Georg Wendt M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Universität Tübingen
Philosophische Fakultät
Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften
Wilhelmstr. 36
D-72074 Tübingen


(07071)-29-74975


Email: georg.wendt(at)uni-tuebingen.de

Sprechstunde: nach Vereinbarung.

Forschungsinteressen

  • Südwestdeutsche Landeskunde im Allgemeinen und württembergische Landesgeschichte im Besonderen
  • Geschichte der ländlichen und landstädtischenGesellschaft (1400-1800)
  • Herrschaftsverdichtung und Aushandlungsprozesse von Herrschaft im ländlichen Raum
  • Politische Kommunikation der Frühen Neuzeit
  • Hilfswissenschaften (v.a. Paläographie)

 

1. Curriculum Vitae

  • Geboren 1986 in Gera
  • Abitur 06/2004 und Zivildienst 08/2004-05/2005 in Gera
  • 10/2005-12/2010: Studium der Geschichte und Medienwissenschaft an der Universität Trier und an der Universiteit Utrecht (Magisterstudiengang)
  • 07/2007-03/2011: studentische Hilfskraft in der Medienwissenschaft (Sektion Print/Online) sowie in der Geschichte (Sonderforschungsbereich 600 "Fremdheit und Armut")
  • 08/2008-02/2009: Studium an der Universiteit Utrecht, gefördert durch das Erasmus-Programm der Europäischen Union
  • 04/2009-07/2012: Freier Mitarbeiter von ARD.de (Sektion "Wissen")
  • 12/2010 Verleihung des akademischen Grades Magister Artium / Thema der Magisterarbeit "Bauernkrieg und Territorialstaat: Eine Chance zur Herrschaftsverdichtung. Eine Untersuchung der herrschaftlichen Verhältnisse im elsässischen Barr vor und nach dem Bauernkrieg (1409-1568)"
  • seit 08/2011: Doktorand von Prof. Dr. Sigrid Hirbodian (ehemals Schmitt) mit Schwerpunkt "Ländliche Gesellschaft Württembergs" an der Universität Trier und Tübingen
  • seit 08/2011: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen

2. Mitgliedschaften:

  • Gesellschaft für Agrargeschichte
  • Verein der Freunde und Förderer des Instituts für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften

3. Publikationen:

 

Aufsätze

  • "Die Landßordnung hab den verstand nit, andern in gerechtickhait zunehmen": Das Tuchgewerbe in politischer Norm und Praxis im Herzogtum Württemberg, in: "Revolution des Fleißes" [Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, Band 75], hg. von Sigrid Hirbodian / Sheilagh Ogilvie / Johanna Regnath, Ostfildern 2015, S. 75-90.
  • "Das pöuel in dörfern mitsambt iren Anhang": Krisenkommunikation und Herrschaftsverdichtung während des Armen Konrad im Amt Schorndorf, in: „500 Jahre Armer Konrad – ‚Der Gerechtigkeit einen Beistand thun'", hg. von der Stadt Fellbach, Fellbach 2014, S. 106-123.
  • "Geschickt taktiert: Der Tübinger Vertrag aus Sicht der württembergischen Ehrbarkeit", in: Momente 2/2014, S. 7-9
  • Eine Nonne im Dienste Württembergs? Die Chronik der Magdalena Kremerin als Element spätmittelalterlicher Herrschaftsverdichtung, in: "Die Chronik der Magdalena Kremerin im interdisziplinären Dialog"(Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, Bd. 76), Ostfildern 2016, S. 24-36.
  • Der Fehler im System: der Arme Konrad im Kontext der Herrschaftsverdichtung, in: "Armer Konrad" und Tübinger Vertrag im interregionalen Vergleich (Veröffentlichungen der Komission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe B, Bd. 206), Stuttgart 2016, S. 325-342.

Katalogbeiträge

  • Sechs Beiträge zum Ausstellungskatalog, in: Götz Adriani, Andreas Schmauder (Hg.), 1514. Macht - Gewalt - Freiheit. Der Vertrag zu Tübingen in Zeiten des Umbruchs.

Tagungsberichte

4. Zusammenfassung des Dissertationsprojekts

Herrschaftsverdichtung im Herzogtum Württemberg (1482-1593): Legitimation durch Vermittlung - Politische Praxis in den Ämtern Kirchheim/Teck, Schorndorf und dem Unteramt Steinheim/Murr

Keine Herrschaft ohne Legitimation: Das Diktum Max Webers soll in diesem Dissertationsprojekt auf Württemberg um 1500 angewandt werden. Der wachsende Quellenreichtum dieser Dekaden ermöglicht es nicht nur im Gegensatz zu den Jahrhunderten zuvor, einen genaueren Blick auf den Prozess der sogenannten Herrschaftsverdichtung zu werfen. Der Quellenreichtum ist selbst ein Proprium der Herrschaftsverdichtung: Die zunehmend akkurate Verschriftlichung herrschaftlicher Praktiken bei Supplikationen, Kundschaften und Relationen ermöglichte erst den stärkeren - weil effizienteren, einheitlicheren und schnelleren - Zugriff der Landesherrschaft auf die Lebenswirklichkeit des Armen Manns in den Städten und Dörfern, wie es Peter Moraw definierte.

 

Konkret sollen in diesem Dissertationsprojekt die Städte und Dörfer der Ämter Schorndorf, Kirchheim/Teck und das Klosteramt Steinheim/Murr untersucht werden. Die drei Verwaltungsgebiete unterscheiden sich nicht nur nach dem Zeitpunkt ihrer Zugehörigkeit zu Württemberg (Schorndorf bereits im 14. Jahrhundert, Kirchheim im 15. Jahrhundert, Steinheim erst im späten 16. Jahrhundert). Sie weisen auch eklatante Unterschiede in ihrer politischen Struktur und wirtschaftlichen Potenz aus. Dies ermöglicht es, ihre herrschaftliche Entwicklung - insbesondere anhand "globaler" politischer Krisen wie Bauernkrieg, Reformation und spanischer Besatzungszeit - im langen 16. Jahrhundert zu vergleichen. Im Vordergrund stehen dabei - potentiell herrschaftslegitimatorisch bedrohliche - Praktiken auf der Mikro- und Mesoebene: Der politische Konflikt zweier konkurrierender Amtleute, ein wirtschaftlicher Streit von benachbarten Kommunen, die Auseinandersetzung mit aufständischen Bauern und marodierenden spanischen Söldnern. 

 

Wie (re)agierte die Landesherrschaft zur Verteidigung ihrer herrschaftlichen Legitimität auf diese Herausforderungen? Wie (re)agierten und kommunizierten die Akteure vor Ort - Funktionäre, Gemeinden, der Arme Mann - um ihre Interessen durchzusetzen? Und schließlich: Inwiefern ist das Herzogtum Württemberg am Ende des 16. Jahrhunderts - auch im Vergleich zu anderen Reichsterritorien - tatsächlich ein stabileres und "verdichteteres" Herrschaftsystem als 150 Jahre zuvor?

 

(Veröffentlichung ist geplant für 2017)