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Geschichtlicher Überblick

 

Das Studium orientalischer Sprachen und Kulturen blickt an der Eberhard Karls Universität Tübingen auf eine lange Tradition zurück: Es begann schon kurz nach Gründung der Universität 1477, den Traditionen anderer Universitäten entsprechend, als Hilfswissenschaft im Rahmen der Theologie: So gab es am schon 1521 eingerichteten Lehrstuhl für Hebräisch immer wieder Professoren, die über die arabische Sprache geforscht haben. Beispielhaft hierfür ist Wilhelm Schickard, der den Lehrstuhl von 1619 bis 1635 innehatte und sich auch arabistischen Studien widmete, so zum Beispiel in seiner Abhandlung "Deus orbus Saracenorum".

Mit Christian Friedrich Schnurrer, er wurde 1775 Ordinarius für morgenländische Sprachen, wurde auch im Tübingen der Aufklärungszeit eine von der Theologie getrennte Orientalistik gelehrt. Hervorzuheben ist seine "Bibliotheka arabica". Heinrich Ewald war von 1838 bis 1848 Professor in Tübingen und ein weiterer herausragender Vertreter seines Faches. Während seiner vorangehenden Professur in Göttingen, er war einer der "Göttinger Sieben", studierten unter anderen Theodor Nöldeke und Julius Wellhausen bei ihm.

Von 1872 bis 1889 war Albert Socin Inhaber des Lehrstuhles in Tübingen. Sein Interesse galt vor allem dem Neuaramäischen und den neuarabischen Dialekten (!), wofür er in den 1870er Jahren auch zwei Forschungsreisen in den Nahen Osten unternahm. Seine Grammatik für den Arabischunterricht bildete die Grundlage der noch heute verwendeten arabischen Grammatik von Carl Brockelmann.

Zwei weitere Lehrstuhlinhaber bedürfen einer besonderen Erwähnung: Enno Littmann hatte die Professur von 1921 bis 1951 inne. Aus der Fülle seiner Arbeiten, insbesondere über semitische Inschriften, die abessinischen Sprachen und die arabische und abessinische Volksliteratur, sollte hier seine Übersetzung von "Tausendundeine Nacht" hervorgehoben werden. Sein Nachfolger wurde Rudi Paret, der in der Koranforschung grundlegend arbeitete und dessen Koranübersetzung und Korankommentar ein unverzichtbares, international anerkanntes Hilfsmittel der Orientalistik geworden ist. In seiner Zeit wurde 1963 auch eine zweite Professur, für die Sprachen und Kulturen des christlichen Orients eingerichtet.

Paret folgte 1968 als Ordinarius Josef van Ess nach, dieser wurde 1999 nach über 30-jähriger Lehrtätigkeit emeritiert. Aus seiner Feder stammt u. a. das bahnbrechende Werk zur Ideengeschichte des frühen Islam "Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert Hidschra" in 6 (!) Bänden. Den Lehrstuhl hat nun seit dem Sommersemester 2000 Lutz Richter-Bernburg inne. 1970 wurde zusätzlich eine Professur für arabische Lexikographie, Poesie und die Geschichte der Naturwissenschaften in der islamischen Welt geschaffen. Ihr - mittlerweile pensionierter Inhaber - Manfred Ullmann erwarb internationale Anerkennung durch seine Arbeit am "Wörterbuch der klassischen arabischen Sprache". 1978 und 1980 folgten schließlich eine Professur für Irankunde (Heinz Gaube) und eine zweite Professur für Islamkunde (Heinz Halm). Sprachen und Kulturen des christlichen Orients lehrt seit 1980 Stephen Gerö. Der bedeutenden Tradition der Universität Tübingen wurde 1949 Rechnung getragen, als der Universitätsbibliothek das Sondersammelgebiet Semitistik und Islamkunde (Vorderer Orient) von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zugewiesen wurde. Neuerwerbungen im Auftrag der DFG werden jedoch seit 1998 von der UB in Halle vorgenommen.

 

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