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Der folgende Text ist einer der Beiträge verschiedener Autoren, die in der Zeitschrift "DAMALS" - Das Magazin für Geschichte und Kultur veröffentlicht wurden. Heft 06/2002 der Reihe "DAMALS" erschien am 22.05.2002 mit dem Titelthema "Der Islam - Geschichte einer Weltreligion". Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten der "DAMALS"-Redaktion.

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Prof. Dr. Lutz Richter-Bernburg

"Den Islam verstehen: ein Einspruch"

Im folgenden möchte ich mich auf einige Hauptpunkte konzentrieren, zuvor aber betonen, daß ich Herrn Schulzes Aufruf zu besserer und umfassenderer Erforschung auch bisher vernachlässigter Epochen und Regionen nur beipflichten kann.
Fangen wir bei der Eingangsfrage an, ob es im Islam eine Aufklärung gegeben habe (in Klammern sei noch einmal daran erinnert, daß "Islam" im Singular natürlich eine Verkürzung darstellt). Es ist eine unleugbare historische Tatsache, daß es in Europa seit dem 18. Jahrhundert verstärkt soziale Schichten gab, die das unternommen bzw. sich dem geöffnet haben, was wir sicher unscharf und oft unzulässig verallgemeinernd Aufklärung nennen. Verfaßte Religion mußte darauf antworten, und zwar nicht einfach administrativ-repressiv, sondern kreativ-integrierend. Im islamischen Vorderen Orient (und allgemeiner den Regionen, die vor allem seit dem 19. Jahrhundert zum Ziel des europäischen Imperialismus und Kolonialismus wurden) bestand und besteht dagegen bis heute die Schwierigkeit, daß "Aufklärung" für große Mehrheiten nicht aus der "eigenen" vormodernen Tradition ableitbar erscheint, sondern als Projekt westlicher Subversion des Islams angesehen wird. Doch wenn das Wort Aufklärung einen Sinn haben soll, muß sie sich auch im Umgang mit Heiligen Schriften und Personen beweisen dürfen, statt mit Todesurteilen in Schauprozeß oder religionsrechtlichem Gutachten (fatwa) bedroht zu werden!

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