Darmstadt 1969, hier besonders die Beiträge von Wolski,
J., zu den Parthern ganz neu Wolski, J.: L'Empire
des Arsacides, Löwen 1993. W. kann überhaupt als der
derzeit beste Kenner dieser dunklen Periode der iranischen Geschichte
angesehen werden. Eine Zusammenfassung bietet Schippmann, K.:
Grundzüge der Geschichte des Partherreichs, Darmstadt 1985.
Zu den Sasaniden (225-652): Daß seit Christensen,
A.: L'Iran sous les Sassanides, (Überarbeitete Ausgabe)
Kopenhagen 1944, niemand gewagt hat, eine neue Sasanidengeschichte
zu schreiben, spricht für die hohe Qualität seiner Arbeit.
Er beherrschte die Quellen (die inzwischen kaum mehr geworden sind)
und hatte die Phantasie, sie zu interpretieren. Nöldeke,
T.: Geschichte der Perser und Araber zur Zeit der Sasaniden,
Leiden 1879, übersetzte und erläuterte die wichtigste
arabische Quelle zur Geschichte der Sasaniden, at-Tabari. Ergänzend
dazu Frye, R.N. in CHI 3 und Schippmann, K.: Grundzüge
der Geschichte des sasanidischen Reiches, Darmstadt 1990. Voller
provokativer Gedanken Altheim, F. und R. Stiehl: Ein asiatischer
Staat, Feudalismus unter den Sasaniden und ihren Nachbarn, Wiesbaden
1954. Als Lektüre und Nachschlagemöglichkeit für
das heimische Bücherregal Fischer Weltgeschichte 4: Die
Altorientalischen Reiche III, 5: Griechen und Perser, 6: Der Hellenismus
und der Aufstieg Roms, 8: Das Römische Reich und seine Nachbarn,
da kommt die gerade behandelte Zeit in unserem Raum zwar manchmal
etwas kurz weg, es lohnt trotzdem. Aus derselben Reihe weiter: Band
14: Islam I, 15: Islam II, 16: Zentralasien.
Islamische Geschichte: Ergänzend zur CHI einige Grundlagenwerke:
Spuler, B.: Iran in früh-islamischer Zeit, Wiesbaden
1952, eine solide Materialzusammenstellung von der islamischen Eroberung
bis zur Eroberung Irans durch die Seldschuken mit einer langen,
kommentierenden Bibliographie (ideal zum Nachschlagen) und einem
fast vierhunderseitigem "kulturgeschichtlichen" Teil,
in dem die "Religiösen Verhältnisse", die "Volkstumsverhältnisse",
"Das Geistige und kulturelle Leben", "Die Verwaltung
Persiens", "Die Rechtsverhältnisse", "Wirtschaftliche
Verhältnisse", "Die soziale Schichtung der Bevölkerung",
"Grundbesitzverhältnisse", "Steuern", "Die
militärischen Verhältnisse" und "Das tägliche
Leben" trocken -- aber informationsreich behandelt werden.
Spuler lehnt sich hier natürlich an Mez, A.: Die Renaissance
des Islams, Heidelberg 1922, ein Lektüre-"Muß".
Ähnlich aufgebaut und ergänzend, aber mehr auf (so das
für diese Zeit möglich ist) den Westen ausgerichtet Busse,
H.: Chalif und Grosskänig, Die Buyiden im Iraq (945-1055),
Beirut 1969. Den Osten in der anschließenden Periode behandelt
Bosworth, C.E.: The Ghaznavids. Their Empire in Afghanistan and
Eastern Iran 994-1040, Edinburg 1963, fortgesetzt ders.:
The Later Ghaznavides: Splendour and Decay, The Dynasty in Afghanistan
and Northern India, Edinburg 1977. Eine für die Seldschukenzeit
Spuler oder Bosworth vergleichbare Darstellung existiert nicht.
Die besten Informationen finden sich in der CHI (Autor: Bosworth).
