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Inhalt:

 

1. Definition des Faches Islamkunde

1.1. Allgemein

Mit "Islamkunde" (auch "Islamwissenschaft") wird diejenige geisteswissenschaftliche Disziplin bezeichnet, die sich der Erforschung der islamischen Welt in ihren verschiedensten zivilisatorischen und kulturellen Aspekten widmet. Geographisch stehen dabei die arabischen Kernlande im Mittelpunkt, doch insgesamt behandelt das Fach einen Raum, der im Westen von Senegal, Marokko und dem arabischen Spanien des Mittelalters und im Osten von den muslimischen Gebieten Indiens und Indonesiens begrenzt ist und sich von Kazachstan im Norden bis an die ostafrikanische Küste Tanzanias im Süden erstreckt; zeitlich werden die Jahrhunderte vom Auftreten Mohammeds zu Beginn des siebten Jahrhunderts bis zur Gegenwart erfaßt; inhaltlich weist die Islamkunde schließlich ein breites Spektrum von Sachgebieten auf, die von Religion, Philosophie und Recht über Geschichte und Literatur bis hin zu Kunst, Musik und Geschichte der Naturwissenschaften reichen. Eine Differenzierung dieser Gebiete und eine Aufteilung in Einzeldisziplinen hat bis jetzt - abgesehen von der islamischen Kunstgeschichte (Berlin und Bamberg) - nicht stattgefunden.

Die islamkundliche Forschung arbeitet überwiegend nach historisch vergleichenden Methoden, die jedoch aufgrund der Vielzahl der einzelnen Sachgebiete im einzelnen sehr differenziert sind. So wie in der Lehre die Sprachausbildung, so nimmt in der Forschung die Materialerschließung einen besonders großen Raum ein.

Die Beschäftigung mit der islamischen Kultur, bereits im Mittelalter in Europa aus missionarischen Überlegungen einerseits und aus dem Interesse an dem durch die Araber übermittelten antiken Erbe in Philosophie und Naturwissenschaften andererseits gepflegt, entwickelte sich unter dem Einfluß von Aufklärung, Romantik und kritischem Historismus zu einer historischen Kulturwissenschaft, die im Verlaufe des 19. Jahrhunderts an den deutschen Universitäten unter dem Sammelbegriff "Orientalistik" institutionalisiert wurde. Die deutsche islamkundliche Forschung stand schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit an führender Stelle in Europa und hatte bedeutende Rückwirkungen auf das deutsche Geistesleben (Goethe, Rückert).

1.2. Sinn und Aufgaben der Islamkunde in der heutigen Gesellschaft

Die wachsende Bedeutung der Dritten Welt und besonders auch des islamischen Kulturkreises verleihen der Islamkunde einen neuen Stellenwert, dem in der Kulturpolitik der BRD im Gegensatz zu den anderen Industrienationen bisher allerdings nicht genügend Rechnung getragen wurde. Die notwendige Abkehr vom bisherigen eurozentrischen Denken stellt an die kulturwissenschaftlichen Disziplinen die Anforderung, Ursachen und historische Entwicklung der verschiedensten kulturellen Aspekte zu untersuchen, um in der modernen Gesellschaft zu einem objektiven Verständnis der außereuropäischen Kulturen beizutragen.

Die Friedens- und Konfliktforschung hat immer wieder auf die zwischen Rassen, Völkern und Religionen tiefverwurzelten Vorurteile als bedeutenden konfliktfördernden Faktor hingewiesen; um diese Vorurteile, die nicht zuletzt zwischen Europa und dem am nächsten liegenden außereuropäischen Kulturkreis, dem Vorderen Orient, bestehen, zu beseitigen, bedarf es einer Ausbreitung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit diesem Raum.

Indirekt durch die Forschung, direkt durch die Ausbildung von Studenten aus der islamischen Welt leistet die Islamkunde seit langem einen Beitrag zur Entwicklungshilfe, der sich in seinem Ergebnis zwar nicht in Zahlen ausdrücken läßt, dessen Bedeutung für das Ringen jener Länder um das Verständnis ihrer eigenen Kultur jedoch nicht zu unterschätzen ist. Die wachsende Zahl von Muslimen, die in Europa leben, stellt die Islamkunde zudem vor die Aufgabe, zum Verständnis von deren Lebensformen beizutragen.

