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In den Jahren nach der Hidschra erweiterte Muhammad seinen Herrschaftsbereich durch Verträge mit benachbarten Stämmen und durch Feldzüge, die auch byzantinisches Gebiet berührten. Gleichzeitig setzte Muhammad die Auseinandersetzung mit seiner Heimatstadt fort. In den Schlachten von Badr und Uhud sowie in der "Grabenschlacht" bewährten sich die Muslime gegen die Mekkaner, bis Muhammad schließlich 630 kampflos in seiner Heimatstadt einziehen konnte. Beim Tod Muhammads 632 war fast die gesamte arabische Halbinsel unter der Führung der islamischen Gemeinde von Medina vereint. Ein Kennzeichnen dieser Keimzelle des islamisch-arabischen Reiches war ihre Einteilung nach Stämmen - was aber nicht bedeutet, dass es sich dabei nur um Nomaden handelte: Auch die sesshafte, städtische Bevölkerung von Mekka und anderer Orte war Teil eines großen genealogischen Systems.

Kalif und Sultan
Mit dem arabischen khalifa (wörtl. "Stellvertreter") oder khalifat rasul Allah ("Stellvertreter des Gesandten Gottes") bezeichneten sich die Nachfolger des Propheten Muhammad in ihrer Eigenschaft als politische und religiöse Führer der muslimischen Gemeinde (umma). Das Prophetentum Muhammads konnten sie dagegen nach islamischem Verständnis nicht fortsetzen; mit Muhammad war die Offenbarung des göttlichen Wortes abgeschlossen. Die Umayyaden gebrauchten die verkürzte Formel khalifat Allah ("Stellvertreter Gottes"). Daraus spricht das Verständnis der Kalifen von ihrer Rolle als von der Masse der Gemeinde abgehobene Herrscher, was ihnen von frommen Kreisen vorgeworfen wurde. In den Jahrhunderten der Abbasidenherrschaft ab 750 lautete der übliche Titel der Kalifen al-imam, was ihre Eigenschaft als religiöses Haupt der Umma bezeichnet, und amir al-mu'minin ("Befehlshaber der Gläubigen").
Das arabische Wort sultan bezeichnet zunächst die Macht bzw. Herrschaftsgewalt im abstrakten Sinne; erst später ist damit auch die Person des Machthabers gemeint. Als die Abbasidenkalifen im 10. Jahrhundert ihre Rolle als souveräne Herrscher an die persischen Buyiden abgeben mussten, unter deren Kuratel sie standen, entwickelte der Staatstheoretiker al-Mawardi ein Modell, das die faktische Usurpation durch eine Übertragung der Herrschaftsgewalt an einen "Sultan" legitimierte. Dabei war eine Investitur durch den Kalifen vorgesehen. Der erste Herrscher, der sich offiziell mit dem Titel "Sultan" schmücken durfte, war der Seldschuke Tughril (ab 1051). In der Folgezeit erbaten zahlreiche Herrscher, die sich als Anhänger der sunnitischen Orthodoxie und der Abbasiden sahen, Investiturschreiben vom Bagdader Kalifenhof.

Von den unmittelbaren Nachfolgern Muhammads, den vier "rechtgeleiteten Kalifen", konnten drei die Expansionspolitik fortsetzen. Sie richtete sich zunächst auf Syrien und den Irak, die reichen, Arabien benachbarten Provinzen Ostroms und des Sassanidenreiches. Die ersten Vorstöße unternahmen die arabischen Heere unter dem Kalifat Abu Bakrs. Unter dem zweiten Kalifen Umar erzielten sie die entscheidenden Erfolge 636 in der Schlacht am Yarmuk im Ostjordanland gegen das byzantinische Heer und im selben Jahr bei al-Qadisiya nahe dem heutigen Bagdad gegen die Sassaniden. In rascher Folge besetzten die muslimischen Heere nun ganz Syrien und den Irak, Ägypten (642) und die nordafrikanische Küste bis Tripolis (647). 652 griff die neu geschaffene Flotte Hafenstädte auf Sizilien an. Die arabischen Heere stießen ins Hochland von Iran vor, wo sie das sassanidische Heer 641 bei Nihavand schlugen, und erreichten bis 653 den Kaukasus im Norden und Marv (im heutigen Turkmenistan) im Osten. Am Nil und am Euphrat wurden die Lagerstädte al-Fustat (der Kern des späteren Kairo), Basra und Kufa gegründet. Sie dienten der Stationierung arabischer Heere und als Verwaltunghauptstädte der eroberten Gebiete.

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Innerhalb weniger Jahre hatten Araber, die zuvor nur ganz am Rande des politischen Horizonts der antiken Kulturwelt erschienen waren, die beiden Großmächte der Spätantike geschlagen. Das byzantinische Reich hatte die Hälfte seiner Provinzen verloren, das Sassanidenreich war restlos zerstört. Für die überwältigenden Erfolge der muslimischen Heere sind mehrere Gründe angeführt worden: In den zunächst eroberten Provinzen Irak und Syrien war die Bevölkerung überwiegend semitisch, zum Teil auch arabisch, und erblickte in den Eroberern keine völlig Fremden. Im byzantinischen Syrien und Ägypten hatte sich die Zentralverwaltung durch die harte Besteuerung unbeliebt gemacht, und auch religionspolitisch standen beide Provinzen mit ihren monophysitischen Regionalkirchen im Gegensatz zum Kaiser. Beides mochte die arabische Besetzung als willkommenen Wandel erscheinen lassen. Entscheidend war, dass beide Großmächte sich in einem verbissenen Krieg von 603 bis 628 gegenseitig militärisch und wirtschaftlich geschwächt hatten. Es gibt Hinweise darauf, dass sich die byzantinische Militärpräsenz in Syrien danach nur noch auf niedrigem Niveau bewegte. Nicht zuletzt ist auch im religiösen Sendungsbewusstsein der Muslime ein Faktor zu erkennen, der den Eroberungen besondere Stoßkraft gab. In der Überzeugung "auf dem Wege Gottes" zu handeln, kämpften die erst vor kurzem für den Islam gewonnenen arabischen Stammeskrieger um so eifriger.

Die rasche Eroberungswelle kam zum Stillstand, als sich unter dem vierten Kalifen Ali (656-61) eine Gegenpartei etablierte, die sich auf das alte mekkanische Establishment stützte und deren Ableger bald Syrien und den Hedschas kontrollierten. Der "erste Bürgerkrieg" der islamischen Geschichte, der die "Schi'at 'Ali" (Partei Alis, die Schiiten) von den übrigen Muslimen abspaltete, hielt die Expansion des jungen Reiches aber nur kurz auf. Nachdem Alis mächtigster Gegner Muawiya seine Herrschaft gefestigt hatte, folgten schon bald die nächsten Feldzüge gegen Byzanz in Anatolien und Nordafrika. Zwar scheiterten die arabischen Heere - wie so viele Angreifer - an den Mauern von Konstantinopel, doch an anderen Fronten schritt die Eroberung fort. Im heutigen Tunesien gründeten die Muslime 670 die Lagerstadt Kairouan, die als Basis für weitere Unternehmungen diente. 698 fiel mit Karthago der letzte byzantinische Stützpunkt an der afrikanischen Küste.

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