Der Mongolenzeit hat Spuler, B.: Die Mongolen in Iran,
Politik, Verwaltung und Kultur der Ilchanidenzeit 1220-1350,
Berlin 1955, eine weitere Monographie gewidmet. Zur Zeit zwischen
Mongolen und Timuriden findet man die kompaktesten Informationen
in der CHI. Die Zeit danach behandelt Altmeister Roemer, H.R.:
Persien auf dem Weg in die Neuzeit, Iranische Geschichte von 1350-1750,
Beirut 1989, neuerdings auch Nagel, T.: Timur, München
1993. Seine Dissertation hat Roemer, H.R.: Der Niedergang Irans
nach dem Tode Ismails des Grausamen, Würzburg 1939, auch
über die Safavidengeschichte geschrieben, weiter sind für
diese Periode wichtig Mazzaoui, M.M.: The Origins of the Safawids,
Wiesbaden 1972, Hinz, W.: Irans Aufstieg zum Nationalstaat im
15. Jh., Berlin/Leipzig 1936 und ders.: Schah Esma'il II,
Ein Beitrag zur Geschichte der Safaviden, in: MSOS 36
(1933) S.19-100. Eine
neuere, etwas flache Darstellung der Safavidengeschichte bietet
Savory, R.: Iran under the Safavids, Cambridge 1980. Ihm
gebührt aber der Verdienst, die Hauptquelle zur früheren
Safavidenzeit History of Shah 'Abbas the Great by Eskandar Beg
Monshi, Boulder, Colorado 1978, ins Englische übersetzt
zu haben. Die nachsafavidische Zeit behandelt Lockhart, L.: The
Fall of the Safavi Dynasty and the Afghan Occupation of Iran,
Cambridge 1958, und ders.: Nadir Shah, London 1938. Für
die Folgezeit finde ich Algar, H.: Religion and State in Iran,
1785-1906, Berkeley 1969, und Abrahammian, E.: Iran Between
Two Revolutions, Princeton 1982, informativ. Eine Qadscharengeschichte
ist noch nicht geschrieben. Hierzu bietet CHI 7 viel Material. Wie
es danach weiterging, zeigt, natürlich der damaligen Zeit entsprechend,
etwas gefärbt aber keinesfalls unseriös, ein guter Sammelband
Lenczowski, G.: Iran under the Pahlavis, Stanford 1978.
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9. Vorislamische Religionen
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Eine sehr gute Übersicht zu den Religionen
in Iran und seinen östlichen und westlichen Nachbargebieten
(mit Ausnahme des Mazdaismus) findet sich im Handbuch der Orientalistik
(HdO), 1. Abteilung, 8. Band, 2. Abschnitt: Religionsgeschichte
des Orients in der Zeit der Weltreligionen, Leiden 1961. Dort werden
auf 554 Seiten die verschiedenen christlichen Konfessionen (frühchristliche
Gemeinden, Nestorianer, Jakobiten, Maroniten, Thomas-Christen in
Indien, Armenier, Kopten, die äthiopische Kirche), synkretistische
Religionen, die Mandäer, Manichäer, Juden und der Islam
behandelt. Hierzu für Iran relevante Werke. Christen:
Gero, S.: Barsauma of Nisibis and Persian Christianity in the
Fifth Century, Löwen 1981, Hoffmann, G.: Auszüge
aus syrischen Akten persischer Märtyrer, Leipzig 1880,
Braun, O.: Ausgewählte Akten persischer Märtyrer,
Kempten/München 1915, Chabot, J.-B.: Synodicon Orientale...,
Paris 1912. Gero zeichnet den Weg der "Nestorianisierung"
Irans nach, die Märtyrerakten geben weite Informationen über
Glauben und Alltagsleben der Christen, das Synodicon führt
uns in dogmatische Fragen und die Kirchenorganisation der Christen
in Iran ein.
Zu den Mandäern, einer kleinen
Täufersekte im südlichen Iraq und Chuzestan, wer von ihnen
in diesem von Kriegen heimgesuchten Gebiet heute noch lebt, weiß
niemand: Rudolph, H.K.: Die Mandäer, Göttingen
1959ff. Zu den Manichäern, einer gnostischen Missionsreligion,
die sich von Nordafrika, Südeuropa bis China ausgebreitet hatte,
liegt ein weites und widersprüchliches Schrifttum vor. Das
ist verständlich, da die M. als Missionsreligion sich den jeweiligen
religiösen Systemen, Gedanken und Sprachen anpaßten.
