attempto! – die aktuelle Ausgabe 36

attempto! 36: 
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Prof. Dr. Johann Büssow

Philosophische Fakultät (23.09.2014)

 


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Jahresbericht der Universität Tübingen

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17.12.2012 14:16

Ramses III. wurde ermordet

Wissenschaftliche Untersuchungen klären den Ausgang einer Haremsverschwörung gegen den altägyptischen Pharao

Das ägyptische Museum von Turin verwahrt einen Papyrus, der von einem der schaurigsten Verbrechen der altägyptischen Welt berichtet: Im königlichen Frauenhaus plant Mitte des 12. Jahrhunderts v. Chr. eine der Nebenfrauen des Pharaos, Teje, den Mord an ihrem Gatten, dem als göttlich geltenden König Ramses III. Sie will ihren Sohn Pentawer auf den Thron bringen. Doch dann geht alles schief: Die Verschwörung wird entdeckt und alle, die darin verstrickt waren, werden vor Gericht gestellt und bestraft. Bislang unklar war jedoch das Schicksal des Königs selbst.

 

Ein Wissenschaftler-Team um den Ägyptologen Zahi Hawass, den Genetiker Carsten Pusch von der Universität Tübingen und den Paläopathologen der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) Albert Zink haben die Mumie des Pharaos in Kairo computertomographischen, radiologischen und molekulargenetischen Untersuchungen unterzogen. Die in Bozen und Kairo durchgeführten Analysen der CT- Bilder ergaben, dass dem Pharao zu Lebzeiten die Kehle durchtrennt worden war. „Die Halsverletzung ist erst in der Computertomographie sichtbar geworden“, berichtet Zahi Hawass, der als ehemaliger Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung die Mumie bereits des Öfteren zu Gesicht bekommen hatte. „Klar war, dass Ramses 1155 v. Chr. im Alter von etwa 65 Jahren gestorben war, doch kannten wir vorher nicht die Todesursache“, fährt er fort. Eine Halskrause verdeckt die Verletzung.

Ein Amulett für das Leben im Jenseits

In den CT-Aufnahmen konnten die Forscher außerdem ein Amulett in der Wunde erkennen, das ein so genanntes Horusauge darstellt - ein altägyptisches Symbol zum Schutz vor Unfällen und zum Wiedergewinn von Kraft. „Die durchtrennte Kehle und das Amulett sind eindeutige Hinweise darauf, dass der Pharao ermordet worden war“, erklärt Albert Zink. „Das Amulett war ihm nach seinem Tod in die Wunde gelegt worden, um diese für dessen Nachleben zu heilen.“ Doch war er im Rahmen der Haremsverschwörung ermordet worden, wie es der Turiner Gerichtspapyrus andeutet?

Sohn von Ramses III. identifiziert

Das Forscherteam findet dazu einen Hinweis in einer weiteren Mumie. Mittels DNA-Analysen können die Wissenschaftler nachweisen, dass Ramses III. mit einer bislang als „Unknown Man E“ bekannten Mumie direkt verwandt war. Man hatte bereits vermutet, dass es sich bei dieser Mumie eines 18-20 Jahre alten Mannes um den Sohn von Ramses III., um Pentawer handeln könnte, der gemeinsam mit seiner Mutter die Haremsverschwörung angestiftet haben soll, um seinen Vater zu entmachten. Die Forscher konnten nun mittels genetischem Fingerabdruck eine 50-prozentige Übereinstimmung zwischen dem Genmaterial von Ramses und dem der unbekannten Mumie feststellen. „Die Mumie ist somit sehr wahrscheinlich ein Sohn Ramses III. Zur 100-prozentigen Aussage, ob es sich um seinen Sohn
handelt, bedürfte es der Genomanalyse der Mutter“, erläutert Carsten Pusch, Molekulargenetiker an der Universität Tübingen. Die Mumie von Teje, der Frau Ramses III. und Mutter Pentawers, ist jedoch nicht erhalten.

Selbstmord des Sohnes?

Albert Zink hat mit seinem Team auch die Mumie von Pentawer radiologisch untersucht: „Auffällig war, dass der Körper von Ramses‘ Sohn stark aufgebläht ist. Am Hals konnten wir zudem eine seltsame Hautfalte erkennen. Diese könnte davon stammen, dass er sich selbst erhängt hatte.“ Zudem sei er mit einem Ziegenfell bedeckt gewesen – das als unrein galt - und sei zudem ohne Organ- und Gehirnentnahme mumifiziert worden, so der Wissenschaftler.

 

Die Tatsache, dass der Körper von Ramses Sohn auf eine für einen Prinzen unangemessene Art und Weise bestattet war, könnte, so das Forscherteam, darauf hinweisen, dass hier einer der Drahtzieher der Haremsverschwörung bestattet liegt, der – wie das Turiner Gerichtspapyrus berichtet - die Möglichkeit einer Selbsttötung erhalten hatte, um schlimmeren Strafen im Jenseits zu entgehen.

 

Das renommierte British Medical Journal veröffentlicht die Studie in seiner Online-Ausgabe am Montag, 17. Dezember, 23.30 Uhr UTC (0.30 Uhr MEZ) und in seiner Print-Ausgabe am 22.Dezember.


Bozen/Tübingen, 17.12.2012

 

Kontakt:

PD Dr. rer. nat. Carsten M. Pusch
Universität Tübingen
Medizinische Fakultät
Institut für Humangenetik
Abteilung für Molekulare Genetik
Wilhelmstr. 27
72074 Tübingen
Telefon +49 7071 29-76403
carsten.pusch[at]uni-tuebingen.de

  

Michael Seifert
Universität Tübingen
Hochschulkommunikation
Wilhelmstr. 5, D- 72074 Tübingen
Telefon +49 (0)7071 / 29-76789
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Michael Seifert
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