Prof. Dr. Ernst Pernicka

Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters - Archäometrie / Archäometallurgie


E-Mail: ernst.pernicka[at]uni-tuebingen.de

Homepage: Ernst Pernicka

Prof. Dr. Ernst Pernicka

Prof. Dr. Ernst Pernicka In seinem Arbeitsbereich, der Archäometrie, befasst er sich mit der Entwicklung und Anwendung naturwissenschaftlicher Methoden zur Lösung kulturhistorischer Fragen. Dazu zählen die Bestimmung des Alters, der Herstellungstechnik und/oder der Herkunft von Funden mit Hilfe von Verfahren aus den Geowissenschaften sowie aus Physik und Chemie. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Entstehung und Ausbreitung der Metallurgie in der Alten Welt. Aber auch Objekte aus anderen anorganischen Werkstoffen (Glas, Keramik, Stein). Dabei wird immer die gesamte Produktionskette (z.B. bei Metall: Lagerstätte - Verhüttung - Fertigobjekt) betrachtet. Neben der Materialtypologie ist auch die Prozessrekonstruktion und besonders die Identifizierung einzelner Lagerstätten(regionen) bei der Herkunftsuntersuchung von archäologischen Objekten das Ziel. Neben seiner Lehrtätigkeit leitet Ernst Pernicka auch das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie in Mannheim, in dem neben wissenschaftlichen Projekten auch Dienstleistungen für Material-untersuchungen, Datierung und Echtheitsanalyse von kulturhistorischen Objekten durchgeführt werden.

Projekt 1

Archäometallurgische und paläoanthropologische Untersuchungen des Gräberfeldes von Varna, Bulgarien


(Gefördert durch die DFG bis Ende 2012; Homepage des Projekts: http://www.ufg.uni-tuebingen.de/index.php?id=579)


Die Forschungsgeschichte dieses herausragenden kupferzeitlichen Gräberfeldes ist überaus umfangreich, handelt es sich doch um einen der frühesten und für das fünfte vorchristliche Jahrtausend bisher sicherlich eindrucksvollsten Nachweis in Form individueller Beigabenausstattung einer komplex organisierten Gesellschaft. Vor allem der enorme Goldreichtum einiger Gräber machte Varna schnell zu einem Symbol für den Beginn der europäischen Zivilisation. Inwieweit diese sozialen Veränderungen auf neue wirtschaftliche und kulturelle Impulse oder lokale Traditionen und Entwicklungen zurückzuführen sind, ist eine der wichtigsten Fragen, denen innerhalb dieses interdisziplinär angelegten Projekts nachgegangen werden soll. Erstmals wird das Gräberfeld in seiner Gesamtheit untersucht und publiziert. Teil der archäologischen Neubearbeitung sind anthropologische, archäometallurgische, -botanische und -zoologische Untersuchungen an den Grabfunden.

Projekt 2

Archäologische Ausgrabungen in Troia


(Gefördert von der DFG seit 1993; Homepage des Projekts: http://www.uni-tuebingen.de/troia/deu/index.html)


Der von Manfred O. Korfmann begonnene Grabungszyklus in Troia wird abgeschlossen. Eine Publikation des Ist-Zustandes ist in Vorbereitung. Die detaillierte Auswertung aller Funde und Befunde wird aber noch einige Jahre beanspruchen, denn es sind noch längst nicht alle Fragen beantwortet. Kritiker zweifeln immer noch an der Existenz einer relativ dicht bebauten Unterstadt. Diese Kontroverse wurde ausführlich in der Öffentlichkeit ausgetragen (Stichwort „Ein neuer Kampf um Troia“) und es wurde immer wieder verlangt, Belege für eine bewohnte Unterstadt vorzulegen. Letztlich geht es dabei um die Frage nach der Bedeutung eines Ortes, der in unserem kulturellen Gedächtnis eine geradezu mythische Größe angenommen hat: Als wahrscheinlicher Schauplatz der Ilias mit einer Rezeptions- und Wirkungsgeschichte bis heute, als „Denkmal der Feldarchäologie“ seit dem Auftreten Heinrich Schliemanns, mit einer wahrscheinlichen Verbindung zur von den Hethitern schriftlich überlieferten Geschichte der Bronzezeit, als Ort der kriegerischen und friedlichen Begegnung zwischen Europa und dem Orient, und zuletzt als Fokus multidisziplinärer akademischer Forschung.

Projekt 3

Der Aufbruch zu neuen Horizonten. Die Funde von Nebra, Sachsen-Anhalt, und ihre Bedeutung für die Bronzezeit Europas


(DFG Forschergruppe FOR550; gefördert von 2004 bis 2010; Homepage des Projekts: http://mars.geographie.uni-halle.de/for550/)


Im Zentrum der interdisziplinären Forschergruppe standen die einzigartige Himmelsscheibe von Nebra, ihre Begleitfunde sowie ihr frühbronzezeitliches Umfeld. Das Besondere liegt in der außerordentlichen kulturgeschichtlichen Bedeutung der Nebra-Funde und in den sich daraus ableitenden neuen Sichtweisen über Mensch, Wirtschaft, Gesellschaft und Religion der Frühbronzezeit in Mitteleuropa. Die Forschungsziele waren den Funden entsprechend komplex und vielschichtig, sie betrafen die Himmelsscheibe selbst, ihren Fundort und ihr mitteldeutsches Umland.. Die archäologischen Untersuchungen erstreckten sich auf den Mittelberg bei Nebra sowie auf das Verbreitungsgebiet der Aunjetitzer Kultur. Die naturwissenschaftlichen Untersuchungen bezogen sich v.a. auf die Herstellungstechnologie der Gegenstände des Hortfundes von Nebra, die Herkunft des Kupfers und die Erarbeitung von Grundlagen für die Herkunftsbestimmung von Gold. Die archäoastronomische Auswertung beschäftigt sich mit der Entschlüsselung des Bildinventars der Himmelsscheibe einerseits sowie mit der Frage nach der Bedeutung astronomischer Kenntnisse im Leben der frühbronzezeitlichen Menschen andererseits. Die wichtigsten Ergebnisse sind in einem Kongressband veröffentlicht. Weitere Ergebnisse erscheinen regelmäßig in einer Buchreihe. Weitere naturwissenschaftliche Untersuchungen sind beantragt.