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14.11.2017 14:22

In die Zukunft Europas investieren

„The Guild of European Research-Intensive Universities“: Zusammenschluss von 19 Forschungsuniversitäten fordert auch nach dem Brexit europaweite Mobilität für Forschende und Studierende

Derzeit verhandeln die Regierungen Großbritanniens und der EU ihre Positionen zum Brexit. Es scheint uns deshalb wesentlich zu betonen, wie wichtig gemeinsames Engagement in den Bereichen Wissen, Personal und Innovation ist, das die europäischen Universitäten grenzüberschreitend ermöglichen. Um Europas Volkswirtschaften sowie unsere Gesellschaften zu stärken, ist nicht weniger, sondern mehr Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung und Innovation nötig. Der Erfolg europäischer Universitäten hängt von den Möglichkeiten eines freien Ideenaustauschs von Forschenden, Studierenden und Alumnae ab. Dieser darf durch den Brexit nicht behindert werden.

 

Für eine starke Zivilgesellschaft und stabile Wirtschaftsverhältnisse müssen Studierende sich auch künftig frei zwischen der EU und Großbritannien bewegen dürfen. Die Kompetenzen, die sich Studierende bei Auslandsaufenthalten aneignen, halbieren ihr Risiko, in Langzeitarbeitslosigkeit zu geraten. In den Jahren 2013 und 2014 studierten europaweit rund 272.000 junge Menschen dank einer Erasmus-Förderung im Ausland; 15 Prozent dieses Austauschs fand zwischen dem Vereinigten Königreich und anderen europäischen Ländern statt. Von 290.000 Studierenden, die zwischen 2007 und 2013 ein Praktikum im Ausland absolvierten, erhielt ein Drittel hinterher ein Stellenangebot von seinen Arbeitgebern; zehn Prozent gründeten ein eigenes Unternehmen. Die Unterstützung im Erasmus Programm beträgt 274 Euro monatlich pro Studierendem. Was könnte eine bessere „Rendite“ sein als eine lebenslange hochqualifizierte Beschäftigung, soziale Sicherheit und wirtschaftliches Wachstum in ganz Europa?

 

Wir fordern, auch künftig in EU-Rahmenprogramme zu investieren, um die Qualität der Forschung in Europa zu erhalten und zu fördern ‒ Großbritannien eingeschlossen. Per Definition sind Europas Wissensgesellschaften auf die Generierung neuen Wissens angewiesen. Damit sich die Forschung hier maximal einbringen kann, müssen die besten Köpfe grenzüberschreitend an der Lösung wissenschaftlicher Herausforderungen arbeiten können. Die Zitationsquote nach Forschungsfeld für Publikationen aus EU-geförderter Forschung lag in den Jahren 2007 bis 2016 bei 2,44 (1 steht für den internationalen Durchschnitt) und übertraf damit bei weitem die national geförderte Forschung einzelner Staaten.

 

Nur eine unbegrenzte Mobilität von Forschenden, Studierenden und ihren Familien stellt einen freien Ideen- und Gedankenaustausch sicher. Laut einer kürzlich in Nature veröffentlichten Studie werden „mobile Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“ in Westeuropa um 47 Prozent häufiger zitiert als weniger mobile Forschende. Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sind eine Bereicherung für ihr Gastland, aber von den international geknüpften Netzwerken profitiert auch ihr Herkunftsland. Ebenso sollten Studierende das Recht haben, ein Vollzeitstudium an der Universität zu absolvieren, die am besten zu ihren Interessen und Bedürfnissen passt. Die Wirtschaft eines Landes wie auch die Universitäten profitieren von den Fähigkeiten und von der Kreativität solcher Absolventeninnen und Absolventen.

 

The Guild drängt darauf, die grenzüberschreitende Förderung für innovative Forschung langfristig sicherzustellen. Unsere Absolventeninnen und Absolventen sowie unsere Forschung sind der Schlüssel zum Erfolg für Industrie und Unternehmertum in Europa und für die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Produkte in einer beschleunigten Welt. Beispielsweise hat die „Clean Sky“-Initiative seit 2008 mehr als 600 öffentliche und private Partner in eine Zusammenarbeit mit der europäischen Luftfahrtindustrie gebracht: So kann die europäische Luftfahrt bei den Bemühungen um Emissionsreduzierung auch weiterhin eine Spitzenstellung einnehmen. Hier sind auch britische Konzerne wie Rolls Royce beteiligt, 16 von 90 teilnehmenden Universitäten sind britische Einrichtungen ‒ niemand kann Interesse daran haben, diesen Anteil zu reduzieren. Die Investition in grenzüberschreitende Kompetenzen und innovative Forschung ist die beste Garantie, dass Arbeitsplätze, die im Rahmen der Globalisierung verloren gegangen sind, durch hochqualifizierte Beschäftigung ersetzt werden.

 

PDF statement: http://www.the-guild.eu/blog/guild-statement-on-brexit.pdf
Blog: http://www.the-guild.eu/blog/brexit.html
Mini web article: http://www.the-guild.eu/news/2017/the-guild-releases-statement-on-brexit.html

 

   

Eberhard Karls Universität Tübingen
Hochschulkommunikation
Dr. Karl Guido Rijkhoek
Leitung

 

Antje Karbe
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