Barbalissos Restaurierung

Nach dem archäologischen und schriftlichen Material von Emar ging die Geschichte der altorientalischen Stadt im ersten Drittel des 12. Jh. v. Chr. zu Ende. Viele Jahrhunderte vergingen, ehe sich in den Ruinen von Emar - vermutlich in achämenidischer Zeit - wieder Leben regte. Von der damals gegründeten Stadt Bala wie von der späteren hellenistischen und römischen wissen wir nur aus Texten, sieht man von einem korinthischen Kapitell ab, das als Spolie überkommen ist. Dies ändert sich erst in byzantinischer Zeit. Kaiser Justinian II. ließ die Ostgrenze des byzantinischen Reiches durch Festungen sichern und die nun Barbalissos genannte Stadt mit starken Mauern umgeben. Im Westen an der Angriffsseite, wo das Gelände ansteigt, wurden zusätzlich zwei mächtige Ecktürme errichtet, die auch Platz für die Wachmannschaften boten und mit etwa 25 m Höhe einen weiten Blick in die Talaue des Euphrat ermöglichten.


Diese westliche Partie der Stadtmauer ist dank ihrer erhöhten Lage bislang erhalten geblieben. Die immer noch imposanten Ruinen des südwestlichen Eckturms und des sog. Praetoriums im Norden ragen an der Spitze einer Landzunge als weithin sichtbare Landmarke empor.

Südwestturm 1996



In den Winterstürmen holte sich der Stausee jedoch mehr und mehr Land und bedrohte auch dieses Kulturdenkmal akut.



Südwestturm 1999 Südwestturm 2001

Die prekäre Lage dieses Bauwerks veranlaßte die Kulturhilfe beim Auswärtigen Amt dazu, eine Sicherung der Ruinen zu unterstützen, so daß der Südwestturm noch im Jahr 2000 saniert werden konnte. Dafür mußte zunächst eine Zufahrt gebaut werden, die etwa zur Hälfte als aufgeschütteter Damm dem Südufer folgt. Der Turm selbst erhielt eine neue Fundamentierung aus 90 m3 Beton, die Fassade wurde mit aufgelesenen Originalziegeln verblendet.

Die nächste Sorge galt dem Praetorium, das mit zwei 20 m hohen Mauerstümpfen die Nordwestecke bildet. Auch hier gefährdete ein tiefer Ausbruch der Ecke den Erhalt der Ruine. Im Sommer 2001 wurde der angeböschte Schutt vor der Mauer abgetragen, um das Ausmaß des Schadens besser beurteilen zu können. Dabei konnte festgestellt werden, dass sich die Westmauer mit ihren Schießscharten nahezu vollständig erhalten hatte.


Praetorium 1996




Praetorium 2001




Praetorium 2002



Im Sommer 2002 konnte schließlich ebenfalls mit Mitteln, die das Auswärtige Amt bereitgestellt hatte, das Nordufer aufgeschüttet werden, die gefährdete Ecke des Praetoriums ausgebessert und die Fassade mit nach traditioneller Methode gebrannten Ziegeln verblendet. Gleichzeitig wurde die durch den Unibund der Universität Tübingen finanzierte Bauaufnahme vervollständigt, so daß ein Stück Kulturerbe erhalten blieb und wissenschaftlich dokumentiert ist.

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