Dr. Christoph Mauntel

Postdoc

Anschrift Büro:

Universität Tübingen
Graduiertenkolleg 1662 „Religiöses Wissen“
Gartenstraße 19
Raum 205
72074 Tübingen

Anschrift Post:

Universität Tübingen
Graduiertenkolleg 1662 "Religiöses Wissen"
Liebermeisterstraße 12
72076 Tübingen

Telefon:

+49 (0)7071 / 29-77333

E-Mail:christoph.mauntel[at]uni-tuebingen.de

Zur Person

Seit September 2015

Postdoc am Graduiertenkolleg „Religiöses Wissen im vormodernen Europa“ an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

2014-2017

Mitglied des WIN-Kollegs „Messen und Verstehen der Welt durch die Wissenschaft“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

(Projekt: Die Vermessung der Welt. Religiöse Deutung und empirische Quantifizierung im mittelalterlichen Europa).

2013-2015

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsprojekt "Weltordnungen"

(Exzellenzcluster „Asia and Europe in a Global Context“, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)

Juni 2013

Promotion (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)

Thema der Dissertation: „Gewalt in Wort und Tat. Praktiken und Narrative im spätmittelalterlichen Frankreich“

2011-2015

Mitglied des SFB 933 „Materiale Textkulturen“

Juni 2010

Stipendiat des Deutschen Historischen Instituts Paris

2010-2013

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Universität Heidelberg

2004-2010

Studium der Mittleren und Neueren Geschichte, Osteuropäischen Geschichte und Slavistik an den Universitäten Göttingen und Heidelberg

Magister Artium (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)

Thema der Magisterarbeit: „Symbole und Rituale in spätmittelalterlichen Aufständen.“

Aktuelles Forschungsprojekt: „Weltordnungen. Kontinente und Himmelsrichtungen als Kategorien lateinisch-christlicher Welterfassung“

Das Projekt „Weltordnungen“ nimmt mit den Konzepten der ‚Kontinente‘ und der ‚Himmelsrichtungen‘ zwei grundlegende geographische Ordnungskategorien in den Blick und analysiert ihre Bedeutung für das mittelalterliche Weltbild.

Kontinente und Himmelsrichtungen sind zwar voneinander unabhängige Konzepte, gehen aber in mittelalterlichen Texten und kartographischen Darstellungen eine enge Symbiose ein und prägen so maßgeblich die geographische als auch kulturellen Vorstellungen des Mittelalters. In ihrer Genese entspringen beide Kategorien dem antiken Wissenskanon, werden aber im frühen Mittelalter christlich überprägt und ideologisch aufgeladen: Der Osten wurde zur bestimmenden Himmelsrichtung, der östliche Erdteil, Asien, zum vornehmsten, reichsten und heilsgeschichtlich bedeutendsten Kontinent stilisiert. Geographische Kenntnisse und Erfassungskategorien können damit für das Mittelalter als religiös geprägtes Wissen verstanden werden.

Ziel des Forschungsprojektes ist, sowohl die christliche Fundierung beider Konzepte als auch Kontexte, Formen und Funktionen ihres Gebrauchs im Mittelalter zu analysieren. Neben der frühmittelalterlichen Bedeutungsaufladung stehen dabei die zunehmenden transkulturellen Kontakte im Fokus, in die die lateinische Christenheit seit dem 12. Jahrhundert eingebunden war (Kreuzzüge, Expansion der Mongolen, Asienreisen). Die damit einhergehenden Austauschprozesse führten zu einer intensivierten Auseinandersetzung mit Selbst- und Fremdbildern. Vor diesem Hintergrund analysiert das Projekt, wie Traditionswissen und individuelle Erfahrung gegeneinander abgewogen wurden sowie welche Rolle Kontinente und Himmelsrichtungen für die Erfassung und Deutung der Welt durch christlich-lateinische Autoren, Reisende und Kartographen spielten. Die Bedeutung beider Kernkonzepte liegt darin, dass sie es Individuen oder Gruppen ermöglichten, die Welt in globalem Maßstab zu erfassen und sowohl sich selbst als auch fremde Regionen in einem einheitlichen System zu verorten und zueinander in Bezug zu setzen.

 

 

 

Promotionsprojekt: "Gewalt in Wort und Tat. Praktiken und Narrative im spätmittelalterlichen Frankreich" (2010-2013)

Im Druck erschienen im April 2014 und online verfügbar (seit 2017)

 

Die Geschichte der Gewalt kann im 20. Jahrhundert nur als Problemgeschichte gedacht werden: Gewalt ist unerwünscht und generell negativ, wird sie dennoch ausgeübt, bedarf sie der besonderen Legitimierung. Das Mittelalter dient uns aus dieser Sicht heraus als Gegenwelt, als "ferner Spiegel", dessen oft beschworene "Finsternis" im populären Geschichtsbild vor allem mit exzessiver Gewaltausübung verknüpft ist. Auch der wissenschaftliche Blick kann sich diesem modernen Problembewusstsein nicht entziehen - so wird häufig unbewusst ein moderner Maßstab zugrunde gelegt, wenn mittelalterliche Kriege oder Hinrichtungen als "grausam" beschrieben werden.

Vor diesem Hintergrund wurde das mittelalterliche Verständnis von Gewalt in seiner kulturellen Alterität untersucht. Dabei stand nicht die Rekonstruktion und Analyse von Handlungen im Vordergrund, sondern deren zeitgenössische Interpretation und Verarbeitung und damit ein besseres Verständnis der Bedeutung, die Gewalt für die mittelalterliche Welt hatte. Als Untersuchungsobjekt bietet sich das spätmittelalterliche Frankreich an, da diese Zeit von vielfältigen, auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelten Konflikten geprägt war, die mit Gewalt ausgetragen wurden. Als Quellen wurden hauptsächlich Chroniken, Traktate und Rechtsquellen ausgewertet.