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| Studium | Studienplan | Islamkunde |
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Wichtig!
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Das Studienfach Islamkunde bildet an der Universität Tübingen zusammen mit den Fächern Irankunde, Semitistik und Sprachen und Kulturen des Christlichen Orients die organisatorische Einheit des Orientalischen Seminars (Münzgasse 30), das der Fakultät für Kulturwissenschaften zugeordnet ist, in der sich auch die anderen mit den Kulturen der außereuropäischen Welt befaßten Disziplinen befinden.
In der Abteilung Islamkunde des Orientalischen Seminars sind gegenwärtig (2003) in Forschung und Lehre zwei Professoren, eine Privatdozentin, ein Assistent, zwei Lektoren und ein wissenschaftlicher Angestellter tätig. Hinzu kommt die Forschungsstelle für Islamische Numismatik (FINT) mit einer Kustos-Stelle und die Forschungsstelle für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte des östlichen Mittelmeerraumes (CEBHEM) mit einem weiteren wissenschaftlichen Angestellten.
Besonders günstige Forschungsbedingungen ermöglicht
in Tübingen die Tatsache, daß der Universitätsbibliothek
Tübingen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bis 1998 der Vordere
Orient als Sondersammelgebiet zugewiesen war.
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3.1.1 Forschung und Lehre gehen in der Islamkunde weitgehend von schriftlichen Quellen aus, weshalb solide Sprachkenntnisse eine unerläßliche Voraussetzung für jede kompetente Beschäftigung mit dem islamischen Kulturkreis sind. Da jedoch den Studierenden zu Beginn ihres Studiums - im Gegensatz etwa zu Romanistik und Anglistik - in der Regel jegliches einschlägige sprachliche Rüstzeug fehlt, kommt der Sprachausbildung eine entscheidende Rolle zu. Da die meisten Literatursprachen der islamischen Welt nicht miteinander verwandt sind und das Erlernen der betreffenden Sprachen in relativ kurzer Zeit erfolgen muß, sollte bei den Studierenden eine überdurchschnittliche Sprachbegabung vorliegen. Gute Kenntnisse wenigstens zweier moderner europäischer Sprachen (außer Deutsch), in gewissen Fällen (z.B. bei Spezialisierung auf islamische Philosophie) auch des Griechischen und Lateinischen, sind Voraussetzung oder sollten ggf. während des Studiums zusätzlich erworben werden.
3.1.2. Die wichtigsten Literatursprachen der islamischen Welt mit der jeweiligen Sprachfamilie, der sie angehören, sind folgende: Arabisch (Semitisch), Türkisch (Altaisprachen), Persisch nebst Pashto, Baluchi, Urdu, Bengali (Indogermanisch), Indonesisch (Malaiisch-Polynesisch), Swahili (Bantu), Hausa (Tschado-Hamitisch). Aufgrund der Vielzahl der Sprachfamilien ist die Islamkunde zum näheren linguistischen Verständnis auf eine Reihe rein sprachwissenschaftlicher Disziplinen angewiesen, so vor allem auf die Semitistik, die Turkologie, die Iranistik und die Afrikanistik, wobei diese Gebiete in Tübingen jedoch nicht bzw. nicht mehr als eigene Fächer vertreten sind, weshalb die entsprechende Sprachausbildung für die türkischen und iranischen Sprachen innerhalb der Islamkunde und der Irankunde erfolgt. Da gegenwärtig die entsprechenden personellen Kapazitäten auf Seiten des Orientalischen Seminars fehlen, ist ein Studium der afrikanischen und malaiischen islamischen Sprachen in Tübingen im Moment nicht möglich. Die Sprachen des indischen Raumes (vor allem Urdu) werden dagegen zum Teil von der Indologie betreut.
3.1.3. Die sprachliche Breite des Faches macht für das Hauptfachstudium eine Beschränkung auf drei Sprachen notwendig; obligatorisch ist jedoch stets das Arabische, das für die islamische Welt etwa die gleiche Bedeutung wie das Lateinische für das Abendland hat, darüber hinaus jedoch auch noch heute eine der wichtigsten Sprachen der Welt überhaupt ist. Die Wahl der beiden zusätzlichen Sprachen sollte sich nach den jeweiligen Interessen und Nebenfächern der Studenten richten. Im allgemeinen wird man dabei auf eine regionale Geschlossenheit achten, weshalb sich vor allem drei Sprachkombinationen anbieten:
3.1.4. Für Islamkunde als Nebenfach ist das Erlernen einer der genannten Sprachen obligatorisch, doch ist - falls nicht Arabisch gewählt wird - der Nachweis von Grundkenntnissen im Arabischen erforderlich (Arabisch I u. II), da dieses nicht nur durch die Verwendung des arabischen Alphabets, sondern vor allem hinsichtlich des Wortschatzes die anderen "islamischen" Sprachen erheblich beeinflußt hat.
