Jon Leefmann

Dissertationsprojekt

Authentizität als moralische Kategorie in der anwendungsorientierten Ethik

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit der philosophischen Analyse des Begriffes der
Authentizität und seinen Deutungsmöglichkeiten als moralisches Ideal innerhalb einer Theorie des guten Lebens. Die Aufmerksamkeit liegt dabei auf der Frage nach der Bedeutung, die der Begriff innerhalb des bioethischen Diskurses spielen kann. Zur Veranschaulichung wird deshalb auf die aktuelle Debatte um das neuro- und psychopharmakologische Enhancement Bezug genommen, da der Begriff der Authentizität nicht zu letzt hier für eine Vielzahl von Argumenten zentral ist. Deshalb analysiert das Dissertationsprojekt einerseits in Auseinandersetzung mit verschiedenen, im allerweitesten Sinne anthropologischen Theorien (dazu zählen sozialphilosophische, sozialpsychologische und handlungstheoretische Modelle) die Voraussetzungen unterschiedlicher Konzeptualisierungen des Authentizitätsbegriffes und andererseits die Rollen, die diese Begriffsverständnisse in einzelnen Argumenten der Enhancement-Debatte spielen. Dabei wird in drei Schritten vorgegangen. Der erste Teil der Arbeit bemüht sich durch eine phänomenorientierte Analyse verschiedener Spielarten des Authentizitätsmangels Annahmen über das Phänomen der Authentizität zu generieren. Diese werden dann in systematischer Perspektive in Auseinandersetzung mit sozialphilosophischen, sozialpsychologischen und handlungstheoretischen Interpretationen ausgedeutet, um so die allgemeinen Voraussetzungen möglicher Interpretationen des Begriffes aufzuzeigen. Dabei zeigt sich, dass der Begriff in den gängigen Deutungen einseitigen, normativ aufgeladenen Interpretationen unterliegt, die entweder die Bindung des Individuums an eine vorgegebene biologische oder soziale „Natur“ oder seine Befähigung zur Selbstbestimmung überbetonen und die daher jeweils auf ein metatheoretisches Konzept des guten Lebens verweisen müssen. Ausgehend von dieser Diagnose, soll dann im zweiten Teil auf Grundlage eines narrativen Modells des Subjekts eine Neuinterpretation des Begriffes der Authentizität verteidigt werden, welche sich essentialistischen Vorannahmen verweigert aber anerkennt, dass Menschen sich einerseits nur auf der Grundlage gegebener sozialer Ordnungen entfalten können und sich andererseits aus diesen Ordnungen heraus selbst bestimmen müssen. Im dritten Teil wird aufgezeigt in welcher Weise sich dieser neue Begriff von Authentizität seinerseits formal und inhaltlich mit Vorstellungen eines guten Lebens verbinden lässt. Schließlich werden dann auf Basis dieses neuen Begriffes einschlägige Argumente aus der Enhancement-Debatte, die implizit oder explizit auf den Begriff der Authentizität referieren, kritisch überprüft.

Betreuung der Arbeit

Prof. Dr. Sabine Döring (Philosophie)

Prof. Dr. Eve-Marie Engels (Ethik in den Biowissenschaften)

Zur Person

Studium der Biologie (Diplom) und Philosophie in Heidelberg, Tübingen und Pavia (Italien). August 2008 Diplom an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Im Anschluss geprüfte wissenschaftliche Hilfskraft am Interdisziplinären Zentrum für Neurowissenschaften (IZN) in Heidelberg. Seit April 2009 DFG-Stipendiat und Mitglied des Graduiertenkolleg Bioethik am IZEW.

Publikationen:

LEEFMANN, J.; Krautter, J.; Bauer, R.; Tatagiba, M.; Gharabaghi, A. (2011): Die Authentizität
modulierter Emotionen bei der tiefen Hirnstimulation; in Clausen, J., Potthast, T., Kovacs, L.: Darwin und die Bioethik; Lebenswissenschaften im Dialog, Bd. 12; Alber, Freiburg i.Br.

Arbeitskreis Praktische Analytische Philosophie:

http://www.uni-tuebingen.de/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/philosophie-rhetorik-medien/philosophisches-seminar/forschung/projekte/arbeitskreis-praktische-analytische-philosophie.html

Kontakt

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