Universitätsbibliothek

"Heiße Magister, heiße Doctor gar"

Dissertationen vom Einblattdruck zur Online-Publikation

9. Mini-Ausstellung vom 8.2.-30.4.2006

„Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor; heiße Magister, heiße Doctor gar... Und sehe, daß wir nichts wissen können“ -
... so klagt Goethes Faust.

Ungeachtet der in diesem Zitat enthaltenen Frage nach Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Betätigung:

Magister, Doktoren und andere akademische Grade sind uns seit dem Mittelalter bekannt. Und heute wird ein in Deutschland seit langem ausgestorbener Grad wieder neu eingeführt, der Bachelor (Bakkalaureus). Dieser war im Mittelalter der niedrigste akademische Grad, der in der Artistenfakultät, in der ein Grundstudium in den sieben Fächern der „Artes liberales“ – wie etwa Rhetorik und Mathematik - absolviert wurde, zum Hilfslehrer qualifizierte. Die Bedeutung dieser akademischen Grade hat sich in den vergangenen Jahrhunderten stark gewandelt, ihre Entwicklung im einzelnen ist sehr kompliziert. Die mit der Erlangung akademischer Grade verbundenen Prüfungen haben zu einer Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten geführt, die ursprünglich nur in lateinischer Sprache, dann ab dem 19. Jahrhundert mehr und mehr in deutscher Sprache verfasst wurden und sich in den Bibliotheken zu Hunderttausenden als Dissertationen (Doktorarbeiten), Magister- oder Diplomarbeiten finden.

Sie unterscheiden sich stark nach äußerer Form - gedruckt oder maschinenschriftlich, fotomechanisch vervielfältigt, als Mikrofilm oder elektronisch verbreitet - , ihrem Umfang - Magisterthesen oder Dissertationen aus dem 18. Jahrhundert bestanden nur aus wenigen Seiten, heutzutage kann eine solche Arbeit 300 und mehr Seiten umfassen - und natürlich ihren Inhalten. Viele Arbeiten sind heute nahezu vergessen oder harren ihrer Wiederentdeckung, andere haben Wissenschaftsgeschichte geschrieben. Von den meisten Autoren liegt nur eine einzige wissenschaftliche Arbeit vor – für sie war es eben eine Prüfungsleistung zum Abschluss ihres akademischen Studiums, für andere steht die Dissertation am Anfang einer wissenschaftlichen Karriere und einer langen Veröffentlichungsliste.

Die Universitätsbibliothek Tübingen verfügt heute über einen Bestand von etwa 800.000 Hochschulschriften von nahezu allen deutschen und einigen ausländischen Universitäten, meist auf dem Wege des Schriftentausches erworben, wie er bis heute zwischen den Universitätsbibliotheken üblich ist. Gezeigt werden können hier nur einige wenige charakteristische Beispiele aus der Jahrhunderte langen Geschichte der Hochschulschriften.