Neben diesem Forschungs- und Lehrauftrag erwächst der Islamkunde in steigendem Maße eine volksbildnerische Verpflichtung, die von populärwissenschaftlichen Publikationen über den Sprachunterricht bis zur wissenschaftlichen Reiseleitung reicht.

1.3. Berufsbilder

Ein einheitliches Berufsbild des Islamkundlers existiert nicht. Die Berufswahl hängt sehr von der Spezialisierung des Einzelnen innerhalb der Islamkunde und seiner Fächerkombination ab sowie davon, ob Islamkunde als Haupt- oder Nebenfach studiert wurde. Bei dem geringen Personalbestand der einzelnen Institute sind die Möglichkeiten, nach Abschluß des Studiums die akademische Laufbahn zu ergreifen, sehr begrenzt.

Der Student sollte diese Sachlage bei der Wahl seiner Nebenfächer unbedingt berücksichtigen. Die wichtigsten Tätigkeitsgebiete für Islamkundler außerhalb der Universität sind folgende: Diplomatischer Dienst und Internationale Organisationen (empfohlene Nebenfächer: Recht, Volkswirtschaft), Presse und Verlagswesen (empfohlene Nebenfächer: Geschichte, Politikwissenschaft u.a.), Wirtschaft, vor allem Bankwesen (empfohlenes Nebenfach: Volks- oder Betriebswirtschaft als Regionalstudiengang, Betriebswirtschaft), Goethe-Institut (empfohlenes Nebenfach: Germanistik), Bibliothekswesen, Dokumentation.

In den angedeuteten Fächerkombinationen wird im Einzelfall zu entscheiden sein, ob Islamkunde zum Zweck der Spezialisierung nicht selbst lediglich als Nebenfach bzw. zweites Hauptfach studiert werden sollte. Als Nebenfach oder Ergänzungsstudium bietet sich Islamkunde außerdem den verwandten orientalistischen Fächern Semitistik, Sprachen und Kulturen des Christlichen Orients, Assyriologie und Ägyptologie, sowie den Disziplinen Romanistik, Geschichte, Philosophie, Völkerkunde, Vergleichende Literaturwissenschaft und Vergleichende Religionswissenschaft an, vor allem wenn die akademische Laufbahn angestrebt wird.

 

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2. Art der Fachvertretung in Tübingen

2.1. Organisatorische Gliederung

Das Studienfach Islamkunde bildet an der Universität Tübingen zusammen mit den Fächern Irankunde, Semitistik und Sprachen und Kulturen des Christlichen Orients die organisatorische Einheit des Orientalischen Seminars (Münzgasse 30), das der Fakultät für Kulturwissenschaften zugeordnet ist, in der sich auch die anderen mit den Kulturen der außereuropäischen Welt befaßten Disziplinen befinden.

2.2. Lehrkörper

In der Abteilung Islamkunde des Orientalischen Seminars sind gegenwärtig (2003) in Forschung und Lehre zwei Professoren, eine Privatdozentin, ein Assistent, zwei Lektoren und ein wissenschaftlicher Angestellter tätig. Hinzu kommt die Forschungsstelle für Islamische Numismatik (FINT) mit einer Kustos-Stelle und die Forschungsstelle für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte des östlichen Mittelmeerraumes (CEBHEM) mit einem weiteren wissenschaftlichen Angestellten.

2.3. Universitätsbibliothek Tübingen: Sondersammelgebiet Vorderer Orient

Besonders günstige Forschungsbedingungen ermöglicht in Tübingen die Tatsache, daß der Universitätsbibliothek Tübingen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bis 1998 der Vordere Orient als Sondersammelgebiet zugewiesen war.

 

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3. Gliederung und Beschreibung des Faches in Bezug auf den Studiengang

3.1. Sprachausbildung

3.1.1 Forschung und Lehre gehen in der Islamkunde weitgehend von schriftlichen Quellen aus, weshalb solide Sprachkenntnisse eine unerläßliche Voraussetzung für jede kompetente Beschäftigung mit dem islamischen Kulturkreis sind. Da jedoch den Studierenden zu Beginn ihres Studiums - im Gegensatz etwa zu Romanistik und Anglistik - in der Regel jegliches einschlägige sprachliche Rüstzeug fehlt, kommt der Sprachausbildung eine entscheidende Rolle zu. Da die meisten Literatursprachen der islamischen Welt nicht miteinander verwandt sind und das Erlernen der betreffenden Sprachen in relativ kurzer Zeit erfolgen muß, sollte bei den Studierenden eine überdurchschnittliche Sprachbegabung vorliegen. Gute Kenntnisse wenigstens zweier moderner europäischer Sprachen (außer Deutsch), in gewissen Fällen (z.B. bei Spezialisierung auf islamische Philosophie) auch des Griechischen und Lateinischen, sind Voraussetzung oder sollten ggf. während des Studiums zusätzlich erworben werden.

