“We are the Future” – Die Tübinger Delegierte Melanie Gansel berichtet über die Tagung in Bukarest

Melanie Gansel
Jugendliche aus aller Welt als Delegierte bei der Konferenz in Bukarest

„Im Januar erreichte mich, Melanie Gansel aus Weil der Stadt, eine Mail der Universität Tübingen, ob ich mir vorstellen könnte, eine Woche lang an einem Jugendkongress in Bukarest teilzunehmen – als Delegierte von Deutschland. Erst 14 Jahre alt, war das für mich eine großartige Chance und nachdem ich vom Direktor meiner Schule das Einverständnis für eine Woche Freistellung erhalten hatte, sagte ich zu. Daraufhin wurde ich von der Universität interviewt, und diese sandte eine Bewerbung für mich ein. Mitte Februar erfuhr ich, dass ich in Bukarest dabei sein würde, und erhielt außerdem die Aufgabe, mich über die Bildung in meinem Land zu informieren.


April – in Bukarest traf ich auf viele Menschen aus der ganzen Welt. So waren zum Beispiel auch Delegierte aus Indien, den Niederlanden, Ägypten, Kenia, Rumänien und Georgien in Bukarest zusammengekommen. Die Sprache, in der wir uns verständigen mussten, war deshalb selbstverständlich Englisch. Es war unsere Aufgabe, miteinander in Workshops Fragen auszuarbeiten, die wir den Bildungsministern stellen könnten, die sich zu dieser Zeit ebenfalls in Bukarest zu einer Konferenz trafen. Diese Fragen sollten teilweise bewusst provozierend sein, um die Minister erkennen zu lassen, wo die Probleme der Bildungssysteme liegen. 
Um uns diese Probleme zuerst selbst klar zu machen, mussten wir die Bildungssysteme der anderen Länder kennen lernen. Was war schlecht an ihnen und wie könnte man diese Schwierigkeiten beheben? In Indien zum Beispiel gab es die Kinderarbeit, und viele Jugendliche durften oder sollten nicht studieren. In Großbritannien kostet das Studieren ein halbes Vermögen, in Deutschland jedoch muss man kein Geld in die Hand nehmen, um zu studieren. In Österreich gab es Bestechungsfälle, von denen erst vor kurzem einige aufgedeckt worden waren. In jedem Land gab es andere Probleme, und wir mussten erkennen, dass die Bildungssysteme auf Grund der verschiedenen Probleme einander kaum gleichen. So wurde unser Hauptziel, den Ministern klar zu machen, dass die Bildungssysteme sich in  verschiedene Richtungen bewegen und man daran arbeiten müsse, schwerwiegende Unterschiede auszugleichen. Diesen Gedanken nahm ich meiner Visitenkarte auf, wie sie für jeden persönlich angefertigt wurde, um den eigenen Gedanken an die Minister weitergeben zu können. Mein Gedanke lautete: „We have to bring the education systems of the different countries closer together, even if there is no excellent way to do it. But everything starts with the first step!”


Die erste Chance, die erarbeiteten Fragen an Politiker zu stellen, erhielten wir am Donnerstag, dem vierten Tag unseres Treffens. Bei einem Presseevent trafen wir den österreichischen und rumänischen Bildungsminister und außerdem zwei Vertreter der Uni-Rektoren aus Rumänien. Diese beantworteten zwar unsere Fragen, wiesen aber jeglichen Vorwurf der Bestechung zurück und erweckten dabei bei uns den Eindruck, dass sie uns nicht richtig ernst genommen hatten. Ihre Gesichter nahmen einen erschreckten Zug an, nachdem sie unsere erste Frage vernommen hatten. Sie hatten wahrscheinlich nicht damit gerechnet, von uns so direkt mit den Problemen konfrontiert zu werden.


Vier Jugendliche aus unserer Truppe erhielt außerdem nach einer Auslosung die Chance, einen Stand im Palast, in dem die Ministerkonferenz stattfand, zu besetzen. Hier konnten die Minister aller Länder selbständig auf uns zu gehen und mit uns diskutieren. Leider war ich nicht unter diesen vieren, doch auch hier wurden unsere Visitenkarten eifrig verteilt, so dass am Schluss doch noch, wenn auch nicht persönlich, jeder jedem Minister seinen Gedanken mitteilen konnte.


Nach dieser Woche ist mir klar, dass in unserer Welt auf Bildungsebene noch viel Handlungsbedarf ist und man die Minister dazu bringen muss, uns anzuhören und ernst zu nehmen. Außerdem muss man solche Projekte der Öffentlichkeit zeigen, so wie das rumänische Fernsehen fast täglich über uns berichtet hat.

 

Und hier sind die Fragen an die Bildungsminister:

 

Poverty:

•Can anyone who is talented enough go to university even if they do not have money?
•Could we create an international fund that poor can access it and their children can go to university?

 

Difference:

•When the motto of Europe is „united in diversity“, so why is there so much discrimination in Europe among educational systems? For example tuition fees, access to work experience as internships, choice for higher education …
•Europe is developing very fast, but why the education in Europe remains almost the same (especially for underprivileged people)?

 

Corruption – Unfair situation:

•If the governments in the whole world are fighting against corruption, why is it still one of the main problems in education?
•If the children of ministers enter public schools, would this lead to the improvement of these schools?
 

Participation:

•Do you think it is a good idea to give comments/advices to professors and rectors?
•Wouldn’t it be better to involve the ministers in the daily school life? Because the ministers decide about us without knowing the situation in schools nowadays.