Analyse und Förderung effektiver Lehr-Lernprozesse (DFG Forschergruppe 738)

Digitale Medien können Lehr-Lern-Prozesse in vielerlei Hinsicht unterstützen. Klassische Settings können durch eine Vielzahl von multimedialen Präsentationsformaten und telemedialen Kommunikationsszenarien erweitert werden. Darüber hinaus lassen sich neue didaktische Szenarien realisieren wie kooperatives forschendes Lernen, problemorientiertes Lernen oder Lernen durch Erstellung von Hypervideos. In formalen Lernsettings wird jedoch das Potential medienunterstützten Lernens bei weitem nicht ausgenutzt. Dies ist nur zum Teil strukturell begründet, etwa durch fehlende finanzielle Mittel. Weitere Hindernisse liegen in den Charakteristika der Forschung, deren Ergebnisse auf einen verbesserten Einsatz digitaler Medien in Lehr-Lern-Prozessen abzielen. Unserer Meinung nach gibt es drei wesentliche Gründe für diese Situation

  1. Einen Mangel an Interdisziplinarität in psychologischen, erziehungswissenschaftlichen und lerntechnologischen Forschungsansätzen;
  2. geringe Rezeption von Praxisproblemen seitens der Forschung;
  3. mangelnde Bezüge zu konzeptuellen Rahmenmodellen des Lehrens und Lernens sowie zu Kompetenzmodellen von Lehrenden und Lernenden.

Dies reduziert die Möglichkeiten, Forschungsergebnisse aufeinander aufzubauen und Erkenntnisse in der Praxis umzusetzen.

In unserem Ansatz verbinden wir in jedem der Projekte psychologische, erziehungswissenschaftliche und fachdidaktische Expertise und kombinieren dadurch in einer breiteren interdisziplinären Perspektive die jeweiligen Stärken. Zweitens beabsichtigen wir, eine bessere Rezeption der Praxisbedingungen zu erreichen, indem wir nutzeninspirierten Forschungsfragen nachgehen und dabei sowohl eine gesteigerte externe Validität als auch die Einhaltung methodischer Standards empirischer Forschung gewährleisten. Drittens stellen die Projekte direkte Bezüge zu bestehenden konzeptionellen Rahmenmodellen des Lehrens und Lernens (wie dem Angebots-Nutzungs-Modell von Helmke, 2009) her und beziehen sich, wo immer möglich, auf weitere Standards und Modelle, um für die Ergebnisse in Forschung und Praxis Anschlussfähigkeit zu schaffen.
 

Die Projekte konzentrieren sich auf der einen Seite auf das Verhältnis von Lernvoraussetzungen, Lernprozessen und Instruktion und auf der anderen Seite auf die Analyse und Förderung von Lehrexpertise unter verschiedenen instruktionalen und institutionellen Kontexten. Dadurch zielen wir auf einen umfassenderen Ansatz des Lehrens und Lernens mit digitalen Medien ab.

Die Forschergruppe wird gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Beteiligte Forschungseinrichtungen:

Sprecher:

Prof. Dr. Dr. Friedrich W. Hesse
Fachbereich Psychologie, Universität Tübingen