Monika Wenz, M.A.

Kollegiatin

Anschrift BüroUniversität Tübingen
Graduiertenkolleg 1662 „Religiöses Wissen“
Gartenstraße 19
72074 Tübingen
Telefon

+49 (0)7071/29-77332

Raum102
E-Mail

monika.wenz[at]uni-tuebingen.de

Akademischer Werdegang

10/2008 – 09/2011

Studium Geschichtswissenschaft und der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie / Archäologie des Mittelalters (B.A.) Eberhard-Karls-Universität Tübingen

2011

Bachelor mit der Abschlussarbeit „Die ‚Offenbarungen‘ der Katharina Tucher – Individualität und christlicher Individualismus in der spätmittelalterlichen Visionsliteratur“

10/2011 – 04/2014Studium der Mittelalterlichen Geschichte (M.A.)

Eberhard-Karls-Universität Tübingen

2014Master mit der Abschlussarbeit „…qualis debeat esse pastor aecclesiae... – Beobachtungen zur Ausbildung von Priestern im 9. Jahrhundert“

Berufliche Stationen

04/2011 – 03/2012

Studentische Hilfskraft bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz im Projekt der Regesta Imperii, Arbeitsstelle Tübingen

02/2012 – 03/2014

Wissenschaftliche Hilfskraft am Seminar für Mittelalterliche Geschichte (Lehrstuhl Prof. Dr. Steffen Patzold), Eberhard Karls Universität Tübingen

04/2012 – 03/2014

Wissenschaftliche Hilfskraft im DFG-Graduiertenkolleg 1662 „Religiöses Wissen im vormodernen Europa (800–1800)“, Eberhard Karls Universität Tübingen

2014-2017

Kollegiatin im DFG-Graduiertenkolleg 1662 „Religiöses Wissen im vormodernen Europa (800–1800)“, Eberhard Karls Universität Tübingen

Vorträge und Tagungen

07/2014

Heiligkreuztal

Teilnahme an der Jahrestagung des GrK 1662.

09/2014

Aachen

Teilnahme an der Tagung “Politik und Versammlung im Frühmittelalter” in Aachen

07/2015

Leeds

Teilnahme am International Medieval Congress in Leeds

07/2015

Oxford

Vortrag: „Zentrale Kontrolle – Lokale Vielfalt: Bücher für Priester in der Karolingerzeit“ auf der Jahrestagung des GrK 1662 in Oxford

12/2015

Tübingen

Vortrag: “In Codex Sélestat 132 ist der Teufel los – Beobachtungen zu einem Exorzismus des 9. Jahrhunderts“ auf dem von mir organisierten Expertenworkshop “Priester, Wissen und correctio – oder wie entlockt man Handschriften des 9. Jahrhunderts ihr Wissen über Priester und deren Ausbildung” des GrK 1662

04/2016

Berlin

Vortrag zum Dissertationsprojekt und Präsentation einer sich in der Staatsbibliothek zu Berlin befindlichen Handschrift im Rahmen des DAAD-Cambridge hub Manuscripts Workshops in Berlin.

07/2016

Leeds

Vortrag: “Instruction-Readers for Priests: Books exclusively meant for educating carolingian local priests?” in der Sektion 1111: “Carolingian local priests II: local manuscripts, local knowledge” des International Medieval Congress in Leeds.

07/2016

Regensburg

Vortrag: “Hand(liche) Bücher – Liturgische Bücher? Gedanken zu einer möglichen Kategorisierung von karolingischen Priester-Handbüchern“ auf dem interdisziplinären Symposium „Zur Typologie liturgischer Bücher des westlichen Mittelalters: Neue Fragen an alte Quellen“ in Regensburg

11/2016

Utrecht

Vortrag: “Do contents matter? or: How a definition of ‘local priests’ might change the view on ‘Instruction-Readers for Priests’ auf dem Workshop “Manuscripts for local Priests III” in Utrecht

10/2016

Rom

Teilnahme an der Jahrestagung des GrK 1662 in Rom

Veröffentlichungen

  • Lokale Priester, ihre Handbücher und liturgische Texte – Überlegungen zur Typologisierung von Priesterhandbüchern des 9. Jahrhunderts, 31 Seiten (2017 zum Druck eingereicht)
  • Buchbesprechung: Maria Theisen (Hrsg.): Engel. Himmlische Boten in alten Handschriften (Darmstadt 2014), in: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 35 (2016), S. 383f.
  • Einhard, Translatio et miracula Sanctorum Marcellini et Petri = Translation und Wunder der heiligen Marcellinus und Petrus, hg. von der Einhard-Gesellschaft e.V. Seligenstadt / übersetzt und bearbeitet von den Mitgliedern des Seminars für Mittelalterliche Geschichte Tübingen (Acta Einhardi 2) Seligenstadt 2015.
  • Sülchgau 54/55 (2010/2011), S. 38–71, darin zusammen mit Tilmann Marstaller: Spolien als Überreste einer Vorgängerkirche, S. 41–44.

