Forschungsschwerpunkt Farbe

Bedeutung der Farbe

Reflektiert man die vielfältigen Funktionen, die Farben übernehmen, etwa durch Farbcodierung im Verkehr oder in der Wissenschaft (z.B. im MRT oder in anderen bildgebenden Verfahren), wird unmittelbar deutlich, wie oft wir uns auch in entscheidenden Erkenntniszusammenhängen auf das Zeichensystem der Farbe verlassen müssen, das wir andererseits oft für überflüssig halten. Aus dem Einsatz von semiotisch und symbolisch kulturell unterschiedlich verwendeten Farben ergeben sich für die mittlerweile global agierende Wirtschaft Folgen, aber auch für die grenzenlos ausgeweitete Kommunikation im Netz. Bedenkt man die Veränderungen der Arbeitswelt durch digitale Medien, so wird deutlich, wie weitreichend die Wirkung von Farben ist. Die meisten Menschen vor allem in den Industrieländern arbeiten heutzutage mit Hilfe von Computern und werden mit der Gestaltung von Benutzeroberflächen konfrontiert. Diese sollen nach Möglichkeit klar erfassbar sein und die Orientierung erleichtern. Außerdem nutzen zunehmend viele Bildungseinrichtungen e-Learning Angebote, die so gestaltet sein müssen, dass der Lernprozess des Benutzers gefördert wird. Welche Wirkungen Farben bei der Wissensvermittlung haben, hängt vor dem Hintergrund der globalen Nutzung auch von kulturellen Farbpräferenzen ab. An die Farbpräferenzen der verschiedenen Kulturen schließen sich aber auch Vorurteilsstrukturen an, vor allem in der Bewertung von Hautfarben oder Geschlechterdarstellungen. Die symbolische Verbindung von Geschlecht und Farbe oder von Alter und Farbe findet in den zu untersuchenden Kulturen jeweils unter anderen Vorzeichen statt. Auch die Beeinflussung des Konsumverhaltens durch Farbe unterliegt ethischen Fragestellungen, da die meisten Käufer sich der unbewussten Wirkungsmechanismen nicht bewusst sind. 

 

Ziele und Ausrichtung des Forschungsschwerpunkts

Ziel der Forschungsinitiative ist die multidisziplinäre Auseinandersetzung mit dem visuellen Phänomen der Farbe aus medienwissenschaftlicher, neurowissenschaftlicher, gesellschafts- und kulturwissenschaftlicher Sicht. So soll Farbe in unterschiedlichen kulturellen Konstellationen und Kontexten, zum Beispiel Geschlecht, Alter und Religion oder als Mittel der Identitätsfindung, des sozialen Status bzw. der sozialen Distinktion erfasst, wechselseitige Einflüsse quantifiziert und deren neuronale Grundlagen erforscht werden.

Im Bereich der empirischen und experimentellen Forschung ergeben sich an der Universität Tübingen exzellente Vernetzungsstrukturen zwischen dem vorhandenen ColourLab der Psychophysik am Forschungsinstitut für Augenheilkunde, dem neu eingerichteten Zeiss Vision Science Lab, dem Zentrum für Animationsforschung sowie dem Zentrum für Medienkompetenz.

Die Frage nach den Farben greift das junge Forschungsfeld der Visuellen Kultur auf und verbindet Grundlagenforschung mit Anwendungsorientierung. Neben der gezielten Weiterführung bereits intensiv betriebener Farbforschung an der Universität Tübingen im Bereich der Psychophysik, der Psychologie und der Medienwissenschaft, entwickeln sich in den Fächern des Asien-Orient-Institutes und der Empirischen Kulturwissenschaft darüberhinaus neue Forschungsfelder.