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| Aktuell | Artikel | Prof. L. Richter-Bernburg: 'Den Islam verstehen: Ein Einspruch.' |
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Kurzgefaßt läßt sich formulieren: Im
Islam hat es immer wieder Aufklärer gegeben, doch keine sozusagen
gesamtgesellschaftliche Bewegung von Aufklärung. Aufklärerisches
Denken im Sinne der Suche nach rational erfaßbaren, innerweltlichen
Gesetzmäßigkeiten (vergleichbar dem "etsi deus non daretur",
"auch wenn es Gott nicht gäbe", des holländischen
Rechtsgelehrten Hugo Grotius) lassen sich übrigens viel eher in
Kalifenzeit und Mittelalter finden denn später. |
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Relative Geringschätzung des Weltwissens gegenüber
religiöser Schriftgelehrsamkeit ist kein westliches Konstrukt, sondern
ein vor allem in den drei Jahrhunderten seit etwa 1500 nachweisbares Phänomen:
Im 19. Jahrhundert gab es, noch bevor der europäische Imperialismus
das Klima vergiftete, muslimische Denker, die, verkürzt gesagt, im
Dienste des Fortschritts das Beste beider, der "eigenen" wie
der europäischen, Traditionen vereinigen wollten. Appelle an die
einheimischen Gelehrten, sich weltlicher Wissenschaft zu widmen, wären
aber nicht nötig gewesen, hätte es eine lebendige Tradition
gegeben, ebensowenig der Rückbezug auf Autoritäten aus der Kalifenzeit
und dem Mittelalter statt auf Lehrer unmittelbar vorausgehender Generationen.
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