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Auf friedlichem Weg begann der Islam in dieser Zeit, Anhänger in Afrika südlich der Sahara und in Zentralasien zu gewinnen. Zwar ist über die Frühphase der Islamisierung Schwarzafrikas nur sehr wenig bekannt; mit Sicherheit kam aber dabei dem Fernhandel die entscheidende Rolle zu. Muslimische Kaufleute aus Nordafrika bereisten die Karawanenstraßen auf der Suche nach Gold, Sklaven und Elfenbein und fanden mit ihrer vergleichsweise esoterischen Religiosität Beachtung bei der Bevölkerung. Als Vertreter einer hochentwickelten Kultur wurden die Fernhändler zu gefragten Ratgebern bei den lokalen Herrschern der Sahelzone, die sich ab dem 10. Jahrhundert nach und nach zum Islam bekehrten. In den eurasiatischen Steppengebieten waren es wahrscheinlich ebenfalls Händler, die für die Verbreitung des Islam sorgten: So fand ein arabischer Reisender bei den halbnomadischen Bulgaren an der mittleren Wolga, die einen wichtigen Platz im Fernhandelssystem zwischen Bukhara und dem Ostseeraum einnahmen, zu Beginn des 10. Jahrhunderts bereits Moscheen vor. Neben den Kaufleuten spielten wandernde Derwische eine wichtige Rolle, die bei den zentralasiatischen Turkvölkern einen einfachen Islam predigten, der auch Elemente der bisherigen schamanistischen Religionen aufnehmen konnte.

Mit den türkischen und berberischen Dynastien, die im 11. Jahrhundert die Macht in weiten Teilen des Kalifats übernahmen, erhielt die militärisch geführte Expansion wieder Priorität. Die Ghaznaviden, die von einem türkischen General im Dienst einer ostiranischen Dynastie abstammten, unternahmen Feldzüge aus dem Kerngebiet ihres Reiches im heutigen Afghanistan nach Nordindien. Die Ebenen von Indus und Ganges wurden in den folgenden Jahrhunderten dauerhaft zum Sitz muslimischer Dynastien, die Persisch als Verwaltungs- und Kultursprache pflegten. Die aus Zentralasien stammenden Seldschukensultane, die über den Ostteil der islamischen Welt zwischen Jerusalem und Marv herrschten, erkämpften bei Mantzikert 1071 einen entscheidenden Sieg über die Byzantiner. Damit war das anatolische Hochland für die Eroberung durch turkmenische Nomaden und für die Staatsgründung durch die seldschukische Zweigdynastie von Konya gewonnen, der Grund für die Entstehung der heutigen Türkei gelegt. Im Westen befanden sich die Muslime zu dieser Zeit bereits in der Defensive: Die christlichen Könige der iberischen Halbinsel hatten ihre "Reconquista" begonnen und konnten 1085 in Toledo einziehen. Die andalusischen Fürsten mussten die Almoraviden zu Hilfe rufen. Dieser Bund westsaharischer Berber hatte mit der Eroberung des heutigen Marokko ein mächtiges Reich gegründet, das mächtig genug war, um die christlichen Eroberer noch einmal zurückzudrängen. Fast überall in der islamischen Welt war die Trennung von politischer und religiöser Autorität nun so weit fortgeschritten, dass die Machthaber sich zwar durch die Erwähnung im Freitagsgebet als "islamisch" legitimierten, ansonsten aber als rein "weltliche" Herrscher agierten. Sie waren moralisch verpflichtet, dem islamischen Religionsgesetz zur Anwendung zu verhelfen, hatten aber an der Fortentwicklung von Religion und Recht kaum noch Teil - es sei denn, durch die Förderung bestimmter Gruppen von Gelehrten.

Jüdische und christliche Beamte in Ägypten (10.-11. Jahrhundert)
"Es heißt, er (der Fatimidenkalif al-'Aziz) habe 'Isa ibn Nasturus zu seinem Sekretär ernannt und habe einen Juden namens Menasseh als seinen Vertreter nach Syrien entsandt. Wegen dieser beiden fühlten sich die Christen und Juden stark und plagten die Muslime. Darauf taten sich die Bewohner von Fustat zusammen, verfassten eine Beschwerde und gaben sie einer Puppe in die Hand, die sie aus Pappe hergestellt hatten. Ihr Text lautete folgendermaßen: 'Bei Gott, der die Juden durch Menasseh und die Christen durch 'Isa ibn Nasturus erhöhte und die Muslime durch dich erniedrigte, wirst du das Unrecht gegen mich wieder gut machen?' Sie stellten diese Puppe mit der Notiz in der Hand al-'Aziz in den Weg. Als er sie erblickte, befahl er sie aufzunehmen, und als er die Botschaft las und die Puppe sah, verstand er, was gemeint war. Daraufhin ließ er sie beide festnehmen und nahm dem 'Isa 300 000 Dinar und auch dem Juden viel Geld ab."
Ibn al-Athir, Kamil IX, 116, Übers. B. Lewis/H. Fähndrich
(Zit. nach: Der Islam von den Anfängen bis zur Eroberung von Konstantinopel, Zürich/München: Artemis, 1981, Bd. 2, S. 282).