3.1.2. Die wichtigsten Literatursprachen der islamischen Welt mit der jeweiligen Sprachfamilie, der sie angehören, sind folgende: Arabisch (Semitisch), Türkisch (Altaisprachen), Persisch nebst Pashto, Baluchi, Urdu, Bengali (Indogermanisch), Indonesisch (Malaiisch-Polynesisch), Swahili (Bantu), Hausa (Tschado-Hamitisch). Aufgrund der Vielzahl der Sprachfamilien ist die Islamkunde zum näheren linguistischen Verständnis auf eine Reihe rein sprachwissenschaftlicher Disziplinen angewiesen, so vor allem auf die Semitistik, die Turkologie, die Iranistik und die Afrikanistik, wobei diese Gebiete in Tübingen jedoch nicht bzw. nicht mehr als eigene Fächer vertreten sind, weshalb die entsprechende Sprachausbildung für die türkischen und iranischen Sprachen innerhalb der Islamkunde und der Irankunde erfolgt. Da gegenwärtig die entsprechenden personellen Kapazitäten auf Seiten des Orientalischen Seminars fehlen, ist ein Studium der afrikanischen und malaiischen islamischen Sprachen in Tübingen im Moment nicht möglich. Die Sprachen des indischen Raumes (vor allem Urdu) werden dagegen zum Teil von der Indologie betreut.

3.1.3. Die sprachliche Breite des Faches macht für das Hauptfachstudium eine Beschränkung auf drei Sprachen notwendig; obligatorisch ist jedoch stets das Arabische, das für die islamische Welt etwa die gleiche Bedeutung wie das Lateinische für das Abendland hat, darüber hinaus jedoch auch noch heute eine der wichtigsten Sprachen der Welt überhaupt ist. Die Wahl der beiden zusätzlichen Sprachen sollte sich nach den jeweiligen Interessen und Nebenfächern der Studenten richten. Im allgemeinen wird man dabei auf eine regionale Geschlossenheit achten, weshalb sich vor allem drei Sprachkombinationen anbieten:

  • Vorderasien: Arabisch, Persisch, Türkisch
  • Mittelasien: Arabisch, Persisch, Türkisch und eine andere der oben genannten "islamischen" Sprachen des indischen bzw. indonesischen Raumes
  • Afrika: Arabisch, Swahili, Hausa

3.1.4. Für Islamkunde als Nebenfach ist das Erlernen einer der genannten Sprachen obligatorisch, doch ist - falls nicht Arabisch gewählt wird - der Nachweis von Grundkenntnissen im Arabischen erforderlich (Arabisch I u. II), da dieses nicht nur durch die Verwendung des arabischen Alphabets, sondern vor allem hinsichtlich des Wortschatzes die anderen "islamischen" Sprachen erheblich beeinflußt hat.

3.2 Sachausbildung

3.2.1. Von seiner räumlichen, zeitlichen und inhaltlichen Ausdehnung ist das gesamte Sachgebiet der Islamkunde so umfangreich, daß es in gleicher Intensität in allen seinen Teilen von einem Einzelnen nicht mehr erfaßt werden kann. Die Ausbildung kann daher immer nur exemplarisch verstanden werden. Sie erfolgt in erster Linie in Form von Seminaren und Kolloquien, in denen die Quellenanalyse im Zentrum steht. Von den Studierenden muß ein hohes Maß an selbständigem Arbeiten verlangt werden, wozu sie in den Übungen das methodische Rüstzeug erhalten. Eine besonders bedeutende Rolle spielt der enge Kontakt zwischen Lernenden und Lehrenden, der hier dank der relativ kleinen Studentenzahlen gegenwärtig noch möglich ist.

