Projekt Troia
Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters
der  Universität Tübingen, BRD

Department of Classics, University of Cincinnati, USA

Kurzbericht über die Grabungskampagne 1999 
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Impressum
 
 

Die Kampagne 1999 in Troia, die 12. der neuen Grabungsserie, dauerte vom 7.Juni bis zum 27. August. Wie geplant ging die Zahl der Teilnehmer in diesem Jahr erstmals spürbar zurück, nur einmal wurden 60 Personen gezählt, zehn weniger als in früheren Jahren. Die wissenschaftliche Mitarbeiter kamen aus dreizehn Ländern. In den nächsten Jahren wird ihre Zahl und damit auch der Umfang der Arbeit in Troia weiter deutlich zurückgehen, um den geänderten Zielsetzungen (Endpublikation, Troia-Ausstellung, Einrichtung des geplanten neuen Museums und Gestaltung des historischen Nationalparks Troia ) Rechnung zu tragen. 
Es wurde in 10 Gebieten ausgegraben und in 5 Regionen restauriert, darunter zweien zur Erschließung für Besucher.

Zur besseren Orientierung können Sie die beigefügte Übersichten über die wichtigsten Bauphasen der Burgruine und über die Unterstadt heranziehen. Wenn Sie auf die Übersichten klicken, werden die Vollbilder in der angegebenen Grösse geladen.

Burgruine Troia.
Vollbild 600x510 Pixel (Jpeg 70 KB)
Unterstadt Troia (Ausschnitt) Vollbild 574x510 Pixel (Jpeg 80 KB)
Bronzezeit. Schwerpunkte:

Troia I-III. (ca. 2600 - 2300 v.u.Z.)

In den Quadraten FG6 wurde die 1997 begonnene Grabung an einer bisher unberührten Fläche fortgesetzt, die ungestörte Schichten von Troia VI bis zu Troia II enthält. Das 1998 teilweise freigelegte Megaron der Phase III wurde mit Vorraum vollständig erschlossen.


Widderkopf aus dem Fundinventar des Megarons
(Dia Troia 40848)

Dabei wurde geklärt, dass das dicht benachbarte Tor FO (Troia II) älter ist. Der jüngste von drei weiträumigen Brandhorizonten innerhalb von Troia I-III konnte durch diese Befunde chronologisch neu eingeordnet werden; ein jeder geht einher mit den verschiedenen "Schatzfunden". Im Norden des Megarons wurden noch zwei weitere Megara entdeckt, die belegen, dass sich in der Spätphase der Maritimen Troia-Kultur das Zentrum der Besiedlung verlagert hat. Weitere Untersuchungen erfolgten in den Quadraten B4 u. B5, wo die Verhältnisse in der Umgebung der Toranlagen FH und FL der Klärung bedurften.
 
 

Troia VI-VII (ca. 1700 - 1150 v.u.Z.)

Untersuchungen in der Unterstadt erfolgten u.a. in drei Gebieten:
1.Im Wohngebiet unmittelbar westlich der Burg (Quadrate x7, y8 und z5). Suchschnitte auf die in x7 vermutete Troia VI-Unterstadtmauer ergaben, dass die gesamte Hangregion beim Bau einer Temenosmauer für das Troia VIII - Heiligtum abgetragen wurde, sodass hier keine Troia VI - Befunde zu erwarten sind. Wohl aber finden sich unmittelbar hinter der Temenosmauer ungestörte Troia V Schichten, die im Jahr 2000 untersucht werden müssen, da uns aus dieser Periode noch entscheidende Befunde und Materialien fehlen - man denke etwa an die Frage, wann genau in Troia zum ersten Mal das Pferd vorkommt. In y8 und z5 ergaben sich gute Ansätze für die Klärung der Frage nach der Hauptzufahrt zur TroiaVI -Burganlage. Dieser Frage werden wir in der nächsten Kampagne nachgehen.

