Das Fach Kirchengeschichte beschäftigt sich mit den Wandlungen des Christentums im Laufe seiner zweitausendjährigen Geschichte. Hierzu dienen zwei inhaltlich aufeinander bezogene methodische Hauptzugänge, nämlich die Kirchengeschichte im engeren Sinn und die Dogmen- und Theologiegeschichte. Die Kirchengeschichte im engeren Sinn behandelt die Gestalt des Christentums als institutionelle und gesellschaftliche Größe im politischen, kulturellen und geistesgeschichtlichen Kontext; hieran schließt die speziellere Fragestellung der Kirchenordnungen an, für die in Tübingen ein eigener Lehrstuhl eingerichtet ist. Die Dogmen- und Theologiegeschichte hingegen fragt speziell nach der Entstehung, Formulierung und Auslegung christlicher Lehre und der aus ihr resultierenden Lebenspraxis angesichts ihres jeweiligen Kontextes. Gleich, ob eher kirchen- oder eher theologie- und dogmengeschichtlich gearbeitet wird: In jedem Fall sind jeweils die Charakteristika der verschiedenen Epochen zu berücksichtigen.

 

Studienziel des Fachs Kirchengeschichte ist es, historische Quellen eigenständig und detailliert interpretieren und kirchen- wie theologiegeschichtlich sowie auch allgemeingeschichtlich einordnen zu können. Durch solche Kontextualisierungen vertieft sie die theologische Reflexionsfähigkeit. Die dazu notwendigen Methoden der Textarbeit und der Geschichtswissenschaften werden in einem Proseminar vermittelt und möglichst in einer Proseminararbeit angewendet. Durch den Besuch von Hauptseminaren werden diese Kenntnisse vertieft und erweitert. Wesentliche Voraussetzung für einen großen Teil kirchengeschichtlich relevanter Quellen ist die Sprachkompetenz im Lateinischen und Griechischen, die durch die Beschäftigung mit Quellentexten aus dem Bereich der Kirchengeschichte eingeübt werden sollte. Einen Überblick über die Epochen sowie Einblick in die aktuelle Forschungslage ermöglichen die Hauptvorlesungen.