3.2.2. Die Islamkunde läßt sich in Forschung und Lehre grob in drei Hauptsachgebiete gliedern, über die jeder Hauptfachstudent sich mittels der angebotenen Lehrveranstaltungen und seiner Lektüre einen fundierten Überblick verschaffen muß. Im Verlaufe des Hauptstudiums ist darüber hinaus eine eingehendere Beschäftigung mit einem der Hauptsachgebiete erforderlich. Im Nebenfach müssen sich die Studierenden zumindest mit einem der Hauptsachgebiete befaßt haben.

1.) Hauptsachgebiet: Religion - Philosophie - Recht.

Diese drei Gebiete sind im islamischen Kulturkreis von jeher eng miteinander verflochten, und ohne die Kenntnis zumindest ihrer Grundelemente bleiben viele Entwicklungen auch in den modernen islamischen Staaten und Gesellschaften unverständlich. Im Bereich der Religion bilden Koran, Koranexegese, Tradition (hadit), Theologie, Mystik und Sektenkunde traditionellerweise die Schwerpunkte, während man in der Philosophie besonderen Wert auf die Überlieferung und Transformation antiken Gedankengutes legt und das islamische Recht vor allem in seiner soziologischen Relevanz behandelt.

2.) Hauptsachgebiet: Geschichte

Geschichte ist hier im weitesten Sinne zu verstehen und schließt die modernen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen ebenso wie die Landeskunde ein. Wird Geschichte als Spezialgebiet gewählt, so ist aufgrund des zeitlichen und räumlichen Umfangs des Gebietes eine Schwerpunktbildung notwendig, die sich an den jeweiligen Sprachkenntnissen und Nebenfächern orientiert. Die wichtigsten geschichtlichen Perioden sind folgende:

  • Das arabische Reich 7. - 9. Jh. (Prophetengeschichte, Expansion bis Spanien und Indien, politische Einheit, Arabisierung der eroberten Gebiete)
  • Die islamischen Länder 9. - 15./16. Jh. (politische Auflösung, Mamlukendynastien, kulturelle Blüte)
  • Das Osmanische Reich 15./16. - 19. Jh. (das islamische Gebiet mit Ausnahme Marokkos, Persiens und Indiens unter türkischer Herrschaft; die Türken auf dem Balkan; Ausbreitung des Islam nach Indonesien, Ostafrika und in den Sudan)
  • Kolonialzeit und politische Unabhängigkeit.

3.) Hauptsachgebiet: Literatur

Grundlage bilden die "klassische" arabische, die persische und die osmanisch-türkische Literatur. Aber auch die moderne literarische Produktion in allen islamischen Ländern ist inzwischen derart angewachsen, daß sie jeweils ein eigenes umfangreiches Arbeitsgebiet darstellt und von einem Einzelnen nicht mehr zu überschauen ist. Wird Literatur als Spezialgebiet gewählt, so ist deshalb eine Schwerpunktbildung notwendig, die sich einerseits nach der hauptsächlich betriebenen Sprache und andererseits nach den Literaturepochen richtet. An der Universität Tübingen liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der "klassischen" arabischen Literatur.

Nebensachgebiete:

In den Bereich der Islamkunde fallen neben den drei genannten Hauptsachgebieten eine gewisse Anzahl von Nebensachgebieten, die gegenwärtig für die Ausbildung nur sekundären Charakter haben: Numismatik, Archäologie (einschl. Epigraphik), Kunstgeschichte, Musik; Geschichte der Naturwissenschaften und der Medizin.

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4. Studienabschnitte, Arten der Lehrveranstaltungen, Prüfungsbedingungen

4.1. Studienabschnitte

Das Studium der Islamkunde ist aufgeteilt in Grundstudium (1.-4./5. Semester) und Hauptstudium (4./5. - 8./10. Semester).

Orientierungsprüfung: Nach dem 2. Semester ist in der ersten gewählten Sprache eine Orientierungsprüfung zu absolvieren. Am Ende des Grundstudiums steht die Zwischenprüfung, am Ende des Hauptstudiums die Magisterprüfung als berufsqualifizierender Studienabschluß (M.A.). Wird die Promotion zum Dr. phil. angestrebt, ist ein zusätzliches Aufbaustudium von durchschnittlich vier bis sechs Semestern erforderlich.