2.Die Untersuchung der schon in den vergangenen Jahren in KL16/17 stückweise freigelegten und in den Fels eingetieften "Negativ"architektur als Gründung eines Holzbollwerks wurde zum Abschluss gebracht - die in den Fels eingetiefte Spur des Holzbollwerks der Maritimen Troia-Kultur liegt nun auf einer Länge von 40m frei. Nach dem Abräumen des Bollwerks wurden in diesem Bereich, beginnend mit Troia VI-Früh, Siedlungsstrukturen mit Holzhäusern errichtet. In diesen Troia VI-Schichten wurde noch einmal sehr interessantes Fundmaterial geborgen.

3.Quellhöhle (Quadrate u15, tu14). Die Quellhöhle ist nun weitgehend ausgegraben, ohne dass sich hier oder im Vorfeld der Höhle prähistorische Reste aufspüren liessen. Bei der fortwährenden Benutzung dieser Quelle mit strömendem Wasser, wurden diese mit ziemlicher Sicherheit fortgespült. Wohl aber liess sich ein Datierungsansatz über die Analyse der Sinterschichten in der Höhle durch die Forschungsstelle Radiometrie in Heidelberg gewinnen. Diese Analyse besagt eine erste Sinterbildung in der ersten Hälfte des 3.Jahrtausends v.u.Z. Die Sinterbildung verlief kontinuierlich und hörte gemäss dieser Untersuchung in römischer Zeit auf. Von der häufigen Verwendung der Quelle zeugen die zahlreichen Beckenreste aus hellenistischer und römischer Zeit. Vier in diesem Jahr freigelegte "Wasch-Mulden" lassen eventuell eine Assoziation mit der homerischen Beschreibung der Topografie zu.


Einer der Seitenarme der Quellhöhle nach Freilegung
(Dia Troia 39014)
Münzfund vor der Quellhöhle: Hektor schleudert die Brandfackel in das achäische Schiffslager (ca.180 u.Z.) (Kleinfund t/u14.0097)
Nachbronzezeit:

Troia VIII, IX und X..
Die eigentlichen Ausgrabungen der Post-Bronzezeitgruppe waren 1998 zum Abschluß gebracht worden. Die Auswertungsarbeiten werden sich aber noch einige Jahre bis zur Endpublikation fortsetzen .Im Nachgang wurden 1999 nur noch zwei kleinere Untersuchungen durchgeführt: Zum einen eine Sondage in der Gründung des Bouleuterions zur Klärung der Datierung, zum anderen eine sorgfältige Reinigung und Dokumentation des Badgebäudes im Südwesten der Agora. Dieses bereits von Blegen freigelegte Gebäude ist bisher nicht wissenschaftlich ausgewertet worden. Im Osten des Gebäudes wurden Fundamentierungen, Marmorblöcke und Wasserrohre freigelegt, die auf die Existenz eines Nymphäums hinweisen. Das Gebäude ist in das zweite Jahrhundert u.Z. zu datieren.

Ein größeres Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Museum Canakkale außerhalb Troias am Tumulus Besik-Sivritepe zum Abschluss gebracht, der in der Antike als Grab des Achill galt und wo in den letzten Jahren intensive Raubgrabungen den Denkmalbestand gefährdet haben. Der 1998 niedergebrachte Zentralschacht wurde dieses Jahr bis auf den Fels hinabgeführt. Es ergab sich kein Hinweis auf die Existenz einer Grabkammer. Die Arbeit erbrachte eine Bestätigung der bereits früher erschlossenen Schichtbauweise des Hügels, das Fundmaterial besteht aus den prähistorischen Scherben aus den eingebrachten Erdschichten der unmittelbaren Umgebung, sowie hellenistischen Scherben, die die Datierung des Tumulus als hellenistische Anlage des 3.Jhs v.u.Z.bestätigen. Damit existierte das Monument parallel zu dem nahen Achilleon und insbesondere war es Teil der Ausbaustrategie Ilions und der zugehörigen Landschaft. 

 

Tübingen editor: Hans G. Jansen (email: hans.jansen@uni-tuebingen.de)
Cincinnati editor: John Wallrodt (email: john.wallrodt@classics.uc.edu)

Date Last Modified:21/Jan/2000
By: HGJ