Eule oder Lerche?

 

Steinkäuze (Athene noctua)

 

Kein Mensch gleicht dem anderen. Diese Binsenweisheit bezieht sich auch auf das Schlafverhalten, wie beispielsweise auf Bett- und Aufstehzeiten. So hat man bereits vor über 100 Jahren Menschen in Lerchen und Eulen eingeteilt – Lerchen stehen bereits früh auf und erreichen schnell ihre „Betriebstemperatur“, sind aber abends dafür schon früh müde. Anders hingegen Eulen: Sie stehen gerne spät auf, brauchen länger bis sie richtig wach sind, aber sie können abends und nachts lange durchhalten.

 

 

Haubenlerche (Galerida cristata)

 

Jugendliche in der Pubertät verwandeln sich fast rasant von Früh- zu Spätaufstehern. Außerdem bevorzugen Menschen bei der Partnerwahl ähnliche Chronotypen, so dass Lerchen häufiger mit Lerchen in einer Beziehung leben. Passen die Paare allerdings nicht zusammen, so hat dies auch keine negative Auswirkung auf die Partnerzufriedenheit. Junge Eltern sind durch Kinder in ihrem Schlafverhalten besonders stark beeinträchtigt, besonders bei Müttern wirkt sich dies wie ein dauerhafter Jetlag aus.

 

Untenstehend, vereinfacht die Ergebnisse verschiedener Studien zum Chronotyp. Diese Ergebnisse sind natürlich statistische Mittelwerte und jede Person kann davon abweichen! Wenn etwas nicht zutrifft bei einer Einzelperson, kann es dennoch für die gesamte Population typisch sein.

 

  • Einfluss des Chronotyps auf die Schulleistung: Beim Abitur (BaWü) zeigte eine Studie eine halbe Note Unterschied zwischen Eulen und Lerchen.

 

 

 

  • Karriereoptionen: Morgentypen sind eher proaktiv, gewissenhaft, vorausplanend, damit sind die Karriereoptionen eher besser als bei Abendtypen – hier fehlen aber prospektive Studien.

 

 

  • Frauen sind etwas früher orientiert (stehen also früher auf und gehen früher ins Bett) als Männer und schlafen im Durchschnitt länger. Allerdings neigen Frauen eher zum Morgenmuffel.

 

 

  • Bei Jugendlichen sind sicherlich 20% sehr stark betroffene, extreme Eulen und weitere 20-30% stark betroffene Eulen, d.h., die Mehrheit der Jugendlichen sind Eulen. Vor allem ab dem Alter von etwa 12-13 Jahren verwandeln sich Jugendliche rasant zu Abendtypen (Eulen).
  • Pubertierende tendieren stärker zum Eulentyp – man vermutet zu allererst hormonelle Ursachen: Männer vom Abendtyp haben höhere Testosteron-Werte, vermutlich beeinflusst das Hormon den Biorhythmus.
  • Der Schlaf vom Wochenende unterscheidet sich meist deutlich vom Wochentag, so gehen die meisten Menschen am Wochenende später ins Bett und stehen später auf. Dies wird als „sozialer“ Jetlag bezeichnet. D.h. unter der Woche leben wir in einem uns auferlegten „sozialen“ Rhythmus, am Wochenende leben wir unseren eigenen, inneren Biorhythmus aus. Da sich diese unterscheiden wird hier von sozialem Jetlag gesprochen.
  • Lerchen haben morgens nach dem Aufwachen einen höheren Cortisolspiegel – vielleicht kommen sie deshalb leichter aus den Federn?
  •  Schüler/-innen vom Abendtyp verbringen mehr Zeit mit elektronischen Medien und weniger mit Sport im Vergleich zu Schüler/-innen vom Morgentyp.
  •  Bereits bei Vorschulkindern findet ein sozialer Jetlag statt – Wochenend- und Wochentagschlafverhalten unterscheiden sich bereits um 45 Minuten (Aufstehen/Bettzeiten)
  • Der stärkste äußere Zeitgeber ist das Sonnenlicht. Das stellt unsere innere Uhr quasi jeden Tag wieder richtig ein.
  • Lichtverschmutzung (Licht bei Nacht) und elektronische Bildschirmmedien „verschieben“ den Chronotyp, Schlafen findet später statt.
  • Ein Aufwachlicht (Sonnenaufgang-Simulator) hilft eher Eulen als Lerchen.
  • Ostdeutsche Jugendliche sind eher morgens orientiert als westdeutsche
  • Je näher am Äquator, desto eher Lerche

 

www.nature.com/articles/srep39976