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Troia
Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Universität Tübingen, BRD Department of Classics, University of Cincinnati, USA |
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Kontroverse
um das spätbronzezeitliche Troia (Troia VI und VII)
Leserbriefe an den "FOCUS" (German text only) |
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Vorbemerkung: Im Nachrichtenmagazin "FOCUS" Nr.33 v. 13.8.2001 erschien ein Interview mit dem Klassischen Archäologen Prof.D.Hertel. In ihm werden neben den auf diesen Interseiten schon ausführlich vorgestellten Vorwürfen der überzogenen Interpretation von Grösse und Bedeutung von Troia VI / VII auch die Zweifel an der Gleichsetzung des griechischen "Ilios/Troia" mit dem in hethitischen Archivurkunden belegten Vasallenstaat "Wilusa" noch einmal wiederholt. Zu dem zweiten Thema haben zwei am Troia-Projekt beteiligte Wissenschaftler, der Hethitologe Prof.F. Starke und der Altphilologe Prof.J. Latacz in Leserbriefen an den "FOCUS" Stellung genommen, die wir nachfolgend wiedergeben:. Zu "Irreführung der
Öffentlichkeit" von R.Thiede
Leserbrief F.Starke v.14.8.: Wer betreibt hier Irreführung der Öffentlichkeit ? Zu dem Interview des Klassischen Archäologen Dieter Hertel, das unter dem Titel "Irreführung der Öffentlichkeit" steht, möchte ich feststellen, daß ausgerechnet Herr Hertel sich nicht im geringsten scheut, Fakten gezielt zu verfälschen, um die Öffentlichkeit in der Frage der Gleichung Troia = Wilusa hinters Licht zu führen. Im Kapitel "Troia und die hethitischen Quellen" seines von FOCUS zum "Gegenentwurf zur Großausstellung Manfred Korfmanns" hochgestapelten Büchleins "Troia - Archäologie, Geschichte, Mythos, das hinreichend deutlich werden läßt, daß Herr Hertel weder von hethitischen Quellen noch von hethitischer Sprache einen Schimmer hat, ja nicht einmal weiß, daß die hethitische Keilschrift eine Silben-, keine Buchstabenschrift ist (S. 58, ein Blick in den Artikel "Keilschrift" des Neuen Pauly, Bd. 6, 1999, hatte hier leicht Klarheit bringen können !) unterstellt Herr Hertel "ein[em] Teil der Hethitologen, der Wilusa mit Filios/Troia identifizieren will" nichtsdestoweniger eine "wissenschaftlich zweifelhafte Vorgehensweise" (S. 56). Begründet wird dies ebenda vor allem mit der Erörterung einer vermeintlich vergewaltigten Textstelle des "Manabatarhunta-Briefes", wobei die Hertelsche Diktion beim Leser den Eindruck erweckt, daß hier aus eigener, intimer Textkenntnis heraus geurteilt wird. In Wirklichkeit schöpft hier Herr Hertel aus dem philologischen Kommentar des holländischen Hethitologen Philo Houwink ten Cate zum "Manabatarhunta-Brief" (Jaarbericht Ex Oriente Lux 29 1983-84. S. 42-43), wie mehrere, wörtlich daraus übernommene Sätze zu erkennen geben. Dieser Kommentar zeichnet sich gerade durch besonders umsichtiges Abwägen aller in Betracht zu ziehenden Interpretationsmöglichkeiten aus und berührt im Übrigen die Frage Wilusa = Troia überhaupt nicht, wird jedoch von Herrn Heiter in absichtlich sinnverkehrender Weise ausgeschlachtet. Während Herr Hertel z.B. den Eindruck erzeugt, daß ein Teil der Hethitologen keinerlei Skrupel habe, ein Verbum "zurückgehen" mit angreifen" wiederzugeben, um die Gleichung Wilusa = Troia herstellen zu können, zeigt der Blick in Houwink ten Cates Kommentar vielmehr, daß es sich um zwei verschiedene Verben handelt, die als Prädikat bzw. Infinitiv im selben Satz vorkommen. Bezeichnenderweise führt Herr