Ein griechischer manichäischer Text unterscheidet sich kraß
von einem iranischen. Mani wurde um 215 in eine iranischen Familie
in Südbabylonien geboren. 242 gelang es ihm, den Sasanidenkänig
Schahpur I. (239-272) seiner Lehre, die letztlich im iranischen
Gewand nur eine Spiritualisierung alter iranischer Religionsvorstellungen:
Dualismus, Getrenntheit, Vermischung, Entmischung, frei Wahl des
Einzelnen zwischen Gut und Böse darstellt, gewogen zu stimmen.
Unter Schahpurs Nachfolgern wurde er jedoch, wohl auf das Betreiben
Kartirs (s.u.) und seiner Anhänger und Verbündeten 273
hingerichtet. Die umsichtigste Darstellung der Lehre Manis ist Widengren,
G.: Mani und der Manichäismus, Stuttgart 1961. Ders. gab
auch einen Sammelband Der Manichäismus, Darmstadt 1977,
heraus, in dem alle namhaften Manichäismus-Forscher mit Beiträgen
vertreten sind und die Forschungsgeschichte aufgearbeitet wird --
soweit das möglich ist. Übersetzungen der relevanten manichäischen
Texte und von Gegentexten (griechisch, koptisch, mittelpersisch,
parthisch, sogdisch, uigurisch, lateinisch, syrisch, arabisch) finden
sich bei Böhlig, A.: Die Gnosis, Dritter Band, Der Manichäismus,
Zürich/München 1980. Auf einer ähnlichen Grundlage,
aber weniger befriedigend arbeiteten: Woschitz, K.M., Hutter,
M. u. K. Prenner: Das manichäische Urdrama des Lichtes,
Wien 1989.
Juden: Seit dem ersten Exil 722 v.u.Z. lebten Juden im Zweistromland,
manche von ihnen dürften schon früh von dort auf das iranische
Plateau gekommen sein. Seit der Zeit von Kyros d. Gr. (558-530 v.u.Z.),
der ihnen auch erlaubte, in ihre Heimat Palästina zurückzukehren
und den Wiederaufbau des Tempels (mit)finanzierte, bestanden meist
gute Beziehungen zwischen Juden und Iranern. Sie wurden nur in der
frühen Sasanidenzeit durch Kartirs Aktivitäten etwas getrübt.
Kartirs Verfolgungen richtete sich aber mehr gegen Manichäer
und Christen. Geschichte und Leben der Juden unter iranischer Herrschaft
ist hervorragend von Neuser, J.: A History of the Jews in Babylonia,
(5 Bnd.) Leiden 1960-1970, erforscht. Dort alle weiteren Literaturhinweise.
Zum Mazdaismus oder Zoroastrismus
liegen viele Arbeiten vor. Sie gründen auf den Gathas, "Predigten"
/ "Versgesängen" des Zarathustra, die den ältesten
Teil des Awesta, der heiligen Schrift der Zoroastrier, bilden und
späterem zoroastrischem Schrifttum. Die Gathas sind der älteste
Teil des Awesta, der heiligen Schrift der Zoroastrier, neben Lommels
Übersetzung (s.u.) sei noch auf die von Bartholomae, C.:
Die Gatha's des Awesta, Straßburg 1905, die von Humbach,
H.: Die Gathas des Zarathustra, Heidelberg 1959 sowie auf die
im Buch von Hinz, W.: Zarathustra, Stuttgart 1961, sich stark
einer christlichen Sprache bedienende hingewiesen. Das Awesta selbst
(mit Ausnahme der Gathas) liegt in einer Übersetzung von Wolff,
F.: Avesta - Die heiligen Bücher der Parsen, Berlin/Leipzig
1924, vor. Eine Übersicht zum Stand der Zarathustra-Forschung
bietet der Sammelband Schlerath, B.: Zarathustra, Darmstadt
1970. Die hier veröffentlichte Vorlesung von Henning, W.B.:
Zoroaster (Zoroaster, Politician or Witch-Doctor?) umreißen
das Problem, vor dem wir stehen. War Zarathustra ein Politiker,
der im Hintergrund des entstehenden achämenidischen Staates
wirkte -- oder war er ein Schamane in den Steppen Zentralasiens?
