Institut für Medienwissenschaft

26.07.2018

Studierende der Tübinger Uni präsentieren Botho Walldorfs Alltagsfotografien im Staatsarchiv Sigmaringen


Botho Walldorf schuf mit seinen Fotografien eine einzigartige visuelle Dokumentation über die Kultur- und Lebensweise auf der Schwäbischen Alb. Rund 50 seiner Fotografien sind ab dem 26. Juli im Staatsarchiv Sigmaringen zu sehen.

Entstanden ist die Ausstellung „Alltag auf der Alb – Fotografien von Botho Walldorf“ im Rahmen eines Projektseminars am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen und in Kooperation mit Volker Trugenberger vom Staatsarchiv Sigmaringen. Beteiligt waren 25 Studierende des Masterstudiengangs Medienwissenschaft unter der Leitung von Ulrich Hägele.

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Im Laufe von fast sechzig Jahren fotografierte Botho Walldorf rund hunderttausend Bilder von der Hohenzollernbahn, ihrer Umgebung und den Menschen der Region. Er verarbeitete umgerechnet 2.800 Kleinbildfilme. Statistisch gesehen, drückte er sieben Mal am Tag auf den Auslöser. Zusätzlich zu diesem umfangreichen Werk, trug Walldorf auch aus sonst unzugänglichen Privatschatullen Fotografien von Menschen, Gebäuden und Landschaften zusammen.

Mit dem Fotografieren begann er 1960. Einer seiner Lehrer hatte erkannt, dass die relativ ursprünglich erhaltene dörfliche Welt, wie sie damals existierte, bald nicht mehr sein würde. So führten Walldorfs erste Fotoexkursionen mit seiner Dacora Dignette-Kleinbildkamera durch seine Heimatgemeinde Gammertingen: Er fotografierte alte Gassen, Wirtshausschilder und Bauernhäuser. Wie so viele Jungen seines Alters träumte Walldorf davon, Lokomotivführer zu werden. Er hatte das Glück, eine richtige Eisenbahn direkt vor seiner Haustüre zu haben: schnaubende Dampflokomotiven, grün gestrichene Waggons, Gleisanlagen, Bahnhof und das Ausbesserungswerk. Botho Walldorf lernte schnell und erkannte die neuen visuellen Möglichkeiten, wenn Landschaft, Bahnarchitektur und die Eisenbahn im Bild verknüpft werden. Nach und nach entwickelte sich Walldorf zu einem Meister im Aufspüren und Dokumentieren von Artefakten des Alltags, von denen ansonsten niemand Notiz nahm.

Mit der Zeit entfernte sich Walldorf von der Bahn und näherte sich mit seinem Objektiv immer mehr dem Alltag in Dorf und Stadt. Mit seinem besonders offenen und verbindlichen Naturell gelang ihm der Zugang zu den Menschen und damit ins Innere der ältesten Gebäude in und um Gammertingen. Er fotografierte die Bewohnerinnen und Bewohner zwischen Holzherd, Resopal-Tisch und Einmachgläsern. Den letzten Pferdepflug oder die urigen Ochsenkarren hielt Walldorf als Beispiele für die traditionelle Lebensweise auf der Schwäbischen Alb fest – Alltag auf dem Land, das hieß lebenslanges Arbeiten in einer dörflich geprägten Welt.

Die Ausstellung mit den Fotografien Botho Walldorfs ist ab dem 26. Juli bis zum 5. Oktober 2018 im Staatsarchiv Sigmaringen zu besichtigen. Darüber hinaus macht „Alltag auf der Alb“ 2018 und 2019 auch noch in Dettenhausen, Gammertingen und Wannweil Station. Der umfangreich illustrierte Katalog ist bei Kohlhammer erschienen und im Buchhandel sowie im Staatsarchiv Sigmaringen erhältlich

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