4.2. Arten der Lehrveranstaltungen

Folgende Arten von Lehrveranstaltungen sind für das Studienfach Islamkunde vorgesehen: Sprachübungen, Einführungsübungen in die Islamkunde, Lektüre- und Interpretationsübungen, Vorlesungen, Seminare.

4.3. Prüfungsbedingungen

Für das Studienfach Islamkunde gelten formalrechtlich die Bestimmungen der zur Zeit der Prüfung gültigen Prüfungsordnungen der Fakultät für Kulturwissenschaften. Die Magisterprüfung findet nach dem 8., spätestens nach dem 10. Semester statt. Die fachspezifischen inhaltlichen Prüfungsbedingungen sind in den folgenden Veranstaltungsplänen festgelegt.

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5. Veranstaltungsplan und Prüfungsanforderung für das Hauptfach

Der Studiengang Islamkunde ist konzipiert unter der Voraussetzung, daß er entweder von zwei Nebenfachstudiengängen oder einem zweiten Hauptfachstudiengang begleitet wird. Danach ist im folgenden die Mindest-Semesterwochenstunden (SWS)-Zahl auf etwa die Hälfte der gesamten Belastung des Studierenden festgelegt.

5.1. Grundstudium

(1.-4./5. Semester)

Während des Grundstudiums steht die Sprachausbildung im Vordergrund. Der Schwierigkeitsgrad der zu erlernenden Sprachen erlaubt es in der Regel nicht, daß gleichzeitig mit dem Erlernen aller drei Sprachen begonnen wird. Obligatorisch ist für das Grundstudium die Teilnahme an den entsprechenden Sprach- und Lektüreübungen während vier Semestern für die schwerpunktmäßig gewählte Sprache und während zwei Semestern für die zweite gewählte Sprache; eine dieser beiden Sprachen muß das Arabische sein. Es ist jedoch empfehlenswert, auch mit dem Erlernen der dritten Sprache bereits während des Grundstudiums zu beginnen. An den jeweiligen einführenden Sprachunterricht (1.-2. Semester) schließen sich sprachpraktische Übungen und Lektüreübungen an. In letzteren wird der Studierende über das rein Sprachliche hinaus bereits an die Textinterpretation und damit exemplarisch an Einzelprobleme aus zumindest einem der drei Hauptsachgebiete herangeführt. Die zu besuchenden Lehrveranstaltungen in Semesterwochenstunden (SWS) für ein 4-semestriges Grundstudium gliedern sich wie folgt:

SWS
Arabisch (I und II) 8
Lektüre-/Interpretationsübungen (Arabisch II und IV) 4
Begleitübungen 12
2. Sprache 8 (Persisch)
oder
4 (Türkisch)
Lektüre-/Interpretationsübungen 4 (Persisch)
oder
2 (Türkisch)
Einführung in die Islamkunde 2
Seminare (zu einem Hauptsachgebiet in Verbindung mit Arabisch
und/oder der 2. Sprache)
2

 

5.2. Hauptstudium (5./6. - 8./10. Semester)

Das Hauptstudium setzt den erfolgreichen Abschluß des Grundstudiums voraus (vgl. auch die Prüfungsbestimmungen). Während im Grundstudium der Sprachausbildung ein besonderes Gewicht zukommt, steht im Hauptstudium die Sachausbildung im Vordergrund, ohne daß jedoch auf eine weitere Vertiefung der Sprachkenntnisse verzichtet werden kann; wurde mit dem Erlernen der dritten Sprache nicht bereits im Grundstudium begonnen, so ist dies während des Hauptstudiums nachzuholen. Die Sachausbildung erfolgt in weiteren Interpretationsübungen am Beispiel exemplarisch ausgewählter Texte sowie in Seminaren, in deren Verlauf die Studierenden an selbständiges wissenschaftliches Arbeiten herangeführt werden. Die Übungen bzw. Seminare sind so zu wählen, daß jedes der drei Hauptsachgebiete zumindest einmal thematisch vertreten ist. Insgesamt müssen während des Hauptstudiums drei qualifizierte Referate erarbeitet werden, je eines aus jedem Hauptsachgebiet. Die Breite des Faches macht es erforderlich, daß eines der Hauptgebiete (oder ein großer Bereich daraus) als Spezialgebiet gewählt wird, mit dem sich der Studierende besonders intensiv befassen und aus dem heraus er seine Magisterarbeit erstellen soll.

