Medizinische Diversität in Südindien
1. Projekttitel
Medizinische Diversität in Südindien. Gesundheitsangebote und Gesundheitsverhalten im ländlichen Tamil Nadu.
2. Projektbearbeiterin
Asien-Orient-Institut
Abteilung für Ethnologie
Schloss
72070 Tübingen
3. Inhalt des Projekts
Dieses Projekt untersucht, wie die tamilische Landbevölkerung Gesundheitsangebote bewertet und frequentiert. ‘Gesundheitsangebote’ meint hier einerseits die formalisierten gesundheitlichen Institutionen und Praktizierenden (Biomedizin, Siddha, Ayurveda, Homöopathie, Naturopathie, Yoga) aber auch die nicht formalisierten Angebote, wie beispielsweise rituelle oder religiöse Heilung, Folk-Medizin oder nicht zugelassene Ärzte und Heiler.
Das Projekt fokussiert auf Patienten und fragt, wie sich aus der Sicht des Erkrankten und seiner Familie die Gesundheitslandschaft und die Möglichkeiten, gesund zu werden, konstituieren. Dabei sind es unterschiedliche Leitfragen die dieser Studien zugrunde liegen:
- Welche Heiler, Ärzte, Krankenhäuser, öffentliche und private, medizinische und nicht medizinische Angebote, die Gesundung versprechen, gibt es?
- Wie erklären und diagnostizieren diese Gesundheit und Krankheit und wie behandeln sie die Patienten?
- Was kostet ihre Behandlung und wie legitimieren sie ihre Position innerhalb der medizinisch pluralistischen Angebotslandschaft?
- Was unternehmen Menschen, wenn sie selbst oder Familienangehörige krank werden?
- Wie erklären sie Gesundheit und Krankheit und welche Sinnzuschreibungen treffen sie?
- An wen wenden sie sich und warum?
Besonderes Augenmerk wird auf die Erklärungen von „Gesundheit-suchendem Verhalten“ (health seeking behaviour) gelegt, welches nur im Kontext eines grundsätzlichen Verständnisses von einerseits emischen Begriffen sowie Erklärungsmodellen von Gesundheit und Krankheit und andererseits der Angebotsstruktur auf dem Gesundheitsmarkt erfolgen kann. Gängige Theorien in der Medizinethnologie postulieren, dass kulturelle Konzepte und Erklärungsmuster auf das health seeking behaviour einwirken, dass aber auch logistische und ökonomische Faktoren bei der Wahl des Arztes oder Heilers eine Rolle spielen. Aber wie sieht dieses Zusammenspiel aus, wie wirken diese Faktoren zusammen und was bedeutet das für die konkreten Handlungen der Menschen? Wie wird die Biomedizin, wie das staatliche Gesundheitssystem wahrgenommen und angenommen? Wie wird mit dem pluralistischen medizinischen Angebot umgegangen und wie werden die unterschiedlichen medizinischen Traditionen evaluiert und konzeptualisiert? Welche Rolle spielen dabei sozio-ökonomische Faktoren, welche Rolle kulturelle, aber auch historische Faktoren?
Die Ergebnisse dieser Studie sind sowohl für Sozialwissenschaftler als auch für Gesundheitsplaner von Relevanz. Sie verweisen auf ein weitaus komplexeres Gesundheitsverhalten als angenommen und zeigen dass kulturelle, soziale und ökonomische Faktoren vielfältig interagieren.
Die Feldforschung fand zwischen 2007 und 2009 statt, Forschungsort war der Thanjavurdistrikt in Tamil Nadu.
Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie unter:
- http://www.mpg.de/1163384/F002_Fokus_026-033.pdf
- http://www.mmg.mpg.de/de/forschung/alle-projekte/folk-medicine-in-south-india-representations-of-diverse-identities-in-medical-encounters/
Weitere Informationen zu bereits erschienenen Publikation finden Sie unter:
- http://www.weissensee-verlag.de/autoren/alex_181.htm
- http://www.mmg.mpg.de/fileadmin/user_upload/documents/wp/WP_09-05_Alex_Folk-healing.pdf