3.2.1. Von seiner räumlichen, zeitlichen und inhaltlichen Ausdehnung ist das gesamte Sachgebiet der Islamkunde so umfangreich, daß es in gleicher Intensität in allen seinen Teilen von einem Einzelnen nicht mehr erfaßt werden kann. Die Ausbildung kann daher immer nur exemplarisch verstanden werden. Sie erfolgt in erster Linie in Form von Seminaren und Kolloquien, in denen die Quellenanalyse im Zentrum steht. Von den Studierenden muß ein hohes Maß an selbständigem Arbeiten verlangt werden, wozu sie in den Übungen das methodische Rüstzeug erhalten. Eine besonders bedeutende Rolle spielt der enge Kontakt zwischen Lernenden und Lehrenden, der hier dank der relativ kleinen Studentenzahlen gegenwärtig noch möglich ist.
3.2.2. Die Islamkunde läßt sich in Forschung und Lehre grob in drei Hauptsachgebiete gliedern, über die jeder Hauptfachstudent sich mittels der angebotenen Lehrveranstaltungen und seiner Lektüre einen fundierten Überblick verschaffen muß. Im Verlaufe des Hauptstudiums ist darüber hinaus eine eingehendere Beschäftigung mit einem der Hauptsachgebiete erforderlich. Im Nebenfach müssen sich die Studierenden zumindest mit einem der Hauptsachgebiete befaßt haben.
1.) Hauptsachgebiet: Religion - Philosophie - Recht.
Diese drei Gebiete sind im islamischen Kulturkreis von jeher eng miteinander verflochten, und ohne die Kenntnis zumindest ihrer Grundelemente bleiben viele Entwicklungen auch in den modernen islamischen Staaten und Gesellschaften unverständlich. Im Bereich der Religion bilden Koran, Koranexegese, Tradition (hadit), Theologie, Mystik und Sektenkunde traditionellerweise die Schwerpunkte, während man in der Philosophie besonderen Wert auf die Überlieferung und Transformation antiken Gedankengutes legt und das islamische Recht vor allem in seiner soziologischen Relevanz behandelt.
2.) Hauptsachgebiet: Geschichte
Geschichte ist hier im weitesten Sinne zu verstehen und schließt die modernen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen ebenso wie die Landeskunde ein. Wird Geschichte als Spezialgebiet gewählt, so ist aufgrund des zeitlichen und räumlichen Umfangs des Gebietes eine Schwerpunktbildung notwendig, die sich an den jeweiligen Sprachkenntnissen und Nebenfächern orientiert. Die wichtigsten geschichtlichen Perioden sind folgende:
3.) Hauptsachgebiet: Literatur
Grundlage bilden die "klassische" arabische, die persische und die osmanisch-türkische Literatur. Aber auch die moderne literarische Produktion in allen islamischen Ländern ist inzwischen derart angewachsen, daß sie jeweils ein eigenes umfangreiches Arbeitsgebiet darstellt und von einem Einzelnen nicht mehr zu überschauen ist. Wird Literatur als Spezialgebiet gewählt, so ist deshalb eine Schwerpunktbildung notwendig, die sich einerseits nach der hauptsächlich betriebenen Sprache und andererseits nach den Literaturepochen richtet. An der Universität Tübingen liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der "klassischen" arabischen Literatur.
Nebensachgebiete:
In den Bereich der Islamkunde fallen neben den drei genannten Hauptsachgebieten
eine gewisse Anzahl von Nebensachgebieten, die gegenwärtig für
die Ausbildung nur sekundären Charakter haben: Numismatik, Archäologie
(einschl. Epigraphik), Kunstgeschichte, Musik; Geschichte der Naturwissenschaften
und der Medizin.
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Das Studium der Islamkunde ist aufgeteilt in Grundstudium (1.-4./5. Semester) und Hauptstudium (4./5. - 8./10. Semester).