Herzfeld, E.: Zoroaster and his World, Princeton 1947, vertritt
(von Henning überspitzt dargestellt) die erste Richtung, Nyberg,
H.S.: Die Religionen des alten Iran, Leipzig 1938, die andere.
Gaube, H.: Zoroastrismus, in: Brunner-Traut, E. (Hrsg.):
Die großen Religionen des Alten Orients und der Antike,
Stuttgart 1992, S.95-121, hat das Unstrittige über die mögliche
Kenntnis der Lehre Zarathustras zusammengefaßt. Solide Grundlage
waren hier besonders die Arbeiten von Lommel, H.: Die Religion
Zarathustras, Tübingen 1930, und ders.: Die Gathas des
Zarathustra, Basel/Stuttgart 1971. Zweifelsfrei scheint zu sein,
daß Zarathustra wirklich gelebt hat. Wo und wann, bleibt umstritten.
Sein Wirkungsgebiet, das nicht notwendig seine ursprüngliche
Heimat gewesen sein muß, war wohl der Nordwesten Irans, und
die Zeit seines Wirken wohl um 1000 v.u.Z. Bei allen kontroversen
Ansichten scheinen einige Elemente seiner "Lehre", wie
sie uns in seinen Gathas erhalten sind, deutlich: Der eine Gott
und die "herrlichen" Unsterblichen, der Kampf zwischen
Gut und Böse und klare Vorstellungen von Zeit, dem Jenseits
und dem Ende. Kompromißlos lehnt Zarathustra die alten Götter
der Iraner ab und dämonisiert sie. Die Vertreter der skandinavischen
Schule, Nyberg und besonders sein Schüler Widengren, T.:
Die Religionen Irans, Stuttgart 1965, scheinen mir zu schematisch,
auf eine m.E. fixe Idee von Dumézil, G.: Les Dieux des
Indo-Européens, Paris 1952, der seit 1924 seine Gedanken
propagiert hat, zurückzugehen. Duchesne-Guillemin, J.: Zoroastre,
Paris 1948, ist auch von dieser Denkensart beeinflußt. Bescheidener,
wenn auch nicht voll überzeugend, aber überzeugend wird
auf diesem Feld wohl letztlich niemand sein können, ist da
in ihrer neusten Arbeit Boyce, M.: Zoroastrianism, Costa
Mesa/New York 1992. Dieses Buch kann als Summe ihres jahrzehntelangen
Bemühens um die mazdaistische Religion gewertet werden, dessen
Frucht ihre dreibändige History of Zoroastriansm (HdO),
Leiden 1975-1991, ist, in der sie umsichtig mit den Quellen verfährt,
nicht frühe mit späten Quellen willkürlich vermischt
und so einzelne historische Schichten dieser Religion herausarbeitet.
Ihre Arbeiten hören zeitlich nicht irgendwann in der Antike
oder im Mittelalter auf. Sie beschäftigt sich auch mit den
Zoroastriern, in Indien Parsen, der Gegenwart, so z.B. im Schlußkapitel
ihres Buches und in A Persian Stronghold of Zoroastrianism,
Oxford 1977. Nicht unerwähnt sollen drei weitere Arbeiten bleiben
Baily, H.W.: Zorostrian Problems in the Ninth-Century Books,
Oxford 1943, Zaehner, R.C.: The Dawn and Twilight of Zoroastrianism,
London 1961, (interessant -- aber auch problematisch) und ders.:
Zurvan, A Zoroastrian Dilemma, Oxford 1955, dort wird der
"Zurvanismus" behandelt, auf den hier nicht eingegangen
werden konnte.
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10. Geschriebene Sprachen bis zum Neupersischen,
Schrift, Literatur
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Grundlage
jeder Beschäftigung mit den iranischen Sprachen und Literaturen
ist noch Geiger, W. und E. Kuhn (Hrsg.): Grundriß der iranischen
Philologie, Straßburg 1896-1904. Es versteht sich von
selbst, daß manche der Beiträge veraltet sind. Aber das
Werk ist nur teilweise durch Schmitt, R. (Hrsg.): Compendium
Linguarum Iranicarum, Wiesbaden 1989, ersetzt. Weitere Grundlagenwerke
sind HdO, 1. Abteilung, 4. Band, 1. Abschnitt: Iranistik,
Linguistik, Leiden 1958, und HdO, 1. Abteilung, 4. Band, 2. Abschnitt:
Iranistik, Literatur, Leiden 1968.
