Universität Tübingen
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Botanisches Institut
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Lehrstuhl Physiologische Ökologie der Pflanzen

Vortragsankündigung
 
Zeit und Ort: Dienstag, den 30. Mai 2000, 17:15 Uhr c. t.
Kleiner Hörsaal im Botanischen Institut (N11)
Referent: Prof. Dr. Ulrich Lüttge, Technische Universität Darmstadt
Thema: Photosynthese-Physiotypen unter gleichen Morphotypen, Species und bei Klonen von Clusia: Kann ökophysiologische Plastizität zur Entstehung von Diversität beitragen?
Die Dozenten des
Botanischen und Biologischen Institutes
 
 
Es wird die These formuliert, daß phänotypische ökophysiologische Plastizität die ökologische Amplitude erhöht. Sie kann dadurch die ökotypische Differenzierung erleichtern und die Radiation unterstützen. Nach Separation und Segregation kann Sippen- und Artendifferenzierung erfolgen, wozu die phänotypische Plastizität dann beigetragen hat, denn die Selektion greift am Phänotyp an. Dialektisch kann dem die Antithese gegenübergestellt werden, daß phänotypische, ökophysiologische Plastizität den Genotyp vor Selektion schützt, denn sie erlaubt den Erhalt der Genotypen in einer Population. Sie hindert Diversität.

Die Anzahl der Arten der Gattung Clusia wird auf ungefähr 150 geschätzt. Alle Arten gehören zum selben Morphotypus mit einfachen ledrigen Blättern. Die ökologische Amplitude der Gattung (Morphotypus), wie einzelner Arten in den Neotropen ist sehr groß. Es besteht eine stark ausgeprägte Flexibilität in der Expression verschiedener Photosynthesemodi innerhalb der Gattung (Morphotypus), einzelner Arten und aus einzelnen Individuen vegetativ erhaltener Klone mit C3-Photosynthese, Crassulaceen-Säurestoffwechsel (CAM), und rasch reversiblen C3-CAM-C3-Wechseln. Es ist kritisch, ob es in der Gattung wirklich obligate C3- oder CAM-Arten gibt. Auch starke C3-Photosynthetisierer haben wohl ein gewisses CAM-Potential. Durch die Phase IV des CAM haben alle CAM-Pflanzen ein C3-Potential. Starke C3-Photosynthetisierer, CAM-betreibende und C3-CAM-intermediäre Arten kommen in der Natur sympatrisch nebeneinander vor und zeigen dabei vergleichbare Aktivität bezüglich der Photosyntheseraten sowie der akuten und chronischen Photoinhibition. Es zeigt sich, daß das C3-CAM-C3-intermediäre Verhalten nicht so sehr eine Anpassung an örtlich gegebene Streßfaktoren ist, sondern vielmehr Flexibilität verleiht, die ein breiteres Besetzen von Nischen ermöglicht als bei starken (obligaten?) C3-Photosynthetisierern.

Aus These und Antithese läßt sich die Synthese bilden: Weil phänotypische Plastizität die genotypische Diversität innerhalb von Populationen schützt und damit hier Selektion hindert, fördert sie damit aber gleichzeitig die Radiation. Beides zusammen fördert die Sippendifferenzierung.



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Kritik und Anregungen an thomas.wallenda@altavista.net, letzte Änderung 21. Mai 2000