Projekt Troia 
Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters 
der Universität Tübingen, DEU

Department of Classics, University of Cincinnati, USA

Homer und Troia 
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GRATULATION:
Am 4. April 2009 vollendete der jahrzehntelange Freund Manfred Korfmanns und aktive Weggefährte des Troia-Projekts, Joachim Latacz, in Basel sein 75. Lebensjahr. Der emeritierte Ordinarius für Griechische Philologie an der Universität Basel, einer der herausragenden Homer-Experten im deutschen Sprachraum, hat sich vielfältig in Wort und Schrift um das Troia-Projekt verdient gemacht. Der interessierten Öffentlichkeit ist er durch zahlreiche Stellungnahmen im "Neuen Kampf um Troia", nicht zuletzt auch durch sein erfolgreiches Buch "Troia und Homer" bekannt geworden, das in vier Sprachen erschienen ist (eine Übersetzung ins Türkische ist für dieses Jahr angekündigt). 
Sein Lebens- und Alterswerk aber ist die Herausgabe des "Neuen Ameis-Hentze. Ein Gesamtkommentar zu Homers Ilias" (Basler Kommentar / BK, gemeinsam mit Prof. Dr. A. Bierl), eine wahrlich herkulische Aufgabe. Bisher sind vier Bände erschienen, weitere fünf sind für dieses Jahr vorgesehen.
Dem Jubilar entbieten die Mitarbeiter des Troia-Projekts in Dankbarkeit herzliche Wünsche für stabile Gesundheit und den Erhalt der unermüdlichen geistigen Schaffenskraft!

BEMERKUNGEN ZU ZWEI MEDIENWIRKSAMEN EREIGNISSEN DER JAHRE 2008 / 9 :

- HOMERAUSSTELLUNG:"HOMER - DER MYTHOS VON TROIA IN DICHTUNG UND KUNST"
Der von März bis August 2008 in Basel im Antikenmuseum / Museum Ludwig und anschließend von September 2008 bis Januar 2009 im Reiss-Engelhorn Museum in Mannheim gezeigten Ausstellung (konzipiert und wissenschaftlich betreut von Profs. Dr. J. Latacz, Dr. P. Blome u. Dr. A. Wieczorek) war mit insgesamt ca. 100 000 Besuchern ein beachtlicher Erfolg beschieden. 
Der ausführliche Begleitband zur Ausstellung kann Interessenten zur Nachbereitung sehr empfohlen werden. Er erschien unter dem gleichnamigen Titel: " HOMER – Der Mythos von Troia in Dichtung und Kunst" und wurde herausgegeben von J. Latacz, Th. Greub, P. Blome und A. Wieczorek.(Hirmer Verlag München, 2008. Umfang: 506 Seiten mit rund 406 Farb- und 101 Schwarzweißabbildungen, 10 Grafiken und 14 Karten; ISBN: 978-3-7774-3965-5). Infolge der starken Nachfrage ist der Band beim Verlag vergriffen, soll aber demnächst neu aufgelegt werden.



- LAG HOMERS TROIA IN KILIKIEN ?
Kurz vor Weihnachten 2007 erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein umfangreicher Artikel des Schriftstellers Raoul Schrott, der sich längere Zeit mit einer neuen Iliasübertragung als Auftragsarbeit des Rundfunks beschäftigt hat, mit der Überschrift "Homers Geheimnis ist gelüftet" (F.A.Z. 22.12.2007, Nr.298 /Seite Z1). Er behauptet, einen "kumulativen Evidenz"-Beweis dafür vorlegen zu können, dass Homer nicht in Ionien gelebt habe, sondern die Ilias als Schreiber in assyrischen Diensten in Kilikien (Südosttürkei) aufgeschrieben habe. Der Text projiziere alte Mythen aus dem Vorderen Orient bis hin zum Gilgamesch Epos und dem Alten Testament in den alten Troia-Stoff hinein. Schließlich sei der Ort des Geschehens der Ilias nicht im westlichen Kleinasien, sondern im Umfeld des heutigen Karatepe in Kilikien zu finden.

Wie zu erwarten, löste der Artikel lebhafte Reaktionen in den Medien aus. In der FAZ selbst erschien am 3.1.08 eine Stellungnahme von Althistoriker-Seite (Barbara Patzek) mit dem Titel "Schrotts Homer - ein kühner historischer Roman?"  Eine erste  Entgegnung des Gräzisten und Homer-Spezialisten Joachim Latacz unter der Überschrift "Poeten wissen, was man mit dem Material alles anstellen kann" erschien in der Süddeutschen Zeitung v. 3.1.2008 (Dieses Link führt zur Online Ausgabe der SZ).

Das Erscheinen der Thesen von R.Schrott in Buchform (Raoul Schrott: Homers Heimat. Der Kampf um Troia und seine realen Hintergründe. München: Carl Hanser Verlag, 2008.) war Anlass, auch archäologisch von Seiten des Troia-Projekts Stellung zu nehmen: Peter Jablonka: "Homer ist, wenn man trotzdem lacht", in Heft 04/2008 der Zeitschrift "Literaturen". 

Im weiteren Verlauf des Jahres 2008 wurde die öffentliche Debatte vielschichtiger, nachdem auch die Ilias-Übertragung von R.Schrott nicht nur durch mehrfache Rundfunklesungen bekannter wurde, sondern ebenfalls als Buch erschien.(Homer, Ilias. Übertragen von Raoul Schrott. Kommentiert von Peter Mauritsch. München: Carl Hanser Verlag, 2008.) Fortan waren beide Bücher im Blickpunkt von Feulleton- und Podiumsdiskussionen mit Altphilologen, Althistorikern und - gelegentlich auch Archäologen.

Unter den vielfältigen kritischen Äußerungen, speziell zur Ilias-Übertragung, seien hier zwei auch online verfügbare Abhandlungen angeführt:
Edzard Visser, Philologie aktuell: Homer. Pegasus-Onlinezeitschrift VIII/2 (2008), 53-88. Der Artikel beschäftigt sich mit aktuellen philologischen Fragen zu Homer (moderne Übersetzungen und Kommentare). Auf den Seiten 65/66 und 80/83 werden dabei sowohl die Ilias-Übertragung von R. Schrott, als auch seine Thesen zu Homers Heimat kritisch abgehandelt.(Abrufbar unter: http://www.pegasus-onlinezeitschrift.de/2008_2/erga_2_2008_visser.html )

Im Bryn Mawr Classical Review (BMCR) erschien die Kurzfassung einer Rezension der beiden Homer-Bücher von R.Schrott von Paul Dräger (Trier) (unter: http://bmcr.brynmawr.edu/2009/2009-08-30.html ). Wegen der Platzbeschränkung im BMCR wurden wir gebeten, die Langfassung der Rezension auf unserer Homepage verfügbar zu machen. Sie ist abrufbar unter: http://www.uni-tuebingen.de/troia/deu/Rezension-Schrott-Homer.pdf (540 kB) 

Als Vorankündigung sei vermerkt, dass zur Zeit ein Fernseh-Beitrag des ZDF zum vorstehenden Thema in der Reihe "Terra X" in Vorbereitung ist (Arbeitstitel: "Das letzte Geheimnis Homers") Ausstrahlung voraussichtlich Ende 2009. 



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Tübingen editor: Hans G. Jansen (email: hans.jansen@uni-tuebingen.de ) Date Last Modified: 15/August/2009     by: HGJ