Die iranischen Sprachen werden zeitlich in
drei Gruppen eingeteilt: das Altiranische, das Mitteliranische und
das Neuiranische.
Das Altiranische ist schriftlich durch
das Altpersische und das Awestische gut belegt. Das Altpersische
begegnet uns in Inschriften auf Stein und Metall. Es wird in einer
Buchstaben-Keilschrift mit 36 Buchstaben, 8 Ideogrammen und 2 Worttrennern
geschrieben, mit deren Entzifferung G.F. Grotefend 1802 nach Umzeichnungen
von Reisenden begann und die Rawlingson, H.C.: The Persian Cuneiform
Inscriptions at Behistun, in: JRAS 10 (1847 )S.187-349,
abschloß. Seine bahnbrechenden Arbeiten an der dreisprachigen
(altpersisch, akkadisch, elamitisch) Dareiosinschrift von Bisutun,
die nicht nur zur endgültigen Entzifferung der altpersischen
Inschriften führten, sondern auch den Schlüssel zur Entzifferung
des Akkadischen und Elamitischen lieferten, können nicht hoch
genug eingeschätzt werden. Die Inschrift von Bisutun ist die
längste altpersische Inschrift. In ihr stellt sich Dareios
(537-486 v.u.Z.) vor, zählt die Länder auf, die er beherrscht
und gibt Rechenschaft über die Kämpfe, die ihn an die
Macht brachten. Das gesamte Material wurde durch Kent, R.G.:
Old Persian, Grammar, Texts, Lexicon, New Haven 1953, vorgelegt.
Hinz, W.: Altpersischer Wortschatz, Leipzig 1942, erschloß
den Wortschatz mit Formanalysen, weiter Brandenstein, W. und
M. Mayrhofer: Handbuch des Altpersischen, Wiesbaden 1964. Das
Awestische ist die Sprache des Awesta und zerfällt in das Altawestische
(Gathas und einiges wenige mehr) und das Jungawestische (der Rest
des Awesta). Das Awesta wurde wahrscheinlich bis in die späte
Sasanidenzeit mündlich tradiert und erst dann in einer aus
der Pehlevischrift entwickelten Schrift niedergeschrieben. Die frühesten
erhaltenen Handschriften stammen aus dem 14. Jh., das heißt:
der älteste geschriebene Text ist über 2000 Jahre jünger
als Zarathustra! Welche Probleme das für die Übersetzung
und Interpretation der Texte mit sich bringt, ist leicht vorstellbar.
Grundlagen der Beschäftigung mit
dem Awestischen sind Bartholomae, C.: Altiranisches Wörterbuch,
Straßburg 1904, und Reichelt, H.: Awestisches Elementarbuch,
Heidelberg 1909. Zu Übersetzungen aus dem Awestischen s.o.
09.
Das Mitteliranische ist in mehreren
Sprachen belegt. Von Interesse sind für uns dasParthische,
das Pehlevi, das Sogdische, weniger das Sakische. Das Parthische
ist aus der Partherzeit nur schwach überliefert. In Nisa bei
Aschchabad in Turkmenestan wurden Aufschriften auf Gefäßfragmenten
gefunden, die sich größtenteils auf Weinlieferungen beziehen
und aus der Zeit zwischen 100 und 29 v.u.Z. stammen. Sie wurden
im Rahmen des Corpus Inscriptionum Iranicarum (CII) von MacKenzie,
D.N.: Parthian Economic Documents from Nisa, London 1976f.,
veröffentlicht. Ein weiteres Dokument, die Besitzurkunde eines
Weinbergs, wurde in Iranischkurdestan entdeckt. Das sog. Awroman-Dokument,
dazu Herzfeld, E.: Paikuli I, Berlin 1924, S.83, weiter Henning,
E. in HdO (Linguistik, s.o.), S.28ff. entstand 53 u.Z. Weitere
partherzeitliche geschriebene parthische Sprachreste finden sich
als Inschriften, meist inhaltlicher Belanglosigkeit, in Iran und
bis nach Dura-Europos im heutigen Syrien am Euphrat, dazu im Rahmen
des CII die Publikation von Frye, R.N.: The Parthian and Middle
Persian Inscriptions of Dura-Europos, London 1968. Das wohl
bedeutendste parthische Sprachzeugnis (neben den parthischen manichäischen
Texten, dazu Boyce, M.: A Reader in Manichaen Middle Persian
and Parthian, Leiden 1975, A Word-List of Manichaen Middle
Persian and Parthian, Leiden 1977, und The Manichaean Hymn-Cycles
in Parthian, London 1954) stammt aber aus nachparthischer Zeit.
