|
|

|
 |

|

Prof. Dr. Heinz Halm
Islamisches Rechts- und Staatsverständnis.
Islam und Staatsgewalt.
"Der Islam ist Religion und Staat" (al-Islam
din wa-daula) lautet ein oft zitierter Grundsatz. Angeblich macht
er es Muslimen grundsätzlich unmöglich, zwischen beiden Sphären
zu trennen.
Sollte dies tatsächlich so sein, dann wären
Muslime nicht in der Lage, eine der Grundlagen der modernen Demokratie
anzuerkennen: die Trennung zwischen Religion und Staat, den säkularen
Staat als neutralen Vermittler zwischen unterschiedlichen religiösen
Glaubensrichtungen und Weltanschauungen. Der Slogan wird denn auch mit
Vorliebe von Vertretern jener politischen Strömungen im modernen
Islam im Munde geführt, die wir "islamistisch" nennen,
also jener Richtungen des politischen Islam, die der Demokratie westlichen
Zuschnitts ablehnend oder gar feindlich gegenüberstehen und einen
"islamischen" Staat fordern, der nicht demokratische, sondern
theokratische Züge tragen und die in der prophetischen Sendung Mohammeds
geoffenbarte gottgewollte Ordnung auf Erden realisieren soll. Nun ist
aber der eingangs zitierte Slogan vor dem 19. Jahrhundert gar nicht zu
belegen. Er ist selber ein Produkt der Moderne, und es ist zu fragen,
ob er tatsächlich historisch begründet ist und nicht bloß
ein Idealbild oder das Postulat einer bestimmten modernen Ideologie darstellt.
Diese Seite ausdrucken |