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03.05.2017 12:35

Sichere Medikamente für Malawi

Das Pharmazeutische Institut der Universität Tübingen unterstützt das südostafrikanische Land im Kampf gegen gefälschte Medikamente

In dem Kurs „Pharmazie in Entwicklungszu-sammenarbeit und Katastrophenhilfe“ lernen afrikanische und deutsche Studenten, wie man gefälschte Medikamente erkennt. Foto: Christoph Jäckle / Universität Tübingen

In dem Kurs „Pharmazie in Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe“ lernen afrikanische und deutsche Studenten, wie man gefälschte Medikamente erkennt. Foto: Christoph Jäckle / Universität Tübingen

Von gefälschten Medikamenten geht für die Einwohnerinnen und Einwohner vieler Entwicklungsländer eine große Gefahr aus. Professor Lutz Heide vom Pharmazeutischen Institut der Universität Tübingen unterstützt seit Jahren den Kampf gegen gefälschte Medikamente im südostafrikanischen Malawi. Die Kooperation mit dem Pharmazeutischen Institut der Universität von Malawi wird nun mithilfe von Fördergeldern des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) weiter vertieft. Vor allem durch die Ausbildung kompetenter Pharmazeutinnen und Pharmazeuten soll die Versorgung der malawischen Bevölkerung mit wirksamen Arzneimitteln verbessert werden. 

Kooperation für gute Arzneimittelqualität in Malawi

Zwei Jahre hat der Pharmazeut Lutz Heide in Malawi geforscht. Gemeinsam mit Kollegen vor Ort untersuchte er 155 Antibiotika- und Malariamedikamente. Die Ergebnisse der Studie publizierten Heide und sein Team jetzt im American Journal of Tropical Medicine and Hygiene. Von den 155 untersuchten Medikamenten entsprachen sieben Präparate nicht den pharmazeutischen Standards. Mehrere dieser Medikamente bleiben bei Einnahme weitgehend wirkungslos gegen die Erkrankung. Eine Probe stellte sich als noch gefährlicher heraus: um einen höheren Gewinn zu erzielen, verkauften kriminelle Händler Tabletten in der Verpackung eines hochwertigen Malariamedikaments. Das Präparat enthielt jedoch andere – billige – Wirkstoffe. Sie helfen nicht gegen Malaria und setzen Patientinnen und Patienten zudem ohne ihr Wissen unbekannten Risiken und Nebenwirkungen aus. Vor allem für schwangere Frauen und deren ungeborene Kinder ist das lebensbedrohlich. Diese gefälschten Medikamente wurden vor allem von illegalen Straßenhändlern in Umlauf gebracht, in staatlichen und kirchlichen Einrichtungen waren sie nicht zu finden.

 
Im Moment gibt es in Malawi jedoch nicht genügend gut ausgebildete Apothekerinnen und Apotheker, um flächendeckend über öffentliche Einrichtungen eine hochwertige Arzneimittelqualität zu garantieren. Hier setzt das Projekt der Universitäten Tübingen und Malawi an. Sie haben ein Abkommen abgeschlossen, um die malawischen Partner in Forschung und Lehre unterstützen. 

Mehrere Lehrprojekte in Malawi und Tübingen

Zu diesem Zweck wurden mehrere Lehrprojekte an der Universität von Malawi aber auch in Tübingen initiiert. Mit einem Austauschprogramm kommen malawische Studierende nach Deutschland und eine deutsche Pharmaziestudentin studiert ein Semester in Malawi. Daniel Männle, ein Dozent aus Tübingen, wird in Malawi zu pflanzlichen Arzneimitteln lehren. Die Herstellung von Salben lernen malawische Studierende und Dozenten bei einem Krankenhausapotheker aus Deutschland. Fachlichen Austausch in beide Richtungen gibt es im Oktober 2017 in dem Kurs „Pharmazie in Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe“, der in Tübingen stattfindet. An ihm nehmen sowohl deutsche als auch malawische Dozierende, Studierende, Apothekerinnen und Apotheker teil. In einem weiteren Kooperationsprojekt soll die Qualität der Medikamente gegen Nachgeburtsblutungen verbessert werden, die eine häufige Todesursache in dem afrikanischen Staat sind. 
 
Die DAAD unterstützt vor allem die Ausbildung von Apothekerinnen und Apothekern in Malawi. Darüber hinaus umfasst die Kooperation der Pharmazeutischen Institute in Malawi und Tübingen aber auch wissenschaftlichen Austausch und Forschung, wie unter anderem die Teilnahme an und Ausrichtung von eigenen Symposien. 

Vom Medikament Novidar SP ist eine gefährliche Fälschung (im Bild oben) im Umlauf. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Tübingen und Malawi entdeckten sie bei ihren Untersuchungen.
Foto: Lutz Heide / Universität Tübingen
Professor Heide (im Bildzentrum) ist Teil eines Netzwerks, das gefälschte Medikamente in Malawi bekämpft. Anfang April 2017 trafen sich deshalb Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität von Malawi, Vertreter der Arzneimittelaufsichtsbehörde, der Arzneimittelbeschaffungsbehörde und des Gesundheitsministeriums von Malawi, Mitarbeiter der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), des deutschen Medikamentenhilfswerks action medeor e.V., der US-amerikanischen Hilfsorganisation USAID und der deutschen Botschaft in Malawi.
Foto: Kristina Heide

Publikation:

Khuluza F, Kigera S, Heide L: Low Prevalence of Substandard and Falsified Antimalarial and Antibiotic Medicines in Public and Faith-Based Health Facilities of Southern Malawi. In: American Journal of Tropical Medicine and Hygiene 2017: epub ahead of print; https://doi.org/10.4269/ajtmh.16-1008

Kontakt:

Prof. Dr. Lutz Heide
Universität Tübingen
Pharmazeutisches Institut
Telefon +49 7071 29-72460
heide[at]uni-tuebingen.de

 

 

 

Eberhard Karls Universität Tübingen
Hochschulkommunikation
Dr. Karl Guido Rijkhoek
Leitung

 

Antje Karbe
Pressereferentin
Telefon +49 7071 29-76789
Telefax +49 7071 29-5566
antje.karbe[at]uni-tuebingen.de

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