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Troia
Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Universität Tübingen, DEU Department of Classics, University of Cincinnati, USA |
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Kontroverse
um das spätbronzezeitliche Troia (Troia VI und VII)
Briefe an den Herausgeber von "THE TIMES" (Übersetzung) |
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Vorbemerkung: In "THE TIMES" v. 17.8.2001 erschien ein Artikel von R.Boyes: "Is this truly Homers Troy?" mit einer Darstellung der deutschen Troia-Kontroverse, auf die zwei renommierte englische Sprachwissenschaftler mit Leserbriefen reagierten. Mit Genehmigung der Autoren geben wir diese Briefe nachstehend wieder. Die englischen Originalbriefe sind auf der englischen Seite erreichbar, die deutsche Übersetzung besorgte der Seiteneditor : Letters to the Editor: Brief von Dr. Martin L.West, FBA. Dr.West ist Professor für griechische
und nahöstliche Dichtkunst an der Oxford University.
Akademischer Knatsch über das Troia-Projekt Sehr geehrter Herausgeber, Die akademische Welt ist keineswegs in schrecklicher Aufregung über den Zank zwischen deutschen Akademikern wie Roger Boyes (TIMES, 17.August) berichtet. Sie hat vielmehr Manfred Korfmanns Ausgrabungen in Troia über 12 Kampagnen aufmerksam verfolgt. Nach meiner Kenntnis hat Korfmann niemals extravagante Ansprüche über die Bedeutung seiner Befunde geltend gemacht. Er hat sich damit begnügt, die archäologischen Ergebnisse vorzustellen und die Schlussfolgerungen den Historikern und Philologen überlassen. Es ist monströs, ihn mit Erich von Däniken zu vergleichen, wie es von Professor Kolb berichtet wird, oder zu unterstellen er habe die akademischen Standards zugunsten von sensationellen Ergebnissen verbogen. Korfmann hat ein Gespür für Publicity, aber es ist Publicity für seine Ausgrabung, die er sucht, nicht für sich selbst. Hisarlik ist die bedeutendste prähistorische
Fundstelle in Nordwest-Anatolien, auch wenn es nicht vergleichbar ist mit
Ugarit oder Babylon. Ohne Zweifel ist es das Troia Homers zumindest in
dem Sinn, dass der Dichter der Ilias den Platz kannte und seine Topografie
in seine Erzählung einbaute.
Andererseits wissen wir, dass die epische Überlieferung zu einer deutlichen Verzerrung von Fakten neigt und daher weitgehend wertlos als historische Quelle ist. Deshalb müssen wir skeptisch bezüglich der Frage sein, wer genau Troia zerstört hat, unter welchen Umständen und aus welchem Grund. Die Frage danach, ob die Stadt gross genug war, um eine Bedrohung der Griechen zu sein und zehn Jahre Krieg und Belagerung zu rechtfertigen hiesse, das Problem falsch zu verstehen. Troia fiel wahrscheinlich unter dem Angriff einer viel kleineren Truppe und in viel kürzerer Zeit. Hochachtungsvoll M. L. WEST,
August 20.
Brief von Prof. J.D.Hawkins, FBA. Prof. Hawkins ist gegenwärtig der
führende englische Kenner der anatolischen Sprachen und hat neben
vielen anderen wichtigen neueren Übersetzungen von hethitischen und
luwischen Texten und Inschriften auch die Übersetzung des in Troia
gefundenen luwischen Bronzesiegels besorgt.
Sehr geehrter Herausgeber, Ich war beunruhigt nach der Lektüre Ihres Artikels Ist dies wirklich Homers Troia? von Roger Boyes (17.August 2001), in dem über Angriffe in der deutschen Presse auf den gegenwärtigen Ausgräber von Troia, Professor Manfred Korfmann berichtet wird. Der Artikel ist eine faire Zusammenfassung einer völlig unfairen Situation. Ich habe persönlich die Angriffe nicht gelesen, höre aber aus zuverlässiger Quelle, dass sie so masslos und verunglimpfend sind, wie aus Ihrem Bericht hervorgeht. Als Professor für anatolische Sprachen bin ich aus erster Hand mit den Ausgrabungen und mit Korfmanns Wiedergabe seiner Ergebnisse vertraut. Er ist ein erfahrener, sehr bekannter und höchst angesehener Archäologe, der seit mehr als zehn Jahren die Ausgrabungen leitet. Er hat mehrmals in England Vorträge gehalten, gewöhnlich vor der British Academy. Die Vorträge sind immer sehr anregend, aber Korfmann achtet dabei sehr darauf seine archäologischen Ergebnisse sorgfältig von seinen Interpretationen zu trennen. In der Tat gehört es zu den öffentlichen Verpflichtungen eines Archäologen, uns nicht nur zu berichten, welche Keramikscherben und Wandfragmente er gefunden hat, sondern auch, in welch grösseren Zusammenhang er sie einordnet. Ihr Korrespondent berichtet, dass ein althistorischer Kollege Korfmanns ihn mit dem Fantasten von Däniken verglichen hat. Wenn dies tatsächlich geäussert wurde, so ist das ein empörender Vorwurf gegen einen angesehenen Archäologen und kann in einer seriösen akademischen Kritik nicht akzeptiert werden. Leider ist es eine Tatsache, dass, abgesehen von einigen ehrenvollen Ausnahmen, klassische Altertumswissenschaftler die rasch anwachsenden Erkenntnisse nicht zur Kenntnis genommen haben, die gegenwärtig im Bereich der anatolischen Archäologie und der hethtischen Texte des 2.Jt. v. Chr. verfügbar werden, die einen wichtigen Hintergrund für die frühen Phasen der klassischen Zivilisation darstellen. Ein weiterer Kritiker Korfmanns aus dem Bereich der klsssischen Altertumdwissenschaft hat kürzlich ein Buch veröffentlicht, das in dieser Hinsicht besonders schwach ist und ein geringes Textverständnis und Wissensstand der jüngsten Entwicklungen aufweist. Faktum ist, dass im Kontext der Bronzezeit Anatoliens der Siedlungshügel von Hissarlik die typische Zitadelle eines grösseren Zentrums dieser Zeit ist, der völlig vergleichbar ist mit anderen Zentren von Bogazköy bis Karkemisch. Es ist eines der wichtigen Ergebnisse Korfmanns die gleichzeitige Existenz einer Untersiedlung nachgewiesen zu haben, wenn auch mit den Problemen von isolierten Sondagen durch die starke hellenistische und römische Überbauung. Diese Entdeckung war zu erwarten, aber dennoch ist die Verifizierung bedeutsam. Die Schlussfolgerung des ersten obenangeführten Kritikers, dass Troia am Rand der Zivilisation lag, verrät eine beklagenswerte hellenozentrische Ignoranz, die man von einem modernen Althistoriker nicht erwarten sollte. Hochachtungsvoll J.D. Hawkins
22.August 2001
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Einleitungstext.
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| Tübingen
editor: Hans G. Jansen (email: hans.jansen@uni-tuebingen.de)
Cincinnati editor: John Wallrodt (email: john.wallrodt@classics.uc.edu) Date Last
Modified: 27/Aug/01
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