|
|

|
 |

|

Dr. Lorenz Korn
Auf dem Wege Gottes:
Die Ausbreitung des Islam

In den ersten Jahrzehnten nach der Verkündigung
der neuen Religion durch den Propheten Muhammad entstand ein islamisch-arabisches
Reich, dessen rasche Expansion schon die Zeitgenossen in Erstaunen versetzte.
Kennzeichen dieses Staatswesens war nicht nur der Islam als Religion,
die den Eroberern ein Gefühl der Auserwähltheit verlieh, sondern
auch die Übernahme der Kultur der unterworfenen Gebiete, die durch
die jahrhundertealten Tradition zweier Großreiche geprägt war.

Ein weit verbreitetes Pauschalurteil besagt: "Im Islam gibt es keine
Trennung von Religion und Politik." So wenig dieser Satz auf die
heutige Zeit zutrifft - er hat seine reale Verankerung in der frühislamischen
Geschichte. Mit seiner Emigration von Mekka nach Medina (damals: Yathrib)
im Jahre 622 hatte Muhammad sein Dasein als Prediger in einer profitorientierten
Gesellschaft mit der Rolle des Staatsmannes vertauscht. Die zerstrittenen
Stämme in Yathrib hatten ihn als Schiedsmann bestellt und sich seiner
politischen und religiösen Leitung unterworfen. Muhammads Lehre stellte
die Verpflichtung des Gläubigen gegenüber dem göttlichen
Gesetz über die Stammesloyalität. Richtschnur war die koranische
Offenbarung, die zur Grundlage der Rechtsordnung wurde. Damit war die
Voraussetzung zur Schaffung einer Gemeinde (Umma) geschaffen, die die
dauerndem Fehden und die politische Zersplitterung der arabischen Stämme
überwand. Es ist folgerichtig, dass die muslimische Geschichtsschreibung
den Beginn der islamischen Zeitrechnung mit der Emigration des Propheten
nach Medina (Hidschra) ansetzt.
Seiten
[ 1
| 2 | 3
| 4 | 5
]
|