Orientierungsprüfung: Nach dem 2. Semester ist in der ersten gewählten Sprache eine Orientierungsprüfung zu absolvieren. Am Ende des Grundstudiums steht die Zwischenprüfung, am Ende des Hauptstudiums die Magisterprüfung als berufsqualifizierender Studienabschluß (M.A.). Wird die Promotion zum Dr. phil. angestrebt, ist ein zusätzliches Aufbaustudium von durchschnittlich vier bis sechs Semestern erforderlich.
Folgende Arten von Lehrveranstaltungen sind für das Studienfach Islamkunde vorgesehen: Sprachübungen, Einführungsübungen in die Islamkunde, Lektüre- und Interpretationsübungen, Vorlesungen, Seminare.
Für das Studienfach Islamkunde gelten formalrechtlich die Bestimmungen der zur Zeit der Prüfung gültigen Prüfungsordnungen der Fakultät für Kulturwissenschaften. Die Magisterprüfung findet nach dem 8., spätestens nach dem 10. Semester statt. Die fachspezifischen inhaltlichen Prüfungsbedingungen sind in den folgenden Veranstaltungsplänen festgelegt.
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Der Studiengang Islamkunde ist konzipiert unter der Voraussetzung, daß er entweder von zwei Nebenfachstudiengängen oder einem zweiten Hauptfachstudiengang begleitet wird. Danach ist im folgenden die Mindest-Semesterwochenstunden (SWS)-Zahl auf etwa die Hälfte der gesamten Belastung des Studierenden festgelegt.
(1.-4./5. Semester)
Während des Grundstudiums steht die Sprachausbildung im Vordergrund. Der Schwierigkeitsgrad der zu erlernenden Sprachen erlaubt es in der Regel nicht, daß gleichzeitig mit dem Erlernen aller drei Sprachen begonnen wird. Obligatorisch ist für das Grundstudium die Teilnahme an den entsprechenden Sprach- und Lektüreübungen während vier Semestern für die schwerpunktmäßig gewählte Sprache und während zwei Semestern für die zweite gewählte Sprache; eine dieser beiden Sprachen muß das Arabische sein. Es ist jedoch empfehlenswert, auch mit dem Erlernen der dritten Sprache bereits während des Grundstudiums zu beginnen. An den jeweiligen einführenden Sprachunterricht (1.-2. Semester) schließen sich sprachpraktische Übungen und Lektüreübungen an. In letzteren wird der Studierende über das rein Sprachliche hinaus bereits an die Textinterpretation und damit exemplarisch an Einzelprobleme aus zumindest einem der drei Hauptsachgebiete herangeführt. Die zu besuchenden Lehrveranstaltungen in Semesterwochenstunden (SWS) für ein 4-semestriges Grundstudium gliedern sich wie folgt:
| SWS | |
|---|---|
| Arabisch (I und II) | 8 |
| Lektüre-/Interpretationsübungen (Arabisch II und IV) | 4 |
| Begleitübungen | 12 |
| 2. Sprache | 8 (Persisch) |
| oder 4 (Türkisch) |
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| Lektüre-/Interpretationsübungen | 4 (Persisch) |
| oder 2 (Türkisch) |
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| Einführung in die Islamkunde | 2 |
| Seminare (zu einem Hauptsachgebiet in Verbindung
mit Arabisch und/oder der 2. Sprache) |
2 |
Das Hauptstudium setzt den erfolgreichen Abschluß des Grundstudiums voraus (vgl. auch die Prüfungsbestimmungen). Während im Grundstudium der Sprachausbildung ein besonderes Gewicht zukommt, steht im Hauptstudium die Sachausbildung im Vordergrund, ohne daß jedoch auf eine weitere Vertiefung der Sprachkenntnisse verzichtet werden kann; wurde mit dem Erlernen der dritten Sprache nicht bereits im Grundstudium begonnen, so ist dies während des Hauptstudiums nachzuholen. Die Sachausbildung erfolgt in weiteren Interpretationsübungen am Beispiel exemplarisch ausgewählter Texte sowie in Seminaren, in deren Verlauf die Studierenden an selbständiges wissenschaftliches Arbeiten herangeführt werden. Die Übungen bzw. Seminare sind so zu wählen, daß jedes der drei Hauptsachgebiete zumindest einmal thematisch vertreten ist. Insgesamt müssen während des Hauptstudiums drei qualifizierte Referate erarbeitet werden, je eines aus jedem Hauptsachgebiet. Die Breite des Faches macht es erforderlich, daß eines der Hauptgebiete (oder ein großer Bereich daraus) als Spezialgebiet gewählt wird, mit dem sich der Studierende besonders intensiv befassen und aus dem heraus er seine Magisterarbeit erstellen soll.
