Musikwissenschaftliches Institut

Prof. Dr. Alexander Sumski (i. R.)

Büro

 +49 (0)7071 29-76096
alexander.sumskispam prevention@uni-tuebingen.de

Sprechzeiten

Nach Vereinbarung

 

Alexander Šumski (rum. Alexandru Şumski), geboren 1933 in Temeschburg/Timşoara, Banat, erhielt seine musikalische Ausbildung in den Fächern Klavier, Kompositionslehre und Dirigieren an der Hochschule für Musik Bukarest. Meisterkurse bei Franco Ferrara in Siena und Venedig ergänzten seine dirigentische Ausbildung. 1984 promovierte Šumski an der Universität Hamburg im Fach Musikwissenschaft über das Thema „Studien zur rumänischen Kirchenmusik“.

Seine musikalische Laufbahn begann Šumski als Konzertpianist in seinem Heimatland Rumänien. Als Dirigent übernahm er 1960 die Leitung des Rumänischen Rundfunkchores in Bukarest, 1964 wurde er Leiter der Temeschburger Philharmonie (Filarmonica de Stat „Banatul“), 1968 Chefdirigent des Akademischen Sinfonieorchesters Bukarest. Zugleich unterrichtete Šumski als Dozent der Bukarester Musikhochschule Musiktheorie und Solfège.

Universitätsmusikdirektor in Tübingen
1972 übersiedelte Šumski nach Deutschland und war bis 1999 Universitätsmusikdirektor in Tübingen. Zu seinen Aufgaben gehörte neben einem Lehrauftrag am musikwissenschaftlichen Institut die Leitung des Sinfonieorchesters der Universität und des Universitätschores.

Orchester
Mit dem Sinfonieorchester der Universität führte Šumski nahezu alle Schlüsselwerke des symphonischen Repertoires auf. Zahlreiche Solisten von Weltrang, u.a. Bruno Leonardo Gelber, Helen Donath, Barry Tuckwell, David Geringas und Gerhard Opitz musizierten unter Šumskis Leitung mit dem studentischen Orchester.

Chor
1973 gründete Alexander Šumski die Camerata vocalis, den Kammerchor der Universität. Die außergewöhnliche technische Flexibilität, die reiche Palette an Klangfarben und die überzeugende stimmliche Leistung machten die Camerata zu einem wichtigen musikalischen Botschafter der Tübinger Universität. Konzerte und gemeinsame Musikprojekte führten die jungen Sänger in nahezu alle europäischen Länder und seit Beginn der 80er Jahre regelmäßig auf den afrikanischen Kontinent. Zahlreiche Aufnahmen und Rundfunksendungen mit dem Südwestfunk Baden-Baden oder mit Radio France - France Musique in Paris zeugen von dem großen Erfolg der Camerata.

Studium generale
Interdisziplinäre Veranstaltungen mit bedeutenden Professoren der Universität wie Hans Küng (Mozarts Klarinettenkonzert), Hansmartin Decker-Hauff (Brittens „Young Person‘s Guide“) und dem Slawisten Ludolf Müller (Tschechow und Tschaikowskij) machten das Collegium musicum zu einem wichtigen Partner im neu geschaffenen Studium generale.

Förderung junger Talente
Šumski machte sich zur Aufgabe, junge Solisten zu fördern. So debütierte die damals 11jährige Anne Sophie Mutter 1975 mit Mendelssohns Violinkonzert im Tübinger Festsaal, begleitet von den Tübinger Studenten.
Von 1985 bis 2005 betreute er die Reihe „Forum junger Interpreten“, eine Konzertreihe an der Kreissparkasse Reutlingen.

Weitere dirigentische Tätigkeiten
Von 1978 bis 1980 war Šumski neben seiner Tübinger Tätigkeit Chordirektor beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg. Zusammen mit verschiedenen Kammerensembles unterschiedlicher Besetzung leitete Šumski zahlreiche Tübinger Erstaufführungen, darunter Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“, Schönbergs „Pierrot lunaire“ oder Poulencs Orgelkonzert.
Mehrere Jahre leitete Šumski auch das Tübinger Kammerorchester. Zudem wurde er als Gastdirigent zahlreicher renommierter Sinfonieorchester eingeladen, unter anderem beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg und Hannover, beim Orquesta National in Caracas, bei den Minsker Philharmonikern oder beim Nationalorchester des Rumänischen Rundfunks in Bukarest. Auch leitete er Konzerte bedeutender internationaler Musikfestivals, so beim Amazonas-Festival in Manaus, beim Enescu-Festival in Bukarest, beim Festival für Geistliche Musik in Riga und beim Bodenseefestival. Tourneereisen führten ihn in viele Länder Europas, nach Nord- und Südamerika sowie nach Afrika, Asien und Australien.

Musikwissenschaftliche Tätigkeiten
Als Musikwissenschaftler widmete sich Alexander Šumski zunächst der byzantinischen Musik, insbesondere der rumänischen Psaltikie und der geistlichen Chormusik rumänischer Komponisten.
Seit den 80er Jahren liegt der Schwerpunkt seiner musikwissenschaftlichen Tätigkeit auf der Erforschung, Bearbeitung und Wiederaufführung von Werken oberschwäbischer Klosterkomponisten des 18. Jahrhunderts. In der von Šumski 1986 ins Leben gerufenen Forschungs- und Editionsstelle für oberschwäbische Klostermusik an der Universität Tübingen wurden bis 2005 nahezu 300 Kompositionen aus den ehemaligen Klöstern Oberschwabens neu entdeckt, bearbeitet und der modernen Aufführungspraxis angepasst. Unter Šumskis Leitung wurden sie an den jeweiligen Entstehungsorten aufgeführt, im Studio des Südwestrundfunks Baden-Baden produziert und als CDs in der Reihe „Musik in oberschwäbischen Klöstern“ bei Orchestrola / da music herausgebracht.

Ehrungen
Die Universität Tübingen verlieh Šumski den Titel eines Professors. 2005 wurde Alexander Šumski mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet, 2008 wurde er Ehrenbürger seiner rumänischen Heimatstadt, 2011 erhielt er von Papst Benedikt XVI. die Würde eines Komturs des Ordens des Hl. Silvester.

Ehrenamtliche Tätigkeiten
Alexander Šumski war ehrenamtlich aktiv als Mitglied des erweiterten Bundesvorstands des Deutschen Komponistenverbands. Zudem arbeitete er in zahlreichen Verbänden mit: u.a. als Kuratoriumsmitglied der Internationalen Schulmusikakademie Schloss Kapfenburg, als Mitglied des Kuratoriums „Jugend komponiert“ im Landesmusikrat Baden-Württemberg, als Kurator der Deutsch-Italienischen Kulturgesellschaft (ACIT) Venedig. Von 1998 bis 2014 war er Mitglied des Rundfunkrats des Südwestrundfunks.
Nach dem Eintritt in den Ruhestand setzte Šumski seine berufliche Tätigkeit sowohl als Praktiker als auch als Musikwissenschaftler fort. Er leitete noch bis 2005 die Forschungs-und Editionsstelle für oberschwäbische Klostermusik an der Universität Tübingen. Unter seiner Ägide wurden alle Partituren und Editionsmaterialien zur oberschwäbischen Klostermusik in der Diözesanbibliothek Rottenburg untergebracht. Als Musikwissenschaftler und Dirigent blieb Šumski weiterhin tätig.

Veröffentlichungen