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Erstes Ziel der syrisch-deutschen Ausgrabungen in Emar war die Erstellung eines topographischen Plans der Ruine, in den auch die nach der Aufstauung des Euphrats noch sichtbaren architektonischen Befunde der französischen Grabungen aufgenommen werden sollten. Ca. zwei Drittel der ursprünglichen Stadtanlage sind heute überflutet. Der Hügel stellt sich demnach als eine Halbinsel dar, die sich am Südufer des Assad-Stausees erstreckt. Folgt man dem Geländegefälle von Westen nach Osten, so befindet sich auf dem Hügelrücken, dem höchsten Punkt der Ruine, ein Tempelbezirk, der die Heiligtümer des Wettergottes Ba'al und - vielleicht - seiner Gemahlin Aschtarte umfasst. Östlich davon erstreckt sich die sogenannte Oberstadt, in der mehrere Wohnhäuser freigelegt wurden.
An die Oberstadt grenzt die sogenannte Unterstadt an, die in einer tiefen Senke liegt und bis an die byzantinische Stadtmauer von Barbalissos heranreicht. Dort haben die französischen Ausgräber einen Tempel ("Temple M 2") und das Haus einer Priesterfamilie ("Temple du Devin, M 1") geborgen, das zugleich Ausbildungsstätte der religiösen Elite von Emar war und eine große Bibliothek besaß. In diesem Haus wurde der aufsehenerregendste Tontafelfund der Stadt gemacht. Neben literarischen und lexikalischen Werken mesopotamischer Tradition wurden Ritualtexte entdeckt, die dem lokalen, syrischen Milieu entstammen. Schließlich ist im Norden ein weiteres Wohnviertel vorhanden, das als kleine Insel erhalten blieb und nach dem französischen Grabungsleiter Jean-Claude Margueron die Residenz des Königs von Emar beherbergte ("Bit-Hilani").
Die nach dem Ende der französischen Ausgrabungen erfolgte Zerstörung durch die Raubgräber betrifft glücklicherweise nur die oberen, in der Regel spätbronzezeitlichen Schichten. Die anderen, älteren Schichten auf dem nicht überschwemmten Teil des Hügels sind der Forschung erhalten geblieben. Sie stehen am Anfang der folgenden, chronologisch aufgebauten Vorstellung der jüngsten Grabungsergebnisse.
Die ältesten Befunde, die bisher nachgewiesen werden konnten, wurden unter dem Ba'al-Tempel und dem östlich anschließenden Hof freigelegt.
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Es handelt sich um frühbronzezeitliche Wohnhäuser, die in drei dicht aufeinander folgenden Bauschichten mehr oder weniger erhalten sind. Die beiden jüngeren Schichten sind durch die Fundamente des Tempels gestört, die in sie hinunterreichen. Von der dritten, ältesten Schicht wurde bis jetzt ein kleiner Raum (ca. 2 x 2,5 m) ausgegraben. Seine Mauern sind aus gestampftem, mit Kieseln vermischtem Lehm errichtet und mit einer dünnen Lehm-Kalkschicht verputzt. Er wies ein umfangreiches und vielfältiges Inventar auf, das in Originalfundlage auf dem Fußboden zerdrückt war. Es handelt sich sowohl um Tongefäße als auch um (Oberteile von) Terrakotten und um Schmuck, aus Perlmutt und Knochen gefertigt.
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Die nächstjüngere Periode, die Mittelbronzezeit,
wurde sowohl im Südwesten, auf der höchsten Erhebung der Stadt, als
auch in der sog. Oberstadt beobachtet. Im Südwesten zeigt sie sich in
einem Stück Stadtmauer samt Bastionen und einem unmittelbar östlich,
d.h. unter dem Tempel der Aschtarte, anschließenden Hof mit Feuerstelle,
Tannuren und Pfostenlöchern für eine Dachkonstruktion.
Drei feste Fußböden übereinander markieren drei
Nutzungsschichten, aber es bleibt ungeklärt, ob der Hof zu einem Wohnbereich
oder zu einer Verteidigungsanlage gehörte - letzteres wäre angesichts der
exponierten Lage und der Begrenzung durch die zweieinhalb Meter dicke
Stadtmauer auch gut vorstellbar.