Empfohlen wird für diesen Studienabschnitt ein längerer Studienaufenthalt im Orient.

SWS
Sprachpraktische Übungen in Arabisch und den beiden anderen Sprachen 5
Lektüre-/Interpretationsübungen (je nach Spezialisierung verteilt
auf die drei gewählten Sprachen und Hauptsachgebiete)
5
Seminare/Kolloquien (mindestens je ein Seminar zu jedem Hauptsachgebiet) 8

 

5.3. Aufbaustudium

Das Aufbaustudium schließt an das Hauptstudium an und wird mit der Promotion abgeschlossen. Das Aufbaustudium soll dem Islamkundler die Möglichkeit geben, anhand eines selbständigen Beitrags zur Forschung die für eine weitere wissenschaftliche Tätigkeit notwendige Qualifikation zu erwerben. Die hohen Anforderungen, die gegenwärtig an Dissertationen im Fach Islamkunde gestellt werden müssen, erlauben in der Regel einen Abschluß nicht unter drei Jahren. Der Doktorand soll in dieser Zeit neben der Abfassung der Dissertation die Kenntnisse in seinem Fach, insbesondere auf dem Spezialgebiet seiner Dissertation und dessen Umgebung vertiefen. In Forschungsseminaren berichtet er regelmäßig über den Fortgang seiner Arbeit.

5.4. Promotion

Die Promotion (Dr. phil.), welche das Aufbaustudium abschließt, wird durch die Promotionsordnung des Fachbereichs geregelt.


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6. Veranstaltungen und Prüfungsanforderungen für das Nebenfach

Wird Islamkunde als Nebenfach studiert, sollte sich der Studierende in der Regel auf jene Lehrveranstaltungen konzentrieren, die auch im Hinblick auf den angestrebten Beruf in einem sinnvollen Zusammenhang zu seinem Haupt- bzw. 2. Nebenfach stehen. Wie bereits ausgeführt, muß der Nebenfachstudent lediglich eine Sprache des islamischen Kulturraumes erlernen, doch muß er zumindest Grundkenntnisse des Arabischen (Arabisch I. u. II) erwerben (2 Semester), wenn er das Arabische nicht gewählt hat.

6.1. Grundstudium

Während des Grundstudiums soll sich der Nebenfachstudent auf das Erlernen der von ihm gewählten Sprache konzentrieren, daneben muß er sich jedoch anhand der Einführungsübung und der Vorlesungen einen Überblick über die wichtigsten historischen und religiösen Grundelemente der islamischen Welt veschaffen.

SWS
Gewählte Sprache: wie im Hauptfach: 8 (Persisch)
4 (Türkisch)
Einführung in die Islamkunde 2
Lektüre-/Interpretationsübungen (zu einem Hauptsachgebiet
in Verbindung mit der gewählten Sprache)
8 (Persisch)
2 (Türkisch)

6.2. Hauptstudium

Das Hauptstudium im Nebenfach dient einer weiteren Vertiefung der Sprachkenntnisse und des Grundwissens in den drei Hauptsachgebieten. Außerdem ist eine intensivere, über das Grundwissen hinausgehende Beschäftigung mit zumindest einem größeren abgeschlossenen Bereich aus einem der Hauptsachgebiete erforderlich (z.B. aus dem Hauptsachgebiet Religion: Mystik; aus dem Hauptsachgebiet Geschichte: Mamluken); aus diesem Bereich ist ein qualifiziertes Referat zu erarbeiten.

SWS
Lektüre-/Interpretationsübungen (gewählte Sprache) 4
Arabisch I u.II (falls Arabisch nicht die gewählte Sprache ist) 8
Seminare (in einem ist ein qualifziertes Referat zu erarbeiten) 4

 

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7. Personelle Abdeckung des Lehrplanes

Der vorliegende Lehrplan ist vom Lehrpersonal der Abteilung Islamkunde des Orientalischen Seminars abgedeckt, mit Ausnahme des Unterrichts der "islamischen" Sprachen des indischen und indonesischen Raumes, für den die Islamkunde auf die Zusammenarbeit mit dem Indologischen bzw.
Völkerkundlichen Seminar angewiesen ist.

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Copyright by Orientalisches Seminar Tübingen | Letzte Aktualisierung am: 11-Aug-2009
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