Es ist die parthische Fassung der dreisprachigen (neben Parthisch,
Pehlevi und Griechisch) Inschrift des Schahpur I. (239-272) an der
"Kaaba des Zarathustra" am Naqsch-e Rostam nahe Persepolis,
dazu Back, M.: Die Sassanidischen Staatsinschriften, Leiden
1978.
Die reichen Schriftzeugnisse des Pehlevi
(Mittelpersischen) sind für uns die wichtigsten. Eine Einführung
in die Sprache bietet Nyberg, S.M.: A Manual of Pahlavi,
Wiesbaden 1964 (Texts) und 1974 (Glossary). Hier findet sich auch
im Textband auf S. 129 eine gute Schrifttabelle, welche die Ableitung
der parthischen Schrift und der Pehlevischrift von der aramäischen
Schrift aufzeigt sowie die Abhängigkeit der Awestaschrift von
der Pehlevischrift. In dieser Tabelle fehlt nur die manichäische
Schrift. Mani hatte eine von der Vieldeutigkeit der Pehlevischrift
freie Schrift aus dem östlichen Syrischen (Estrangelo) entwickelt,
dazu Jensen, H.: Die Schrift, Glückstadt/Hamburg 1936,
in der sowohl die parthischen wie die mittelpersischen manichäischen
Texte geschrieben sind. Die Hilfsmittel für das Mittelperische
sind mehr als begrenzt. Lexica existieren auf dem Niveau von Schulwörterbüchern
für die gymnasiale Unterstufe, keiner der Philologen hat sich
bisher an ein mittelpersisches Wärterbuch gewagt, das über
Abremjan, R.: Pechlevijsko - Persidsko - Armjano - Russko - Anglijskij
Slovar, Erevan 1965, MacKenzie, D.N.: A Concise Pahlavi Dictionary,
London 1971, und Nyberg, Glossary (s.o.) hinausreicht --
ich als Kulturwissenschaftler mache mir da meine Gedanken über
den Sinn der "reinen" Philologie, die weder inhaltlich
noch sprachlich den vieltausendseitigen, reichen Schatz der mittelpersischen
Literatur anzugehen wagt. Zu dieser Literatur bieten Tavadia,
J.C.: Die mittelpersische Sprache und Literatur der Zarathustrier,
Leipzig 1956, Boyce, M.: HdO (s.o.) eine gute Übersicht.
Das Sogdische, in einer sehr an das Aramäische angelehnten
Schrift geschrieben, ist für unsere Belange nur in den von
A. Stein in einem Turm der chinesischen Mauer entdeckten Briefen
von Interesse, die Reichelt, H.: Die soghdischen Handschriftenreste
des Britischen Museums II, Heidelberg 1931, publiziert und übersetzt
hat. Sie geben uns Einblick in eine Gesellschaft von Fernhandelskaufleuten,
die eine wichtige Mittlerfunktion zwischen dem Vorderen Orient und
China im 4. Jh. u.Z. hatten. Sonstige sogdische Texte sind buddhistischen,
manichäischen und christlichen Inhalts. Alle von ihnen wurden
im Tarimbecken gefunden und haben für uns marginale Bedeutung.
Dasselbe gilt für das in von indischen Schriften abgeleitete,
geschriebene Sakisch (oder Chotansakisch, weil die meisten Texte
in Chotan im Tarimbecken gefunden wurden), das auf Sprachwissenschaftler
Bailey, H.W. im HdO "Linguistik" (s.o.) Faszination
ausüben mag, inhaltlich aber für unsere Belange, da es
nur um Übersetzungen buddhistischer Texte geht, uninteressant
ist.
