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Themen der Forschung
S. 117-129
Der Kreisauer Kreis benannt nach dem schlesischen Gut von Helmuth Graf James von Moltke war ein Widerstandskreis, dem über zwanzig Politiker, Wissenschaftler, Theologen und Offiziere angehörten. Von anderen Widerstandsgruppen unterscheidet er sich dadurch, dass er in Arbeitsgruppen, Diskussionsrunden und Vollversammlungen ein geschlossenes System des staatsrechtlichen Wiederaufbaus Deutschlands und Europas nach der als sicher vorhergesehenen Niederlage Deutschlands entworfen hat. Einer der Kernpunkte des Programms gewissermaßen ein Markenzeichen des Kreises war der Vorschlag, die Gesellschaft entschieden von unten nach oben aufzubauen und dabei nebst der Familie von kleinen Gemeinschaften als Zellen der Gesellschaft auszugehen. Das Konzept enthält in großer Ausführlichkeit das, was man heute als Subsidiarität, Dezentralisierung, Föderalisierung, Partizipation, Aufbau bottom-up, nicht top-down, kennzeichnen würde. Der Aufbau der Bundesrepublik als starker Bundesstaat und der Entwurf eines Europa der Mitgliedsstaaten sei es als Bundesstaat, sei es als Staatenbund sowie das entschiedene Eintreten für die Wiederaufrichtung eines auf Freiheit und Christentum gegründeten europäischen Menschenbildes kennzeichnen die bleibende Leistung der Kreisauer. Davon ist in diesem Beitrag die Rede.
Zitiervorschlag für diesen Artikel:
Karpen, Ulrich 2008: Der Kreisauer Kreis: Kleine Gemeinschaften in Gesellschaft und Staat, in: Europäisches Zentrum für Föderalismus-Forschung (Hrsg.): Jahrbuch des Föderalismus 2008.
Föderalismus, Subsidiarität und Regionen in Europa, Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, S. 117-129.
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Quelle: http://www.uni-tuebingen.de/ezff/jahrbuch2008_karpen.html