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Prof. Dr. Lutz Richter-Bernburg
"Den Islam verstehen: ein Einspruch"
Im folgenden möchte ich mich auf einige
Hauptpunkte konzentrieren, zuvor aber betonen, daß ich Herrn Schulzes
Aufruf zu besserer und umfassenderer Erforschung auch bisher vernachlässigter
Epochen und Regionen nur beipflichten kann.
Fangen wir bei der Eingangsfrage an, ob es im Islam eine Aufklärung
gegeben habe (in Klammern sei noch einmal daran erinnert, daß "Islam"
im Singular natürlich eine Verkürzung darstellt). Es ist eine
unleugbare historische Tatsache, daß es in Europa seit dem 18. Jahrhundert
verstärkt soziale Schichten gab, die das unternommen bzw. sich dem
geöffnet haben, was wir sicher unscharf und oft unzulässig verallgemeinernd
Aufklärung nennen. Verfaßte Religion mußte darauf antworten,
und zwar nicht einfach administrativ-repressiv, sondern kreativ-integrierend.
Im islamischen Vorderen Orient (und allgemeiner den Regionen, die vor
allem seit dem 19. Jahrhundert zum Ziel des europäischen Imperialismus
und Kolonialismus wurden) bestand und besteht dagegen bis heute die Schwierigkeit,
daß "Aufklärung" für große Mehrheiten
nicht aus der "eigenen" vormodernen Tradition ableitbar erscheint,
sondern als Projekt westlicher Subversion des Islams angesehen wird. Doch
wenn das Wort Aufklärung einen Sinn haben soll, muß sie sich
auch im Umgang mit Heiligen Schriften und Personen beweisen dürfen,
statt mit Todesurteilen in Schauprozeß oder religionsrechtlichem
Gutachten (fatwa) bedroht zu werden!
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