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Forschungsgegenstand
Unser heutiges Bild von der mittelalterlichen Geschichte der islamischen Welt von Spanien bis nach Indien und an die Grenzen Chinas basiert auf der Überlieferung aus Chroniken. Sie sind geschichtliche Sekundärquellen, nämlich Literatur. Ihr Quellenwert schwankt zwischen der neutralen Berichterstattung von Zeitzeugen einerseits und sagenhaften Erzählstoffen andererseits. Im Gegensatz zu Europa, wo unsere Kenntnis weitaus stärker auf Primärquellen wie Urkunden und anderem Archivmaterial beruht, sind im Orient die Archivbestände aus der Zeit vor 1500 nur spärlich und sporadisch erhalten. Dagegen kommt - wiederum anders als für die mittelalterliche christliche Welt - den islamischen Münzen ein hoher Quellenwert auch außerhalb der Geldgeschichte zu. Durch ihre religiös bedingte Bildlosigkeit zeigen islamische Münzen umfangreiche Aufschriften, darunter regelmäßig die Angabe des Entstehungsortes und des in Worten ausgeschriebenen Prägejahres. Zu den wichtigsten Herrschaftsrechten muslimischer Fürsten zählte die Nennung des eigenen Namens, welche aber auch die Namensnennung aller übergeordneter Herrscher notwendig machte. Ein Emir hatte auf seinen Münzen also auch einen Sultan und noch über diesem einen Kalifen zu benennen. Wir kennen heute über tausend verschiedene Prägeorte an denen im Mittelalter islamische Münzen entstanden, die uns detailliert Auskunft über die Entwicklung der Herrschaftsverhältnisse vermitteln. Sie machen es möglich, die weniger sicheren, aber vielfältigeren Berichte der Chroniken in Bezug auf die Richtigkeit der Daten und Namen zu überprüfen.
Auch für die Geschichte des Geldes bilden die Münzen eine der wichtigsten Quellen. Wohl waren bargeldlose Zahlungsweisen in der islamischen Welt weit früher verbreitet als in Europa, so daß die Münzen nicht alles sagen. Doch bietet die genaue Datierung der islamischen Münze einen direkten Bezug zum Gang der Geldgeschichte, da der Numismatiker nicht erst nach mühevoller, und im Ergebnis dann doch oft noch unsicherer Forschung die historische Stellung der Münze in Zeit und Raum ermitteln muß.
Als Quelle werden Münzen aber erst dann zum Sprechen gebracht, wenn ausreichende Datenreihen vorliegen. Doch erst in den letzten Jahrzehnten war es möglich Sammlungen aufzubauen, die in ihrem größtenteils noch unveröffentlichten und zuvor unbekannten Material diese Bedingung erfüllen.
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