Der Dr. Leopold-Lucas-Preis

Der Preis

Der Dr. Leopold-Lucas-Preis würdigt alljährlich hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Theologie, der Geistesgeschichte, der Geschichtsforschung und der Philosophie. Er ehrt dabei insbesondere Persönlichkeiten, die zur Förderung der Beziehungen zwischen Menschen und Völkern wesentlich beigetragen und sich durch Veröffentlichungen um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht haben. Die Evangelisch-theologische Fakultät vergibt den mit 50.000 Euro dotierten Preis alljährlich im Namen der Universität Tübingen. Die Auszeichnung wurde 1972 von dem am 9. Juli 1998 verstorbenen Generalkonsul Franz D. Lucas, ehemals Ehrensenator der Eberhard Karls Universität, zum 100. Geburtstag seines in Theresienstadt umgekommen Vaters, des jüdischen Gelehrten und Rabbiners Dr. Leopold Lucas gestiftet.

Der Namensgeber des Preises

Dr. Leopold Lucas wurde am 18. September 1872 in Marburg geboren. Er entstammte einer seit Anfang des 17. Jahrhunderts in Marburg ansässigen jüdischen Familie. Lucas studierte in Berlin Geschichte und jüdische Wissenschaft sowie Philosophie und orientalische Sprachen. 1895 wurde er in Tübingen mit einer Dissertation über die "Geschichte der Stadt Tyrus zur Zeit der Kreuzzüge" zum Doktor der Philosophie promoviert. Im Jahre 1899 wurde er als Rabbiner nach Glogau berufen. Er diente dieser traditionsreichen jüdischen Gemeinde vier Jahrzehnte lang als Lehrer, Prediger und Seelsorger.

 

Während seines ganzen Lebens war Leopold Lucas wissenschaftlich tätig. Sein besonderes Arbeitsgebiet war die Geschichte der Juden in den ersten christlichen Jahrhunderten. Lucas war 1902 Initiator der "Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums", deren Leitung er sich mit Martin Philippson teilte. Im Jahr 1940 folgte Lucas einem Ruf an die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin – zu einer Zeit also, in der die Vernichtung der Juden in Deutschland beschlossene Sache war und begonnen hatte. Am 17. Dezember 1942 wurde Leopold Lucas zusammen mit seiner Frau nach Theresienstadt deportiert. Auch hier wirkte er noch als Seelsorger seiner Leidensgenossen. Er erlag am 13. September 1943 den Strapazen des Konzentrationslagers. Frau Dorothea Lucas wurde im Oktober 1944 nach Auschwitz verschleppt und ermordet.

Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger seit 1997

 

2015

Angelika Neuwirth

Professorin für Arabistik

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2014

Peter Schäfer

Judaist

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2013Giorgio Agamben
Professor für Ästhetik, Venedig
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2012Seyla Benhabib
Professorin für politische Theorie, Connecticut
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2011Avishai Margalit
Sozialphilosoph, Israel
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2010Peter L. Berger
Religionssoziologe und Sozialphilosoph, Boston
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2009

Karen Armstrong
Publizistin und Religionswissenschaftlerin, London

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2008

Dieter Henrich
Professor emeritus für Philosophie, München
2007Eduard Lohse
Professor emeritus für Neues Testament, Göttingen
Landesbischof i.R. der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover
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2006René Girard
Kulturwissenschaftler, Stanford
2005Yosef Hayim Yerushalmi
Historiker, New York
2004

Sadik Al-Azm
Philosoph, Damaskus

2003

Sir Martin Gilbert
Historiker, London

2002Moshe Zimmermann
Historiker, Jerusalem
2001Michael Theunissen
Philosoph, Berlin
2000Richard von Weizsäcker
Bundespräsident a. D.
1999Steven Theodore Katz
Religionswissenschaftler und Historiker, Boston
1998Michael Walzer
Sozialwissenschaftler, Princeton
1997Henryk Muszynski
Erzbischof und Metropolit, Gnesen/Gniezno (Polen)