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DFG-Projekt: (Prof. Dr. Peter Klein)

"Romanische Kreuzgänge in Frankreich und Spanien: Architektur, Bildausstattung, Funktionen, Bedeutung"

Der Kreuzgang bildete topographisch und funktional das Zentrum der mittelalterlichen Klosteranlage. Er war aber nicht nur von zentraler Bedeutung für das Klosterleben, sondern verkörpert noch heute in seinen romanischen Beispielen ein ästhetisch eindrucksvolles Ensemble aus gedeckten Umgängen, lichten Arkaden, reichem Skulpturenschmuck und idyllischem Klostergarten. Gegenstand des Projekts sind sechs romanische Kreuzgänge in Südfrankreich und Nordspanien, die durch ihre bedeutende bildliche Ausstattung als auch durch ihren weitgehend guten Erhaltungszustand eine besondere Stellung einnehmen. Dies sind die Kloster-Kreuzgänge in Moissac, Silos und San Cugat del Vallès sowie die Kathedral-Kreuzgänge in Aix-en-Provence, Arles und Gerona. Diese Kreuzgänge sind bisher weder nach den Methoden der Bauforschung erfaßt und analysiert, noch ist ihr Skulpturenschmuck in seiner Thematik und programmatischen Anlage wie seinem Bezug auf die liturgisch-rituelle Nutzung vergleichend untersucht worden. Eine historisch wie materiell abgesicherte Untersuchung ist aber nur möglich, wenn sie sowohl interdisziplinär wie komparatistisch verfährt.
Deshalb sollen unter Führung der Kunstgeschichte die Arbeitsmethoden der Bauforschung, Ikonographie, Quellenkritik und Archivforschung zu einem gemeinsamen Projekt zusammengeführt werden, für das es in dieser Form bisher keine Parallelen gibt und das naturgemäß aufwendiger ausfällt als ein weniger interdisziplinär ausgerichtetes Forschungsvorhaben. Die ausgewählten Kreuzgänge sollen - samt den angrenzenden Konventsbauten (Kapitelsaal, Dormitorium, Refektorium) - mit den Methoden der Bauforschung genau vermessen, zeichnerisch dokumentiert und in ihrer Baugeschichte analysiert werden. Damit sollen diese fast durchweg nicht datierten Bauwerke zeitlich genauer eingeordnet werden, als es bisher mit den traditionellen Methoden der Stilkritik und Quellenforschung möglich war. Es soll aber vor allem eine solidere Grundlage für die ikonographische und ikonologische Untersuchung der skulpturalen Ausstattung dieser Kreuzgänge geschaffen werden, deren Themen, Programme und Ordnungssysteme im Zusammenhang der vielfältigen Funktionen der Kreuzgänge analysiert werden sollen. Dazu werden nicht nur
lokale liturgische Quellen herangezogen, sondern es sollen auch die allgemeinen Sammelwerke liturgischer Texte systematisch auf ihre Informationen zu den Funktionen der Kreuzgänge erforscht werden. Darüber hinaus zeichnen sich bestimmte Typen der Anlage und Programmatik der skulpturalen Ausstattung der romanischen Kreuzgänge ab, die ihrerseits mit allgemeinen Faktoren und Tendenzen in Verbindung gebracht werden können: so zu dem Status der kirchlichen Institutionen (Ordensgemeinschaften oder Kanonikerstifte), zu einem dezidierten Reformwillen oder der Kompensation einer mangelnden Reformbereitschaft sowie zu dem Streben nach korporativer Identität der kirchlichen Gemeinschaften. So verstanden verkörpern die romanischen Kreuzgänge auch wichtige Facetten der mittelalterlichen Mentalitäts- und Frömmigkeitsgeschichte.


Projektleitung:
Prof. Dr. Peter Klein
e-mail: P.Klein@uni-tuebingen.de


Mitarbeiter:
Bauforschung:
Dipl. Ing. Heike Hansen
e-mail: hansen.heike@gmx.de
Quellenforschung:
Dr. des. Monika Müller
Telefon:  07071/297-8553
e-mail: mo.mueller@uni-tuebingen.de

 

 
 
 

 

 
 

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