Uwe Grupp

Anschrift 

Fachbereich Geschichtswissenschaft

Seminar für mittelalterliche Geschichte

Wilhelmstraße 36

72074 Tübingen


E-Mailuwe.grupp[at]uni-tuebingen.de

 

 

 

 

 

Akademischer Werdegang

2007–2010

B.A.-Studium der Fächer Geschichtswissenschaft und Ur- und Frühgeschichte in Tübingen, Konstanz und Cork (Irland)

2011–2013M.A.-Studium der Mittelalterlichen Geschichte in Tübingen
seit 2011Hilfskrafttätigkeit am Seminar für mittelalterliche Geschichte (Lehrstuhl Prof. Patzold)
2013Master of Arts (Thema der wissenschaftlichen Arbeit: "Kritische Überlegungen zum sogenannten Vademecum Grimalds von St. Gallen")
Seit 11/2013Promotionsstudium in Tübingen

 

 

Veröffentlichungen

Der Codex Sangallensis 397 – ein persönliches Handbuch Grimalds von St. Gallen?, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 70 (2014), S. 425–463        

 

Mitherausgeber und -übersetzer von: Einhard, Translation und Wunder der Heiligen Marcellinus und Petrus. Lateinisch / Deutsch, hg. von Mitgliedern des Seminars für Mittelalterliche Geschichte der Universität Tübingen (Acta Einhardi 2), Seligenstadt 2015

 

 

 

Studien zur Organisation von Dienst und Dienstbarkeit im 11. und 12. Jahrhundert

Die Formierung der Ministerialität zählt zu den bedeutendsten Entwicklungen der mittelalterlichen Sozial- und Verfassungsgeschichte. Unfreie Dienstleute erlangen durch persönlichen Einsatz im Dienst eines Herren rechtliche und materielle Besserstellung, emanzipieren sich schließlich von ihren Dienstherren und streben nach Anschluss an die Lebenswelt des Adels. Am Ende dieser sozialen Evolution (Karl Bosl) steht eine rechtlich und ständisch definierte Schicht, die nicht nur ein wesentlicher Pfeiler der gesellschaftlichen Ordnung und ein Träger der ritterlich-höfischen Kultur des Reiches wurde, sondern auch zu den großen Eigenheiten der deutschen Geschichte zählt.

Zwar gilt dieses Narrativ als gesichertes Handbuchwissen, doch hat gerade die jüngere Forschung Fragen aufgeworfen, die eine erneute Beschäftigung mit der Materie verlangen: Sei es das Verhältnis von Freiheit und Unfreiheit, die Bedeutung von Lehen und Vasallität für den Aufstieg der Dienstleute oder die Frage der Vergleichbarkeit mit anderen europäischen Regionen – kaum ein Aspekt des Themas ist ohne Relativierungen und Vorbehalte geblieben, zumal für die Entstehungsphase im 11. und 12. Jahrhundert.

An diesem Punkt will die geplante Studie ansetzen. Zwar ist die grundsätzliche Funktion und Bedeutung dieser Dienstleute in der mittelalterlichen Gesellschaft unbestritten, doch ihre Erforschung und Beschreibung verharrt weithin in überkommenen, teils anachronistischen Strukturen und Mustern. Daher soll ein anderer Blickwinkel eingenommen werden: An die Stelle systematisierender Betrachtung von Institutionen oder Personengruppen soll eine aus den Quellen gewonnene Beschreibung der Praxis treten, die die Handlungsweisen, Methoden und Motive von Dienstherren und Dienstmannen erklären kann, ohne auf starre rechtsgeschichtliche Muster zurückzugreifen.

Wie organisierten und delegierten Herrschaftsträger ihren Bedarf an Diensten und Dienstmannschaften? Wer kommt dafür in Frage und wie wurde ein Dienstverhältnis vereinbart? Welche Faktoren spielten eine Rolle für die Ausstattung zum Dienst? Wie wurden Rechte und Pflichten im Einzelnen geregelt? Diese Fragen sollen an ausgewählten Fallbeispielen und Überlieferungskomplexen des südwestdeutschen Raumes erprobt werden um exemplarisch die Mechanismen von Dienst- und Herrschaftsorganisation und sozialem Wandel neu zu ergründen.