Lehrveranstaltungen

WS 2015/16

PS Zwischen lokaler Gemeinschaft und politischer Elite: Priester der Karolingerzeit (zusammen mit Prof. Dr. Steffen Patzold)

Bücher für Priester auf dem Land. Ausbildung von Experten religiösen Wissens im Karolingerreich

Betreuer: Prof. Dr. Steffen Patzold, Prof. Dr. Andreas Odenthal

Erst allmählich nähert sich die Mittelalterforschung dem Themenkomplex um karolingische Priester und deren Ausbildung, weshalb die Untersuchungen hierzu erst am Anfang stehen. Die Gründe dafür liegen in der älteren Forschung zum Eigenkirchenwesen begründet, in der den Priestern nur eine recht minderwertige Rolle zukommt. Diese Sicht wirkte sich daraufhin auch auf die Untersuchungen zur karolingischen correctio aus. Die Strahlkraft und Wirkung dieser Ideale, so die Meinung einiger Wissenschaftler, sei auf einen kleinen Personenkreis beschränkt gewesen, der höchstens noch bis zu den Bischöfen und Äbten reichte. Diese Meinung liegt in zweierlei Umständen begründet: Zum einen war die ältere Perspektive auf die Karolingerzeit eine, die hauptsächlich auf die Mächtigen gerichtet war; zum anderen stellten die bis dahin herangezogenen Texte wie Erlasse und öffentliche Briefe eine Quellenbasis dar, an der sich zwangsläufig immer nur ein Sollstand erkennen ließ. Die Antwort auf die Frage, ob von den Bestimmungen tatsächlich etwas an der Basis angekommen ist, blieb dagegen offen.

Mittlerweile hat sich die Sicht auf Landpfarrer im 9. Jahrhundert verändert. Durch das Heranziehen von anderem Quellenmaterial, wie zum Beispiel Bischofsstatuten, werden die Auswirkungen der karolingischen correctio auf regionaler Ebene sichtbar, wodurch sich ein anderes Bild der Landpfarrer im Karolingerreich zeichnet; ein Bild der Verflechtung von Kaiser und Hof, Bischöfen und Priestern im Bemühen um ein frommes Leben und eine gottgefällige Ordnung, welche den Schutz des Reichs durch Gott gewähren sollen. Priester sind nach diesen Forschungen keineswegs ungebildete Abhängige großer Herren, vielmehr besitzen sie ein Mindestmaß an Vermögen, das weit oberhalb der Armutsgrenze angesiedelt ist, und sind Eliten in ihrem Zuständigkeitsbereich sowie wichtige Vermittler des Reformprogramms Karls des Großen, Ludwigs des Frommen und des Hofzirkels. Damit stellen sie einen nicht unbedeutenden Teil einer „top-down“-correctio (Carine van Rhijn) dar. In dieser kommt ihnen eine große Verantwortung zu: Sie sind sowohl für den rechten Glauben und eine gottgefällige Lebensweise ihrer Gemeinden verantwortlich, als auch – im Idealfall – für die Errichtung von Schulen vor Ort. Dort sollten Kinder unterrichtet werden, die durch das gute Beispiel der Priester für den Dienst in der Kirche begeistert werden konnten (Admonitio generalis, c. 70).

Dass Priester über ein gewisses Maß an Bildung verfügten, um diese Aufgaben erfüllen zu können, steht mittlerweile außer Zweifel. Wenig bekannt ist dagegen über den Vorgang der Ausbildung derselben, darüber, wie gut die vermittelte Bildung war und über welches religiöse Wissen sie verfügten. Um klären zu können, welches Wissen Priestern vermittelt wurde, ist es notwendig, anderes Quellenmaterial heranzuziehen als normative Texte wie z. B. Kapitularien oder Statuten. Deswegen werden aufbauend auf den Arbeiten von Susan Keefe „Instruction-Readers“ – Handbücher für Priester – im Fokus meines Dissertationsprojektes stehen. Diese Codices können tiefe Einblicke in die Ausbildung von Priestern, in die Art der Wissensvermittlung und in das Repertoire an Bildung, über das die einzelnen Priester verfügten, gewähren.

Die äußere Beschaffenheit der Codices gilt es bei der Untersuchung ebenso zu beachten, wie die Qualität des Pergaments und des darauf zu findenden Inhalts. So weisen viele dieser Handbücher Gemeinsamkeiten in der äußeren Form auf, wie z. B. das kleine Format. Gerade dieses handliche Format spricht dafür, dass die Bücher dazu gemacht wurden, um sie mit sich zu führen. Sie dienten als Referenz für bereits ordinierte Priester in ihrem Alltag oder als Vorbereitung auf eine Prüfung ihres Wissens im Rahmen einer Visitation durch den Bischof. Die Qualität der Bücher schwankt dagegen von Fall zu Fall. Der Inhalt der „Instruction-Readers“ (Susan Keefe), so verschieden er in den einzelnen Codices auch sein mag, weist eine Verbindung zu den Inhalten der normsetzenden Texte der correctio auf: Texte zur Taufe, Messtexte, Priesterexamen, Predigten, das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis, Canones (etwa des Konzils von Nicaea, aber auch der karolingerzeitlichen Konzilien), Heiligengeschichten, aber auch seelsorgerische Anweisungen von Bischöfen.

Mit dieser durch ihre Erscheinungsform und inhaltliche Zusammenstellung definierten Gruppe von Manuskripten ist eine Vielzahl von Fragen zur Geschichte religiösen Wissens im Frühmittelalter verbunden: In welchem Zusammenhang sind diese Bücher entstanden? Wer waren die Auftraggeber und wer die Adressaten dieser sogenannten „Instruction-Readers“? In welcher Form wurde das in den Codices enthaltene Wissen diesen Adressaten wiederum vermittelt? u.v.m.

Um die Fragen nach der Ausbildung und dem Wissen von Priestern und dem Wissenstransfer durch Priester an die Laien im Karolingerreich beantworten zu können, ist es notwendig, sowohl die Gestalt und den Inhalt der einzelnen Handschriften zu untersuchen, als auch eine vergleichende systematische Analyse durchzuführen. Ziel der Untersuchung soll die Beantwortung zweier Leitfragen sein: Was wussten karolingische Priester? Und wie wurden sie zu Experten und Vermittler religiösen Wissens? Ein weiteres Ziel dieser Arbeit ist es, noch nicht erschlossene Texte in Form von Transkriptionen der weiten Forschung zur Verfügung zu stellen.