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Castellina
del Marangone:
Projektbeschreibung
Ziel des seit 1995 laufenden Projektes Castellina del
Marangone ist die exemplarische Untersuchung der Struktur einer
etruskischen Kleinstadt. Unter der Gesamtleitung der Universität
Tübingen sind am Projekt folgende Institutionen beteiligt: das Centre
Nationale des Recherches Scientifiques Paris (19951999), die Fachhochschule
Karlsruhe (seit 1995), die Universität
Louvain (seit 2001) und die Soprintendenza
Archeologica per l'Etruria Meridionale
als zuständige Antikenbehörde.
Die aus mehreren europäischen Nationen zusammengesetzten Forscherteams
werden im wesentlichen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem
Ministère des Affaires Etrangères (Frankreich) finanziert, zusätzliche
Unterstützung kommt von privaten Spendern aus Deutschland und der Stadt
Civitavecchia in Italien.
Die Siedlung Castellina del Marangone liegt im Grenzgebiet
der antiken Metropolen Tarquinia und
Cerveteri
auf einem exponierten Hügel in unmittelbarer Nähe zum Meer und
kontrollierte aufgrund ihrer beherrschenden Lage über dem Marangonefluß
einen wichtigen Zugang zu den Erzabbaugebieten der Tolfaberge. Rund um
die Siedlung gruppieren sich ausgedehnte Nekropolen.
Nachdem mehrere
Surveys und Grabungen die
Bedeutung des antiken Ortes zum Zeitpunkt der griechischen Kolonisation
im 8. und 7. Jh.v.Chr hatten erkennen lassen und einige Überreste aus
späterer Zeit bekannt waren, stand die Erforschung der
Siedlungsentwicklung und die Klärung funktionaler Aspekte einzelner
Bauwerke im Mittelpunkt des Interesses. Zu diesem Zweck wurde in den
Jahren 1996 und 1997 ein Ost-West Schnitt
angelegt, der vom Siedlungszentrum bis zur Stadtmauer reichte.
In den folgenden Jahren konnten am Westhang
subapenninzeitliche
Siedlungsschichten sowie im Zentrum
unter einer großen mittelalterlichen Anlage die Reste zweier öffentlicher
Bauten aus etruskischer Zeit erfaßt werden. Die bereits in etruskischer
Zeit angelegte
Wohnbebauung am Südwesthang
wurde auch noch in römischer Zeit genutzt.
Aus den bisherigen Untersuchungen ergibt sich vor
allem auf der Basis der Keramikfunde eine durchgehende Besiedlung von
der Bronzezeit (Mitte des 2. Jts. v.
Chr.) bis in die Spätantike (5. Jh. n. Chr.), ein Befund, der bisher an
der tyrrhenischen Küste ohne Parallele ist.
Castellina
del Marangone vor 1995
(Beginn
des Projektes)
Die
günstige topographische Lage und die Existenz ausgedehnter Nekropolen
veranlaßten bereits vor dem zweiten Weltkrieg den Heimatforscher S.
Bastianelli zu wiederholten Grabungen auf dem Hügel und in seiner
Umgebung. 1964 nahm der Apotheker O. Toti eine kleine Tiefengrabung im
Stadtzentrum vor (Areal A). Seine Funde,
darunter euböische Keramik und
Eisenschlacken, belegen die Bedeutung der Siedlung zur Zeit der
griechischen Kolonisation im 8./7. Jh.
v. Chr. Einige
architektonische Überreste
aus späteren Jahrhunderten
waren zum Zeitpunkt dieser Grabung bereits bekannt und sind bis heute für
den Besucher sichtbar: an den Abhängen die Überreste eines großen, ca.
700 m langen Mauerringes, der in der Antike die Hügelkuppe umschloß. Auf
der Hügelkuppe (Siedlungszentrum) selbst liegt mitten in einem Olivenhain
die idyllische Ruine eines neuzeitlichen Gebäudes, von den
Einheimischen Casetta dei Cacciatori genannt (Areal
B). Einige Meter nördlich dieser Ruine hatte der Heimatforscher
Colasanti eine antike Zisterne
ausgehoben, deren abgenommene Decksteine noch immer zwischen den Olivenbäumen
zu sehen sind (Areal E). Lesefunde
vom Architekturschmuck eines Tempels des späten 3. und frühen 2. Jh. v.
Chr. wiesen auf einen lokalen Kult hin.
Über
diese Ausgrabungen liegen keine oder nur unzureichende Publikationen vor,
die Beifunde der Vorkriegsgrabungen sind fast vollständig den
Bombenangriffen des zweiten Weltkrieges auf Civitavecchia zum Opfer
gefallen. (Bibliographische Angaben).
Der
Survey
1995
In
der Feldbegehung des Jahres 1995 durch die Teilnehmer des Projektes wurde
der Hügel nach sichtbaren antiken Resten abgesucht. Die
architektonischen Überreste wurden in den von der Fachhochschule
Karlsruhe erstellten topographischen
Plan aufgenommen und so erstmals genauere Vorstellungen vom Verlauf
der antiken Stadtmauer gewonnen. Außerdem konnten einige der bisher nicht
genau lokalisierten Vorgängergrabungen näher bestimmt und die sichtbaren
Ruinen (Casetta dei Cacciatori, Zisterne)
exakt erfaßt werden. Die Keramikfunde des Siedlungsplateaus ließen auf
eine intensivere Nutzung des westlichen Bereichs des Siedlungsplateaus
in nachantiker Zeit schließen, während an den Abhängen nahezu
ausnahmslos antike Keramik von der Villanova-
bis in die römische Zeit mit besonderer Funddichte an hellenistischer
Glanztonkeramik gefunden wurde.
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