Das Neuiranische als geschriebene
Sprache sei hier nur im Neupersischen (s.o. 03.) behandelt.
Wörterbücher und Grammatiken spare ich mir aufzuführen.
Nach der islamischen Eroberung gab es eine Spaltung innerhalb der
iranischen Intelligenz. Die Mehrzahl bediente sich des Arabischen
als sprachliches Medium und wurde schnell in der neuen internationalen
geistigen Welt des Islam dominant. Andere zogen sich auf die eigene
Tradition zurück und faßten ihr Wissen um die Vergangenheit
im mittelpersischen Schrifttum der frühen islamischen Zeit
zusammen (dazu Tavadia, s.o.). Alle von ihnen sprachen aber Persisch.
Während anderswo Sprachen wie das Koptische in Ägypten
verloren gingen, und eine eigene kulturelle Identität verschwand,
hielten sich in Iran die alten Traditionen und Vorstellungen, die
seit dem 9. Jh. aufbrachen und in den 10. und 11. Jhdn. im Nordosten
Irans in literarischer Form nachweisbar sind. Das geschah unter
der iranischen Lokaldynastie der Samaniden, die von ihrer Hauptstadt
Buchara aus eine kulturelle Renaissance der persischen Sprache förderte.
Einer der Wezire der Samaniden, Bal'ami, 938 in Ungnade gefallen,
schuf das erst umfangreiche Prosawerk in neupersischer Sprache,
den Tarikh-e Bal'ami, eine freie und umgeordnete Übersetzung
des Geschichtswerks des arabisch schreibenden Iraners Tabari
(s.o. 08). Bal'ami war auch der Förderer des ersten neupersisch
schreibenden Poeten Rudagi (gest. um 940). Aber erst mit Ferdousi
(934-1020?) beginnt eigentlich die neupersische Literatur. In seinem
Shahnameh, dem "Königsbuch" schuf er nicht nur eine
von Arabismen freie neupersische Sprache, er war auch damit der
Vorkämpfer (bewußt oder unbewußt) einer eigenen
Kultur Irans im Islam. Fraglos war er ein überzeugter Moslem,
sein Werk hat aber nur die vorislamischen Könige Irans, mythisch
oder historisch, zum Gegenstand. Dazu noch immer der erste Professor
für Irankunde in Tübingen Mohl, J.: Le Livre des Rois,
Paris 1887. Ferdousi steht an der Schwelle einer islamisch faßbaren
Kunde von Iran. Wenig nach ihm entstand die seldschukische Moschee
von Isfahan (s.o. 07.). Iran war hinfort sich selbst im Islam. Neben
den oben (08.) angegebenen Werken zur Geschichte, die grundlegenden
Arbeiten zur Literatur Irans in islamischer Zeit. Unwiederholbar
ist Browne, E.G.: A Literal History of Persia, London 1902-1924.
In diesem Werk vereinigt ein Persisch- und Persien-Kenner alles,
was zur neupersischen Literatur seinerzeit sagbar war. Sein: A
Year Amongst the Persian, Cambridge 1927, zeigt das auf einer
anderen Ebene deutlich. In deutscher Sprache existiert ein Abklatsch
von Browne's großer, Literatur und Geschichte zusammenführenden
Darstellung in der unter kommunistischem Muß hergestellten
-- aber durchaus benutzenswerten Arbeit -- Rypka, J.: Iranische
Literaturgeschichte, Leipzig 1959. Abschließend sei noch
zum neupersischen Schrifttum, das nicht im Zentrum dieser Veranstaltung
stand, auf den Versuch Storey, C.A.: Persian Literature, A Bio-Bibliographical
Survey, London ab 1927, (russische <und damit erschwingliche>
Bearbeitung von Bregel, Y.E., Moskau 1972) hingewiesen, das
einzige Hilfsmittel, auch ungedruckte persische Quellen zu finden,
fraglos weit unter dem Niveau von GAL und GAS -- aber das ist das
Schicksal der Iranwissenschaft: die Spanne von dem Vorgeschichtlichen
bis in die Gegenwart ist zu weit.
W. Hinz schrieb mir aber vor einigen Jahren "machen Sie es
so", daran halte ich mich.
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| ©Prof. Dr. Heinz Gaube |
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