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| Materialien | Artikel | Prof. H. Halm, Islam und Staatsgewalt |
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Die Frage ist nun, ob diese enge historische Verbindung tatsächlich unauflöslich ist; ob der Islam wirklich, wie manche seiner Anhänger behaupten, ohne die enge Verflechtung mit der Staatsgewalt nicht existieren könne. An dieser These sind Zweifel angebracht. Zunächst einmal enthält der Koran selber keinerlei Vorschrift über eine gottgewollte Staatsform. Auch Mohammed hat keine solche vorgeschrieben; er hat nicht einmal einen Nachfolger benannt (jedenfalls nicht nach der sunnitischen Mehrheitsmeinung), so daß nach seinem Tod seine Gemeinde eine Reihe bürgerkriegsähnlicher Krisen erlebte, innere Zwistigkeiten der umma, welche die Frommen als gottgewollte "Prüfungen" verstanden.
"Wie aber sollte das von Mohammed geschaffene Gemeinwesen gelenkt werden, wenn seine "Nachfolger" - das bedeutet das arabische Wort Kalif (khalifa) - nicht direkt von Gott inspiriert wären?"
Zudem endet nach ellgemein islamischer Auffassung mit dem Tode des Propheten die Prophetie überhaupt und damit die Theokratie: Die durch Mohammed gebrachte koranische Offenbarung gilt als endgültige Beglaubigung und Schlußstrich unter alle bisher den Menschen zuteil gewordenen göttlichen Willensbekundungen; nach Mohammed kann es daher nach islamischer Auffassung keinen von Gott direkt inspirierten Propheten mehr geben. Wie aber sollte das von Mohammed geschaffene Gemeinwesen gelenkt werden, wenn seine "Nachfolger" - das bedeutet das arabische Wort Kalif (khalifa) - nicht direkt von Gott inspiriert wären? Die vier ersten Kalifen waren aus seinem engsten Anhängerkreis durch Konsens bestimmte frühe Weggefährten, doch schon 661 kam mit dem Statthalter von Syrien, Muawija, die Familie der Omaijaden an die Macht, die sich als Dynastie etablieren konnte und bis 750 von ihrer Hauptstadt Damaskus aus das neue arabische Imperium regiert.
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