Projekt Troia 
Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, 
Universität Tübingen, BRD
Department of Classics, University of Cincinnati, USA
Kontroverse um das spätbronzezeitliche Troia (Troia VI und VII)
Erklärung dreier Naturwissenschaftler
 (German text only)
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Impressum
 


Redaktionelle Bemerkung: Eine Erklärung dreier am Troia-Projekt beteiligter Naturwissenschaftler wurde am 8.August der Pressestelle der Universität zugeleitet und erschien auszugsweise auch im "Schwäbischen Tagblatt" vom 9.8.2001. Nachstehend der volle Text der Erklärung: 

   Erklärung zum gegenwärtigen Pressestreit um Troia.

   Die Unterzeichnenden wenden sich als in eigener Verantwortung am Troia-Projekt beteiligte Naturwissenschaftler mit dieser Erklärung an die Öffentlichkeit, um weiteren Schaden von allen Mitwirkenden und insbesondere von Manfred Korfmann als dem Leiter der Grabungen und Koordinator des Gesamtprojekts abzuwenden.

   Der derzeitige Streit um Troia ist durch in beleidigender Form vorgetragene Kritik an den Ergebnissen des Projekts entstanden, wie sie in der gegenwärtig in Braunschweig gezeigten Troia-Ausstellung präsentiert werden. Die Unterzeichnenden fühlen sich durch die gegen Manfred Korfmann gerichtete Diffamierung mit betroffen und bestehen auf einer förmlichen Entschuldigung durch den Verursacher, Herrn Prof. Dr. Frank Kolb. Selbstverständlich bleibt es Herrn Kolb unbenommen, anderer Meinung zu sein als die Ausgräber. Die Tatsache, daß die in der Troia-Ausstellung gezeigten Rekonstruktionen in Fachkreisen weithin als plausibel betrachtet werden, hätte ihn jedoch davon abhalten sollen, sie als "Fantasie-Gebilde" zu bezeichnen und noch
stärkere Töne nachzuschieben. Von den mißbilligenden Reaktionen auf seine Äußerungen versucht Herr Kolb derzeit durch die Aufforderung zu einer öffentlichen Schaudiskussion in Braunschweig und die angebliche
Weigerung Korfmanns abzulenken, sich dieser Diskussion zu stellen.

   Dieses Entlastungsmanöver ist durchsichtig und darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die im Raum stehenden Beleidigungen zurückgezogen werden müssen. Zudem sind die Befunde, auf die sich die von Kolb angegriffenen Rekonstruktionen stützen, in den jährlichen Grabungsberichten so weit publiziert, daß jeder Interessierte sich eine Meinung bilden kann. Neues kann eine Schaudiskussion zwischen Korfmann und Kolb dazu höchstens in Form unpublizierter Bilder von den neusten Ausgrabungen beitragen. Herr Kolb kann sich zudem sicher sein, daß eine vollständige Aufdeckung der spätbronzezeitlichen Unterstadt von Troia, die ein Leugnen ihrer Existenz unmöglich machen würde, mit sinnvollem Grabungsaufwand nicht möglich ist, so daß er zumindest formal nicht als Verlierer aus einer Schaudiskussion hervorgehen würde. Eine vollständige Freilegung der spätbronzezeitlichen Unterstadt würde die Abtragung und damit Zerstörung großer Teile der hellenistischen und römischen Stadt Ilion voraussetzen - ein barbarisches Unterfangen, das nicht durch den Wunsch gerechtfertigt werden könnte, in einem Gelehrtenstreit Recht zu behalten; zumal dann, wenn durch magnetometrische Untersuchungen und begrenzte Grabungen die großflächige Existenz dieser Unterstadt bereits ausreichend wahrscheinlich gemacht worden ist.

   Ein paar Zweifler kann die Archäologie als interdisziplinäre Wissenschaft gut verkraften. Sie benötigt sie sogar dringend, wenn verhindert werden soll, daß die Teildisziplinen ungenügend abgesicherte Einzelinterpretationen zu einem nicht kontrollierbaren Gesamtbild zusammenfügen. Beleidigungen sind allerdings ein ungeeignetes Mittel konstruktiven Zweifel zu ersetzen. Dieser setzt wissenschaftlichen Anstand voraus. Solange dieser Anstand nicht durch eine förmliche Entschuldigung wieder hergestellt ist, kann man sich eine sinnvolle Sachdiskussion nur schwerlich vorstellen.

Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Uerpmann
Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters
der Universität Tübingen,
Schloss Hohentübingen, Burgsteige 11, 72070 Tübingen

Prof. Dr. Günther Wagner
Forschungsstelle Archäometrie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
am Max-Planck-Institut für Kernphysik
Saupfercheckweg 1, 69117 Heidelberg

Prof. Dr. Ernst Pernicka
Lehrstuhl Archäometallurgie, TU Bergakademie
Gustav-Zeuner-Str. 5, 09596 Freiberg/Sachsen
 

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Tübingen editor: Hans G. Jansen (email: hans.jansen@uni-tuebingen.de)
Cincinnati editor: John Wallrodt (email: john.wallrodt@classics.uc.edu)

Date Last Modified:15/Aug/01
By: HGJ