In der Oberstadt wurde Wohnbebauung ausgegraben, die der Mittel- und Spätbronzezeit zuzurechnen ist. Besonders erwähnenswert ist ein Haus, das der Zeit um 1400 v. Chr. angehören muss.
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Sein Grundriss kombiniert zwei mittelbronzezeitliche Standardgrundrisse, die das Haus in eine westliche und eine östliche Raumgruppe teilen. Die jeweiligen Funde legen nahe, dass in den westlichen Räumen Knochen bearbeitet wurden, während die östlichen der Getreideverarbeitung dienten. Im Westen wurden nämlich mehrere Tierhörner und zwei Elefantenkieferknochen gefunden, während die Funktionsinterpretation der östlichen Räume außer durch entsprechende Gerätschaften vor allem durch eine Tontafel gestützt wird, die Getreiderationen auflistet.
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Ein sehr gut erhaltenes Stempelsiegel aus Silber fand sich
über dem Haus im Schutt. Aus der Inschrift in luwischen Hieroglyphen geht hervor,
dass es einem Mann namens Kuku gehörte. Das Siegel ist sicherlich jünger als das
Haus; es wird etwa im 13. Jh. v. Chr., in der Zeit der hethitischen Vorherrschaft,
nach Emar gelangt sein.
Weitere spätbronzezeitliche Funde aus der Oberstadt sind Terrakotten (Tiere, nackte, brüstehaltende Frauen, ein Musikant) sowie ein im Negativ relifiertes Tonobjekt (Funktion unklar), das mesopotamisches, anatolisches und syro-palästinensisches Bildrepertoire vereint.
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In bezug auf die Spätbronzezeit galt jedoch unsere
Aufmerksamkeit vor allem dem Tempelareal, das schon die französischen Ausgräbern
beschäftigt hatte.
Das Tempelareal liegt - wie bereits erwähnt - im äußersten
Westen des langgestreckten Hügelrückens, der heute Emar ausmacht. Es umfasst
die Heiligtümer des Ba'al und - vielleicht - der Aschtarte, sowie Höfe und eine
Kultterrasse und ist von einer starken Mauer umgeben.
Der Tempel des Ba'al ist als Antentempel gestaltet und
liegt auf einer Terrasse, die vom unteren Hof aus über eine Freitreppe zugänglich
ist. Es können zwei Bauphasen unterschieden werden: Eine kleinere Anlage
(7,5 x 14,5 m) wurde von einer größeren (11,5 x 20 m) überbaut.
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Der Tempel der Aschtarte weist ebenfalls zwei Phasen auf. Aber hier scheint die ältere Anlage größer gewesen zu sein, während die jüngere in Grundriss und Dimensionen dem älteren Ba'al-Tempel gleicht. Auch hier ist eine Terrasse nachgewiesen, die über eine Treppe zugänglich gewesen sein muss. Die älteren Heiligtümer sind durch Feuer zerstört worden.
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Zwischen den beiden Tempeln verläuft ein breiter, mehrfach mit einem Estrich aus Lehm und Kalk belegter Weg, der vielleicht Prozessionen vom unteren Hof hinauf zur sog. Kultterrasse im äußersten Westen leitete. Der Aufgang vom unteren Hof über die Freitreppe zum Ba'al-Tempel war ursprünglich durch zwei Löwenskulpturen markiert. Der Torso des einen Löwen lag noch im Hof; die Reliefierung an der Vorder- und nur einer Längsseite ließ erkennen, dass er einmal irgendwo eingebaut war, wo nur eine Seite sichtbar wurde. Dieser Löwe hatte nur den Kopf eingebüßt, während sein Gegenstück sowie ein Paar kleinerer Löwen en bloc gestohlen und dem Kunsthandel zugeführt worden sind.
Weitere Funde stammen aus Gräbern, die in spätrömischer Zeit in diesem Bereich eingetieft wurden. Es wurden mehr als 30 freigelegt; leider waren fast alle ausgeraubt. Zu den freundlicherweise - übersehenen - Beigaben gehören u.a. eine sehr gut erhaltene bronzene Zwiebelknopffibel und ein facettiertes Glasfläschchen, das vollständig restauriert werden konnte.