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Hörbuch des Monats
März 2010
Hermann
Hesse: Demian
Erwachsenwerden
ist nicht leichter geworden, seit Hermann Hesse diesen an Irrungen und
Sehnsüchten, an Verbohrtheit und Schwäche so reichen Lebensprozess in
seinem Demian beschrieb. Die Bilder und Symbolfiguren, die aus dem
Unbewußten steigen, gehen zwar mit der Zeit und sehen heute anders aus,
doch ihre Sprache ist so verständlich wie 1920, als der Roman erstmals
erschien. Er ist ein psychologischer, ja psychoanalytischer
Entwicklungsroman, in dem jede Figur, jede Handlung noch etwas anderes
bedeutet, aufgetragen auf nebligen Seelenschichten, die in Tag- und
Nachtträumen manchmal erschreckende Konturen gewinnen. Wenn man Emil
Sinclairs, der Hauptfigur, Geschichte heute liest, darf man nicht in den
Fehler verfallen, den Symbolen und Archtetypen allzu großes, gar
pathetisches oder dunkel-raunendes Gewicht zu verleihen, und Ulrich
Noethen erzählt sie denn auch ganz selbstverständlich, immer mit ein
wenig Erstaunen in der Stimme, als wundere er sich über die
Seltsamkeiten, die da aus jugendlicher Vergangenheit herübertönen. Diese
leichte Verfremdung tut der Geschichte gut, grundiert sie mit alltäglicher
Erfahrung. Wobei Noethen auch nicht in das andere Extrem allzu großer Nüchternheit
verfällt, die dem poetischen Erzählton des Romans nicht gerecht würde:
es ist eine Gratwanderung und er besteht sie glänzend: ein Buch, das bei
der stillen Lektüre leicht etwas verstaubt und überfrachtet mit Tiefsinn
anmuten mag, hat durch seine Stimme den Sprung in unsere Zeit geschafft.
Hermann Hesse: Demian. 5 CDs. Der Hörverlag 2008.
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Jurymitglieder:
Prof. Dr. Gert Ueding, Olaf Kramer,
Peter Weit und Boris Kositzke.
Webmaster:
Olaf
Kramer, Seminar für Allgemeine Rhetorik,
Universität Tübingen, Stand: 25.03.10
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