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| Aktuell | Artikel | Dr. Lorenz Korn: "Auf dem Wege Gottes" |
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Die islamische Eroberung lässt sich im Vorderen Orient archäologisch nicht durch größere Zerstörungen nachweisen. Dort, wo Archäologen den Schichten des 6.-8. Jahrhunderts Aufmerksamkeit geschenkt haben, weisen weder Brandspuren noch andere Indizien darauf hin, dass sich im Leben der syrischen oder irakischen Stadtbevölkerung ein radikaler Wandel ereignete, der mit dem Wechsel zur islamischen Herrschaft in Verbindung gebracht werden kann. Eine Veränderung der Stadtstrukturen hatte sich bereits im Übergang von der Spätantike zur frühbyzantinischen Zeit vollzogen, indem beispielsweise auf hellenistisch-römischen Kolonnadenstraßen kleine Läden gebaut wurden, die die Fahrbahn verstellten. Die städtebaulichen Prioritäten hatten sich verändert: So schüttete man etwa in Skythopolis (Baisan, das heutige Bet Shean im israelischen Jordantal) ein von Kolonnaden gesäumtes Wasserbecken zu, das eine der Hauptstraßen der Stadt geziert hatte, und errichtete darauf eine Reihe von Läden. Der Wandel von der antiken Prachtstraße zum orientalischen Suq war bereits im Gange, als die arabischen Eroberer ankamen. Andererseits bewahrten neu gegründete Städte wichtige Merkmale antiker Stadtplanung: Das frühislamische al-'Aqaba, dessen Reste am Strand der heutigen jordanischen Touristenstadt entdeckt wurden, war ähnlich wie ein römisches Militärlager mit zwei sich im rechten Winkel kreuzenden Straßenachsen angelegt. Die umayyadische Gründung Andschar im Libanon steht mit ihren Kolonnadenstraßen ganz in der spätantiken Tradition. Das blühende Städtewesen des Mittelmeerraumes
und des Vorderen Orients existierte unter den Muslimen weiter. Allerdings
wirkte sich die veränderte politische Geographie auch wirtschaftlich
aus und beeinflusste Wachstum und Schrumpfung der Städte. Die Levanteküste,
zuvor eng an die römisch-byzantinische Reichszentrale angebunden,
wurde nun zur Peripherie. Hafenstädte wie Berytus, Tyrus und Askalon
verloren an Bedeutung und Einwohnerzahl. Für den Niedergang der
im 6. Jahrhundert dicht besiedelten Öl- und Weinbaugebiete des
westsyrischen Kalksteinmassivs war wohl auch die brutale Zerstörung
im Perserkrieg verantwortlich; von ihr hätten sie sich aber wieder
erholen können, wenn nicht die alten Exportwege nach Konstantinopel
nach der arabischen Eroberung anderen Handelsrouten gewichen wären. |
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Dagegen gewannen zuvor wenig bedeutende Orte wie Ma'arrat an-Nu'man und Salamiya durch ihre Lage an den innersyrischen Verbindungsstraßen. Bezeichnend ist die Verlagerung der Provinzhauptstadt Palästinas von Caesarea an der Küste landeinwärts in das neu gegründete ar-Ramla. Damaskus, die Hauptstadt des Umayyadenreiches, war mit dem nordsyrischen Inland und mit dem Hedschas besser verbunden als mit der Küste, die über das Gebirge schwieriger zu erreichen war. Erst um die Mitte des 8. Jahrhunderst ist im syrischen Teil des islamischen Reiches ein Einschnitt in der Stadtkultur anzusetzen: Viele Siedlungen wurden aufgegeben oder schrumpften stark. Ein Erdbeben hatte 749 starke Zerstörungen angerichtet. Das war an sich nichts Neues, hatte aber schwerwiegende Folgen, weil die Mittel zum Wiederaufbau fehlten. Die politische Zentrale des Reiches hatte sich mit dem Übergang von der Umayyaden- zur Abbasidendynastie in den Irak verlagert; die Steuern aus den Provinzen flossen nun in die neue Hauptstadt Bagdad. Syrien, das der alten Dynastie als Machtbasis gedient hatte, wurde vernachlässigt, die Wirtschafts- und Handelsstrukturen des Reiches waren auf den Irak ausgerichtet. Unter den Abbasiden wurde das islamische Territorium nicht planmäßig weiter ausgedehnt. Zwar führten die Kalifen immer wieder Krieg mit dem Rivalen Byzanz, doch kam es dabei kaum noch zu wesentlichen Verschiebungen der Grenze am Taurusgebirge. Auch die einstige Rolle der Kalifen als Machthaber und religiöse Autorität wandelte sich: Die Kompetenz zur Interpretation des Koran und zur Festlegung islamischen Rechts ging an Spezialisten über. Der Kalif behielt die Oberaufsicht über die Rechtsprechung und versuchte auch mehrfach, auf theologische Fragen Einfluss zu nehmen. Die entscheidenden Diskussionen über religöse und Juristische Fragen wurden aber von Gelehrten ('ulama') geführt, die sich bis zum 9.-10. Jahrhundert als charakteristische Gruppe der islamischen Gesellschaft etabliert hatten.
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