Empfohlen wird für diesen Studienabschnitt ein längerer Studienaufenthalt im Orient.
| SWS | |
|---|---|
| Sprachpraktische Übungen in Arabisch und den beiden anderen Sprachen | 5 |
| Lektüre-/Interpretationsübungen (je nach Spezialisierung
verteilt auf die drei gewählten Sprachen und Hauptsachgebiete) |
5 |
| Seminare/Kolloquien (mindestens je ein Seminar zu jedem Hauptsachgebiet) | 8 |
Das Aufbaustudium schließt an das Hauptstudium an und wird mit der Promotion abgeschlossen. Das Aufbaustudium soll dem Islamkundler die Möglichkeit geben, anhand eines selbständigen Beitrags zur Forschung die für eine weitere wissenschaftliche Tätigkeit notwendige Qualifikation zu erwerben. Die hohen Anforderungen, die gegenwärtig an Dissertationen im Fach Islamkunde gestellt werden müssen, erlauben in der Regel einen Abschluß nicht unter drei Jahren. Der Doktorand soll in dieser Zeit neben der Abfassung der Dissertation die Kenntnisse in seinem Fach, insbesondere auf dem Spezialgebiet seiner Dissertation und dessen Umgebung vertiefen. In Forschungsseminaren berichtet er regelmäßig über den Fortgang seiner Arbeit.
Die Promotion (Dr. phil.), welche das Aufbaustudium abschließt, wird durch die Promotionsordnung des Fachbereichs geregelt.
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Wird Islamkunde als Nebenfach studiert, sollte sich der Studierende in der Regel auf jene Lehrveranstaltungen konzentrieren, die auch im Hinblick auf den angestrebten Beruf in einem sinnvollen Zusammenhang zu seinem Haupt- bzw. 2. Nebenfach stehen. Wie bereits ausgeführt, muß der Nebenfachstudent lediglich eine Sprache des islamischen Kulturraumes erlernen, doch muß er zumindest Grundkenntnisse des Arabischen (Arabisch I. u. II) erwerben (2 Semester), wenn er das Arabische nicht gewählt hat.
Während des Grundstudiums soll sich der Nebenfachstudent auf das
Erlernen der von ihm gewählten Sprache konzentrieren, daneben muß
er sich jedoch anhand der Einführungsübung und der Vorlesungen
einen Überblick über die wichtigsten historischen und religiösen
Grundelemente der islamischen Welt veschaffen.
| SWS | |
|---|---|
| Gewählte Sprache: wie im Hauptfach: | 8 (Persisch) |
| 4 (Türkisch) | |
| Einführung in die Islamkunde | 2 |
| Lektüre-/Interpretationsübungen (zu
einem Hauptsachgebiet in Verbindung mit der gewählten Sprache) |
8 (Persisch) |
| 2 (Türkisch) |
Das Hauptstudium im Nebenfach dient einer weiteren Vertiefung der Sprachkenntnisse und des Grundwissens in den drei Hauptsachgebieten. Außerdem ist eine intensivere, über das Grundwissen hinausgehende Beschäftigung mit zumindest einem größeren abgeschlossenen Bereich aus einem der Hauptsachgebiete erforderlich (z.B. aus dem Hauptsachgebiet Religion: Mystik; aus dem Hauptsachgebiet Geschichte: Mamluken); aus diesem Bereich ist ein qualifiziertes Referat zu erarbeiten.
| SWS | |
|---|---|
| Lektüre-/Interpretationsübungen (gewählte Sprache) | 4 |
| Arabisch I u.II (falls Arabisch nicht die gewählte Sprache ist) | 8 |
| Seminare (in einem ist ein qualifziertes Referat zu erarbeiten) | 4 |
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Der vorliegende Lehrplan ist vom Lehrpersonal der Abteilung Islamkunde
des Orientalischen Seminars abgedeckt, mit Ausnahme des Unterrichts
der
"islamischen" Sprachen des indischen und indonesischen Raumes,
für den die Islamkunde auf die Zusammenarbeit mit dem Indologischen
bzw.
Völkerkundlichen Seminar angewiesen ist.
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