Hertel die Bearbeitung des Manabatarhunta-Briefes" von Houwink ten Cate in der Bibliographie seines Büchleins nicht an, was um so mehr auffällt, als besagte Briefstelle in Hertels Hethitologenschelte eine zentrale Stellung einnimmt. Hier soll also offensichtlich dem Fachunkundigen, an den sich Hertels Büchlein primär wendet, jede Möglichkeit genommen werden, den wahren Sachverhalt In Erfahrung zu bringen. Dieses Verhalten kann man wohl nicht anders als bewußte und gezielte Täuschung der Öffentlichkeit bezeichnen. Zugleich weist es Herrn Hertel, den ein gewisser, derzeit In der Presse schaumschlagender Althistorikerkreis zu seinem archäologischen Troia-Experten erkoren hat, als unredlichen und unseriösen Wissenschaftler aus. Prof. Dr. Frank Starke
Leserbrief J. Latacz v.14.8.: IRREFÜHRUNG DER ÖFFENTLICHKEIT ? Dieter Hertel behauptet in Ihrem Interview u.a.: "Wer eine neue Hypothese aufstellt. wie es hier geschieht - die Theorie Wilusa = Ilios -, muß dafür Belege <her>beibringen, Und versuchen, Zunftkollegen zu überzeugen. Eine solche Anstrengung aber lassen die Korfmannianer bisher gründlich vermissen.'' Dazu ist erstens zu sagen, daß die Hypothese nicht "neu" ist, sondern bereits 1924 von dem damals führenden Indogermanisten Paul Kretschmer aufgestellt, 1952 vom Altmeister der Hethitologie O.R. Gurney und 1959 vom Prähistoriker J. Garstang gestützt und in der Folgezeit In der Hethitologie -u.a. 1977 von der Hethitologin S. Heinhold-Krahmer in ihrem Buch 'Arzawa" - umfassend diskutiert wurde. - Zweitens: 1996 wurde die bis dahin in der Tat noch "hypothetische" Gleichsetzung des hethitischen Wilusa mit dem griechischen (W)Ilios vom Tübinger Hethitologen Frank Starke definitiv bewiesen; seine ausführliche Beweisführung erschien ein Jahr später in den 'Studia Troica' 7, 1997, S. 447-487. Im gleichen Jahr gelangte der führende britische Hethitologe D. Hawkins aus anderem Material heraus zum gleichen Ergebnis; seine Beweisführung erschien in den 'Anatolian Studies" 48. 1998, S.1-31. Inzwischen haben sich eine Reihe von Sprachwissenschaftlern und Archäologen angeschlossen, u.a. auch der designierte 1. Direktor des deutschen Archäologischen Instituts Athen, W.-D, Niemeier (u.a. in 'Aegaeum' 19, 1999, S.141-135). Ich selbst habe die gesamte Problemgeschichte im Kapitel "Ilios ist Wilusa" meines Buches 'Troia und Homer' (1. Aufl. März 2001, 3, Aufl. Juli 2001) auf den Seiten 98-119 (mit den Belegen) ausführlich dargestellt und die zu erwartenden Gegenargumente bereits vorweggenommen. Eine Kurzfassung habe ich in der Zeitschrift DAMALS (4/2001, S. 20f ) vorgelegt, deren Schwerpunktthema 'Troia' vorn Münchner Althistoriker Christian Meier als Wissenschaftlichem Beirat im 'Editorial" verantwortet wurde. Vor diesem Hintergrund ist Hertels oben zitierte Aussage ("Eine solche Anstrengung aber lassen die Korfmannianer bisher gründlich vermissen") nicht nur ein Zeugnis mangelnder Kenntnis der Forschungsdebatte und des Forschungsstandes, sondern sie wäre - wenn man sich dem höchst bedauerlichen Vokabular der 'Anti-Korfmannianer" anschließen würde - ihrerseits eine 'Irreführung der Öffentlichkeit", Prof, Dr, Joachim Latacz
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Einleitungstext.
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| Tübingen
editor: Hans G. Jansen (email: hans.jansen@uni-tuebingen.de)
Cincinnati editor: John Wallrodt (email: john.wallrodt@classics.uc.edu) Date Last
Modified: 21/Aug/01
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