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REDE DES JAHRES 1999
Joschka
Fischer: Parteitagsrede vom 13. Mai
1999
Das
Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen hat die Rede des
Außenministers Joschka Fischer auf dem Parteitag der Grünen am 13. Mai
1999 zur Rede des Jahres gewählt.
In Zielsetzung,
Vollzug und Wirkung stellt diese Rede einen Musterfall demokratischer
Beredsamkeit dar. Der Redner fordert Gespräch, Diskussion, den freien
Streit der Meinungen ein, also die rhetorischen Grundlagen der Demokratie, und
praktiziert sie zugleich auf vorbildliche Weise selber.
Das
Thema der Rede ist die Beteiligung Deutschlands an den militärischen Einsätzen
der Nato in Jugoslawien, und sie behandelt dieses Thema auf der Basis einer
neuen europäischen Friedenspolitik, die den Grundsatz der Nichteinmischung in
die inneren Angelegenheiten eines Staates dann zur Disposition stellt, wenn
diese inneren Angelegenheiten Völkermord und Verbrechen gegen die
Menschlichkeit miteinschließen. Friedenspolitik wird damit zu einer
kämpferischen Politik gegen die Feinde und Verächter des Friedens. Widerstand
und Friede gehen eine Allianz ein, und der Redner erinnert daran, daß gerade
die Deutschen nicht tatenlos abseits stehen bleiben dürfen, wenn in ihrer
Nachbarschaft Völkermord, ethnische Säuberungen, Massaker und
Vergewaltigung zur alltäglichen Wirklichkeit geworden sind.
Die
frei gehaltene, in einer äußerst erregten Atmosphäre und unter persönlichem
Risiko vorgetragene Rede gibt jedoch an keiner Stelle der Verführung nach,
Diskussionsbereitschaft und rhetorische Vernunft gegen das Wort der Macht oder
den Zwang der internationalen Verpflichtung preiszugeben. Der Redner vertritt
seine Politik in Argumentation, emotionaler Beteiligung und persönlicher
Glaubwürdigkeit gleichermaßen überzeugend. Besonders eindringlich wirkt
dabei, wie er seinen eigenen Denkprozeß mit allen Zweifeln und inneren
Anfechtungen thematisiert, seine ganze Biographie in die Waagschale wirft und
sich durch keine Provokation aus dem dialogischen Konzept bringen läßt. Die
sprachliche Kraft des Redners läßt kaum einmal nach, und mit welcher
Sicherheit er die rhetorische Ausdrucksskala von drastischer Anschaulichkeit bis
hin zu bewegendem Pathos beherrscht, darin kommt ihm in unserem politischen
Leben zur Zeit niemand gleich.
Zukunftsweisend
bekräftigt Joschka Fischer am Ende des Jahrtausends die Grundüberzeugung der
klassischen Rhetorik von demokratischer Rede als der vermenschlichten Welt.
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Texte
der Rede
Jury: Prof.
Dr. Gert Ueding, Prof. Dr. Joachim Knape, Peter Weit, Boris Kositzke, Olaf
Kramer
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