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Im Innern der islamischen Reiche sahen sich die Nichtmuslime unterschiedlich starkem Druck ausgesetzt. Diskriminierende Vorschriften schrieben Eigenheiten der Kleidung vor und beschränkten den Bau oder die Instandsetzung von Kirchen. Gewaltsame Ausschreitungen, in denen die religiösen Minderheiten Opfer aufgestachelter Volkswut wurden, kamen aber selten vor und wurden von den Regierenden nicht ermutigt. Nach den zu Lebzeiten des Propheten Muhammad etablierten Regeln genossen sie den Status der "Dhimmis" (Schutzbefohlenen), die durch Zahlung der Dschisya (Kopfsteuer) die islamische Obrigkeit anerkannten und die vor Repressalien zu schützen waren -gemäß dem Koranvers "kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und dem Jüngsten Tag glauben (…), bis sie kleinlaut die Dschisya entrichten!". Insgesamt konnten Christen und Juden, Zoroastrier im Iran, Hindus und Buddhisten in Südasien ihre Religion ungehindert ausüben und ihre internen (auch juristischen) Angelegenheiten weitgehend autonom regeln. Die Konversion zum Islam setzte sich je nach den politischen Umständen langsam fort: War die ägyptische Finanzbehörde im 12. Jahrhundert noch fast gänzlich mit koptischen Christen besetzt, so gewannen in den folgenden Jahrhunderten die Muslime die Oberhand. Dies war möglich geworden, weil durch die Einführung einer neuen Art von Lehrinstituten (Madrasen), wie sie seit dem 11. Jahrhundert überall in der islamischen Welt enstanden waren, Muslime mit einer Ausbildung zur Verfügung standen, die für Verwaltungszwecke dienlich sein konnte. Die Beförderung von Muslimen auf die höheren Posten tat ein Übriges, um die Konversion attraktiv erscheinen zu lassen. Andererseits erschwerte der enge soziale Zusammenhalt der Gemeinden das Ausscheren durch den Religionswechsel. Nicht zuletzt besetzten Christen und Juden häufig berufliche und wirtschaftliche Nischen, die beispielsweise im Fernhandel durchaus privilegiert waren. An den Errungenschaften der geistigen und materiellen Kultur der islamischen Welt hatten die religiösen Minderheiten jedenfalls in vollem Umfang Teil.

Erste islamische Münzprägung
(90er Jahre des 7. Jahrhunderts)
"Papyrus wurde nach Byzanz normalerweise aus Ägypten geliefert, und die Araber bekamen dafür von den Byzantinern Dinare. Abdalmalik ibn Marwan war es, der die Schrift auf dem Kopf der Papyrusrollen abänderte, nämlich in: "Sprich: Er ist Gott, ein Einziger", und andere Nennungen Gottes. Darauf schrieb ihm der König der Byzantiner: "Ihr habt auf den Papyri eine Beschriftung eingeführt, die uns mißfällt. Wenn ihr das bleiben lasst, (so ist es gut); wenn nicht, so werdet ihr auf den Dinaren eine Erwähnung eures Propheten bekommen, die ihr verabscheuen werdet!"
Diese Drohung des byzantinischen Kaisers, die im islamischen Reich umlaufenden Münzen für einen Propagandafeldzug zu nutzen, soll für den Kalifen Abdalmalik der Anlass gewesen sein, gegen Ende des 7. Jahrhunderts eine eigene islamische Münzprägung einzuführen. So schildert es jedenfalls der arabische Geschichtsschreiber al-Baladhuri eineinhalb Jahrhunderte später. Ob sich der Briefwechsel wirklich so abgespielt hat, wissen wir nicht - die Schilderung der Münzprägung und des Gebrauchs religiös-politischer Devisen entsprechen aber durchaus den Tatsachen und verraten einiges über den Charakter des damals noch jungen islamisch-arabischen Reiches und über sein Verhältnis zum oströmischen Nachbarn.

Auch sprachlich wurde in den muslimisch eroberten Gebieten keine völlige Einheit hergestellt. Der Koran und die Reformen Abdalmaliks wirkten in der Verbreitung des Arabischen zusammen; doch im Alltagsgebrauch hielten sich die Lokal- und Regionalsprachen hartnäckig. In Nordafrika existierten noch im 10. Jahrhundert Reste einer Lateinisch sprechenden Bevölkerung. Erst die Einwanderung der Hilal-Beduinen setzte hier eine weitgehende sprachliche Arabisierung in Gang. Im Iran erlebte das Persische ab dem 10. Jahrhundert eine Renaissance, die gleich zu ihrem Beginn mit Firdausis "Shahname" (Königsbuch) von einer dichterischen Meisterleistung bezeichnet wird. Das Arabische wurde seitdem im östlichen Teil der islamischen Welt nur im religiösen und wissenschaftlichen Bereich gebraucht.

Wie weit sich die kulturelle Identität der islamischen Welt im Verlauf von sechs Jahrhunderten gefestigt hatte, zeigte sich paradoxerweise in der der tiefsten politischen Erniedrigung: Die mongolische Eroberungswelle brach 1218-1260 über den östlichen Teil der islamischen Welt herein und fegte die bestehenden Dynastien bis zur Levanteküste hinweg. Es dauerte nur wenige Jahrzehnte, bis sich die mongolischen Il-Khane, die nun Iran beherrschten, als Förderer persisch-islamischer Kultur zeigten und selbst zur Religion der Unterworfenen bekehrten. Die islamische Kultur hatte sich in einem Moment militärischer Schwäche stark genug gezeigt, die neuen Eroberer zu assimilieren.

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