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| Aktuell | Artikel | Dr. Lorenz Korn: "Auf dem Wege Gottes" |
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Mit Muawiya hatte sich eine regelrechte Dynastie etabliert: die Umayyden. Sie regierten von Damaskus aus das das wachsende Reich und profitierten von den steigenden Steuereinnahmen und der Kriegsbeute aus den eroberten Gebieten. Letztere kam aber auch den Kämpfern zugute und bildete einen Ansporn für das weitere Vordringen. 711 überquerte ein umayyadisches Heer unter Tariq ibn Ziyad die Straße von Gibraltar, schlug den Westgotenkönig Roderich und eroberte dessen Reich, das nun unter der Bezeichnung "al-Andalus" Träger der arabischen Kultur im Westen werden sollte.Gleichzeitig erreichte im Osten der Feldherr Muhammad ibn al-Qasim das Industal. 712 überquerte der Gouverneur von Khurasan den Oxus und legte mit seinen Eroberungen in Zentralasien den Grund für die spätere Blüte der islamischen Kulturzentren Samarqand und Bukhara. Die islamische Eroberungswelle hatte nun Länder erreicht, deren Entfernung von der Zentrale des Reiches die Übermittlung von Nachrichten langwierig werden ließ. Doch erst in der späten Umayyadenzeit stieß die Expansion an ihre Grenzen: 732 schlugen die Franken unter Karl Martell ein arabisches Heer bei Tours und Poitiers (aus arabischer Sicht besaß diese Niederlage allerdings bei weitem nicht die Bedeutung, die dem fränkischen Sieg in der abendländischen Geschichte zugeschrieben worden ist). Im Osten trafen die Muslime 751 auf eine chinesische Armee und berührten damit, obwohl sie in der Schlacht siegten, zum ersten Mal die Grenzen einer ebenbürtigen Großmacht (bei dieser Gelegenheit brachten chinesische Kriegsgefangene die Technik der Papierherstellung nach Samarkand, von wo sie sich nach und nach in der islamischen Welt verbreitete).
Die Verwaltung des mit solcher Geschwindigkeit gewachsenen Reiches bewältigten die arabischen Eroberer mit pragmatischem Geschick. Sie übernahmen zunächst einmal die bestehende Verwaltung der eroberten Gebiete. Byzantinische oder persische Staatsbeamte übten im Dienst der neuen Herren ihre bisherigen Tätigkeiten weiter aus; dabei wurden auch die Dokumente in den Kanzleien wie bisher auf Griechisch, Persisch oder Koptisch abgefasst. Ein Beispiel für einen hohen Staatsbeamten in Damaskus ist Sergios, Sohn des Unterhändlers bei der Übergabe der Stadt und Vater des Theologen Johannes Damascenus. Auch letzterer diente als umayyadischer Beamter, verfasste daneben aber polemische Schriften zur Verteidigung des Christentums in griechischer Sprache. Die islamische Eroberung ging ja keineswegs mit der Bekehrung der unterworfenen Bevölkerung einher, sondern ließ den Anhängern der "Buchreligionen" ihren Glauben. Allerdings förderte die Praxis der Besteuerung den Übertritt zum Islam, weil dann die Kopfsteuer wegfiel, die die Nichtmuslime zu entrichten hatten. Das uneinheitliche Steuer- und Bodenrecht führte denn auch bald zu sozialen Konflikten und forderte Reformen. Wichtiger war aber zunächst die Anpassung der Verwaltung an die Bedürfnisse der Machthaber: |
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Nachdem die Bürgerkriegsjahre der frühen Umayyadenzeit überstanden waren, ordnete der Kalif Abdalmalik (reg. 685-705) für alle Reichsteile die Umstellung der Kanzleisprachen auf das Arabische an. Damit war eine Vorbedingung für die sprachliche Arabisierung der Gebiete geschaffen, die heute zur arabischen Welt zählen.
Bezeichnend für den Charakter des islamischen Reiches in seinen ersten Jahrzehnten ist die Münzprägung. Zunächst blieben die byzantinischen Goldsolidi und Kupfer-Folles ebenso wie die sassanidischen Silberdirhams nicht nur weiter in Umlauf, sondern Silber- und Kupfermünzen wurden unverändert weiter geprägt. Die ersten Abwandlungen betrafen nur Details: So bildete man die Kreuze der byzantinischen Münztypen zu Stäben um und fügte dem Münzbild arabische Aufschriften, etwa "im Namen Gottes" hinzu (die Datierung dieser Veränderungen ist umstritten; vielleicht sind sie erst um 691-92 anzusetzen). Wieder war es Abdalmalik, der den entscheidenden Schritt zur Vereinheitlichung, Arabisierung und Islamisierung tat: Zunächst experimentierte man mit Münztypen, die das Reich durch eine eigene Ikonographie repräsentieren sollten: Die Gold- und Silbermünzen, die die stehende Figur des Kalifen oder eine Art Gebetsnische mit einer Lanze zeigten, wurden aber nur für wenige Jahre geprägt. Mit dem Jahr 697 erschienen dann zum ersten Mal Münzen, die nur noch Aufschriften trugen. Gestaltung durch Schrift wurde von nun an kennzeichnend für die islamische Münzprägung. Der Verzicht auf bildliche Darstellungen im offiziellen, durch das religiöse Gesetz geregelten Bereich gehörte seit Abdalmalik zu den Kennzeichen des islamisch-arabischen Staates. Auch in Kunst und Architektur schloss die arabisch-islamische Kultur
nahtlos an die byzantinischen und iranischen Traditionen an. Formen und
Techniken wurden unverändert übernommen. So ist das früheste
Denkmal der islamischen Baukunst, der Felsendom in Jerusalem (begonnen
692), bis in Einzelheiten seiner Gestaltung und Bautechnik aus byzantinischen
Zentralbauten abzuleiten, wie sie in Syrien und Palästina im 4.-6.
Jahrhundert errichtet worden waren. Allerdings deuten vereinzelte Motive
in den Mosaiken der Innenwände an, dass auch Einflüsse aus dem
persischen Ostteil des Reiches mitwirkten. Weiter ging die Verschmelzung
von Elementen aus den verschiedenen Teilen des Reiches in den Palastbauten,
die sich Umayyadenkalifen und ihr Gefolge errichten ließen: In den
Palästen von Mushatta östlich von Amman und Khirbat al-Mafdschar
bei Jericho folgten Ziegelgewölbe und Stuckdekor iranischen Vorbildern,
während Marmorsäulen, Hausteinreliefs und farbige Mosaiken in
byzantinisch-antiker Nachfolge standen. Indem Künstler aus verschiedenen
Reichsteilen an denselben Bauten arbeiteten, entstand schließlich
ein neuer Stil.
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