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    Fachprofil

      Die Tübinger Religionswissenschaft (RW) beschäftigt sich von einem kulturwissenschaftlichen – und das heißt unter anderem: nicht-theologischen und kirchlich ungebundenen – Standpunkt aus mit dem, was in Europa seit der Frühen Neuzeit als Religion bezeichnet wird. Das Fach umfasst die Bereiche Systematische Religionswissenschaft, Europäische Religionsgeschichte und Wissenschaftsgeschichte. In Forschung und Lehre bestehen deshalb enge Verbindungen zur Geschichtswissenschaft und Philologie, zu verschiedenen regional- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern sowie zu einigen theologischen Disziplinen.

      Im Grundstudium des Magister-Studiengangs beschäftigen sich die Studierenden mit der Struktur der RW, ihrer Geschichte, ihren Methoden und ihren verschiedenen Teildisziplinen. Sie erhalten einen Überblick über die allgemeine Religionsgeschichte, einen Einblick in zentrale Probleme der religionswissenschaftlichen Begrifflichkeit, eine Einführung in die Benutzung der wichtigsten Hilfsmittel und – damit verbunden – Hinweise auf die Arbeitsweisen unmittelbar relevanter Nachbarfächer.

      Im Hauptstudium des Magister-Studiengangs beschäftigen sich die Studierenden verstärkt mit den drei Schwerpunktbereichen der Tübinger RW: den Religionen der Kelten und Germanen (von der Antike bis zum Mittelalter), den Religionen und Kulturen des Mittelmeerraums (von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart) sowie dem Religionsbegriff und der Geschichte der RW im 18./19. Jahrhundert (in ihrer Relevanz für die Gegenwart). Aus der Kombination dieser drei Schwerpunktbereiche resultieren eine ausgeprägte zeitliche, räumliche und sprachliche Diversifizierung, eine ausgewogene Mischung von Geschichte und Gegenwart und eine Verbindung theoretisch-systematischer Betrachtungsweisen mit dem Studium konkreter Fallbeispiele.

      Wie auch aus der Bezeichnung der Tübinger Professur „für allgemeine Religionswissenschaft und europäische Religionsgeschichte“ hervorgeht, liegt ein wesentlicher Akzent des Fachs – neben eher theoretischen und systematischen Aspekten – auf dem Studium der europäischen Religionsgeschichte. Hier beschäftigen sich Forschende, Lehrende und Lernende mit Fragen, die für unser Verständnis einer spezifisch europäischen Identität wie auch der Rolle von Religionen im gesamten eurasiatischen Raum von zentraler Bedeutung sind: Welche west-östlichen Kulturbeziehungen und Migrationen haben die kulturelle Eigenart Europas geprägt? Was sind die historischen Wurzeln spezifisch europäischer Denkmuster, die ihrerseits die Rezeption und Erforschung außereuropäischer Kulturen und Religionen beeinflusst haben? Wie erklären sich – mit Blick auf den gesamten eurasiatischen Raum – regionale und nationale Unterschiede in der Verflechtung von Religion, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, wie die unterschiedliche Wahrnehmung und Bewertung strukturell vergleichbarer Verhältnisse und Prozesse? Schließlich: Wie kann man eine über dreitausendjährige Erfahrung im Umgang mit Eigenem und Fremdem im Zeitalter der Globalisierung, aber auch der fortdauernden Konflikte fruchtbar machen?

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© Religionswissenschaft Tübingen: last edited: 05.2007