Förderung und Controlling der Chancengleichheit in Berufungsverfahren

Ziel ist die Qualitätssteigerung und -sicherung von Berufungsverfahren, um Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts auszuschließen und die aktive Gewinnung von Frauen zu unterstützen, solange diese unterrepräsentiert sind.

Die Universitätsgleichstellungsbeauftragte hat nach § 4a Abs. 3 des Landes­hoch­schul­gesetzes das Recht, an Berufungskommissionen teilzunehmen. Seit der Novellierung des LHG vom 09. April 2014 ist sie mit dabei Stimmrecht ausgestattet. Da an der Universität Tübingen in der Regel zwischen 20 und 30 Verfahren parallel stattfinden, kann die Universitäts­gleich­stellungsbeauf­tragte diese Aufgabe nicht in allen Berufungskommissio­nen selbst wahrnehmen. Daher beauftragt sie für die Mehrzahl der Verfahren eine persönliche Stellvertreterin oder einen persönlichen Stellvertreter.

Die Vertretung der Gleichstellungsbeauftragten berät die Berufungskommission bei der Sicherstellung der Gleichstellung und hat die Aufgabe, in den Kommissionssitzungen zu jedem Verfahrensschritt Ihr Einverständnis zu geben oder Stellung zu nehmen. Dabei ist sie jedoch nicht alleine für den Ausschluss von Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts verantwortlich. Vielmehr sind alle Mitglieder, insbesondere die oder der Vorsitzende der Kommission dazu im Sinne eines Querschnittsauftrags verpflichtet.

Daher sind alle Verfahrensschritte zur Sicherstellung der Chancengleichheit in den allgemeinen Qualitätssicherungsprozess zu Berufungsverfahren der Universität Tübingen („Leitfaden für Berufungsverfahren“) eingebunden und mit begleitenden Dokumenten hinterlegt.

Um die Kommunikation zwischen der zentralen Gleichstellungsbeauftragten und ihren Stellvertreterinnen und Stellvertretern zu gewährleisten, wird eine Berichtsvorlage zur Verfügung gestellt. Auf der Basis dieses Berichts wird die Stellungnahme der Gleichstellung zu Verfahren von der zentralen Gleichstellungsbeauftragten erstellt.

 

Das Controlling kombiniert die "bottom up"- Strategie der Kommunikationsoptimierung, Informations- und Weiterbildungsangebote einschließlich persönlichem Coaching der Gleichstellungsvertreter/innen in Berufungsverfahren mit der top-down Strategie der engen, direkten Kooperation zwischen Rektorat, Verwaltung und Gleichstellungsbeauftragter der Universität.

 

Bestandteile des Controlling-Verfahren sind im Einzelnen:

 

  • Stellvertretungen werden persönlich und schriftlich durch die Gleichstellungs­beauftragte der Univer­sität für jedes einzelne Verfahren beauftragt. Es werden möglichst unabhängige Personen benannt, die im betreffenden Fachbereich weder promovieren noch habilitieren oder befristete Stellen innehaben;

  • Findungsaktivitäten und deren Dokumentation finden verpflichtend rechtzeitig vor Ausschreibung statt, um gegebenenfalls Korrekturen in diese einbringen zu können. Vorgehen und Vorlagen sind systematisch in die Qualitätssteuerung von Berufungsverfahren („Leitfaden für Berufungsverfahren“) eingebunden;

  • Routinemäßige Information der Gleichstellungsbeauftragten durch die Zentrale Verwal­tung über die Zusammensetzung der Berufungskommission und den Stand des Verfahrens;

  • Das Feld potenziell listenfähiger Kandidatinnen wird durch verstärkte internationale Ausschreibung und Sichtungsaktivitäten ausgeweitet;

  • Maßnahmen zur aktiven Rekrutierung sind systematisch über den Leitfaden zu Berufungsverfahren in reguläre Prozesse eingebunden und werden als Anlage zum Listenvorschlag der Fakultät dokumentiert;

  • Regelmäßige Workshops (ein- bis zweimal im Semester) werden für alle aktuell amtierenden Stellvertreterinnen und Stellvertreter der Gleichstellungsbeauftragten angeboten;

  • Das Merkblatt „Rechtliche Grundlagen von Berufungsverfahren - der gesetzliche Gleichstellungsauftrag“ zur Information aller Beteiligter an Berufungsverfahren ist im „Leitfaden für Berufungsverfahren“ für alle Teilnehmenden an Berufungskommissionen und  die unterstützenden Stellen in den Dekanaten eingebunden;

  • Die Kommunikation zwischen Gleichstellungsbeauftragter und Ihrer Stellvertretung in Berufungsverfahren wird durch eine Berichtsvorlage zur besseren Verzahnung der Akteurinnen und Akteure der Gleichstellung hinsichtlich der Begleitung von Verfahren durch die weiteren Gremien sichergestellt;

  • Die Gleichstellungsbeauftragte hat ein unmittelbares persönliches Vortragsrecht im Rektorat als Routineverfahren bei jedem einzelnen Verfahren vor der Behandlung der Liste im Senat;

  • Die Gleichstellungsbeauftragte hat Einsicht in alle Dokumente, insbesondere in den Listenvorschlag der Fakultät

  • Die Stellungnahme der Gleichstellung zu Berufungsverfahren wird zentral erstellt;

  • die Berichtspflichten zum Listenvorschlag der Fakultät, beispielsweise die Begründung des Ausscheidens geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten, sind zur Steigerung von Transparenz und Qualität ausgeweitet;

  • das Controlling wird im Rahmen von jährlichen Analysen der Berufungs- und Bewerbungsstatistik evaluiert und das Controllingverfahren aufgrund der der Rückmeldungen der Gleichstellungsvertreter/innen fortlaufend angepasst.