Über den Arbeitskreis
1. Zielsetzung und Gründung
In den letzten drei Jahrzehnten hat sich sowohl die öffentliche als auch die wissenschaftliche Diskussion über die Geschichte der Hexenverfolgung stark belebt. Ebenso wird dem Phänomen des vergangenen wie des gegenwärtigen Hexenglaubens von verschiedenen Seiten mit unterschiedlicher Intention großes Interesse entgegengebracht. War die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Hexenverfolgung lange Zeit eine Domäne der Rechtsgeschichte, so vereint sie heute Rechts-, Medizin-, Pharmazie-, Sozial-, Wirtschafts- und Kunstgeschichte, allgemeine Geistes- und Landesgeschichte, historische Anthropologie, Volkskunde, Theologie und Religionswissenschaft. Trotz wichtiger Fortschritte in den letzten beiden Jahrzehnten bleiben jedoch immer noch viele Fragen offen.
Um die vielfältigen universitären wie außeruniversitären Forschungsansätze zu bündeln, Fachleuten verschiedener Disziplinen und Nationalitäten Gelegenheit zur Diskussion und zu persönlichen Kontakten zu bieten und überhaupt die Forschung in diesem Bereich voranzutreiben, wurde im Jahr 1985 der Arbeitskreis Interdisziplinäre Hexenforschung (AKIH) ins Leben gerufen. Den Ausgangspunkt bildete eine Tagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart zur Hexenverfolgung in Deutschland. Die dort entwickelte Idee erfuhr dann bei Gesprächen in Stuttgart ihre Konkretisierung. Zum ersten Arbeitstreffen des AKIH wurde für Februar 1986 nach Stuttgart-Hohenheim eingeladen. Ein zweites Treffen im Herbst desselben Jahres war mit einer großen öffentlichen Akademietagung in Weingarten verbunden. Das schnell wachsende Interesse und die rege Beteiligung an den Veranstaltungen unterstrichen die Bedeutung des neuen Arbeitskreises.
2. Schwerpunkte
Im Wesentlichen bezieht sich die Arbeit des AKIH zunächst auf die abendländischen Hexenverfolgungen des 15. bis 18. Jahrhunderts. In diesem Zusammenhang beschäftigt sich der AKIH aber auch ganz allgemein mit Magie- und Hexenvorstellungen in Mittelalter und Früher Neuzeit sowie mit deren gesellschaftlicher Funktion bis hin zur Gegenwart.
Das geographische Zentrum bildet das Alte Reich bzw. der deutsche Sprachraum, doch wird auch das übrige Europa berücksichtigt. Immer wieder einmal sucht der AKIH schließlich vergleichende Blicke auf außereuropäische Völker und Kulturen.
Methodisch ist der AKIH einer wissenschaftlichen, d.h. vor allem einer historisch-kritischen Arbeitsweise verpflichtet, die ahistorisch-spekulative oder mythologisierende Ansätze u.ä. meidet.
3. Mitglieder
Der AKIH versteht sich als loser Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller Fächer, die sich bei ihrer Arbeit in irgendeiner Weise mit dem Hexenthema befassen. Als Forum des Gesprächs und des Informationsaustausches möchte der AKIH speziell auch jüngeren Kolleginnen und Kollegen Hilfestellung geben, die etwa gerade mit Magister-, Doktorarbeiten oder Habilitationen beschäftigt sind.
Der Arbeitskreis umfasst z.Zt. über 250 Mitglieder - vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch aus den europäischen Nachbarländern und in Einzelfällen aus Übersee.
4. Organisation
Bis heute ist der AKIH über das Referat Geschichte fest mit der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart (Dr. Dieter R. Bauer) verbunden. Seit 1986 findet das jährliche Arbeitstreffen in deren Tagungshaus in Stuttgart-Hohenheim statt. Immer wieder einmal ist es möglich, aus diesem Zusammenhang heraus auch offene Akademietagungen zu entwickeln. Vorgesehen sind insbesondere im Abstand von etwa drei Jahren große wissenschaftliche Studientagungen, von denen bereits mehrere realisiert werden konnten.
Ein zweites institutionelles Standbein besitzt der AKIH im Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen (Prof. Dr. Sönke Lorenz), wo die Geschichte der Hexenverfolgung in Lehre und Forschung einen festen Platz gefunden hat.
Bei einzelnen Projekten und Veranstaltungen kooperiert der AKIH mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen, insbesondere Hochschulen, staatlichen und kommunalen Archiven sowie Museen.
5. Aktivitäten
Den Kern der Arbeit des AKIH bilden die jährlichen Arbeitstreffen und Studientagungen. Dieses werden zumeist in ausführlichen Berichten (besonders für die AHF), in einfachen Materialdiensten u.ä. dokumentiert, z.T. auch in Buchpublikationen.
Der AKIH unternimmt es immer wieder, Ergebnisse der modernen Hexenforschung über diesen Rahmen hinaus auch einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen, sofern dies in seinen Möglichkeiten liegt und der wissenschaftliche Anspruch gewahrt bleibt. So veranstalteten die Akademie und das Institut für Geschichtliche Landeskunde im April 1993 ein öffentliches Kolloquium zum Thema: "Kirche und Hexenverfolgung", das im Stuttgarter Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle stattfand. Eine Tagung zum Thema "Hexenverfolgung in Thüringen" wurde im September 1996 zusammen mit dem Staatsarchiv in Gotha ausgerichtet. Ferner waren Mitglieder des AKIH an der Vorbereitung der Ausstellung Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten beteiligt, die das Badische Landesmuseum in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichtliche Landeskunde von September 1994 bis Januar 1995 in Karlsruhe zeigte.
Mit der von Dr. Klaus Graf administrierten Mailingliste Hexenforschung besitzt der AKIH inzwischen auch eine viel genutzte und aktive online-Plattform. Eng verbunden mit dem AKIH ist schließlich auch das Fachportal Hexenforschung auf historicum.net.
letzte Überarbeitung: 31.07.2009