Warum Wissen sich ändert – Wissenschaften in geschichtlichen und kulturellen Kontexten

Ringvorlesung im Studium Generale der Universität Tübingen

Wintersemester 2013/14

jeweils Mittwoch, 18 Uhr c.t., HS 21, Kupferbau

 

 

Organisation:
Prof. Dr. Volker Drecoll, Prof. Dr. Dorothee Kimmich, Dr. Niels Weidtmann,
FORUM SCIENTIARUM

 

 

Die verschiedenen Einzelwissenschaften folgen ihren eigenen Fragestellungen und arbeiten mit spezifischen, auf diese Fragestellungen zugeschnittenen Methoden, aber sie untersuchen doch alle auf die eine oder andere Weise die sich geschichtlich wandelnde Wirklichkeit, in der wir Menschen leben. Häufig tragen die Erkenntnisse der Wissenschaften selbst zum Wandel dieser Lebenswirklichkeit bei. Das wird sehr deutlich, wenn man bedenkt, wie wissenschaftliche Einsichten unseren Lebensalltag verändert haben und weiterhin verändern, etwa das Verständnis der Elektrizität, die Entdeckung des Penicillins und die Entwicklung von Rechnern. Umgekehrt ist die Entwicklung der Wissenschaften aber auch von den Gegebenheiten des Lebensalltags abhängig – schon deswegen, weil sich die Forschung bevorzugt auf aktuelle Probleme der menschlichen Lebenswirklichkeit richtet. Vor allem aber gehen die Wissenschaften immer von einem vor-wissenschaftlichen Bild der Wirklichkeit aus. So sehr sie dieses vor-wissenschaftliche Bild objektivieren und dadurch nachhaltig verändern, werden die Wissenschaften doch auch von Änderungen unserer Wirklichkeitsvorstellungen beeinflusst, die von ganz anderer Seite ausgelöst werden. Historisch gesehen ist hier sicher die Rolle der Religionen hervorzuheben; religiöse Glaubensvorstellungen und wissenschaftliche Weltauffassung haben sich seit jeher wechselseitig beeinflusst. Aber auch die Entwicklungen in anderen Bereichen, etwa in Philosophie, Kunst, Handel, Politik und Ökologie, Migration und Globalisierung sind immer wieder für Anpassungen und Veränderungen im Bereich der Wissenschaften verantwortlich.

Ziel der Vorlesungsreihe ist es, die Wechselbeziehung zwischen den Wissenschaften und anderen Lebensbereichen an einzelnen Beispielen zu verdeutlichen.

 

30. 10. 2013
Prof. Dr. Michael Heidelberger, Philosophie

Von der Philosophie zur Psychologie und wieder zurück – wie Psychologie und Philosophie sich auseinander entwickelten



6. 11. 2013
Prof. Dr. Volker Drecoll, Ev. Theologie

Vom Vollkommenheitsideal des Weisen zum relativen Wert alles Wissens. Die grundlegende Verortung der Wissenschaften bei Augustin



13. 11. 2013
Prof. Dr. Martin Röcken, Medizin:

"Vom Krieg gegen Krebs zum Frieden mit Krebs"



27. 11. 2013
Prof. Dr. Monique Scheer, Empirische Kulturwissenschaft:

Von der Expedition zur Laborarbeit: Völkerkundliche Forschungen in Kriegsgefangenenlagern des Ersten Weltkriegs



4. 12. 2013
Prof. Dr. Gabriele Alex, Ethnologie:

Vom 'wilden' und 'primitiven' Menschen zum 'Menschen mit Migrationshintergrund'. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem kulturell Fremden im Spiegel der Geschichte.



11 .12. 2013
Prof. Dr. Heidrun Eichner, Islamwissenschaft:

Von den islamischen religiösen Wissenschaften zu einem Wissenschaftssystem. Der Beitrag der mittelalterlichen arabisch-islamischen Tradition zur Konstitutierung moderner Wissenschaftssysteme.



8. 1. 2014
Prof. Dr. Dorothee Kimmich, Literaturwissenschaft:

Vom Text zur Kultur



15. 1. 2014
PD Dr. Ruth Conrad, Ev. Theologie:

Von der Lehre kirchlichen Handelns zur Hermeneutik gelebter Christentumspraxis. Aufgabe und Gegenstand der Praktischen Theologie im Spiegel religiöser Wandlungsprozesse



22. 1. 2014
Prof. Dr. Martin Nettesheim, Jura:

Vom Hüter des Rechts zum Gestalter politischer Verhältnisse – Der Wandel der Rolle des Verfassungsgerichts



29. 1. 2014
Dr. Niels Weidtmann, Philosophie:

Von der einen Philosophie zur Vielfalt der Philosophien