Welche Bedeutung hatte Ihr Studium für Ihre Berufswahl?
Eigentlich wollte ich - wie so viele - etwas anderes werden. Hochschullehrer
für Literatur, Philosophie oder etwas Ähnliches hatte ich mir
nach dem Abitur vorgestellt. Sicherheitshalber sollte der Weg dahin über
das Lehramtsstudium führen. Beide Berufswege erschienen mir angesichts
der kaum kalkulierbaren Stellensituation dann aber zunehmend ungewiß.
So suchte ich noch vor dem Examen nach Alternativen im Umfeld meiner Studienfächer.
Von den ins Auge gefaßten Bereichen Presse (Journalismus), Öffentlichkeitsarbeit
und Buchhandel/Verlagswesen erwies sich der letztere als besonders geeignet,
die im Studium erworbenen Kenntnisse umzusetzen. Das zum Teil berufsbegleitende
Studium und die Promotion im Fach Allgemeine Rhetorik trugen - nicht zuletzt
wegen des Praxisbezugs - zur Erweiterung möglicher Berufsfelder bei.
Das Fach genießt bei "Praktikern" einen guten Ruf!"
Welchen Beitrag leistet das innerhalb des Rhetorikstudiums erworbene Wissen
zur Bewältigung Ihrer beruflichen Aufgaben?
Die im Rhetorikstudium erworbenen analytischen und praktischen Kenntnisse
kommen in meinem Berufsalltag in unterschiedlicher Weise zur Geltung: bei der Beurteilung und Redaktion von Manuskripten, bei der Formulierung von
Werbe- und Pressetexten, in der Öffentlichkeitsarbeit und bei Repräsentationsaufgaben,
in der täglichen Korrespondenz und nicht zuletzt bei Autorenbesprechungen
und der Führung und Motivation der Verlagsmitarbeiter/innen. All diese
Aufgaben erfordern einen sehr bewußten Umgang mit Sprache/Kommunikation,
der im Rhetorikstudium theoretisch wie praktisch eingeübt werden kann.
Praktika, Ferienjobs oder eine Tätigkeit als "Freier Mitarbeiter"
können Studierenden der Allgemeinen Rhetorik wichtige Orientierungshilfen
bei der Festlegung von Studienschwerpunkten und der späteren Berufswahl
bieten.
Welche Rolle spielten Nebentätigkeiten, Auslandssemester und Praktika
für Ihre berufliche Biographie?
Nach dem Staatsexamen in den Fächern Evangelische Theologie und Germanistik
hatte ich die Gelegenheit, zwei Verlagsvolontariate zu absolvieren. Dabei
konnte ich die Abläufe und verschiedenen Tätigkeitsfelder in
einem Buchverlag kennenlernen. Daß der Schwerpunkt der Volontariate
eher auf der technischen und buchhändlerischen Seite lag, stellte
sich im Laufe meiner beruflichen Laufbahn immer wieder als sehr hilfreiche
und für manche Aufgaben sogar unabdingbare Ergänzung meines geisteswissenschaftlichen
Studiums dar. Bedeutsam waren die ersten Berufserfahrungen für mich noch
in anderer Hinsicht: Der Einblick in zwei sehr unterschiedliche Buchverlage,
die jeweils einer langen Tradition verpflichtet sind, weckte mein Interesse
an der Verlags- und Buchhandelsgeschichte. Daraus entwickelte sich mein
späteres Dissertationsthema und ein Lehrauftrag für Buchhandelsgeschichte
am Seminar für Allgemeine Rhetorik.
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Berthold
Brohm, geboren am 21. Oktober 1959, ist Geschäftsführer des Calwer
Verlags, Stuttgart. Er studierte Evangelische Theologie,
Germanistik und Allgemeine Rhetorik. Brohm ist verheiratet und
hat drei Kinder.
Bevor
er die Geschäftsführung des Calwer Verlags übernahm, arbeitete Brohm beim
Max Niemeyer Verlag, Tübingen. Außerdem war er als Wissenschaftlicher Angestellter bei der Evangelischen Zentralstelle
für Weltanschauungsfragen (EZW), Stuttgart, und beim DFG-Projekt "Historisches Wörterbuch der Rhetorik" tätig.
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